Thomas et al. 2022: Phase-I-Sicherheitsstudie zu thymoquinonreichem Schwarzkümmelöl

Thomas et al. (2022) ist eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-I-Sicherheitsstudie zu thymoquinonreichem Schwarzkümmelöl. Die Studie erschien in Toxicology Reports, Band 9, Seiten 999-1007.

Kurzprofil

  • Quelle: Thomas, J. V. et al. (2022). A phase I clinical trial to evaluate the safety of thymoquinone-rich black cumin oil (BlaQmax®) on healthy subjects: Randomized, double-blinded, placebo-controlled prospective study.
  • Quellentyp: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-I-Sicherheitsstudie.
  • Journal: Toxicology Reports, Band 9, Seiten 999-1007.
  • Wirkstoffbezug: thymoquinonreiches Schwarzkümmelöl aus `Nigella sativa`, in der Studie als BCO-5 bezeichnet.
  • Abgrenzung: Die Studie prüft ein standardisiertes Öl mit etwa 5,12-5,2 % Thymochinon. Sie beschreibt nicht beliebige handelsübliche Schwarzkümmelöle, Samen, Samenpulver, Extrakte oder isoliertes Thymochinon.
  • Datenbasis: 70 gesunde Erwachsene, davon 35 pro Gruppe randomisiert; Angaben zu Nebenwirkungen am Studienende liegen für 29 Personen in der Placebogruppe und 31 Personen in der BCO-5-Gruppe vor.
  • Studiendauer: 90 Tage.
  • Zentrale Endpunkte: Leber- und Nierenmarker, Hämatologie, Vitalzeichen, anthropometrische Daten und gemeldete unerwünschte Ereignisse.
  • Originalquelle: https://doi.org/10.1016/j.toxrep.2022.04.020
  • PubMed/PMC: PMID 36518481; PMCID PMC9742867.

Thomas und Mitarbeitende untersuchten, ob ein standardisiertes, thymoquinonreiches Schwarzkümmelöl über 90 Tage bei gesunden Erwachsenen auffällige Sicherheitszeichen auslöst. Im Mittelpunkt stand nicht die Wirksamkeit gegen Beschwerden, sondern die Verträglichkeit eines speziellen Ölpräparats mit hohem Thymochinon-Gehalt. Thymochinon ist ein einzelner Inhaltsstoff von `Nigella sativa`-Öl; es ist nicht gleichbedeutend mit dem gesamten Öl.

Fragestellung

Die Studie wollte klären, ob BCO-5 bei gesunden Erwachsenen über 90 Tage mit auffälligen Veränderungen in Sicherheitsparametern verbunden ist. BCO-5 war ein Schwarzkümmelölpräparat mit hohem Thymochinon-Anteil. Der Thymochinon-Gehalt wurde analytisch geprüft und lag in der Studiencharge bei 5,12 % beziehungsweise in der Beschreibung bei rund 5,2 %.

Der Hintergrund war, dass viele frühere Humanstudien Schwarzkümmelöl mit niedrigerem Thymochinon-Gehalt untersucht hatten. Die Autoren beschreiben, dass kaltgepresste Öle häufig deutlich weniger Thymochinon enthalten. Deshalb war für dieses Spezialpräparat eine eigene Sicherheitsprüfung nötig. Diese Fragestellung ist eng: Es geht um das untersuchte 5%-Thymochinon-Öl, nicht um alle Schwarzkümmelölprodukte.

Studiendesign und Methoden

Die Arbeit war als randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie angelegt. Zunächst wurden 120 Personen geprüft. Danach wurden 70 gesunde Männer und Frauen per computererzeugter Randomisierung auf zwei Gruppen verteilt. Eine Gruppe erhielt Placebo, die andere BCO-5. Beide Gruppen sollten identisch aussehende Weichgelatinekapseln erhalten.

Die BCO-5-Gruppe erhielt 200 mg pro Tag, 10 bis 20 Minuten vor dem Schlafengehen. Die Placebogruppe erhielt entsprechende Kapseln mit Leinöl. Die Behandlung dauerte 90 Tage. Blutwerte, Vitalzeichen, anthropometrische Daten und Sicherheitsparameter wurden zu Beginn und am Ende der Studie erfasst.

Die Studiencharge wurde chemisch und mikrobiologisch geprüft. Für die Identität des Ausgangsmaterials nutzten die Forschenden HPTLC, also Hochleistungs-Dünnschichtchromatographie. Den Thymochinon-Gehalt bestimmten sie per HPLC. Die Charge enthielt laut Analyse 5,12 % Thymochinon. Schwermetalle und mikrobiologische Kennwerte wurden in der Zertifikatsübersicht ebenfalls berichtet.

Untersuchte Personen oder Datenbasis

Eingeschlossen wurden gesunde Männer und Frauen zwischen 18 und 50 Jahren. Weitere Einschlusskriterien waren ein Körpergewicht von mindestens 50 kg, ein PSQI-Wert von mindestens 5 und die Bereitschaft, während der Studie auf Alkohol, Rauchen und koffeinhaltige Getränke zu verzichten. PSQI steht für Pittsburgh Sleep Quality Index und beschreibt die Schlafqualität.

Ausgeschlossen wurden unter anderem Personen mit Diabetes, Bluthochdruck, chronischer Nierenerkrankung, Herz-, Schilddrüsen- oder Lebererkrankung, mit relevanten Leber- oder Nierenwertauffälligkeiten, mit Immunschwäche, Schwangerschaft oder Stillzeit sowie Personen mit möglicher Allergie gegen Bestandteile des Prüfpräparats. Dadurch war die untersuchte Gruppe bewusst gesünder und enger ausgewählt als viele reale Nutzergruppen.

Das mittlere Körpergewicht und der BMI lagen in einem Bereich, der über die 90 Tage weitgehend stabil blieb. Die Studie berichtet keine ältere, chronisch kranke oder medikamentös komplexe Population. Aussagen zu Kindern, Schwangeren, Stillenden, Personen mit Leber- oder Nierenerkrankungen und Personen mit relevanter Arzneimitteleinnahme lassen sich aus dieser Datenbasis nicht ableiten.

Intervention, Exposition und Vergleich

Die Intervention war ein standardisiertes Schwarzkümmelölpräparat mit etwa 5 % Thymochinon. In der Studie wurde es BCO-5 genannt; der Produktname im Originaltitel lautet BlaQmax®. Das ist für die Formtrennung wichtig, weil ein solches Spezialpräparat nicht automatisch mit kaltgepresstem, unstandardisiertem Schwarzkümmelöl gleichgesetzt werden kann.

Die Vergleichsgruppe erhielt Leinöl-Kapseln als Placebo. Beide Kapseltypen sollten äußerlich gleich wirken. Die Studie beschreibt keine freie Auswahl verschiedener Schwarzkümmelöle und keinen Marktvergleich. Sie prüft eine bestimmte standardisierte Formulierung in einer festen Studiensituation.

Auch Thymochinon bleibt getrennt zu lesen. Die Studie prüft nicht isoliertes Thymochinon als Reinsubstanz, sondern ein Ölpräparat, das auf einen hohen Thymochinon-Anteil standardisiert war. Das Ergebnis betrifft daher weder isoliertes Thymochinon noch Schwarzkümmelsamen, Samenpulver, Extrakte oder topische Anwendungen.

Ergebnisse

Die Studie berichtet keine schweren unerwünschten Ereignisse und keine schweren Nebenwirkungen. Hämatologische Werte zeigten laut Autoren keine signifikanten Veränderungen zwischen Beginn und Ende der Studie. Auch Lebermarker wie ALT, AST und ALP sowie Nierenmarker wie Serumkreatinin und Harnstoff zeigten keine signifikanten Veränderungen gegenüber dem Ausgangswert oder im Vergleich zur Placebogruppe.

Vitalzeichen wie Puls, systolischer Blutdruck und diastolischer Blutdruck unterschieden sich laut Bericht nicht signifikant zwischen Beginn und Studienende. Auch Körpergewicht und BMI blieben im Studienzeitraum im Wesentlichen stabil. Diese Befunde stützen die Aussage, dass in dieser kleinen, gesunden Studiengruppe keine auffälligen Sicherheitsverschiebungen bei den gemessenen Standardparametern gesehen wurden.

Bei den Blutfetten beobachteten die Autoren in der BCO-5-Gruppe signifikante Veränderungen gegenüber dem Ausgangswert. Gesamtcholesterin, Triglyceride, LDL und VLDL gingen zurück; HDL stieg an. Die Werte blieben nach Darstellung der Autoren innerhalb sicherer beziehungsweise normaler Bereiche. Diese Lipidbefunde sind ein Nebenbefund der Sicherheitsstudie und kein ausreichender Beleg für eine allgemeine Behandlungsaussage.

BereichBeobachtung in der StudieEinordnung
Studiendesignrandomisiert, doppelblind, placebokontrolliert, 90 Tagegeeignet für eine erste Verträglichkeitsprüfung
PrüfpräparatBCO-5 mit etwa 5,12-5,2 % ThymochinonSpezialöl, nicht stellvertretend für alle Öle
Teilnehmende70 gesunde Erwachsene randomisiertkeine Daten für Kinder, Schwangerschaft, Stillzeit oder chronisch Kranke
Leber/NiereALT, AST, ALP, Kreatinin und Harnstoff ohne signifikante auffällige VeränderungSicherheitsmarker blieben in dieser Gruppe unauffällig
Vitalzeichenkeine signifikanten Änderungen bei Puls und Blutdruckkeine robuste Aussage für Personen mit Blutdruckproblemen
Nebenwirkungenkeine schweren unerwünschten Ereignisse; einzelne milde bis moderate Beschwerdenbegrenzte Aussage wegen kleiner Stichprobe und kurzer Dauer
LipidwerteRückgang von Gesamtcholesterin, Triglyceriden, LDL und VLDL; Anstieg von HDLNebenbefund, nicht als Therapieaussage lesen

Nebenwirkungen und Sicherheit

Die Nebenwirkungsdarstellung zeigt keine schweren oder schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse. In der Tabelle zu unerwünschten Ereignissen werden am Studienende 29 Personen in der Placebogruppe und 31 Personen in der BCO-5-Gruppe ausgewiesen. Ein Teilnehmer der Placebogruppe und vier Teilnehmer der BCO-5-Gruppe berichteten unerwünschte Ereignisse. Der Anteil von Personen mit milden bis moderaten Ereignissen lag laut Tabelle bei 3,44 % in der Placebogruppe und 12,90 % in der BCO-5-Gruppe.

Beschrieben wurden unter anderem Blähgefühl in den ersten fünf Tagen, milder Durchfall sowie Magen-Darm-Geräusche oder Aufstoßen mit Schwarzkümmelölgeschmack. Die Studie berichtet außerdem keine relevanten Änderungen von Nahrung- oder Wasseraufnahme und keine gastrointestinalen Reizungen durch die 90-tägige Einnahme im Gesamtbild.

Diese Sicherheitsdaten bleiben eng begrenzt. Sie sprechen für eine gute kurzfristige Verträglichkeit des untersuchten BCO-5-Präparats in gesunden Erwachsenen. Sie beweisen nicht, dass thymoquinonreiche Öle bei langfristiger Nutzung, bei höheren Mengen, bei Vorerkrankungen, in Schwangerschaft oder Stillzeit, bei Kindern oder zusammen mit Arzneimitteln unproblematisch sind.

Einordnung

Die Stärke der Studie liegt in der Formtrennung. Es wurde nicht nur allgemein von Schwarzkümmelöl gesprochen, sondern ein spezifisches, analytisch charakterisiertes Ölpräparat geprüft. Der hohe Thymochinon-Gehalt wurde gemessen, und das Studienmaterial wurde zusätzlich auf Identität, Schwermetalle und mikrobiologische Parameter geprüft. Dadurch ist klarer, was tatsächlich untersucht wurde.

Eine zweite Stärke ist das kontrollierte Studiendesign. Randomisierung, Verblindung und Placebovergleich verringern einige Verzerrungen. Für eine erste Sicherheitsprüfung über 90 Tage ist das nützlich, besonders weil Leber-, Nieren-, Blutbild- und Vitalparameter systematisch erfasst wurden.

Die wichtigste Grenze ist die kleine und ausgewählte Population. 70 randomisierte gesunde Erwachsene sind zu wenig, um seltene Nebenwirkungen zu erkennen. Die Angaben zu unerwünschten Ereignissen am Studienende beziehen sich zudem auf 29 beziehungsweise 31 Personen. Damit bleibt die Aussagekraft für seltene Ereignisse und für breitere Alltagsgruppen begrenzt.

Eine weitere Grenze ist die Dauer. 90 Tage reichen für eine Kurz- bis Mittelzeitbeobachtung, aber nicht für eine belastbare Langzeitsicherheit. Die Studie untersucht auch keine Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder, ältere Menschen, Personen mit Leber- oder Nierenerkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck oder gleichzeitiger Arzneimitteleinnahme.

Auch die Verbindung zu Thymochinon muss vorsichtig bleiben. BCO-5 ist ein thymoquinonreiches Öl, aber die Studie misst keine vollständige Pharmakokinetik von Thymochinon im Blut. Sie zeigt daher nicht, wie Thymochinon aus verschiedenen Ölen aufgenommen, verteilt, umgebaut oder ausgeschieden wird. Dafür sind andere Untersuchungen nötig.

Grenzen der Aussagekraft

Die Studie zeigt keine Behandlung von Schlafproblemen, Stress, Entzündung, Diabetes, Bluthochdruck, Allergien, Lebererkrankungen oder anderen Beschwerden. Sie war als Sicherheitsstudie angelegt.

Die Studie zeigt keine allgemeine Sicherheit aller Schwarzkümmelöle. Der geprüfte Stoff war ein standardisiertes BCO-5-Präparat mit etwa 5 % Thymochinon. Handelsübliche Öle können sich nach Herkunft, Pressung, Lagerung, Fettsäureprofil, Thymochinon-Gehalt und Qualität deutlich unterscheiden.

Die Studie zeigt keine Sicherheit von isoliertem Thymochinon. Sie zeigt auch nicht, dass ein höherer Thymochinon-Gehalt grundsätzlich besser, wirksamer oder sicherer ist.

Die Studie liefert keine persönliche Einnahmeregel. Die geprüfte Menge beschreibt nur das Studiensetting und darf nicht als Empfehlung für Nutzerinnen und Nutzer verstanden werden.

Was die Studie zeigt

Thomas et al. 2022 zeigt, dass in einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten 90-Tage-Studie mit gesunden Erwachsenen keine schweren unerwünschten Ereignisse unter dem geprüften BCO-5-Präparat berichtet wurden.

Die Studie zeigt, dass Lebermarker, Nierenmarker, Blutbild und Vitalzeichen in dieser Untersuchungsgruppe keine signifikanten auffälligen Veränderungen zeigten.

Die Studie zeigt, dass einzelne milde bis moderate Beschwerden wie Blähgefühl, milder Durchfall, Magen-Darm-Geräusche oder Aufstoßen mit Schwarzkümmelölgeschmack berichtet wurden.

Die Studie zeigt außerdem, dass das geprüfte Material ein standardisiertes thymoquinonreiches Öl war. Diese Form ist von unstandardisiertem Schwarzkümmelöl, Samenprodukten, Extrakten und isoliertem Thymochinon zu unterscheiden.

Was die Studie nicht zeigt

Die Studie zeigt keine klinische Wirksamkeit von Schwarzkümmelöl gegen bestimmte Erkrankungen.

Sie zeigt keine Langzeitsicherheit über 90 Tage hinaus.

Sie zeigt keine Sicherheit bei Kindern, Schwangeren, Stillenden, älteren Menschen, chronisch Kranken oder Personen mit Arzneimitteltherapie.

Sie zeigt keine Sicherheitsbilanz für alle Schwarzkümmelöle, alle thymoquinonreichen Öle oder isoliertes Thymochinon.

Sie zeigt keine Produktauswahl, keine Kaufempfehlung, keine Therapieempfehlung und keine persönliche Dosierungsregel.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Thomas et al. (2022) ist eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-I-Sicherheitsstudie zu thymoquinonreichem Schwarzkümmelöl.
  • Die Studie erschien in Toxicology Reports, Band 9, Seiten 999-1007.
  • Untersucht wurde BCO-5, ein standardisiertes `Nigella sativa`-Öl mit etwa 5,12-5,2 % Thymochinon.
  • 120 Personen wurden gescreent; 70 gesunde Männer und Frauen wurden in zwei Gruppen mit je 35 Personen randomisiert.
  • Die BCO-5-Gruppe erhielt 200 mg pro Tag für 90 Tage; die Placebogruppe erhielt Leinöl-Kapseln.
  • Primäre Sicherheitsendpunkte waren Veränderungen von Leber- und Nierenmarkern vom Ausgangswert bis zum Studienende.
  • Zusätzlich wurden Blutbild, Vitalzeichen, anthropometrische Daten und unerwünschte Ereignisse erfasst.
  • ALT, AST, ALP, Serumkreatinin und Harnstoff zeigten laut Studie keine signifikanten auffälligen Veränderungen.
  • Hämatologische Parameter und Vitalzeichen zeigten laut Studie ebenfalls keine signifikanten auffälligen Veränderungen.
  • Die Studie berichtet keine schweren oder schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse.
  • Am Studienende wurden unerwünschte Ereignisse bei einem Teilnehmer der Placebogruppe und vier Teilnehmern der BCO-5-Gruppe berichtet.
  • Beschriebene Beschwerden waren unter anderem Blähgefühl, milder Durchfall, Magen-Darm-Geräusche und Aufstoßen mit Schwarzkümmelölgeschmack.
  • Die Lipidwerte veränderten sich in der BCO-5-Gruppe signifikant, blieben aber laut Autoren innerhalb sicherer beziehungsweise normaler Bereiche.
  • Die Studie erlaubt keine Übertragung auf alle Schwarzkümmelöle, auf isoliertes Thymochinon, auf Kinder, Schwangerschaft, Stillzeit, chronisch Kranke oder Langzeitnutzung.

Quellen

  1. Originalquelle