McKenzie-Metaanalyse zu MCT-Öl und Blutlipiden

McKenzie et al. (2021) untersuchten MCT-Öl und Blutlipide in einem systematischen Review mit Meta-Analyse randomisierter Studien. Die Suche lief in Medline und Embase bis März 2020.

Kurzprofil

FeldInhalt
Primäre QuelleMcKenzie et al. (2021). Medium-Chain Triglyceride Oil and Blood Lipids: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Trials.
QuellenartSystematischer Review und Meta-Analyse randomisierter Studien
Land/KontextInternationale Humanstudien; Autorengruppe aus Australien
WirkstoffMCT-Öl aus mittelkettigen Fettsäuren mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen
Datenbasis7 Artikel; Gesamtumfang je nach Endpunkt 304 bis 364 Teilnehmende
Zentrale EndpunkteGesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceride
Originalquellehttps://doi.org/10.1093/jn/nxab220
DOI / PMIDDOI: 10.1093/jn/nxab220; PMID: 34255085
VolltextstatusPublisher-Volltext verfügbar; kein PMC-Freivolltext

McKenzie und Mitarbeitende bündelten randomisierte Studien, in denen MCT-Öl mit anderen Fetten oder Ölen verglichen wurde. Die Arbeit prüfte Blutlipidmarker, also Laborwerte wie LDL-Cholesterin oder Triglyceride. Sie untersuchte keine Herzinfarkte, Schlaganfälle, Sterblichkeit oder direkte Herz-Kreislauf-Risikoreduktion.

Fragestellung

Gesättigte Fettsäuren können Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin erhöhen. Bei mittelkettigen Fettsäuren war aber unklar, ob sie sich ähnlich verhalten wie langkettige gesättigte Fettsäuren. MCT-Öl besteht überwiegend aus Capryl- und Caprinsäure sowie verwandten mittelkettigen Fettsäuren. Es wird schneller aufgenommen und anders verstoffwechselt als viele langkettige Fette.

Die Übersichtsarbeit wollte deshalb klären, wie sich MCT-Öl auf vier Blutlipidmarker auswirkt: Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceride. Zusätzlich wurde geprüft, ob der Vergleichsfett-Typ eine Rolle spielt, etwa ob MCT-Öl mit ungesättigten Ölen oder mit langkettigen gesättigten Fetten verglichen wurde.

Studiendesign und Methoden

Die Autorengruppe suchte in Medline und Embase bis März 2020 nach randomisierten Studien. Eingeschlossen wurden erwachsene Teilnehmende über 18 Jahre. Die Intervention musste mindestens zwei Wochen dauern und MCT-Öl mit einem anderen Fett oder Öl vergleichen.

Nicht eingeschlossen wurden Studien mit enteraler oder parenteraler Ernährung. Damit ging es nicht um klinische Spezialernährung über Sonde oder Infusion, sondern um orale Fett- oder Ölinterventionen in Humanstudien.

Die Daten wurden mit Random-Effects-Meta-Analysen zusammengeführt. Dieses statistische Modell passt zu einer heterogenen Studienlandschaft, weil sich Populationen, Vergleichsfette, Studiendauer und Dosierungen zwischen den Studien unterschieden. Die Arbeit betrachtete Gesamtcholesterin und Triglyceride in sieben Studien. LDL- und HDL-Cholesterin lagen in sechs Studien vor.

Untersuchte Personen oder Datenbasis

Die Metaanalyse umfasste sieben Artikel. Für Gesamtcholesterin und Triglyceride lag der gepoolte Umfang bei 364 Teilnehmenden. Für LDL- und HDL-Cholesterin lag er bei 304 Teilnehmenden.

Die Studien waren klein und verschieden zusammengesetzt. Drei Arbeiten untersuchten gesunde Teilnehmende. Weitere Studien schlossen besondere Gruppen ein: Frauen mit bestimmtem Apolipoprotein-E-Phänotyp, Helicobacter-pylori-positive Personen, Menschen mit Hämodialyse, Personen mit mild bis moderat ausgeprägter Alzheimer-Erkrankung und Menschen mit Typ-2-Diabetes.

Die Interventionsdauer reichte von 2 bis 12 Wochen. Vier Studien waren parallele randomisierte Studien, drei waren Crossover-Studien. Die Vergleichsfette unterschieden sich deutlich: Einige Kontrollen bestanden überwiegend aus langkettigen gesättigten Fetten, andere aus ungesättigten Fettsäuren wie MUFA oder PUFA.

Intervention, Exposition und Vergleich

Die Intervention war MCT-Öl, definiert als Öl mit mittelkettigen Fettsäuren im Bereich C6:0 bis C10:0. Die Vergleichsarme nutzten unter anderem Myristinsäure, Ölsäure, Laurinsäure, langkettige Triglyceride, EPA/DHA, gewöhnliches Pflanzenöl, Leinsamenöl und Rapsöl-Jelly.

Diese Vergleichsbreite ist für die Interpretation zentral. MCT-Öl kann anders wirken, je nachdem, ob es ein ungesättigtes Öl oder ein langkettiges gesättigtes Fett ersetzt. Die Arbeit behandelt MCT-Öl deshalb nicht als pauschal günstiges oder ungünstiges Fett, sondern als Fettquelle, deren Lipidmarker-Effekt vom Vergleich abhängen kann.

Die im Review geprüften Mengen werden in den Abbildungen je nach Studie als Anteil der täglichen Energie oder als Gramm pro Tag dargestellt. Diese Studienmengen sind keine Einnahmeempfehlung.

Ergebnisse

Für Gesamtcholesterin fand die gepoolte Analyse keinen klaren Effekt von MCT-Öl: mittlere Differenz 0,04 mmol/l; 95-%-Konfidenzintervall -0,11 bis 0,20; I² = 33,6 %. Für LDL-Cholesterin war das Ergebnis ebenfalls neutral: 0,02 mmol/l; 95-%-Konfidenzintervall -0,13 bis 0,17; I² = 28,7 %.

Auch HDL-Cholesterin veränderte sich in der Gesamtauswertung nicht wesentlich: -0,01 mmol/l; 95-%-Konfidenzintervall -0,10 bis 0,09; I² = 74,1 %. Die Streuung war bei HDL höher als bei den anderen Lipidmarkern. Die Subgruppenanalyse deutete darauf hin, dass das Alter der Teilnehmenden eine Rolle spielen könnte; dieser Punkt blieb aber erklärungsbedürftig.

Bei Triglyceriden zeigte sich ein kleiner Anstieg: 0,14 mmol/l; 95-%-Konfidenzintervall 0,01 bis 0,27; I² = 42,8 %. Die Autorengruppe bewertete diesen Mittelwert als klein, wies aber darauf hin, dass die obere Grenze des Konfidenzintervalls weitere Prüfung rechtfertigt.

Besonders wichtig war die Subgruppenanalyse nach Vergleichsfett. Für Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin unterschieden sich die Effekte abhängig vom Fettsäureprofil des Kontrollöls. Im Vergleich mit überwiegend ungesättigten Fettsäuren erhöhte MCT-Öl Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin eher. Im Vergleich mit langkettigen gesättigten Fettsäuren gab es dagegen Hinweise auf niedrigere Werte. Damit bestätigt die Arbeit nicht, dass MCT-Öl gegenüber ungesättigten Ölen günstiger wäre.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Die Arbeit war keine umfassende Sicherheitsbewertung. Sie wertete Blutlipidmarker aus und berichtete keine vollständige Übersicht zu unerwünschten Ereignissen, gastrointestinalen Beschwerden, Leberwerten oder Langzeitverträglichkeit.

Aus der Quelle lässt sich deshalb keine allgemeine Langzeitsicherheit von MCT-Öl ableiten. Sie beantwortet auch keine Fragen zu Schwangerschaft, Stillzeit, Kindern, Menschen mit Fettstoffwechselstörungen oder Menschen, die MCT-Öl dauerhaft in hohen Mengen verwenden.

Grenzen der Aussagekraft

Die wichtigste Grenze ist der kleine Datenumfang. Sieben Artikel sind für eine Metaanalyse brauchbar, aber nicht groß genug, um alle Untergruppen zuverlässig zu beurteilen. Fünf weitere MCT-Öl-Studien konnten nicht in die Metaanalyse aufgenommen werden, weil die nötigen Ergebnisdaten nicht verfügbar waren. Laut Autorengruppe passten deren Befunde grob zum Gesamtbild, erhöhten aber nicht die statistische Sicherheit.

Eine zweite Grenze ist die Unterschiedlichkeit der Studien. Die Teilnehmenden waren teils gesund, teils hatten sie spezielle Erkrankungen oder Risikokontexte. Auch Vergleichsfette, Studiendesign, Dauer und Messmethoden unterschieden sich.

Eine dritte Grenze betrifft die Endpunkte. Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyceride sind wichtige Marker. Sie sind aber nicht dasselbe wie klinische Ereignisse. Die Arbeit zeigt daher keine Senkung oder Erhöhung von Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Sterblichkeit. Sie zeigt nur, wie sich bestimmte Laborwerte in kurzen bis mittleren randomisierten Studien veränderten.

Was die Arbeit zeigt

  • MCT-Öl veränderte Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin in der Gesamtauswertung nicht wesentlich.
  • MCT-Öl erhöhte Triglyceride im Mittel leicht.
  • Der Effekt auf Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin hing vom Vergleichsfett ab.
  • Gegenüber ungesättigten Vergleichsfetten schnitt MCT-Öl bei Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin ungünstiger ab.
  • Gegenüber langkettigen gesättigten Fetten gab es Hinweise auf günstigere Werte.
  • Die Arbeit beschreibt Blutlipidmarker, nicht direkte Herz-Kreislauf-Ereignisse.

Was die Arbeit nicht zeigt

  • Sie zeigt keine persönliche Einnahmeempfehlung.
  • Sie zeigt keine Herz-Kreislauf-Risikoreduktion durch MCT-Öl.
  • Sie zeigt keine Wirkung auf Herzinfarkt, Schlaganfall oder Sterblichkeit.
  • Sie zeigt keine umfassende Sicherheitsbewertung für langfristige oder hohe tägliche Nutzung.
  • Sie zeigt nicht, dass MCT-Öl ungesättigte Öle aus Sicht der Blutlipide ersetzen sollte.
  • Sie zeigt keine Aussage zu Gewicht, Appetit, Kognition oder Sportleistung.

Fazit

McKenzie et al. fanden in randomisierten Studien keinen wesentlichen Gesamteffekt von MCT-Öl auf Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin oder HDL-Cholesterin. Triglyceride stiegen im Mittel leicht an. Die wichtigste fachliche Unterscheidung betrifft das Vergleichsfett: Gegenüber ungesättigten Fetten wirkten die LDL- und Gesamtcholesterinbefunde ungünstiger, gegenüber langkettigen gesättigten Fetten eher günstiger. Die Arbeit beschreibt damit Veränderungen von Blutlipidmarkern. Sie belegt keine direkten Herz-Kreislauf-Ereignisse und trägt keine allgemeine gesundheitliche Empfehlung.

Eingeschlossene Einzelstudien

Die Volltexttabelle der Quelle nennt sieben quantitativ ausgewertete Artikel.

Referenz im ReviewOriginaltitel oder StudienfokusEinordnung
Temme et al. 1997Effects of medium chain fatty acids (MCFA), myristic acid, and oleic acid on serum lipoproteins in healthy subjectsParallelstudie bei gesunden Freiwilligen; Vergleich mit Myristinsäure und Ölsäure
Tso et al. 1998Effect of apolipoprotein E polymorphism on serum lipoprotein response to saturated fatty acidsCrossover-Studie bei gesunden prämenopausalen Frauen; Vergleich mit Laurinsäure
Tsuji et al. 2001Dietary medium-chain triacylglycerols suppress accumulation of body fat in a double-blind, controlled trial in healthy men and womenParallelstudie bei gesunden Freiwilligen; Vergleich mit langkettigen Triglyceriden
Agah et al. 2015Comparison of the effects of eicosapentaenoic acid with docosahexaenoic acid on the level of serum lipoproteins in Helicobacter pylori: a randomized clinical trialParallelstudie bei Helicobacter-pylori-positiven Personen; Vergleich mit EPA/DHA
Airhart et al. 2016A diet rich in medium-chain fatty acids improves systolic function and alters the lipidomic profile in patients with type 2 diabetes: A pilot studyParallelstudie bei Typ-2-Diabetes; Vergleich mit langkettigem gesättigtem Fett beziehungsweise gewöhnlichem Pflanzenöl
Mirfatahi et al. 2016Effects of flaxseed oil on serum lipids and lipoproteins in hemodialysis patients: A randomized controlled trialCrossover-Studie bei Hämodialyse; Vergleich mit Leinsamenöl
Xu et al. 2020Medium-chain triglycerides improved cognition and lipid metabolomics in mild to moderate Alzheimer’s disease patients with APOE4(-/-): A double-blind, randomized, placebo-controlled crossover trialCrossover-Studie bei milder bis moderater Alzheimer-Erkrankung; Vergleich mit Rapsöl-Jelly

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • McKenzie et al. (2021) untersuchten MCT-Öl und Blutlipide in einem systematischen Review mit Meta-Analyse randomisierter Studien.
  • Die Suche lief in Medline und Embase bis März 2020.
  • Eingeschlossen wurden Erwachsene über 18 Jahre und Interventionen mit mindestens zwei Wochen Dauer.
  • Studien mit enteraler oder parenteraler Ernährung wurden ausgeschlossen.
  • Sieben Artikel wurden quantitativ ausgewertet.
  • Gesamtcholesterin und Triglyceride lagen für 364 Teilnehmende vor.
  • LDL- und HDL-Cholesterin lagen für 304 Teilnehmende vor.
  • Gesamtcholesterin veränderte sich nicht wesentlich: 0,04 mmol/l; 95-%-Konfidenzintervall -0,11 bis 0,20.
  • LDL-Cholesterin veränderte sich nicht wesentlich: 0,02 mmol/l; 95-%-Konfidenzintervall -0,13 bis 0,17.
  • HDL-Cholesterin veränderte sich nicht wesentlich: -0,01 mmol/l; 95-%-Konfidenzintervall -0,10 bis 0,09.
  • Triglyceride stiegen leicht: 0,14 mmol/l; 95-%-Konfidenzintervall 0,01 bis 0,27.
  • Die Effekte auf Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin hingen vom Vergleichsfett ab.
  • Die Quelle untersuchte Laborwerte und keine Herzinfarkte, Schlaganfälle, Sterblichkeit oder direkte Herz-Kreislauf-Risikoreduktion.

Quellen

  1. Originalquelle
  2. PubMed