Chlorella: Was die grüne Mikroalge kann und wo Vorsicht nötig ist

Chlorella ist eine grüne Süßwasser-Mikroalge im Supplementkontext. Der Magazinartikel erklärt Arten, Formen, B12- und Jod-Abgrenzung, Studien zu Markern, Produktqualität, Kontaminanten, Allergie und das Warfarin/Vitamin-K-Signal ohne Heil-, Dosierungs- oder Kaufversprechen.

Chlorella ist eine einzellige grüne Mikroalge. Sie wird als Lebensmittelzutat und als Nahrungsergänzung verkauft, meist als Pulver, Tablette oder Pressling. Interessant ist sie wegen ihrer Biomasse: Sie kann viel Protein enthalten, dazu Pigmente, Mineralstoffe, Vitamin-K-nahe Sicherheitsfragen und je nach Produkt auch Vitamin-B12-Verbindungen.

Der wichtigste Punkt ist aber die Einordnung. Chlorella ist kein Vitamin und kein Mineralstoff mit deutschem Tagesbedarf. Studien zu Blutfetten, Leberwerten, B12-Markern oder Immunmarkern sind meist klein, kurz und oft auf besondere Gruppen begrenzt. Gleichzeitig zeigen Produktanalysen, dass Qualität, Herkunft, Rückstände und Kontaminanten bei Mikroalgen-Produkten ernst genommen werden müssen.

Auf einen Blick

  • Chlorella ist eine grüne Süßwasser-Mikroalge. Häufige Arten im Lebensmittelkontext sind Chlorella vulgaris, Chlorella pyrenoidosa und Chlorella sorokiniana.
  • Für Chlorella gibt es keinen DGE-Referenzwert und keinen echten "Bedarf" wie bei Eisen, Jod oder Vitamin B12.
  • Studien prüfen meist Marker: Blutfette, Blutdruck, Leberwerte, Glucosemarker, Speichel-IgA oder B12-Laborwerte. Daraus folgt keine Behandlungsaussage.
  • B12 in Chlorella ist ein spannendes, aber dünn belegtes Thema. Einzelne Produkte können echtes B12 enthalten; das beweist noch keine zuverlässige Versorgung.
  • Sicherheitsfragen sind praktisch wichtig: Jod-Abgrenzung zu Meeresalgen, Metalle, Arzneistoff-Rückstände, Allergie und ein Warfarin/Vitamin-K-Signal.

Was ist Chlorella?

Chlorella ist keine Pflanze im Alltagssinn, sondern eine Mikroalge. "Mikro" bedeutet: Die einzelne Zelle ist nur unter dem Mikroskop gut zu erkennen. Chlorella vulgaris wird in einem technischen Review als kugelige Süßwasserzelle mit etwa 2 bis 10 µm Durchmesser beschrieben.

Die Biomasse kann je nach Anbau und Verarbeitung sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein. Für reife Chlorella-vulgaris-Biomasse nennt Safi et al. 42 bis 58 % Protein bezogen auf die Trockenmasse. Der Lipidgehalt, also der Fettanteil, kann ebenfalls stark schwanken. Das ist wichtig, weil "Chlorella" auf einem Etikett nicht automatisch bedeutet, dass alle Produkte gleich zusammengesetzt sind.

In Europa werden mehrere Chlorella-Arten im Lebensmittel- und Supplementkontext geführt. Der Status als Lebensmittelzutat sagt aber nur: Die Art kann in einem bestimmten Rahmen als Lebensmittel oder Zutat vorkommen. Er ist keine Garantie für klinischen Nutzen, Reinheit oder gleiche Zusammensetzung jeder Charge.

BegriffEinfache ErklärungWarum es wichtig ist
MikroalgeEinzellige Alge, die einzeln sehr klein istChlorella ist kein Gemüse und kein klassischer Nährstoff
Chlorella vulgarishäufig untersuchte Chlorella-Artviele technische und einige Humanstudien beziehen sich darauf
Chlorella pyrenoidosahistorisch häufig in Studien und ProduktenArtennamen wurden teils uneinheitlich verwendet
Chlorella sorokinianaim EU-Algenkontext als Lebensmittelart genanntzeigt, dass "Chlorella" mehrere Arten umfasst
Biomassegetrocknete Zellmasse der AlgeZusammensetzung hängt von Kultur, Nährstoffen und Verarbeitung ab

Wo steckt Chlorella drin?

Chlorella steckt nicht natürlich in üblichen Grundnahrungsmitteln. Sie wird gezüchtet und dann als getrocknete Biomasse oder verarbeitete Zutat genutzt. Im Handel findet man sie vor allem als Pulver, Tabletten, Presslinge oder in Mischprodukten.

Für das Verständnis sind zwei Fragen wichtiger als die Darreichungsform: Welche Chlorella-Art wurde verwendet? Und wurde die Produktqualität geprüft? Studien zeigen, dass Produktform, Anbau, Verarbeitung und Chargenqualität stark mitentscheiden können.

Form oder QuelleVorkommenBedeutungBesonderheit oder Unsicherheit
Pulvergetrocknete Biomasseeinfache Handelsform, auch in Produktanalysen untersuchtkann je nach Charge andere Metall- oder Rückstandswerte haben
Tabletten und Presslingegepresste Biomassehäufige SupplementformNährstoffgehalt hängt vom Ausgangsmaterial ab
Getränke oder Extrakteeinzelne Humanstudien nutzten besondere Produktformennicht direkt mit Pulver in Gramm gleichsetzbarStudienergebnisse gelten nicht automatisch für andere Formen
Chlorella vulgaristechnische Reviews und viele Studienwichtige Art für Zusammensetzung und Verarbeitungkeine Garantie, dass jedes Produkt identisch ist
Chlorella pyrenoidosaB12-, Dioxin- und ältere Studienkontextehistorisch relevantArtenbezeichnungen können älter oder uneinheitlich sein

Was macht Chlorella im Körper?

Chlorella ist kein körpereigener Wirkstoff. Der Körper nutzt nicht "Chlorella" als einzelnes Molekül, sondern Inhaltsstoffe aus der Algenbiomasse. Dazu gehören Eiweißbestandteile, Fettsäuren, Pigmente, Mineralstoffe und je nach Produkt B12- oder Vitamin-K-bezogene Verbindungen.

Humanstudien untersuchen deshalb sehr unterschiedliche Messwerte. Manche Arbeiten prüfen Blutfette und Blutdruck. Andere schauen auf Leberwerte, Glucosemarker, Speichel-IgA oder B12-Marker. Diese Laborwerte können Hinweise geben. Sie ersetzen aber keine klinischen Endpunkte wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Infektionen, Diabeteskomplikationen oder sichere Langzeitdaten.

BereichWas untersucht wurdeEinfache Einordnung
Blutfette und BlutdruckGesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyzeride, Blutdruckältere Meta-Analysen sahen eher günstige Signale, die aktuelle Übersicht 2025 war für Chlorella neutraler
Leber- und StoffwechselmarkerAST, ALT, Nüchternglucose, Insulinresistenz, Entzündungsmarkervor allem bei NAFLD oder Typ-2-Diabetes untersucht, nicht auf gesunde Erwachsene übertragbar
Speichel-IgAein Abwehrmarker im SpeichelMarkerbefund, kein Beleg für weniger Infektionen
Vitamin-B12-MarkerMethylmalonsäure, Serum-B12, Homocysteinkleine offene Daten; kein Ersatz für gesicherte B12-Versorgung
ProduktqualitätMetalle, seltene Erden, Arzneistoff-Rückständezeigt Kontrollbedarf, nicht eine Wirkung im Körper

Wie der Körper Chlorella nutzt

Nach dem Essen wird Chlorella wie andere Lebensmittelbestandteile verdaut. Eiweiß, Fette, Kohlenhydrate und Mikronährstoffe müssen aus der Zellmasse freigesetzt werden. Wie gut das geschieht, hängt von Algenart, Zellwand, Verarbeitung und Produktform ab.

Der technische Review zu Chlorella vulgaris macht deshalb einen wichtigen Punkt klar: Zusammensetzung ist nicht fix. Wachstumsbedingungen, Nährstoffversorgung, Licht, Stress und Verarbeitung können die Biomasse verändern. Das ist ein Grund, warum Studien mit einem bestimmten Produkt nicht automatisch für alle Chlorella-Produkte gelten.

Bei Vitamin B12 kommt eine zweite Ebene dazu. Watanabe et al. beschrieben in untersuchten Chlorella-Tabletten überwiegend echte Vitamin-B12-Verbindungen, während Spirulina eher Pseudovitamin B12 enthielt. Pseudovitamin B12 ähnelt echtem B12 chemisch, kann vom Menschen aber nicht wie aktives B12 genutzt werden. Für Chlorella klingt das günstiger als für Spirulina, bleibt aber produktabhängig.

Stoff oder ProzessZusammenhangBedeutung für den KörperWas offen bleibt
Vitamin B12einzelne Chlorella-Produkte können echtes B12 enthaltenrelevant für B12-Marker, besonders im vegan/vegetarischen Kontextkeine sichere Aussage für alle Produkte oder als alleinige Versorgung
MethylmalonsäureLaborwert, der bei funktionellem B12-Mangel steigen kannMerchant 2015 sah einen Rückgang in einer kleinen offenen Studiekeine Kontrollgruppe und keine Langzeitdaten
Vitamin KChlorella kann Vitamin-K-reich seinrelevant bei Warfarin, weil Vitamin K die Gerinnung beeinflusstnur ein altes Fallberichtsignal zu Chlorella und Warfarin
JodMeeresalgen können sehr jodreich seinwichtig für Schilddrüse und SicherheitsbewertungChlorella als Süßwasseralge darf nicht pauschal mit jodreichen Meeresalgen gleichgesetzt werden
Zellwand und Verarbeitungkann Freisetzung von Inhaltsstoffen beeinflussenerklärt Produktunterschiedekeine einfache Rangliste der besten Produktform

Wie viel Chlorella brauchst du?

Für Chlorella gibt es keinen täglichen Bedarf. Der Körper braucht Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und Energie, aber er braucht nicht Chlorella als eigene Pflichtsubstanz. Deshalb gibt es auch keinen DGE-Referenzwert für Chlorella.

Mengen aus Studien sind Prüfbedingungen. Sie sagen, was in einer Studie verwendet wurde. Sie sind keine Anleitung für Einzelpersonen. In den Chlorella-Humanstudien lagen die untersuchten Mengen je nach Quelle häufig im Grammbereich und meist über wenige Wochen.

KontextMenge oder RahmenWie man das lesen sollte
kardiometabolische RCTs in der Übersicht 2025meist etwa 900 bis 8000 mg pro Tag, 4 bis 12 WochenStudienbereich, keine Empfehlung
Leberwerte-Meta-Analyse 2021300 mg bis 8 g pro Tag, 8 bis 12 WochenStudienbereich bei unterschiedlichen Populationen
B12-Pilotstudie Merchant 20159 g Chlorella pyrenoidosa pro Tag über 60 ± 5 Tagekleine offene Studie, keine B12-Ersatzregel
Produktanalyse Sochacka 2025Herstellerangaben von 2 bis 3 g bis 10 g pro Tag; 15 g als oberes RechenlimitExpositionsrechnung, keine Einnahmeanweisung
DGE-ReferenzwertkeinerChlorella ist kein essenzieller Nährstoff mit eigenem Bedarf

Was passiert bei zu wenig?

Ein Chlorella-Mangel ist nicht bekannt, weil Chlorella keine notwendige Substanz ist. Niemand braucht Chlorella, um einen eigenen Chlorella-Bedarf zu decken. Mangelthemen betreffen höchstens Nährstoffe, die in bestimmten Chlorella-Produkten vorkommen können.

Das wichtigste Beispiel ist Vitamin B12. Vegan lebende Menschen müssen B12 besonders im Blick behalten, weil verlässliche B12-Quellen überwiegend tierische Lebensmittel oder gezielte B12-Produkte sind. Chlorella kann in einzelnen Untersuchungen echte B12-Verbindungen enthalten. Die bisherige Humanprüfung ist aber klein.

ThemaWas gemeint istBetroffene GruppenEinordnung
Chlorella selbstkein essenzieller Stoffkeine spezifische Mangelgruppekein Chlorella-Bedarf bekannt
Vitamin B12wichtiger Nährstoff für Blut und Nervenvegan oder vegetarisch lebende Menschen, je nach VersorgungChlorella-Daten sind interessant, aber kein verlässlicher Ersatzbeleg
MethylmalonsäureMarker, der bei B12-Problemen steigen kannPersonen mit erhöhtem MMA-WertMerchant 2015 sah einen Rückgang, aber ohne Placebovergleich
Protein und MineralstoffeChlorella-Biomasse kann Nährstoffe liefernabhängig von Produkt und Ernährungnormale Lebensmittel können diese Nährstoffe ebenfalls liefern

Was passiert bei zu viel?

Bei Chlorella ist "zu viel" schwerer zu definieren als bei einem Vitamin mit oberem Aufnahmewert. Es gibt keinen offiziellen Chlorella-UL. Die Sicherheitsfrage liegt eher bei Produktqualität, Begleitstoffen, Jod-Abgrenzung, Allergie und Wechselwirkungen.

Produktanalysen zeigen, warum das wichtig ist. In einer polnischen Marktstichprobe wurden bei Chlorella Aluminium, Mangan, Strontium und Zink als dominante Elemente gemessen. Blei und Cadmium lagen in dieser Stichprobe innerhalb der betrachteten Grenzwerte, aber einzelne Chlorella-Pulver konnten rechnerisch relevant zur tolerierbaren Aluminiumaufnahme beitragen. Eine weitere Produktanalyse fand toxische Metalle und seltene Erden in Mikroalgenprodukten; sie untersuchte Produkte, nicht Menschen.

SicherheitsfrageMögliche Folge oder BedeutungWer besonders aufpassen mussEinordnung
Metalle und seltene ErdenProduktproben können messbare Gehalte enthaltenMenschen mit hoher oder regelmäßiger Nutzung, empfindliche GruppenMarktanalysen zeigen Kontrollbedarf, kein Produktranking
Aluminiumeinzelne Chlorella-Pulver trugen rechnerisch relevant zur tolerierbaren Aufnahme beiMenschen mit mehreren Aluminiumquellen oder hoher Produktmengeabhängig von Produkt und Charge
Arzneistoff-Rückständein Mikroalgen-Supplementen nachgewiesen, meist niedrig eingeordnetMenschen mit hohem Sicherheitsbedarfzeigt Überwachungsbedarf, keine klinische Wirkungsstudie
Jodjodreiche Meeresalgen können Schilddrüsenprobleme auslösenPersonen mit Schilddrüsenerkrankungen oder älteren unerkannten SchilddrüsenknotenChlorella nicht pauschal mit Meeresalgen gleichsetzen
Allergieeinzelne Algenbestandteile können allergologisch relevant seinMenschen mit Algen- oder unklaren NahrungsmittelreaktionenFallberichte zeigen Möglichkeit, keine Häufigkeit
Warfarin und Vitamin KChlorella könnte die Gerinnungskontrolle beeinflussenPersonen unter WarfarintherapieFallberichtsignal, ärztlich einzuordnen

Wer muss besonders aufpassen?

Einige Gruppen brauchen bei Chlorella mehr Vorsicht, weil die Studien zu ihnen dünn sind oder konkrete Sicherheitssignale vorliegen. Das bedeutet nicht, dass Chlorella für alle diese Gruppen grundsätzlich gefährlich ist. Es bedeutet: Die vorhandenen Daten reichen nicht für pauschale Entwarnung oder pauschalen Nutzen.

Gruppe oder SituationWarum sie wichtig istVorsichtige Einordnung
Menschen unter WarfarinChlorella kann Vitamin K enthalten; ein Fallbericht beschrieb veränderte Gerinnungswertekein Selbstexperiment bei laufender Gerinnungskontrolle
SchilddrüsenerkrankungenAlgenprodukte können Jodfragen berührenChlorella ist keine jodreiche Meeresalge, aber Etikett und Produktprüfung bleiben wichtig
Schwangerschaft und StillzeitDioxin-Studien sind klein und eng; Sicherheitsdaten fehlenkeine allgemeine Eignung ableiten
vegan oder vegetarisch lebende MenschenB12-Frage ist relevantChlorella nicht als gesicherte alleinige B12-Quelle behandeln
Menschen mit AllergienAlgen-Allergenität ist möglich, aber schlecht quantifiziertbei Reaktionen fachlich abklären lassen
Kinder und Jugendlicherobuste Chlorella-Daten fehlenkeine Erwachsenendaten übertragen
Menschen mit chronischen Erkrankungenviele Studien untersuchten spezielle Gruppen wie NAFLD oder Typ-2-DiabetesMarkerbefunde sind keine Behandlungsaussage

Was sagen die Studien?

Die Studien zu Chlorella wirken auf den ersten Blick breit. Beim genaueren Lesen sind sie aber eher ein Mosaik aus kurzen Humanstudien, Meta-Analysen zu Markern, Produktanalysen und Behördenkontexten. Der rote Faden lautet: Chlorella ist interessant, aber die Aussagen bleiben eng.

ThemaWas wurde gesehen?Wie man es verstehen sollte
Blutfette und BlutdruckFallah 2018 fand niedrigere Werte bei mehreren Markern; Pinto-Leite 2025 fand für Chlorella keine klaren gepoolten Vorteileältere positive Signale und neuere neutrale Auswertung nebeneinander lesen
LipidprofilSherafati 2022 fand niedrigere Gesamt- und LDL-Cholesterinwerte, aber keine klaren Effekte auf Triglyzeride oder HDLMarker, keine Herzinfarkt- oder Schlaganfallstudien
LeberwerteYarmohammadi 2021 fand niedrigere AST-Werte, besonders in NAFLD-Untergruppenkurze Studien, heterogene Gruppen, keine Langzeit-Leberendpunkte
NAFLD und Entzündungein RCT 2017 sah Veränderungen bei Glucose, Leberwerten und hs-CRPKrankheitspopulation, nicht auf gesunde Erwachsene übertragen
Typ-2-DiabetesHosseini 2021 berichtete nach 8 Wochen kein klares Gesamtsignalwichtiger Gegenbefund zu älteren positiven Stoffwechselsignalen
ImmunsystemOtsuki 2011 sah Veränderungen bei Speichel-IgALabor- bzw. Markerbefund, kein Nachweis für weniger Infektionen
B12Watanabe 2003 beschreibt echtes B12 in untersuchten Chlorella-Tabletten; Merchant 2015 sah MMA-Rückganginteressant, aber zu dünn für einen verlässlichen B12-Ersatzclaim
DioxineNakano 2005/2007 untersuchte enge Schwangerschafts- und Stillzeitmarkerkeine allgemeine Ausleitungs- oder Entgiftungsaussage
ProduktqualitätSochacka 2025 und Wu 2024 fanden Metalle, seltene Erden oder Rückstände in Mikroalgenproduktenspricht für Qualitätskontrolle, nicht für Kauf- oder Markenempfehlungen

Häufige Verwechslungen

Chlorella wird oft mit sehr starken Versprechen beworben. Genau dort lohnt sich die nüchterne Trennung. Eine Mikroalge kann Nährstoffe enthalten, ohne automatisch eine Krankheit zu beeinflussen. Ein Laborwert kann sich bewegen, ohne dass dadurch ein klinischer Nutzen bewiesen ist.

VerwechslungKorrektur
Chlorella ist ein notwendiger NährstoffChlorella ist eine Algenbiomasse, kein essenzieller Nährstoff mit DGE-Bedarf
Chlorella ersetzt Vitamin B12einzelne Daten sind interessant, aber kein verlässlicher Ersatzbeleg
Chlorella entgiftet allgemeinDioxin-Studien sind eng; Produktanalysen zeigen eher Kontrollbedarf bei Rückständen
Alle Algen sind jodreichMeeresalgen können sehr jodreich sein; Chlorella ist eine Süßwassermikroalge und muss getrennt betrachtet werden
Bio-Produkte sind automatisch rückstandsärmerSochacka 2025 fand für die meisten Elemente keine deutlichen Unterschiede zwischen biologisch und konventionell deklarierten Produkten
Immunmarker bedeuten bessere AbwehrSpeichel-IgA ist ein Marker, kein Beweis für weniger Infektionen
Ein Fallbericht beweist ein häufiges RisikoFallberichte zeigen Signale, aber keine Häufigkeit
Studienmengen sind EinnahmeempfehlungenStudienmengen beschreiben Prüfbedingungen, keine persönliche Anleitung

Merkkasten

Chlorella ist am besten als Mikroalgen-Biomasse zu verstehen: nährstoffreich möglich, aber produktabhängig. Die stärkste praktische Botschaft ist nicht ein einzelnes Wirkversprechen, sondern saubere Einordnung: Welche Art? Welche Produktqualität? Welche Zielgruppe? Welche Sicherheitsfrage?

Häufige Fragen

Ist Chlorella ein Vitamin?

Nein. Chlorella ist eine Mikroalge. Sie kann Vitamine oder vitaminähnliche Verbindungen enthalten, ist aber selbst kein Vitamin.

Gibt es einen Tagesbedarf für Chlorella?

Nein. Für Chlorella gibt es keinen DGE-Referenzwert. Angaben aus Studien oder Produktanalysen sind keine persönlichen Zielmengen.

Kann Chlorella Vitamin B12 ersetzen?

Das ist nicht belegt. Einzelne Chlorella-Produkte enthielten in Untersuchungen echtes B12, und eine kleine offene Studie sah Verbesserungen bei einem B12-Marker. Das reicht nicht, um Chlorella als verlässliche B12-Versorgung einzustufen.

Ist Chlorella jodreich?

Chlorella ist eine Süßwassermikroalge und darf nicht pauschal mit jodreichen Meeresalgen verwechselt werden. Trotzdem sind Algenprodukte beim Thema Jod und Schilddrüse sensibel, weil Produkte und Mischungen unterschiedlich sein können.

Hilft Chlorella beim Entgiften?

Die vorhandenen Humanstudien zu Dioxinen sind klein und eng auf Schwangerschafts- oder Stillzeitmarker bezogen. Sie beweisen keine allgemeine Ausleitung von Schwermetallen, PFAS oder anderen Stoffen. Produktanalysen zeigen sogar, dass Rückstände und Metalle in Mikroalgenprodukten geprüft werden sollten.

Was ist mit Immunsystem-Versprechen?

Eine kleine Studie fand Veränderungen bei Speichel-IgA. Das ist ein Marker der Schleimhautabwehr. Es zeigt nicht, dass Menschen weniger Infektionen bekommen. Der EU-Claimkontext zu "Immune health" ist kein positiver Wirkbeleg.

Warum ist Warfarin wichtig?

Warfarin ist ein Gerinnungshemmer, dessen Wirkung durch Vitamin K beeinflusst werden kann. Ein Fallbericht beschrieb veränderte Gerinnungswerte nach Chlorella-Einnahme. Das ist kein Häufigkeitsbeleg, aber ein relevantes Warnsignal für Menschen unter Warfarintherapie.

Fazit

Chlorella ist als Mikroalgen-Biomasse interessant, aber kein notwendiger Nährstoff mit eigenem Referenzwert. Die stärkste praktische Einordnung betrifft begrenzte Markerforschung, Produktqualität, Rückstände, Jod-Abgrenzung, Allergie und Warfarin/Vitamin K.

Quellen

  1. The Role of Chlorella and Spirulina as Adjuvants of Cardiovascular Risk Factor Control: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomised Controlled Trials
  2. Effect of Chlorella supplementation on cardiovascular risk factors: A meta-analysis of randomized controlled trials
  3. Effect of supplementation with Chlorella vulgaris on lipid profile in adults: A systematic review and dose-response meta-analysis of randomized controlled trials
  4. Effect of Chlorella vulgaris on Liver Function Biomarkers: a Systematic Review and Meta-Analysis
  5. Morphology, composition, production, processing and applications of Chlorella vulgaris: A review
  6. Spirulina and Chlorella Dietary Supplements-Are They a Source Solely of Valuable Nutrients?
  7. Occurrence and health risk assessment of toxic metals and rare earth elements in microalgae: Insight into potential risk factors in new sustainable food resources
  8. Dietary exposure to heavy metals and iodine intake via consumption of seaweeds and halophytes in the European population
  9. New list of algae species authorized as food or food supplements
  10. Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen
  11. Glucose homeostasis, insulin resistance and inflammatory biomarkers in patients with non-alcoholic fatty liver disease
  12. The effects of Chlorella supplementation on glycemic control, lipid profile and anthropometric measures on patients with type 2 diabetes mellitus
  13. Salivary secretory immunoglobulin A secretion increases after 4-weeks ingestion of chlorella-derived multicomponent supplement in humans
  14. Chlorella supplementation decreases dioxin and increases immunoglobulin A concentrations in breast milk
  15. Maternal-fetal distribution and transfer of dioxins in pregnant women in Japan, and attempts to reduce maternal transfer with Chlorella supplements
  16. Nutritional Supplementation with Chlorella pyrenoidosa Lowers Serum Methylmalonic Acid in Vegans and Vegetarians with a Suspected Vitamin B12 Deficiency
  17. Characterization and bioavailability of vitamin B12-compounds from edible algae
  18. Edible algae allergenicity - a short report
  19. Warfarin therapy and chlorella
  20. EFSA Article-13 Botanical Claims on hold. Chlorella - Immune health