Spirulina und Körperzusammensetzung bei Erwachsenen: Meta-Analyse 2025

Systematischer Review, Meta-Analyse und Dosis-Wirkungs-Analyse von Lak et al. aus dem Jahr 2025. 17 randomisierte kontrollierte Studien mit 888 Erwachsenen.

Studienartikel: Lak et al. (2025) zu Spirulina und Körperzusammensetzung bei Erwachsenen

Kurzprofil

  • Quelle: Lak, M. et al. (2025), Nutrition & Metabolism.
  • Quellenart: Systematischer Review, Meta-Analyse und Dosis-Wirkungs-Analyse randomisierter kontrollierter Studien.
  • Untersuchte Gruppe: 888 Erwachsene aus 17 Studien; die einzelnen Studien umfassten 20 bis 80 Personen.
  • Untersuchte Substanz: oral eingenommene Spirulina, meist als Ergänzung gegenüber Placebo oder Kontrollgruppe.
  • Zentrale Endpunkte: Körpergewicht, BMI, Körperfettanteil und Taillenumfang.
  • Originalquelle: https://doi.org/10.1186/s12986-025-00959-4

Lak et al. untersuchten, ob Spirulina in randomisierten kontrollierten Studien messbare Veränderungen der Körperzusammensetzung bei Erwachsenen zeigt. Die Arbeit bündelt 17 Studien und wertet Körpergewicht, BMI, Körperfettanteil und Taillenumfang aus. Die gepoolten Ergebnisse sprechen für kleine Veränderungen bei Körpergewicht, BMI und Körperfettanteil; für den Taillenumfang zeigte sich in der Gesamtauswertung kein signifikanter Effekt.

Hintergrund und Fragestellung

Spirulina wird als getrocknete Biomasse von Arthrospira- beziehungsweise Limnospira-Arten genutzt. Einzelne Studien hatten zuvor unterschiedliche Befunde zu Körpergewicht und Körpermaßen berichtet. Dadurch blieb unklar, ob sich aus den vorhandenen randomisierten Studien ein einheitliches Bild ableiten lässt.

Die Autorengruppe wollte deshalb klären, wie Spirulina in kontrollierten Humanstudien auf anthropometrische Endpunkte wirkt. Anthropometrische Endpunkte sind Körpermaße wie Gewicht, BMI, Körperfettanteil oder Taillenumfang. Die Arbeit prüfte außerdem, ob Studienmenge, Studiendauer, Alter, Ausgangs-BMI und Geschlecht die Ergebnisse beeinflussen.

Methodik der Zusammenfassung

Die Meta-Analyse folgte PRISMA und war bei PROSPERO unter CRD42022342945 registriert. Gesucht wurde in PubMed, Scopus und Web of Science bis Dezember 2024. Eingeschlossen wurden randomisierte kontrollierte Studien an erwachsenen Personen, wenn Spirulina oral gegeben und mit Placebo oder einer Kontrollgruppe verglichen wurde. Die primären Endpunkte waren Veränderungen von Körpergewicht, BMI, Körperfettanteil und Taillenumfang.

Die Auswertung nutzte Random-Effects-Modelle und berichtete gewichtete Mittelwertdifferenzen mit 95-Prozent-Konfidenzintervallen. Zusätzlich prüfte die Arbeit Untergruppen, Publikationsbias, lineare Meta-Regression und nichtlineare Dosis-Wirkungs-Beziehungen. Das Verzerrungsrisiko wurde mit dem Cochrane-RoB-2-Werkzeug bewertet. Für die Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisbereiche nutzte die Autorengruppe GRADE.

Eingeschlossene Studien

Die Arbeit identifizierte zunächst 1.458 Datenbanktreffer. Nach Entfernung von Duplikaten, Titel-/Abstract-Screening und Volltextprüfung wurden 17 Studien in den systematischen Review aufgenommen. Insgesamt wurden 888 Teilnehmende eingeschlossen, davon 447 in Interventionsgruppen und 441 in Kontrollgruppen.

Die Studien kamen vor allem aus Iran, außerdem aus Polen, Mexiko, Indien und Kamerun. Die Studiendauer reichte von einer Woche bis 24 Wochen; die meisten Interventionen lagen zwischen vier und zwölf Wochen. Die verwendeten Spirulina-Mengen lagen zwischen 1,5 g/Tag und 6 g/Tag. Einige Studien prüften Spirulina zusammen mit Training oder energiereduzierter Ernährung; andere verglichen Spirulina allein mit Placebo oder Kontrolle.

Die Populationen waren heterogen. Untersucht wurden unter anderem Menschen mit Adipositas, Übergewicht, Hypercholesterinämie, Hypertonie, Typ-2-Diabetes, HIV-Infektion, Colitis ulcerosa, nichtalkoholischer Fettlebererkrankung, Alzheimer-Erkrankung sowie Leistungssportler im Gewichtsreduktionskontext. Diese Breite erhöht die Datenmenge, begrenzt aber die direkte Übertragbarkeit auf eine einzelne Bevölkerungsgruppe.

Ergebnisse

Für das Körpergewicht wurden 16 Effektgrößen aus elf Studien mit 649 Personen ausgewertet. Spirulina war im Vergleich zur Kontrolle mit einer signifikanten Gewichtsabnahme verbunden: gewichtete Mittelwertdifferenz -1,07 kg, 95 % KI -1,94 bis -0,21, p = 0,004. Die Heterogenität lag mit I² = 39,5 % im niedrigen bis moderaten Bereich. In Untergruppen zeigte sich der Effekt vor allem bei Studiendauern von mindestens zwölf Wochen, bei Mengen ab 2 g/Tag, bei Personen mit Adipositas und bei Teilnehmenden ab 40 Jahren.

Für den BMI wurden 16 Effektgrößen mit 748 Personen ausgewertet. Der gepoolte Effekt war ebenfalls signifikant: -0,40 kg/m², 95 % KI -0,76 bis -0,05, p = 0,025. Die Heterogenität war mit I² = 54,0 % moderat. In der Untergruppenanalyse waren signifikante BMI-Veränderungen vor allem bei Personen mit Adipositas und bei Teilnehmenden ab 40 Jahren zu sehen. Die Dosis-Wirkungs-Analyse fand für den BMI einen statistischen Zusammenhang mit der Menge und der Dauer der Intervention.

Für den Körperfettanteil wurden acht Studienarme ausgewertet. Spirulina war mit einer signifikanten Abnahme des Körperfettanteils verbunden: -0,84 Prozentpunkte, 95 % KI -1,38 bis -0,31, p = 0,002. Die Heterogenität lag bei I² = 0,0 %. In Untergruppen fiel der Befund besonders bei Männern und bei kürzeren Interventionen unter zwölf Wochen auf. Diese Untergruppen sind wegen kleiner Fallzahlen begrenzt belastbar.

Für den Taillenumfang wurden sechs Studien mit 312 Personen ausgewertet. Die Gesamtauswertung ergab keine signifikante Veränderung: -0,46 cm, 95 % KI -1,30 bis 0,37, p = 0,280. Einzelne Untergruppen, etwa Personen mit Adipositas, Teilnehmende ab 40 Jahren oder Studien mit mindestens 2 g/Tag, zeigten statistische Signale. Diese Untergruppen ersetzen aber nicht das neutrale Gesamtergebnis.

Die Publikationsbias-Prüfung über Egger-Tests zeigte keine signifikanten Hinweise auf Publikationsbias für Körpergewicht, BMI, Körperfettanteil oder Taillenumfang. Die GRADE-Bewertung stufte die Ergebnissicherheit für Körpergewicht und Körperfettanteil als hoch ein, für BMI und Taillenumfang als moderat. Gleichzeitig wurde bei allen Endpunkten ein ernstes Verzerrungsrisiko notiert; beim BMI kam Inkonsistenz hinzu, beim Taillenumfang fehlte ein signifikanter Gesamteffekt.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Die Arbeit war auf Körpermaße und Körperzusammensetzung ausgerichtet. Eine systematische Sicherheitsauswertung mit unerwünschten Ereignissen, Produktkontamination, Microcystinen, Schwermetallen, Allergien oder Risikogruppen stand nicht im Mittelpunkt.

Damit liefert diese Meta-Analyse keinen umfassenden Sicherheitsnachweis für Spirulina-Produkte. Die meisten Studien waren kurz bis mittellang, und die Produktqualität der verwendeten Präparate lässt sich aus der zusammenfassenden Auswertung nicht auf reale Handelsprodukte übertragen.

Grenzen der Aussagekraft

Die eingeschlossenen Studien waren klein; die meisten einzelnen Studien hatten zwischen 20 und 80 Teilnehmende. Die Populationen unterschieden sich deutlich nach Land, Gesundheitsstatus, Ausgangs-BMI, Trainingsanteil, Studiendauer und verwendeter Menge. Dadurch ist der gepoolte Mittelwert hilfreich, aber nicht automatisch für jede einzelne Gruppe gültig.

Die Untergruppen- und Dosis-Wirkungs-Analysen sind erklärend, aber nicht dasselbe wie direkt vergleichende Studien mit fest geplanten Mengen und Dauern. Besonders bei Körperfettanteil und Taillenumfang stützen sich einige Untergruppen auf wenige Studienarme. Außerdem betrachtete die Arbeit Körpermaße, nicht harte klinische Ereignisse wie Erkrankungsrisiko, Krankenhausaufnahmen oder Sterblichkeit.

Was die Studie zeigt

Die Meta-Analyse zeigt, dass Spirulina in randomisierten kontrollierten Studien bei Erwachsenen mit kleinen, statistisch signifikanten Veränderungen von Körpergewicht, BMI und Körperfettanteil verbunden war. Der Taillenumfang veränderte sich in der Gesamtauswertung nicht signifikant.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ausgangs-BMI, Alter, Studiendauer und Menge die beobachteten Effekte mitprägen können. Diese Faktoren erklären einen Teil der unterschiedlichen Studienbefunde, liefern aber keine persönliche Einnahme- oder Dosierungsregel.

Was die Studie nicht zeigt

Die Arbeit zeigt nicht, dass Spirulina Adipositas behandelt, eine Gewichtsreduktion zuverlässig auslöst oder andere Maßnahmen ersetzt. Sie zeigt auch nicht, dass bestimmte Spirulina-Produkte langfristig sicher sind. Produktqualität, Kontamination, Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder, Autoimmunerkrankungen und seltene Nebenwirkungen wurden nicht ausreichend beantwortet.

Die berichteten Studiendosen sind Studiendaten. Sie sind keine Empfehlung für einzelne Personen.

Eingeschlossene Einzelstudien

Lak et al. führten diese Studien beziehungsweise Studienarme in der Übersicht auf:

StudieKurzkontext
Ramamoorthy et al. 1996Hypercholesterinämie, Spirulina 2 g/Tag oder 4 g/Tag
Ngo-Matip et al. 2014HIV-Infektion, Spirulina plus ausgewogene Ernährung
Miczke et al. 2016übergewichtige hypertensive Erwachsene
Szulinska et al. 2017Adipositas
Zeinalian et al. 2017Adipositas
Yousefi et al. 2018Adipositas, Spirulina plus energiereduzierte Ernährung
Akbarpour et al. 2019Typ-2-Diabetes und Übergewicht, teils mit Training
Hernández-Lepe et al. 2019adipöse Männer, teils mit Training
Shariat et al. 2019Adipositas
Golestani et al. 2021übergewichtige oder adipöse Frauen, HIIT-Kontext
Moradi et al. 2021Colitis ulcerosa
Bagheri et al. 2022Gewichtsreduktionsphase bei Ringern
Malekaneh et al. 2022adipöse Männer, teils mit Training
Mazloomi et al. 2022nichtalkoholische Fettlebererkrankung
Nobari et al. 2022übergewichtige oder adipöse Frauen, Training
Armannia et al. 2023Adipositas
Tamtaji et al. 2023Alzheimer-Erkrankung

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Quelle: systematischer Review, Meta-Analyse und Dosis-Wirkungs-Analyse von Lak et al., veröffentlicht 2025 in Nutrition & Metabolism.
  • Datenbasis: 17 randomisierte kontrollierte Studien mit 888 Erwachsenen.
  • Suchstand: PubMed, Scopus und Web of Science bis Dezember 2024.
  • Hauptbefund: Körpergewicht, BMI und Körperfettanteil waren in der gepoolten Auswertung niedriger als in Kontrollgruppen.
  • Körpergewicht: -1,07 kg, 95 % KI -1,94 bis -0,21.
  • BMI: -0,40 kg/m², 95 % KI -0,76 bis -0,05.
  • Körperfettanteil: -0,84 Prozentpunkte, 95 % KI -1,38 bis -0,31.
  • Taillenumfang: keine signifikante Veränderung in der Gesamtauswertung.
  • GRADE: Körpergewicht und Körperfettanteil hoch; BMI und Taillenumfang moderat.
  • Grenzen: kleine Einzelstudien, heterogene Populationen, kurze bis mittlere Studiendauer und keine umfassende Sicherheits- oder Produktqualitätsbewertung.

Quellen

  1. Originalquelle
  2. springer_full_text
  3. pmc_full_text