Vitamin D
Die DGE-Referenzwerte für Vitamin D gelten bei fehlender körpereigener Bildung. Die Tabelle nennt 10 µg für Säuglinge und 20 µg ab einem Jahr, jeweils pro Tag.
Warum die Bedingung zur Zahl gehört
Der Körper erhält Vitamin D auf zwei Wegen: Er bildet es in der Haut mithilfe von UVB-Strahlung und nimmt es mit der Nahrung auf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung beschreibt die Bildung in der Haut als Hauptbeitrag zur Versorgung. Deshalb ist der Zufuhrwert nur zusammen mit seiner Voraussetzung verständlich: Die Tabelle nimmt an, dass keine körpereigene Bildung stattfindet.
Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin. Es reguliert den Calcium- und Phosphatstoffwechsel und fördert dadurch die Stabilität der Knochen. Die DGE nennt außerdem Stoffwechselvorgänge, die unter anderem Muskelkraft und Immunsystem beeinflussen. Daraus ergibt sich keine pauschale Aussage über einen zusätzlichen Nutzen von Präparaten.
Was für eine Quelle ist die Referenzwertseite?
Die DGE-Seite „Vitamin D“ stellt Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr dar. Sie ist eine institutionelle Referenzwertübersicht, kein Bericht über eine einzelne Studie mit Behandlungs- und Vergleichsgruppe. Als Stand der Ableitung nennt sie 2012. Dieses Jahr bezeichnet die Herleitung der Werte; ein Veröffentlichungsjahr der Webseite ist damit nicht angegeben.
Zur Tabelle gehören drei Fußnoten. Sie erklären die Einheiten, den besonderen Säuglingskontext und das Verhältnis von Nahrung, körpereigener Bildung und Supplementen. Ohne diese Erläuterungen könnte die Tabelle wie eine allgemeine Einnahmeanweisung wirken. So ist sie nicht zu lesen.
Die vollständigen Tabellenwerte
Alle folgenden Mengen sind Schätzwerte für die tägliche Zufuhr bei fehlender körpereigener Vitamin-D-Bildung. µg steht für Mikrogramm.
| Altersgruppe oder Lebensphase | Vitamin D pro Tag |
|---|---|
| Säuglinge von 0 bis unter 12 Monaten | 10 µg |
| Kinder von 1 bis unter 15 Jahren | 20 µg |
| Jugendliche und Erwachsene von 15 bis unter 65 Jahren | 20 µg |
| Erwachsene ab 65 Jahren | 20 µg |
| Schwangere | 20 µg |
| Stillende | 20 µg |
Fußnote a erläutert die alternative Einheit IE, also Internationale Einheiten: 1 µg Vitamin D entspricht 40 IE. Umgekehrt entspricht 1 IE einer Menge von 0,025 µg. Das sind zwei Schreibweisen einer Menge, keine unterschiedlichen Empfehlungen.
Was Nahrung und körpereigene Bildung beitragen
Die Nahrung trägt laut DGE nur einen kleinen Teil zur Versorgung bei. Genannt werden besonders fettreiche Fische, Eier und einige Pilze. Die übliche Ernährung liefert der Fußnote c zufolge Kindern etwa 1 bis 2 µg täglich, Jugendlichen und Erwachsenen etwa 2 bis 4 µg täglich.
Bei fehlender körpereigener Bildung reicht diese Zufuhr laut Quelle nicht aus, um die gewünschte Versorgung sicherzustellen. Die DGE beschreibt diese anhand einer Blutkonzentration von mindestens 50 nmol/l 25-Hydroxyvitamin D. Dieser Stoff dient hier als Messgröße für die Versorgung. Unter der genannten Voraussetzung werden laut Seite 20 µg Vitamin D pro Tag benötigt. Das ist ein Zufuhrwert unter einer definierten Bedingung, keine Diagnose aus der Ernährungsmenge.
Zusätzlich zur Nahrung kann die Versorgung durch Bildung in der Haut und/oder ein Supplement erfolgen. Die Fußnote hält fest, dass bei häufiger Sonnenexposition die gewünschte Versorgung auch ohne Supplement erreichbar sein kann. Sie nennt keine konkrete Aufenthaltsdauer in der Sonne. Für den Fall fehlender körpereigener Bildung beschreibt sie ein Supplement in Höhe des Referenzwertes als Beitrag zur gewünschten Versorgung.
Wer ein erhöhtes Risiko unzureichender Bildung hat
Die DGE nennt ältere Menschen sowie Menschen, die selten oder nie bei Sonne im Freien sind. Ein vollständig bedeckter Körper und dunkle Hautfarbe werden ebenfalls als Zusammenhänge eines erhöhten Risikos unzureichender körpereigener Bildung genannt.
Für besonders gefährdete ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen – etwa bei eingeschränkter Mobilität, chronischer Krankheit oder Pflegebedürftigkeit – empfiehlt die DGE ein Supplement in Höhe des altersspezifischen Schätzwertes. Sie nennt auch Säuglinge im ersten Lebensjahr ausdrücklich. Diese Beschreibung bestimmter Gruppen ersetzt keine persönliche Beurteilung der Versorgung.
Die besondere Fußnote zu Säuglingen
Fußnote b erläutert, wie der Schätzwert von 10 µg täglich für Säuglinge erreicht wird: durch eine Vitamin-D-Tablette zur Rachitisprophylaxe, also zur Vorbeugung der Knochenerkrankung Rachitis. Die Quelle nennt dafür den Zeitraum ab der ersten Lebenswoche bis zum Ende des ersten Lebensjahres und schließt gestillte wie nicht gestillte Säuglinge ein.
Diese beschriebene Gabe erfolgt ausdrücklich unabhängig von der körpereigenen Bildung sowie der Vitamin-D-Zufuhr durch Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung. Darin liegt eine wichtige Besonderheit gegenüber der allgemeinen Voraussetzung der Tabelle. Für das zweite Lebensjahr nennt die Fußnote eine Fortführung in den Wintermonaten und schreibt dies der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin zu. Hier wird der Inhalt der DGE-Fußnote wiedergegeben; daraus entsteht kein individueller Einnahmeplan.
Grenzen und Einordnung
Die Seite erklärt eine angemessene Zufuhr unter festgelegten Voraussetzungen. Ein Schätzwert ist weder eine Obergrenze noch ein Nachweis, dass jede Person diese Menge zusätzlich zur Ernährung benötigt. Die Blutkonzentration, die tägliche Zufuhr und die körpereigene Bildung beantworten unterschiedliche Fragen und dürfen nicht gleichgesetzt werden.
Den weiteren Zusammenhang von Versorgung und Sicherheit behandelt der Überblick zu Vitamin D. Der vorliegende Quellenartikel bleibt bei der DGE-Referenzwertseite und ihren Tabellenfußnoten.
Fazit
Die DGE-Werte sind verständlich, wenn die Annahme fehlender körpereigener Bildung sichtbar bleibt. Nahrung und Sonnenexposition beeinflussen die Versorgung; für Säuglinge erläutert die Quelle eine eigene Regelung. Die Tabelle allein ist deshalb keine persönliche Supplementanweisung.