Shahraki Jazinaki et al. (2025) zu Spirulina und C-reaktivem Protein
Systematischer Review, Meta-Analyse und Dosis-Wirkungs-Analyse von Shahraki Jazinaki et al. aus dem Jahr 2025. 7 kontrollierte Humanstudien mit 10 auswertbaren Armen und 283 Erwachsenen.
Kurzprofil
- Quelle: Shahraki Jazinaki, M. et al. (2025), Food Science & Nutrition.
- Quellenart: systematischer Review, Meta-Analyse und Dosis-Wirkungs-Analyse kontrollierter Humanstudien.
- Untersuchte Gruppe: 283 Erwachsene aus 7 Studien mit 10 auswertbaren Studienarmen.
- Untersuchte Substanz: oral eingesetzte Spirulina beziehungsweise Arthrospira in kontrollierten Studien.
- Zentraler Endpunkt: C-reaktives Protein (CRP) im Serum.
- Originalquelle: https://doi.org/10.1002/fsn3.70196
Shahraki Jazinaki et al. untersuchten, ob Spirulina in kontrollierten Humanstudien mit einer Veränderung des Entzündungsmarkers CRP verbunden ist. CRP steht für C-reaktives Protein. Es ist ein Blutmarker, der bei Entzündungsvorgängen ansteigen kann, aber allein keine Krankheit erklärt und keine Diagnose ersetzt. Die Meta-Analyse fand im Mittel niedrigere CRP-Werte in Spirulina-Gruppen als in Kontrollgruppen. Die eingeschlossenen Studien waren jedoch klein und deutlich heterogen.
Hintergrund und Fragestellung
Frühere Humanstudien zu Spirulina und Entzündungsmarkern berichteten unterschiedliche Ergebnisse. Einige Studien untersuchten übergewichtige oder adipöse Personen, andere Personen mit Typ-2-Diabetes, Hypertonie, Alzheimer-Erkrankung oder gesunde Erwachsene. Dadurch war unklar, ob sich für CRP ein zusammenfassbares Ergebnis ergibt.
Die Autorengruppe wollte prüfen, ob Spirulina im Vergleich zu Kontrollbedingungen messbar mit CRP-Veränderungen verbunden ist. Zusätzlich wurde untersucht, ob die geprüfte Menge oder Studiendauer die beobachteten CRP-Veränderungen erklärt. Diese Frage betrifft einen Labor-Surrogatmarker, nicht klinische Endpunkte wie Erkrankungsrisiko, Krankenhausaufnahmen oder Sterblichkeit.
Methodik der Zusammenfassung
Die Arbeit folgte PRISMA und war bei PROSPERO unter CRD42023446673 registriert. Gesucht wurde bis Februar 2024 in Web of Science, Scopus und PubMed. Die Suche hatte keine Sprach- oder Zeitbeschränkung. Ergänzend wurden Referenzlisten und Google Scholar geprüft.
Eingeschlossen wurden Humanstudien mit Erwachsenen ab 18 Jahren, einer Spirulina-Intervention, berichteten Serum-CRP-Veränderungen und einer geeigneten Kontrollgruppe. Ausgeschlossen wurden unter anderem Studien ohne Kontrollgruppe, Studien ohne CRP-Daten, Tierstudien, Reviewartikel, Protokolle und Arbeiten mit kombinierter Behandlung, wenn der Spirulina-Anteil nicht sinnvoll getrennt werden konnte.
Zwei Forschende screenten die Studien und extrahierten Daten. Erfasst wurden unter anderem Land, Gesundheitsstatus, Alter, BMI, geprüfte Spirulina-Menge, Studiendauer, Kontrollbedingung und CRP-Veränderungen. Das Verzerrungsrisiko wurde mit dem Cochrane-RoB-2-Werkzeug bewertet. Die Meta-Analyse nutzte gewichtete Mittelwertdifferenzen mit 95-Prozent-Konfidenzintervallen. Heterogenität wurde mit Cochran-Q und I² bewertet. Zusätzlich prüfte die Arbeit Untergruppen, Meta-Regression, nichtlineare Dosis-Wirkungs-Beziehungen, Egger-Test, Funnel-Plot und Sensitivitätsanalysen.
Eingeschlossene Studien
Die Suche identifizierte 141 Treffer. Nach Entfernung von 54 Duplikaten, Titel-/Abstractscreening und Volltextprüfung blieben 7 geeignete Studien mit 10 auswertbaren Armen und 283 Teilnehmenden.
Sechs Studien kamen aus Iran, eine aus den Niederlanden. Sechs Studien hatten ein paralleles Design, eine Studie ein Cross-over-Design. Die Interventionen dauerten zwischen 2,5 und 12 Wochen. Die geprüften Spirulina-Mengen lagen zwischen 1 g/Tag und 6 g/Tag. Diese Mengen sind Studiendaten und keine Einnahmeempfehlung.
Die Populationen waren unterschiedlich: gesunde übergewichtige oder adipöse Erwachsene, Frauen oder Männer mit Typ-2-Diabetes, Personen mit Hypertonie, gesunde Erwachsene, Personen mit Alzheimer-Erkrankung sowie adipöse Männer in Trainingskontexten. Drei Studien wurden in der Gesamtbewertung des Verzerrungsrisikos als niedrig eingestuft, zwei mit einigen Bedenken und zwei als hoch.
Ergebnisse
Die gepoolte Auswertung von 10 Effektgrößen ergab niedrigere CRP-Werte in den Spirulina-Gruppen als in den Kontrollgruppen: gewichtete Mittelwertdifferenz -0,55 mg/L, 95 % KI -0,90 bis -0,21, p = 0,002. Die Heterogenität war hoch: I² = 86,7 %, p < 0,001. Das bedeutet, dass die Studienergebnisse deutlich stärker auseinanderlagen, als es bei reinem Zufall zu erwarten wäre.
Die Untergruppenanalyse fand statistisch signifikante CRP-Senkungen vor allem in Studien aus Iran, bei Studiendauern ab 8 Wochen, bei erhöhtem Ausgangs-CRP über 5 mg/L sowie in Gruppen mit Adipositas oder normalem BMI. Diese Untergruppen sind erklärend, aber nicht beweisend. Sie beruhen auf wenigen Studienarmen und können durch Population, Studiendesign, Ausgangswerte, Training, Ernährung oder andere Begleitfaktoren beeinflusst sein.
Die Meta-Regression fand keinen signifikanten linearen Zusammenhang zwischen CRP-Veränderung und Spirulina-Menge oder Studiendauer. Auch die nichtlineare Dosis-Wirkungs-Analyse fand keinen signifikanten Zusammenhang. Damit liefert die Quelle keine belastbare Regel, wonach mehr Spirulina oder eine längere Dauer automatisch stärkere CRP-Veränderungen ergeben würden.
Der Egger-Test und die Funnel-Plot-Bewertung zeigten ein Signal für Publikationsbias, p = 0,04. Publikationsbias bedeutet, dass veröffentlichte Studien das Gesamtbild verzerren können, wenn kleinere oder negative Studien seltener sichtbar werden. Die Sensitivitätsanalyse ergab, dass das Entfernen einzelner Studien den Gesamteffekt nicht wesentlich veränderte.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Die Arbeit war auf CRP als Entzündungsmarker ausgerichtet. Sie war keine umfassende Sicherheitsbewertung von Spirulina-Produkten. Unerwünschte Ereignisse, Produktkontamination, Microcystine, Schwermetalle, Allergien, Leberberichte, Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder und Langzeitnutzung wurden nicht systematisch beantwortet.
Auch die Produktqualität der eingesetzten Spirulina-Präparate lässt sich aus dieser Meta-Analyse nicht auf frei verkäufliche Produkte übertragen. Für Sicherheitsfragen werden andere Quellen benötigt.
Grenzen der Aussagekraft
Die wichtigste Grenze ist die kleine Datenbasis. Sieben Studien mit 283 Teilnehmenden reichen für ein erstes zusammenfassendes Signal, aber nicht für eine robuste Aussage über unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Hinzu kommt die hohe Heterogenität zwischen den Studien.
Die eingeschlossenen Populationen, Studiendauern, geprüften Mengen, Kontrollbedingungen und Begleitprogramme unterschieden sich deutlich. Einige Studien kombinierten Spirulina mit Training oder Diätkontexten. Dadurch ist schwer zu trennen, welcher Anteil des beobachteten Effekts eindeutig auf Spirulina selbst zurückgeht.
Das Signal für Publikationsbias schwächt die Sicherheit der Gesamtaussage zusätzlich. Außerdem untersuchte die Arbeit CRP als Laborwert. Sie zeigt nicht, ob Spirulina klinische Entzündungserkrankungen, Herz-Kreislauf-Ereignisse oder andere harte Endpunkte verändert.
Was die Studie zeigt
Die Meta-Analyse zeigt, dass Spirulina in den ausgewerteten kontrollierten Humanstudien im Mittel mit niedrigeren CRP-Werten verbunden war als Kontrollbedingungen. Der zusammengefasste Unterschied lag bei -0,55 mg/L.
Die Arbeit zeigt außerdem, dass die vorhandenen Studien sehr unterschiedlich sind. Weder Menge noch Dauer erklärten die CRP-Veränderung zuverlässig. Das Ergebnis ist daher ein Signal für einen Entzündungsmarker unter Studienbedingungen, nicht mehr.
Was die Studie nicht zeigt
Die Arbeit zeigt nicht, dass Spirulina Entzündungskrankheiten behandelt oder Medikamente ersetzt. Sie liefert keine Diagnose-, Therapie- oder Einnahmeempfehlung. Sie zeigt auch nicht, welche Menge für einzelne Personen geeignet wäre.
Die Quelle beantwortet keine umfassenden Sicherheitsfragen. Sie belegt außerdem keine Langzeitwirkung, keine verlässliche Produktqualität realer Handelsprodukte und keine Wirkung auf klinische Ereignisse.
Eingeschlossene Einzelstudien
| Studie | Kurzkontext |
|---|---|
| Yousefi et al. 2018 | Iran; gesunde übergewichtige oder adipöse Erwachsene; 12 Wochen; Spirulina plus kalorienreduzierte Ernährung gegen Placebo plus kalorienreduzierte Ernährung |
| Akbarpour und Samari 2020 | Iran; Frauen mit Typ-2-Diabetes; 6 Wochen; Spirulina allein oder mit aerobem Training gegen passende Kontrollbedingungen |
| Ghaem Far et al. 2021 | Iran; Personen mit Hypertonie; 8 Wochen; Spirulina gegen Placebo |
| van den Driessche et al. 2021 | Niederlande; gesunde Erwachsene; Cross-over-Studie über 2,5 Wochen; Spirulina gegen Placebo |
| Hooshmand Moghadam et al. 2022 | Iran; Männer mit Typ-2-Diabetes; 8 Wochen; Spirulina allein oder mit aerobem Training gegen passende Kontrollbedingungen |
| Tamtaji et al. 2023 | Iran; Personen mit Alzheimer-Erkrankung; 12 Wochen; Spirulina gegen Placebo |
| Supriya et al. 2023 | Iran; adipöse Männer; 12 Wochen; Spirulina allein oder mit hochintensivem Intervalltraining gegen passende Kontrollbedingungen |
Kompakte Faktenzusammenfassung
- Quelle: systematischer Review, Meta-Analyse und Dosis-Wirkungs-Analyse von Shahraki Jazinaki et al., veröffentlicht 2025 in Food Science & Nutrition.
- Datenbasis: 7 kontrollierte Humanstudien mit 10 auswertbaren Armen und 283 Erwachsenen.
- Suchstand: Web of Science, Scopus und PubMed bis Februar 2024, ohne Sprach- oder Zeitbeschränkung.
- Hauptendpunkt: Serum-CRP als Entzündungsmarker.
- Hauptbefund: CRP war in Spirulina-Gruppen im Mittel niedriger als in Kontrollgruppen, WMD -0,55 mg/L, 95 % KI -0,90 bis -0,21, p = 0,002.
- Heterogenität: hoch, I² = 86,7 %, p < 0,001.
- Dosis-Wirkungs-Befund: keine signifikante lineare oder nichtlineare Beziehung zwischen Menge beziehungsweise Dauer und CRP-Veränderung.
- Bias-Hinweis: Egger-Test und Funnel-Plot zeigten ein Signal für Publikationsbias.
- Sicherheit: keine umfassende Sicherheits-, Langzeit- oder Produktqualitätsbewertung.
- Einordnung: Laborwertsignal unter Studienbedingungen, keine Therapie-, Diagnose-, Produkt- oder Einnahmeempfehlung.