Eisen bei menstruierenden Frauen und adoleszenten Mädchen

Fernández-Gaxiola et al. 2019 untersuchten intermittierende Eisengabe bei menstruierenden Mädchen und Frauen in 25 Studien mit 10.996 Teilnehmerinnen.

Kurzprofil

  • Quelle: Fernández-Gaxiola et al. (2019), Low et al. (2016) und WHO (2016).
  • Studientyp: zwei Cochrane-Reviews mit randomisierten und quasi-randomisierten Studien; ergänzend eine WHO-Leitlinie für Public-Health-Programme.
  • Land/Kontext: internationale Studienlage; WHO-Leitlinie für Länder und Programme mit hoher Anämieprävalenz.
  • Population: menstruierende, nicht schwangere und nicht stillende Frauen sowie adoleszente Mädchen nach der Menarche und vor der Menopause.
  • Eisen-Bezug: intermittierende orale Eisengabe, tägliche orale Eisengabe und WHO-Programmrahmen für tägliche Supplementierung.
  • Zentrale Endpunkte: Anämie, Hämoglobin, Ferritin, Eisenmangel, Eisenmangelanämie, gastrointestinale Nebenwirkungen, Fatigue, körperliche Leistungsendpunkte, Adhärenz und Forschungsbedarf.

Fragestellung

Menstruierende Frauen und adoleszente Mädchen können durch Menstruationsblutverluste, Wachstum und unzureichend bioverfügbares Eisen in der Ernährung ein erhöhtes Risiko für Eisenmangel und Anämie haben. Die drei besprochenen Arbeiten fragen jedoch nicht, ob jede einzelne Frau Eisen einnehmen sollte. Sie prüfen, was in Studien und Public-Health-Programmen beobachtet wurde, wenn Eisen bei definierten Frauenpopulationen täglich oder intermittierend gegeben wurde.

Fernández-Gaxiola et al. untersuchten intermittierende Regime, also Eisen ein-, zwei- oder dreimal pro Woche an nicht aufeinanderfolgenden Tagen. Low et al. bündelten tägliche Regime bei menstruierenden Frauen. Die WHO-Leitlinie übersetzte die damalige Evidenz in eine Empfehlung für öffentliche Gesundheitsprogramme in Settings, in denen Anämie bei menstruierenden Frauen und Mädchen sehr häufig ist. Damit ergänzen sich die Quellen: Die Reviews beschreiben Wirksamkeit und Grenzen aus Studien; die WHO-Leitlinie beschreibt den engeren Anwendungsrahmen für Programme.

Studiendesign und Methoden

Fernández-Gaxiola et al. suchten bis Februar und März 2018 in mehreren Datenbanken und Studienregistern. Eingeschlossen wurden randomisierte oder quasi-randomisierte Studien mit menstruierenden Frauen. Die Intervention war intermittierende orale Eisengabe, allein oder kombiniert mit Folsäure oder weiteren Mikronährstoffen. Verglichen wurde mit keiner Gabe, Placebo oder derselben Supplementierung als tägliches Regime. Die Autorinnen bewerteten Verzerrungsrisiken und nutzten GRADE, um die Sicherheit der Ergebnisse einzuordnen.

Low et al. werteten randomisierte und quasi-randomisierte Studien aus, in denen menstruierende Frauen täglich Eisen erhielten. Die Suche lief im November und Dezember 2015 über CENTRAL, MEDLINE, Embase, LILACS, CINAHL, mehrere regionale Datenbanken, Studienregister und weitere Quellen. Die Reviewfrage umfasste Hämoglobin, Anämie, Eisenmangel, körperliche, psychologische und neurokognitive Endpunkte sowie Nebenwirkungen.

Die WHO-Leitlinie von 2016 nutzte den WHO-Prozess für evidenzinformierte Empfehlungen. Die Leitlinie stützte sich auf systematische Reviews, GRADE-Profile und Beratungen einer Leitliniengruppe. Sie formulierte eine Public-Health-Empfehlung, nicht eine individuelle medizinische Behandlungsregel.

Untersuchte Personen und Settings

Die intermittierende Cochrane-Übersicht umfasste 25 Studien mit 10.996 Frauen. Viele Studien fanden in Schulen statt. Die Teilnehmerinnen waren menstruierende Mädchen oder Frauen nach der Menarche und vor der Menopause, nicht schwanger und nicht stillend. Die Studien unterschieden sich beim Ausgangsstatus: Manche Gruppen hatten bereits Anämie oder Eisenmangel, andere waren gemischt oder unklar beschrieben.

Die tägliche Cochrane-Übersicht umfasste 67 Studien aus 76 Berichten mit insgesamt 8506 Frauen. Die größte auswertbare Datenbasis gab es für Hämoglobin am Ende der Intervention mit 6861 Frauen. Eingeschlossen waren nicht schwangere und nicht stillende menstruierende Frauen, meist im Alter von ungefähr 12 bis 50 Jahren oder mit getrennt berichteten Ergebnissen für diese Altersgruppe.

Die WHO-Leitlinie bezog sich auf menstruierende erwachsene Frauen und adoleszente Mädchen. Der empfohlene Programmrahmen galt ausdrücklich für Settings, in denen Anämie in dieser Gruppe sehr häufig ist, konkret bei mindestens 40 % Anämieprävalenz. Die WHO verwies außerdem darauf, dass bei diagnostizierter Anämie nationale Leitlinien zur Behandlung zu beachten sind. Dieser Hinweis trennt Bevölkerungsschutz von individueller Abklärung.

Intervention, Exposition und Vergleich

Bei Fernández-Gaxiola et al. bestand die Intervention aus Eisen ein-, zwei- oder dreimal pro Woche an nicht aufeinanderfolgenden Tagen. Die Präparate konnten Eisen allein, Eisen plus Folsäure oder Eisen plus mehrere Mikronährstoffe enthalten. Die Vergleiche waren entweder keine Gabe oder Placebo oder ein tägliches Eisenschema.

Bei Low et al. ging es um tägliche orale Eisengabe. Die Studien nutzten unterschiedliche Dosen, Formen, Dauern und Begleitstoffe. Einige Studien verglichen Eisen allein mit Kontrolle, andere Eisen plus Vitamin C mit Vitamin C allein. Die Reviewauswertung trennte mehrere Endpunkte und Subgruppen, etwa Frauen mit Anämie am Anfang, Frauen ohne Eisenmangel und höhere versus niedrigere Dosen.

Die WHO-Leitlinie nannte für öffentliche Gesundheitsprogramme bei hoher Anämieprävalenz ein tägliches Schema mit 30 bis 60 mg elementarem Eisen in Tablettenform über drei aufeinanderfolgende Monate pro Jahr. Diese Angabe ist ein Programmrahmen für bestimmte Bevölkerungssettings. Sie ist keine Aussage, dass diese Menge für jede Frau in jedem Land oder bei jedem Eisenstatus passend wäre.

Ergebnisse

Intermittierende Eisengabe gegenüber keiner Gabe oder Placebo

In der Cochrane-Übersicht zu intermittierenden Regimen war das Anämierisiko am Ende der Intervention niedriger als in Kontrollgruppen. Die zusammengefasste Auswertung ergab ein relatives Risiko von 0,65 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,49 bis 0,87 in 11 Studien mit 3135 Teilnehmerinnen. Hämoglobin lag im Mittel um 5,19 g/L höher als in der Kontrollgruppe. Ferritin lag im Mittel um 7,46 µg/L höher.

Für Eisenmangel deutete die Auswertung ebenfalls auf einen Vorteil, blieb aber statistisch unsicher: RR 0,50 mit 95-%-Konfidenzintervall 0,24 bis 1,04 in drei Studien mit 624 Teilnehmerinnen. Für Eisenmangelanämie und Gesamtmorbidität war die Datenlage sehr begrenzt. Die Autorinnen beschrieben die Qualität der Evidenz insgesamt als niedrig bis moderat und betonten methodische Schwächen wie unklare Verblindung und hohe Ausfälle.

Intermittierende gegenüber täglicher Eisengabe

Der Vergleich intermittierender und täglicher Regime war weniger eindeutig. In der Cochrane-Zusammenfassung wurde intermittierende Gabe gegenüber täglicher Gabe bei Anämie nicht als klar überlegen dargestellt. In der WHO-Zusammenfassung der Reviewdaten war das Anämierisiko bei intermittierender Gabe in sechs Studien mit 1492 Frauen sogar höher als bei täglicher Gabe: RR 1,26, 95-%-Konfidenzintervall 1,04 bis 1,51. Hämoglobin unterschied sich in acht Studien mit 1676 Frauen nicht statistisch gesichert. Ferritin war bei intermittierender Gabe im Mittel niedriger als bei täglicher Gabe.

Der Cochrane-Plain-Language-Text beschreibt intermittierende Regime insgesamt vorsichtig als wahrscheinlich ähnlich wirksam für Hämoglobin und Anämiekontrolle, aber mit niedriger Ergebnissicherheit. Entscheidend ist deshalb: Intermittierende Gabe kann gegenüber keiner Gabe helfen, ist aber nicht einfach als bessere oder gleichwertige Lösung für alle Endpunkte und alle Frauen zu lesen.

Tägliche Eisengabe gegenüber Kontrolle

Low et al. fanden bei täglicher Eisengabe deutlichere und breiter belegte Effekte auf Laborendpunkte. Frauen, die Eisen erhielten, waren am Ende der Intervention seltener anämisch als Kontrollgruppen: RR 0,39, 95-%-Konfidenzintervall 0,25 bis 0,60 in 10 Studien mit 3273 Frauen. Hämoglobin lag im Mittel um 5,30 g/L höher in 51 Studien mit 6861 Frauen. Eisenmangel trat seltener auf: RR 0,62, 95-%-Konfidenzintervall 0,50 bis 0,76 in sieben Studien mit 1088 Frauen.

Bei Ferritin zeigte die tägliche Gabe ebenfalls einen Anstieg. In 42 Studien mit 3881 Frauen lag Ferritin am Ende der Intervention im Mittel um 10,27 ng/mL höher. Transferrinsättigung stieg in 23 Studien mit 1637 Frauen um 5,98 Prozentpunkte. Frauen, die zu Beginn bereits anämisch waren, zeigten beim Hämoglobin einen größeren Unterschied als Frauen ohne Anämie. Bei eisenreichen Frauen war kein klarer Hämoglobinvorteil erkennbar.

Fatigue, Leistungsfähigkeit und kognitive Endpunkte

Low et al. fanden Hinweise auf bessere maximale und submaximale körperliche Leistungswerte. Für absolutes VO2max lag der mittlere Unterschied bei 0,11 L/min in acht Studien mit 276 Frauen; für relatives VO2max bei 2,35 mL/kg/min in 15 Studien mit 407 Frauen. Bei submaximaler Belastung wurde ein geringerer Anteil des VO2max und eine niedrigere Herzfrequenz für eine definierte Aufgabe berichtet.

Fatigue wurde nicht in einer einheitlichen Meta-Analyse zusammengefasst, aber sechs von acht Studien mit Fatigue-ähnlichen Endpunkten berichteten Verbesserungen, besonders bei Frauen, die bereits zu Beginn müde waren. Kognitive Endpunkte waren heterogen und widersprüchlich. Einzelne Studien berichteten Verbesserungen bei verbalem Lernen, Fehlerzahl oder Impulsivität, aber die Daten reichten nicht für eine stabile Gesamtbewertung.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Bei täglicher Eisengabe waren gastrointestinale Beschwerden häufiger. Low et al. berichteten ein erhöhtes Risiko für gastrointestinale Nebenwirkungen mit RR 1,99 in fünf Studien mit 521 Frauen. Durchfall oder weicher Stuhl waren häufiger, RR 2,13 in sechs Studien mit 604 Frauen. Verstopfung war ebenfalls häufiger, RR 2,07 in acht Studien mit 1036 Frauen. Höhere Dosen zeigten in den Subgruppen eher mehr Nebenwirkungen.

Bei intermittierender Gabe waren Nebenwirkungen im Vergleich zu keiner Gabe oder Placebo nicht ausreichend konsistent und teils unsicher. Gegenüber täglicher Gabe berichteten die zusammenfassenden Texte, dass intermittierende Regime weniger Nebenwirkungen haben können; zugleich waren die Daten zu Nebenwirkungen, Adhärenz, Arbeitsleistung, Produktivität, Depression und Malariaausgängen knapp.

Schwere seltene Ereignisse, Eisenüberladung und Langzeitsicherheit über mehrere Jahre waren in den Frauenreviews nicht ausreichend belastbar geklärt. Die WHO nannte ausdrücklich Forschungsbedarf zu Leberproblemen, Eisenüberladung nach längerer Programmdauer, Insulinresistenz sowie Effekten bei nicht anämischen oder nicht eisenarmen Frauen und Mädchen. Diese Punkte verhindern eine pauschale Sicherheitsvereinfachung.

Grenzen der Aussagekraft

Die Studienlage ist groß, aber heterogen. Die eingeschlossenen Studien unterschieden sich in Alter, Land, Ausgangsstatus, Anämieprävalenz, Eisenform, Dosis, Dauer, Begleitnährstoffen und Erfassung von Nebenwirkungen. In Low et al. waren nur 10 der 67 Studien insgesamt mit niedrigem Verzerrungsrisiko bewertet. In Fernández-Gaxiola et al. erschwerten fehlende Angaben zur Verblindung und hohe Ausfallraten die Bewertung.

Die Reviews beantworten auch nicht dieselbe Frage wie eine ärztliche Diagnostik. Hämoglobin und Ferritin verbessern sich im Mittel in bestimmten Studiengruppen, aber daraus folgt nicht, dass Müdigkeit, Leistungsprobleme oder niedrige Laborwerte bei einer einzelnen Person automatisch durch Eisenmangel erklärt sind. Andere Ursachen von Anämie und Fatigue wurden in den Reviewdaten nicht für einzelne Personen abgeklärt.

Die WHO-Leitlinie ist ein Public-Health-Dokument. Sie wurde für Länder und Programme formuliert, besonders in Umgebungen mit hoher Anämiehäufigkeit. Sie ist deshalb nicht direkt auf gut versorgte Populationen, einzelne Frauen mit normalem Eisenstatus oder Länder mit anderen Referenzwert- und Sicherheitsrahmen übertragbar.

Was die Quellen zeigen

Die Quellen zeigen, dass tägliche orale Eisengabe in Studien bei menstruierenden Frauen im Mittel Anämie und Eisenmangel verringerte und Hämoglobin sowie Eisenstatusmarker erhöhte. Die Effekte waren besonders plausibel, wenn zu Beginn ein Mangel- oder Anämierisiko bestand.

Die Quellen zeigen auch, dass intermittierende Regime gegenüber keiner Gabe oder Placebo Anämie und Hämoglobin verbessern können. Im direkten Vergleich mit täglicher Gabe bleibt die Bewertung vorsichtiger: Hämoglobin war oft ähnlich, Ferritin tendenziell niedriger und Anämie in einer WHO-Zusammenfassung der Reviewdaten unter intermittierender Gabe häufiger als unter täglicher Gabe.

Die WHO-Leitlinie zeigt, wie die Evidenz in einen Bevölkerungsrahmen übersetzt wurde: tägliche Supplementierung als öffentliche Gesundheitsmaßnahme in Settings mit mindestens 40 % Anämieprävalenz bei menstruierenden Frauen und Mädchen. Dieser Rahmen ist enger als eine allgemeine Empfehlung für alle Frauen.

Was die Quellen nicht zeigen

Die Quellen zeigen nicht, dass Eisen für alle menstruierenden Frauen sinnvoll ist. Sie zeigen auch nicht, dass ein getestetes Schema eine persönliche Dosierung ersetzt oder dass Eisen ohne Status- und Ursachenklärung bei Fatigue, niedriger Leistung oder unspezifischen Beschwerden passend wäre.

Die Quellen klären nicht ausreichend, wie langfristige mehrjährige Programme seltene Sicherheitsrisiken beeinflussen. Sie liefern auch keine stabile Aussage für Schwangere, Stillende, postmenopausale Frauen, Männer, Menschen mit Hämochromatose, chronischer Entzündung, Malabsorption oder anderen klinischen Spezialkontexten. Für diese Gruppen sind andere Quellen und andere medizinische Fragen maßgeblich.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Fernández-Gaxiola et al. (2019) werteten 25 Studien mit 10.996 menstruierenden Frauen aus und fanden bei intermittierender Eisengabe gegenüber Kontrolle ein niedrigeres Anämierisiko, höheres Hämoglobin und höheres Ferritin.
  • In der intermittierenden Reviewauswertung lag das Anämierisiko gegenüber Kontrolle bei RR 0,65; Hämoglobin lag im Mittel um 5,19 g/L höher und Ferritin um 7,46 µg/L höher.
  • Im Vergleich intermittierender mit täglicher Gabe war die Bewertung uneinheitlicher; in einer WHO-Zusammenfassung lag das Anämierisiko bei intermittierender Gabe höher als bei täglicher Gabe, während Hämoglobin nicht statistisch gesichert verschieden war.
  • Low et al. (2016) werteten 67 Studien mit 8506 Frauen aus und fanden bei täglicher Eisengabe ein niedrigeres Risiko für Anämie und Eisenmangel sowie höhere Hämoglobin-, Ferritin- und Transferrinsättigungswerte.
  • Tägliche Eisengabe war in Low et al. mit mehr gastrointestinalen Beschwerden, Durchfall/weichem Stuhl und Verstopfung verbunden.
  • Die WHO-Leitlinie von 2016 formulierte tägliche Eisengabe als Public-Health-Maßnahme für menstruierende erwachsene Frauen und adoleszente Mädchen in Settings mit mindestens 40 % Anämieprävalenz.
  • Keine der drei Quellen trägt eine allgemeine persönliche Einnahmeempfehlung für alle Frauen; Ausgangsstatus, Anämiehäufigkeit im Setting und Ursache niedriger Eisenwerte bleiben entscheidend.

Quellen

  1. Fernández-Gaxiola et al. (2019). Intermittent iron supplementation for reducing anaemia and its associated impairments in adolescent and adult menstruating women. Cochrane Database of Systematic Reviews. DOI: 10.1002/14651858.CD009218.pub3...
  2. Low et al. (2016). Daily iron supplementation for improving anaemia, iron status and health in menstruating women. Cochrane Database of Systematic Reviews. DOI: 10.1002/14651858.CD009747.pub2; PMID: 27087396
  3. World Health Organization (2016). Guideline: Daily iron supplementation in adult women and adolescent girls. WHO. ISBN: 978-92-4-151019-6