VKM: Hohe Chrom(III)-Zufuhr im norwegischen Sicherheitsrahmen

Die VKM-Bewertung ordnet hohe zusätzliche Chrom(III)-Aufnahmen in einem norwegischen Regelungsrahmen ein. Sie leitet keinen eigenen klassischen UL ab. Stattdessen vergleicht sie mehrere mögliche Höchstgrenzen für Nahrungsergänzungsmittel mit europäischen Aufnahmedaten und einem von EFSA CONTAM genutzten TDI. Das Ergebnis fällt deutlich aus: Selbst das Szenar

Kurzprofil

  • Quelle: VKM (2018). Assessment of dietary intake of chromium(III) in relation to tolerable upper intake level.
  • Quellentyp: norwegische Behördenbewertung mit Szenarioberechnungen zu Chrom in Nahrungsergänzungsmitteln.
  • Land/Kontext: Norwegen; Auftrag der Norwegian Food Safety Authority an das Norwegian Scientific Committee for Food and Environment.
  • Wirkstoff: dreiwertiges Chrom, also Chrom(III), aus Lebensmitteln, angereicherten Produkten und Nahrungsergänzungsmitteln.
  • Bewertete Frage: Wie hoch wäre die Gesamtaufnahme von Chrom(III), wenn Nahrungsergänzungsmittel 50, 125, 200 oder 300 µg Chrom pro Tagesdosis enthalten würden?
  • Zentrale Vergleichsgröße: tolerable daily intake von 300 µg Chrom(III) pro kg Körpergewicht und Tag aus der EFSA-CONTAM-Bewertung.
  • Originalquelle: https://vkm.no/download/18.25985ca4161fb19d531a38c3/1521011311157/Assessment%20of%20dietary%20intake%20of%20chromium%20%28III%29%20in%20relation%20to%20tolerable%20upper%20intake%20level.pdf

Die VKM-Bewertung ordnet hohe zusätzliche Chrom(III)-Aufnahmen in einem norwegischen Regelungsrahmen ein. Sie leitet keinen eigenen klassischen UL ab. Stattdessen vergleicht sie mehrere mögliche Höchstgrenzen für Nahrungsergänzungsmittel mit europäischen Aufnahmedaten und einem von EFSA CONTAM genutzten TDI. Das Ergebnis fällt deutlich aus: Selbst das Szenario mit 300 µg Chrom pro Tagesdosis aus Nahrungsergänzungsmitteln lag in den Modellrechnungen klar unter dem TDI.

Quellenfrage

Die norwegische Lebensmittelbehörde wollte wissen, welche Folgen neue nationale Höchstgrenzen für Chrom in Nahrungsergänzungsmitteln hätten. Der frühere norwegische Grenzwert von 125 µg pro Tagesdosis war am 30. Mai 2017 aufgehoben worden. Deshalb prüfte VKM Szenarien mit 50, 125, 200 und 300 µg Chrom pro Tagesdosis.

Die Frage war keine Wirksamkeitsfrage. VKM untersuchte nicht, ob Chromsupplemente bei Blutzucker, Körpergewicht, Lipiden oder anderen Gesundheitszielen wirken. Im Mittelpunkt stand die Risikobewertung: Wie weit lägen geschätzte Gesamtaufnahmen aus Ernährung plus Nahrungsergänzungsmittel unter oder nahe an vorhandenen oberen Vergleichswerten?

Der Bericht trennt Chrom(III) und Chrom(VI). In Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln betrachtet VKM vor allem dreiwertiges Chrom. Für Trinkwasser und Kontaminationsfragen ist sechswertiges Chrom toxikologisch gesondert zu sehen. Aus der Chrom(VI)-Toxikologie wird keine Aussage über einen Nutzen oder eine erwartete Wirkung von Chrom(III)-Supplementen abgeleitet.

Vorgehen

VKM führte keine eigene systematische Literaturübersicht durch. Die Bewertung stützt sich auf bereits veröffentlichte Behördenberichte und Datensätze, vor allem WHO, IOM/NASEM, SCF, EVM, NNR und EFSA. Dadurch ist die Quelle eine behördliche Einordnung und Szenariorechnung, keine neue klinische Studie.

Norwegische Lebensmittelzusammensetzungsdaten zu Chrom lagen nicht vor. VKM nutzte deshalb die europäische EFSA-CONTAM-Bewertung von 2014. Diese enthielt Aufnahmeschätzungen aus 26 Ernährungserhebungen in 17 europäischen Ländern sowie Analysedaten zu Chrom in Lebensmitteln. Unter den sechs nordischen Erhebungen waren Daten aus Dänemark, Schweden und Finnland, aber keine direkte norwegische Erhebung. VKM bewertete die europäischen Zusammenfassungsdaten trotzdem als verwendbar für Norwegen.

Für Lebensmittel wurde angenommen, dass der gemessene Gesamtchromgehalt als Chrom(III) vorliegt. Für Trinkwasser wurde Chrom dagegen als Chrom(VI) betrachtet. Diese Annahme ist eine Vereinfachung, die VKM selbst als Unsicherheitsquelle nennt.

Die Szenarien kombinierten die geschätzte Chromaufnahme aus der Ernährung mit zusätzlichen Mengen aus Nahrungsergänzungsmitteln. Geprüft wurden 50, 125, 200 und 300 µg pro Tagesdosis. Eine zusätzliche Portion eines mit Chrom(III) angereicherten Lebensmittels wurde mit 12 µg Chrom(III) veranschlagt. Der Vergleich erfolgte gegen den EFSA-CONTAM-TDI von 300 µg Chrom(III) pro kg Körpergewicht und Tag.

Ergebnis

VKM fand keinen Hinweis, dass die geprüften Supplement-Szenarien den EFSA-CONTAM-TDI erreichen würden. Selbst beim höchsten Szenario von 300 µg Chrom pro Tagesdosis lagen die berechneten Gesamtaufnahmen deutlich unter dem TDI.

Für die Ernährung allein berichtete VKM mediane Chromaufnahmen von 28,6-44,0 µg/Tag bei Kleinkindern von 1 bis unter 3 Jahren, 55,4-76,2 µg/Tag bei Kindern von 3 bis unter 10 Jahren, 52,1-69,4 µg/Tag bei Jugendlichen von 10 bis unter 14 Jahren, 73,6-98,1 µg/Tag bei Jugendlichen von 14 bis unter 18 Jahren und 63,0-84,0 µg/Tag bei Erwachsenen von 18 bis 65 Jahren. Diese Werte stammen aus EFSA-Daten und sind keine direkt gemessenen norwegischen Mittelwerte.

Bei Erwachsenen ergab die Szenariorechnung mit 300 µg zusätzlichem Chrom pro Tag und medianer Ernährung eine Gesamtaufnahme von 363,0-384,0 µg/Tag. Der rechnerische TDI für Erwachsene wurde mit 21.000 µg/Tag angesetzt, entsprechend 300 µg/kg Körpergewicht und Tag bei 70 kg Körpergewicht. Auch die 95.-Perzentil-Szenarien lagen deutlich darunter.

Die knappste rechnerische Annäherung ergab sich bei Kleinkindern, weil ihr Körpergewicht niedriger ist. Auch dort blieb das höchste Szenario mit 300 µg pro Tagesdosis plus hohem Ernährungshintergrund etwa neunfach unter dem TDI. Für die anderen Altersgruppen lagen die modellierten Aufnahmen im höchsten Szenario nach VKM 16- bis 48-fach unter dem TDI.

VKM stellte außerdem die Behördenlage dar. WHO und EFSA verwendeten einen Rahmen von 250 µg/Tag für zusätzliche Aufnahme, die nicht überschritten werden sollte. SCF, IOM/NASEM und NNR leiteten keinen klassischen UL ab. EFSA CONTAM nutzte dagegen für Chrom(III) einen TDI von 300 µg/kg Körpergewicht und Tag, abgeleitet aus Tierdaten und mit einem Unsicherheitsfaktor von 1000.

Einordnung

Die Stärke der VKM-Quelle liegt in der transparenten Szenariorechnung. Sie zeigt, was rechnerisch passiert, wenn eine nationale Höchstgrenze für Chrom in Nahrungsergänzungsmitteln bei 50, 125, 200 oder 300 µg pro Tagesdosis läge. Dadurch ergänzt sie deutsche und europäische Sicherheitsquellen, die häufig bei der Frage stehen bleiben, ob ein klassischer UL ableitbar ist oder nicht.

Der 250-µg/Tag-Wert spielt in der Behördenlage eine andere Rolle als der EFSA-CONTAM-TDI. Die 250 µg/Tag beziehen sich auf zusätzliche Chromaufnahme, die WHO und später EFSA als Rahmen für Supplement- oder zugesetzte Quellen nutzten. Der TDI von 300 µg/kg Körpergewicht und Tag ist dagegen ein toxikologischer Vergleichswert aus der EFSA-CONTAM-Bewertung. VKM nutzt diesen TDI für die Szenariorechnung, macht daraus aber keine persönliche Einnahmeregel.

Wichtig ist auch, dass VKM keinen norwegischen Bedarf oder Nutzen von Chrom ableitet. Die Quelle erwähnt, dass für Norwegen keine Empfehlung zur Chromaufnahme besteht und dass EFSA sowie nordische Empfehlungen wegen fehlender ausreichender Evidenz keine Chromempfehlung ableiteten. Die Szenariorechnung bedeutet deshalb nicht, dass zusätzliche Chromaufnahme nötig oder vorteilhaft wäre.

Limitationen

Die Quelle hängt stark von EFSA-Aufnahmedaten ab. Norwegische Daten zum Chromgehalt in Lebensmitteln standen nicht zur Verfügung. Auch die verwendeten europäischen Ernährungserhebungen enthalten keine direkte norwegische Erhebung. VKM bewertet die Daten als wahrscheinlich übertragbar, benennt diese Übertragung aber als Unsicherheit.

Eine weitere Grenze betrifft die Verzehrsdaten für angereicherte Lebensmittel, Lebensmittel für besondere Ernährungszwecke und Nahrungsergänzungsmittel. VKM nennt ausdrücklich, dass dafür passende Verbrauchsdaten fehlen. Auch Beiträge aus Edelstahlbehältern, Verarbeitungsgeräten und Küchenutensilien zu Chrom(III)-Gehalten in verzehrfertigen Lebensmitteln sind kaum durch Daten abgedeckt.

Für die toxikologische Ableitung bleiben ebenfalls Unsicherheiten. Der EFSA-CONTAM-TDI beruht auf einem NOAEL aus einer zweijährigen Rattenstudie, bei dem der NOAEL die höchste geprüfte Dosis war. VKM nennt außerdem fehlende zuverlässige Daten zu Entwicklungs- und Reproduktionstoxizität sowie fehlende Humanstudien zu möglichen Langzeitnebenwirkungen chronisch hoher Chrom(III)-Aufnahmen.

Die Quelle bewertet keine einzelnen Produkte, keine Kombinationspräparate und keine realen Marktanteile chromhaltiger Nahrungsergänzungsmittel. Sie beschreibt modellierte Szenarien, nicht das tatsächliche Einnahmeverhalten einzelner Personen.

Was die Quelle zeigt

Die Quelle zeigt, dass mehrere mögliche norwegische Höchstgrenzen für Chrom in Nahrungsergänzungsmitteln rechnerisch weit unter dem EFSA-CONTAM-TDI lagen. Sie zeigt außerdem, dass die höchste geprüfte Tagesdosis von 300 µg Chrom aus Nahrungsergänzungsmitteln in Kombination mit geschätzter Ernährungsexposition den TDI in den betrachteten Altersgruppen nicht erreichte.

Die Quelle zeigt auch, wie unterschiedlich Behördenwerte eingeordnet werden müssen. 250 µg/Tag ist ein Rahmen für zusätzliche Aufnahme aus älteren WHO-/EFSA-Bezügen. 300 µg/kg Körpergewicht und Tag ist ein TDI aus der EFSA-CONTAM-Risikobewertung. Beide Werte sind keine Bedarfswerte und keine Aussage über einen gesundheitlichen Nutzen.

Was die Quelle nicht zeigt

Die Quelle zeigt nicht, dass eine zusätzliche Chromaufnahme für einzelne Personen erforderlich, sinnvoll oder wirksam ist. Sie zeigt keine klinische Wirkung von Chromsupplementen auf Blutzucker, Gewicht, Lipide, PCOS oder andere Gesundheitsendpunkte.

Sie zeigt auch nicht, dass hohe Chrom(III)-Aufnahmen langfristig in jeder Situation risikofrei sind. Gerade Langzeitdaten beim Menschen, Entwicklungs- und Reproduktionstoxizität sowie reale Verbrauchsdaten zu Nahrungsergänzungsmitteln bleiben begrenzt.

Die Quelle ersetzt keine deutsche Höchstmengenbewertung, keine europäische Referenzwertentscheidung und keine Produktprüfung. Sie beschreibt den norwegischen Bewertungsrahmen und seine Rechenannahmen.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • VKM bewertete 2018 die Chrom(III)-Aufnahme in Norwegen in Bezug auf vorhandene obere Vergleichswerte.
  • Auftraggeber war die Norwegian Food Safety Authority.
  • Der frühere norwegische Grenzwert für Chrom in Nahrungsergänzungsmitteln lag bei 125 µg pro Tagesdosis und wurde am 30. Mai 2017 aufgehoben.
  • VKM modellierte mögliche neue Höchstgrenzen von 50, 125, 200 und 300 µg Chrom pro Tagesdosis aus Nahrungsergänzungsmitteln.
  • Mangels norwegischer Chromdaten nutzte VKM europäische EFSA-Daten aus 26 Ernährungserhebungen in 17 Ländern.
  • Der Vergleichswert war der EFSA-CONTAM-TDI von 300 µg Chrom(III) pro kg Körpergewicht und Tag.
  • Selbst im höchsten Szenario mit 300 µg zusätzlichem Chrom pro Tag lagen die berechneten Aufnahmen in fast allen Altersgruppen mindestens zehnfach unter dem TDI; bei Kleinkindern mit hohem Ernährungshintergrund etwa neunfach darunter.
  • VKM führte keine eigene systematische Literaturübersicht durch.
  • Die Quelle liefert keine Einnahmeempfehlung, keinen Wirksamkeitsbeleg und keinen Bedarfswert für Chrom.

Quellen

  1. Originalquelle