EFSA: Sicherheit von dreiwertigem Chrom als Nährstoffquelle

EFSA ANS Panel 2010 bewertete die Sicherheit von dreiwertigem Chrom als zugesetzte Nährstoffquelle. Der geprüfte Einsatzbereich umfasste auch Nahrungsergänzungsmittel.

Kurzprofil

  • Quelle: EFSA ANS Panel (2010). Scientific Opinion on the safety of trivalent chromium as a nutrient added for nutritional purposes to foodstuffs. EFSA Journal. DOI: 10.2903/j.efsa.2010.1882.
  • Quellentyp: Behördenbewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit.
  • Land und Kontext: Europäische Union; Lebensmittel für besondere Ernährungszwecke, Lebensmittel für die Allgemeinbevölkerung und Nahrungsergänzungsmittel.
  • Wirkstoffbezug: dreiwertiges Chrom, also Chrom(III), als zugesetzte Nährstoffquelle.
  • Bewertete Frage: Ob die Verwendung von Chrom(III) als zugesetzte Nährstoffquelle aus toxikologischer Sicht Anlass zur Sorge gibt.
  • Zentrale Endpunkte: orale Aufnahme, mögliche DNA-Schädigung in Testsystemen, Ergebnisse aus Tierversuchen, Krebsrisiko, Abstand zu Dosen ohne beobachtete schädliche Effekte.

Quellenfrage

Die EFSA prüfte eine Sicherheitsfrage: Kann dreiwertiges Chrom als Nährstoffquelle in bestimmten Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden, ohne dass bei den betrachteten Aufnahmemengen ein Sicherheitsproblem erwartet wird?

Wichtig ist die Abgrenzung: Die Bewertung fragte nicht, ob Chrom einen Nutzen bei Diabetes, Körpergewicht, Blutfetten oder anderen Gesundheitszielen hat. Sie fragte auch nicht, ob Chrom für gesunde Menschen als essenzieller Nährstoff zwingend belegt ist. Es ging um Sicherheit bei zugesetztem Chrom(III).

Vorgehen und Datengrundlage

Die EFSA wertete toxikologische Daten zu dreiwertigem Chrom aus. Dazu gehörten Angaben zur Aufnahme über den Verdauungstrakt, Hinweise aus Zell- und Bakterientests, Ergebnisse aus Tierversuchen nach OECD-ähnlichen Prüfstandards und Langzeitdaten aus dem National Toxicology Program.

Ein Auslöser der Bewertung waren Sicherheitsdiskussionen zu Chrom(III)-Picolinat. Die EFSA betrachtete die Frage aber im Rahmen der damaligen Aufnahmemenge für ergänzend aufgenommenes dreiwertiges Chrom. Als Bezugswert wurde der WHO-Wert von 250 µg Chrom(III) pro Tag genannt, der für ergänzende Aufnahme nicht überschritten werden sollte.

Die Quelle ersetzt keine klinische Studie. Sie fasst vorhandene toxikologische Daten und frühere Behördenwerte zusammen. Eine Teilnehmerzahl wie in einer Humanstudie gibt es deshalb nicht.

Ergebnis

Die EFSA kam zu dem Ergebnis, dass dreiwertiges Chrom nach oraler Aufnahme nur schlecht aufgenommen wird. In Labortests konnten bei hohen Konzentrationen Hinweise auf DNA-Schädigung auftreten. Diese Hinweise spiegelten sich nach EFSA-Einordnung jedoch nicht in standardisierten In-vivo-Genotoxizitätstests und den Langzeitstudien des National Toxicology Program wider.

Für die Sicherheitsbewertung war besonders der Abstand zwischen der ergänzenden Aufnahme von 250 µg pro Tag und einem aus Tierdaten abgeleiteten Wert ohne beobachtete schädliche Effekte wichtig. VKM fasst die EFSA-Einordnung später so zusammen: Zwischen 250 µg pro Tag, entsprechend etwa 4,1 µg/kg Körpergewicht pro Tag bei einer 60-kg-Person, und einem NOAEL von 300 mg/kg Körpergewicht pro Tag lag ein Abstand von vier bis fünf Zehnerpotenzen.

Auf dieser Grundlage bewertete die EFSA Chrom(III) als zugesetzte Nährstoffquelle für den betrachteten Einsatzbereich nicht als Anlass zur Sorge, sofern die Aufnahme aus diesen Quellen 250 µg pro Tag nicht überschreitet.

Einordnung

Die EFSA-Quelle ist vor allem ein Sicherheitsanker für dreiwertiges Chrom. Sie passt zu anderen Behördenquellen, die keinen klassischen europäischen Höchstaufnahmewert für alle Situationen ableiten, aber die orale Toxizität von Chrom(III) im Vergleich zu vielen anderen Stoffen als niedrig einordnen.

Die Quelle trennt Chrom(III) von Chrom(VI). Das ist fachlich wichtig, weil Chrom(VI) in Kontaminations- und Expositionsfragen toxikologisch anders bewertet wird. Aus Risiken von Chrom(VI) lässt sich nicht automatisch auf Chrom(III)-Nährstoffquellen schließen, und umgekehrt sagt eine Chrom(III)-Sicherheitsbewertung nichts über Chrom(VI) in Trinkwasser oder belasteten Lebensmitteln.

Die EFSA-Aussage ist außerdem keine Nutzenbewertung. Eine Sicherheitsbewertung kann sagen, ob eine Aufnahmemenge nach den geprüften Daten unbedenklich erscheint. Sie zeigt aber nicht, ob eine zusätzliche Aufnahme für bestimmte Personengruppen sinnvoll oder wirksam ist.

Limitationen

Die Datenbasis war für einige Fragen begrenzt. Die Quelle stützte sich stark auf toxikologische Modelle, Tierversuche und vorhandene Behördenwerte. Humanstudien waren für die Frage der Langzeitsicherheit hoher ergänzender Aufnahmen nicht der zentrale Beleg.

Die EFSA leitete in dieser Quelle keinen allgemeinen Bedarf und keinen europäischen Referenzwert für Chrom ab. Auch ein klassischer tolerierbarer oberer Aufnahmewert für alle Ernährungsquellen wurde hier nicht festgelegt.

Die Grenze von 250 µg pro Tag ist in der Quelle ein Rahmen für ergänzend aufgenommenes Chrom(III) aus den betrachteten Quellen. Sie ist keine persönliche Einnahmeanweisung und keine Aussage darüber, dass höhere Mengen sicher oder unsicher sind.

Was die Quelle zeigt

Die Quelle zeigt, dass die EFSA dreiwertiges Chrom als zugesetzte Nährstoffquelle für den bewerteten Einsatzbereich nicht als Anlass zur Sorge einstufte, solange die ergänzende Aufnahme 250 µg pro Tag nicht überschreitet.

Sie zeigt außerdem, dass die EFSA Laborhinweise auf mögliche DNA-Schädigung gegen In-vivo-Daten und Langzeit-Tierdaten abwog. Entscheidend war, dass die kritischen In-vitro-Hinweise nach EFSA-Einordnung nicht durch die standardisierten In-vivo-Prüfungen und die NTP-Langzeitdaten bestätigt wurden.

Was die Quelle nicht zeigt

Die Quelle zeigt nicht, dass Chrom(III)-Supplemente bei Diabetes, Gewichtsreduktion, Blutfetten oder PCOS wirken. Sie zeigt auch nicht, dass gesunde Menschen zusätzliches Chrom benötigen.

Sie beantwortet nicht die Frage nach einem europäischen Referenzwert für Chrom. Sie ersetzt auch keine Bewertung einzelner Handelsprodukte, einzelner Kombinationspräparate oder dauerhaft hoher Aufnahmen oberhalb des geprüften Rahmens.

Sie bewertet nicht Chrom(VI) als Kontaminant in Trinkwasser oder Lebensmitteln. Diese Frage gehört in eine getrennte toxikologische Bewertung.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Die EFSA bewertete 2010 die Sicherheit von dreiwertigem Chrom als zugesetzte Nährstoffquelle.
  • Der betrachtete Rahmen umfasste Lebensmittel für besondere Ernährungszwecke, Lebensmittel für die Allgemeinbevölkerung und Nahrungsergänzungsmittel.
  • Die Quelle ist eine Behördenbewertung, keine klinische Wirksamkeitsstudie.
  • Dreiwertiges Chrom wird nach oraler Aufnahme nur schlecht aufgenommen.
  • In-vitro-Hinweise auf DNA-Schädigung wurden nach EFSA-Einordnung nicht durch standardisierte In-vivo-Tests und NTP-Langzeitdaten bestätigt.
  • Der zentrale Bezugswert war eine ergänzende Aufnahme von bis zu 250 µg Chrom(III) pro Tag.
  • Die EFSA sah für den betrachteten Einsatzbereich keinen Anlass zur Sorge, sofern diese ergänzende Aufnahme nicht überschritten wird.
  • Die Quelle leitet keinen Nutzen, keinen Bedarf und keinen persönlichen Einnahmewert ab.
  • Chrom(III) als Nährstoffquelle ist getrennt von Chrom(VI)-Kontaminationsfragen zu bewerten.

Quellen

  1. EFSA safety of trivalent chromium