MCT-Öl, C8/C10, BHB, Glukose und Insulin bei gesunden jungen Erwachsenen

Heidt et al. veröffentlichten 2023 eine einzentrische Humanstudie zu MCT-Öl mit und ohne Glukose. Untersucht wurden 19 gesunde junge Erwachsene.

Studienartikel: Heidt et al. (2023) zu MCT-Öl, C8/C10, BHB, Glukose und Insulin

Kurzprofil

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Primäre QuelleHeidt et al. (2023). Beta-Hydroxybutyrate (BHB), Glucose, Insulin, Octanoate (C8), and Decanoate (C10) Responses to a Medium-Chain Triglyceride (MCT) Oil with and without Glucose: A Single-Center Study in Healthy Adults.
QuellenartEinzentrische Humanstudie mit wiederholten Messungen und Cross-over-Charakter
WirkstoffMCT-Öl, also mittelkettige Triglyceride
Land/KontextUniversitätsklinikum Münster, Deutschland; gesunde junge Erwachsene
Population19 gesunde Erwachsene, 12 Frauen und 7 Männer, nicht übergewichtig, ohne Diabetes, ohne ketogene Diät und ohne MCT- oder Kokosöl-Supplemente
Untersuchte Menge0,5 g MCT-Öl pro kg Körpergewicht; in der Kombinationsbedingung zusätzlich 0,2 g Glukose pro kg Körpergewicht. Diese Mengen sind Studienprotokolle und keine Einnahmeempfehlung.
MCT-ZusammensetzungMCT-Öl mit 60:40-Verhältnis aus C8 und C10
VergleichWasser als Kontrolle, MCT-Öl allein, MCT-Öl plus Glukose
Zentrale EndpunkteBeta-Hydroxybutyrat (BHB), Glukose, Insulin, Octanoat (C8), Decanoat (C10), Sättigung, Nebenwirkungen und zwei kognitive Kurztests
Originalquellehttps://doi.org/10.3390/nu15051148
DOI / PMID / PMCIDDOI: 10.3390/nu15051148; PMID: 36904147; PMCID: PMC10005646
VolltextstatusFrei zugänglicher Volltext über PubMed Central und Europe PMC verfügbar

Heidt et al. untersuchten, wie stark ein C8/C10-MCT-Öl bei gesunden jungen Erwachsenen innerhalb von fünf Stunden die Bildung von Beta-Hydroxybutyrat beeinflusst. Zusätzlich prüfte die Studie, ob eine kleine Glukosemenge die Ketonantwort verändert, wie Glukose und Insulin reagieren und welche kurzfristigen Beschwerden auftreten. Die Arbeit ist eine direkte Humanquelle für akute Biomarker nach MCT-Öl, aber keine Langzeitstudie zu Gesundheit, Gewichtsverlauf, Erkrankungen oder Alltagseinnahme.

Fragestellung

MCT-Öle werden häufig eingesetzt, um Ketonkörper zu erhöhen. Ketonkörper sind energiereiche Stoffe, die vor allem in der Leber entstehen und unter bestimmten Bedingungen als Brennstoff für andere Gewebe dienen können. Ein wichtiger Ketonkörper ist Beta-Hydroxybutyrat, kurz BHB.

Die Studie fragte, ob MCT-Öl allein eine messbare BHB-Antwort auslöst und ob Glukose diese Antwort verzögert oder abschwächt. Das ist methodisch wichtig, weil MCT-Öl in der Praxis nicht immer nüchtern oder ohne Kohlenhydrate aufgenommen wird. Zusätzlich interessierte die Autorengruppe, ob C8 und C10 im Blut messbar werden und ob Nebenwirkungen oder Sättigungsunterschiede auftreten.

Studiendesign und Methoden

Die Studie wurde an einem Zentrum durchgeführt. Die Teilnehmenden kamen an drei Studientagen, jeweils morgens nach zwölf Stunden Fasten und mindestens 24 Stunden ohne Alkohol. Die drei Bedingungen waren Wasser als Kontrolle, MCT-Öl allein und MCT-Öl plus Glukose. Die Getränke wurden in 200 mL stillem Wasser verabreicht und direkt unter Aufsicht innerhalb von weniger als einer Minute getrunken.

Das Protokoll hatte wiederholte Messungen über fünf Stunden. Blutproben wurden in den ersten zwei Stunden alle 30 Minuten und danach stündlich entnommen. Gemessen wurden Glukose, Insulin, Ketonkörper, BHB sowie die mittelkettigen Fettsäuren C8 und C10. C8 und C10 wurden mit Gaschromatographie-Massenspektrometrie bestimmt. Sättigung und Verträglichkeit wurden mit Fragebögen erfasst. Für die kognitive Prüfung nutzte die Studie zwei Untertests aus der WAIS-IV-Testbatterie: Wortschatz und Kopfrechnen.

Die Studie war für die Teilnehmenden verblindet, soweit es die Testgetränke betraf. Eine randomisierte Reihenfolge wird im Volltext nicht als zentrales Merkmal beschrieben. Die statistische Auswertung nutzte wegen nicht normal verteilter metabolischer Daten nichtparametrische Verfahren; Signifikanz wurde bei p < 0,05 angenommen.

Untersuchte Personen oder Datenbasis

Alle 19 Teilnehmenden schlossen die Studie vollständig ab. Das Alter lag im Mittel bei 24,4 ± 3,9 Jahren; die Basistabelle berichtet einen Median von 25 Jahren mit Interquartilsbereich 20 bis 27. Der mediane BMI lag bei 22 kg/m². Eingeschlossen wurden Erwachsene von 18 bis 30 Jahren, die nicht übergewichtig oder adipös waren, keinen Diabetes hatten, keine ketogene Diät machten und keine MCT- oder Kokosöl-Supplemente einnahmen.

Die Studie ist dadurch eng auf gesunde junge Erwachsene begrenzt. Ältere Menschen, Kinder, Schwangere, Stillende, Personen mit Diabetes, Personen mit Fettstoffwechselstörungen, Menschen mit gastrointestinalen Erkrankungen und Personen unter ketogener Therapie wurden nicht untersucht.

Intervention, Exposition und Vergleich

Die MCT-Bedingung bestand aus 0,5 g MCT-Öl pro kg Körpergewicht. Das Öl enthielt C8 und C10 im Verhältnis 60:40. Im Studienkollektiv entsprach das einer medianen MCT-Aufnahme von 32 g, mit Interquartilsbereich 30 bis 35,5 g.

In der zweiten MCT-Bedingung wurde dieselbe MCT-Menge mit 0,2 g Glukose pro kg Körpergewicht kombiniert. Das entsprach im Median 12,7 g Glukose, mit Interquartilsbereich 11,8 bis 13,8 g. Die Kontrollbedingung war Wasser. Alle Mengen sind untersuchte Mengen in einem akuten Laborprotokoll und keine Dosierungsregel.

Ergebnisse

Nach MCT-Öl allein stieg BHB im Plasma deutlich an. Der mediane BHB-Wert lag zu Beginn bei 50,8 µmol/L. Er stieg nach 120 Minuten auf 348,8 µmol/L, nach 180 Minuten auf 417,8 µmol/L und nach 240 Minuten auf 465,4 µmol/L. Gegenüber der Kontrolle waren die BHB-Werte ab mehreren Messzeitpunkten signifikant erhöht.

Mit MCT-Öl plus Glukose war die BHB-Antwort am Anfang langsamer. Bei 60 Minuten war BHB nach MCT-Öl allein signifikant höher als nach MCT plus Glukose (p = 0,0004). Ab 120 Minuten lagen beide MCT-Bedingungen näher beieinander; die Studie berichtet keinen signifikanten Unterschied zwischen den BHB-Flächen unter der Kurve von MCT allein und MCT plus Glukose. Bei MCT plus Glukose stieg der mediane BHB-Wert bis 300 Minuten auf 524,6 µmol/L.

Glukose und Insulin reagierten vor allem auf die zusätzliche Glukose. Nach MCT-Öl allein stieg Insulin nach 30 Minuten leicht, aber nicht signifikant gegenüber der Kontrolle. Nach MCT plus Glukose stieg die mediane Glukose nach 30 Minuten von 68 auf 93 mg/dL (p = 0,0005). Insulin stieg nach 30 Minuten von 4,7 auf 17,9 µU/mL und war gegenüber MCT allein signifikant höher (p = 0,0003). Auch nach 240 und 300 Minuten lagen die Insulinwerte in der MCT-plus-Glukose-Bedingung noch signifikant höher als nach MCT allein.

C8 und C10 waren nach beiden MCT-Bedingungen im Plasma messbar. Nach MCT allein stieg C8 von 1,2 µg/mL zu Beginn auf 16,52 µg/mL nach 60 Minuten. C10 stieg von 0,85 µg/mL zu Beginn auf 3,21 µg/mL nach 90 Minuten. Nach MCT plus Glukose stieg C8 langsamer und erreichte den höchsten Median von 17,1 µg/mL nach 240 Minuten; C10 erreichte den höchsten Median von 3,7 µg/mL nach 300 Minuten. Die Flächen unter der Kurve für C8 und C10 unterschieden sich zwischen MCT allein und MCT plus Glukose nicht signifikant. Regressionsanalysen zeigten, dass höhere C8- und C10-Werte mit höheren BHB-Werten zusammenhingen.

Bei der Sättigung lag der mediane Wert nach beiden MCT-Bedingungen zunächst bei 5 auf einer Skala von 0 bis 10 und sank bis zum Ende auf 3. In der Kontrollbedingung sank der mediane Wert von 3 auf 1. Die Studie berichtet diese Sättigungsdaten deskriptiv.

Die kognitiven Kurztests zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen Kontrolle und MCT allein. Für MCT plus Glukose waren die Werte im Wortschatztest gegenüber Kontrolle signifikant höher (p = 0,005). Auch im Kopfrechnen war MCT plus Glukose gegenüber Kontrolle signifikant höher (p = 0,014). Die Autorengruppe weist in der Diskussion darauf hin, dass Übungs- und Wiederholungseffekte eine alternative Erklärung sein können. Es wurden keine Korrelationen zwischen BHB-Konzentrationen und den beiden kognitiven Tests beobachtet.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Fünf von 19 Teilnehmenden berichteten Nebenwirkungen. Keine Beschwerde war so schwer, dass die Studie abgebrochen wurde. Alle Symptome traten nach MCT-Öl oder MCT plus Glukose auf und verschwanden vollständig innerhalb von 30 bis 60 Minuten. Nach Wasser wurden keine Nebenwirkungen berichtet.

Die gemeldeten Beschwerden umfassten Übelkeit, Durchfall, Magenbeschwerden, Bauchschmerzen, Schwindel, Schwitzen, Benommenheitsgefühl und Erbrechen. Insgesamt wurden nach MCT plus Glukose etwa halb so viele Ereignisse berichtet wie nach MCT allein. Die Studie fand keinen klaren Zusammenhang der Beschwerden mit der MCT-Menge oder den BHB-Werten.

Diese Sicherheitsdaten gelten nur für eine einzelne akute Einnahme unter Studienbedingungen. Sie erlauben keine belastbare Aussage zu täglicher Langzeitanwendung, seltenen Nebenwirkungen, empfindlichen Gruppen, Leber- oder Fettstoffwechselerkrankungen, Schwangerschaft, Stillzeit oder Kindern.

Grenzen der Aussagekraft

Die Studie war klein und kurz. 19 gesunde junge Erwachsene und eine Beobachtungsdauer von fünf Stunden reichen aus, um akute Blutmarker zu beschreiben, aber nicht, um langfristige Wirkungen auf Körpergewicht, Blutfette, Glukosestoffwechsel, Kognition, Krankheitssymptome oder Sicherheit zu beurteilen.

Die Reihenfolge der Testtage scheint im Volltext nicht als randomisiert beschrieben zu sein. Das ist besonders für kognitive Tests wichtig, weil Wiederholungseffekte auftreten können. Die Autorengruppe nennt solche Übungs- und Retest-Effekte selbst als mögliche Erklärung für die besseren Testwerte nach MCT plus Glukose.

Die untersuchte MCT-Menge war relativ hoch und wurde nüchtern in Wasser getrunken. Das unterscheidet sich von vielen Alltagssituationen, in denen MCT-Öl mit Mahlzeiten, in kleineren Portionen oder über längere Zeiträume aufgenommen wird. Außerdem wurde nur ein C8/C10-Verhältnis von 60:40 geprüft. Andere MCT-Öle, C8-reiche Produkte, C10-reiche Produkte oder Kokosöl lassen sich daraus nicht direkt ableiten.

Was die Studie zeigt

Die Studie zeigt, dass eine einzelne Einnahme von C8/C10-MCT-Öl bei gesunden jungen Erwachsenen BHB innerhalb weniger Stunden erhöht. Eine kleine Glukosemenge verzögerte die frühe BHB-Antwort, führte aber in dieser Studie nicht zu einer geringeren gesamten BHB-Fläche über fünf Stunden.

Die Arbeit zeigt außerdem, dass C8 und C10 nach der Aufnahme im Blut messbar waren und mit BHB-Werten zusammenhingen. Nach MCT plus Glukose stiegen Glukose und Insulin deutlich an. Kurzfristige Beschwerden kamen bei einem Teil der Teilnehmenden vor, waren aber vorübergehend und führten zu keinem Abbruch.

Was die Studie nicht zeigt

Die Studie zeigt keine langfristige gesundheitliche Wirkung von MCT-Öl. Sie zeigt auch keine Aussage zu Gewichtsverlust, Diabetesbehandlung, sportlicher Leistung, Krankheitsverlauf, dauerhafter Kognition, Blutfetten oder allgemeiner Alltagssicherheit.

Die Studie liefert keine Einnahmeempfehlung und keine persönliche Dosierungsregel. Die geprüften Mengen, Zeitpunkte und Messwerte gehören zum Studienprotokoll. Aus den Daten lässt sich auch nicht ableiten, dass MCT-Öl plus Glukose kognitive Leistung im Alltag verbessert, weil Übungseffekte und die sehr kurze Studiendauer eine einfache Interpretation verhindern.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Heidt et al. veröffentlichten 2023 eine einzentrische Humanstudie zu MCT-Öl mit und ohne Glukose.
  • Untersucht wurden 19 gesunde junge Erwachsene, 12 Frauen und 7 Männer.
  • Das MCT-Öl enthielt C8 und C10 im Verhältnis 60:40.
  • Die untersuchte Menge betrug 0,5 g MCT-Öl pro kg Körpergewicht; mit Glukose zusätzlich 0,2 g Glukose pro kg Körpergewicht.
  • Diese Mengen sind Studienprotokolle und keine Einnahmeempfehlung.
  • Nach MCT-Öl allein stieg BHB schneller an als nach MCT plus Glukose.
  • Über fünf Stunden unterschied sich die BHB-Fläche zwischen MCT allein und MCT plus Glukose nicht signifikant.
  • Nach MCT plus Glukose stiegen Glukose und Insulin deutlich an.
  • C8 und C10 waren nach beiden MCT-Bedingungen im Blut messbar.
  • Fünf von 19 Teilnehmenden berichteten vorübergehende Nebenwirkungen; es gab keine Abbrüche.
  • Die Studie ist klein, akut und auf gesunde junge Erwachsene begrenzt.
  • Die Daten zeigen keine Langzeitwirkung, keine Therapieaussage und keine persönliche Dosierungsregel.

Quellen

  1. Originalquelle
  2. PubMed
  3. Volltext