Orale Eisengabe bei Kindern und Jugendlichen: Dosis, Dauer und Anämie-Endpunkte

Andersen et al. 2023 fassten 129 randomisierte Studien mit 34.564 Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren zusammen.

Kurzprofil

  • Quellen: Andersen et al. (2023), Rehman et al. (2025) und De-Regil et al. (2011).
  • Studientyp: systematische Reviews und Meta-Analysen; Rehman et al. schlossen neben überwiegend randomisierten Studien auch drei Kohortenstudien ein.
  • Land/Kontext: internationale Kinder- und Jugendstudien, überwiegend aus Regionen mit relevanter Anämie- oder Eisenmangellast.
  • Population: Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren; De-Regil et al. beschränkten sich auf Kinder unter 12 Jahren, Rehman et al. auf Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre mit Eisenmangelanämie.
  • Eisenbezug: orale Eisengabe, meist als Eisen allein oder in Kombination mit anderen Mikronährstoffen; Rehman et al. berücksichtigten auch parenterale Vergleichsarme.
  • Zentrale Endpunkte: Anämie, Eisenmangel, Eisenmangelanämie, Hämoglobin, Ferritin, Dosis- und Dauerunterschiede, Co-Supplementierung, Nebenwirkungen und begrenzte Entwicklungsendpunkte.

Fragestellung

Die drei Übersichtsarbeiten prüfen, wie orale Eisengabe bei Kindern und Jugendlichen in Studien wirkt und wie stark die Ergebnisse von Alter, Ausgangsstatus, Schema, Dauer und Setting abhängen. Der Schwerpunkt liegt nicht auf einer allgemeinen Regel für alle Kinder. Entscheidend ist, welche Gruppen untersucht wurden: Kinder mit erhöhtem Mangelrisiko, Kinder mit bestehender Eisenmangelanämie, Schulkinder, jüngere Kinder und Jugendliche.

Andersen et al. fragten, ob Häufigkeit, Dauer, Dosis und Co-Supplementierung die Wirkung oraler Eisengabe auf Anämie- und Eisenstatus-Endpunkte verändern. Rehman et al. untersuchten enger, welche Dosis- und Dauerbereiche in Studien mit Kindern und Jugendlichen mit Eisenmangelanämie mit Hämoglobinverbesserung verbunden waren. De-Regil et al. prüften die ältere Frage, ob intermittierende Eisengabe, also eine Gabe an ein bis drei nicht aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche, bei Kindern unter 12 Jahren gegenüber keiner Gabe oder täglicher Gabe wirkt.

Studiendesign und Methoden

Andersen et al. führten eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien durch. Eingeschlossen wurden Studien mit mindestens 30 Tagen oraler Eisengabe gegenüber Placebo oder Kontrolle bei Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren. Die Auswertung nutzte Random-Effects-Meta-Analysen und Meta-Regressionen, um Unterschiede nach Häufigkeit, Dauer, Dosis und Co-Supplementierung zu prüfen.

Rehman et al. suchten 2024 in MEDLINE, Embase, CINAHL und der Cochrane Library nach Studien seit 2013. Eingeschlossen wurden Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre mit Eisenmangelanämie und einer definierten Eisenintervention über mindestens 30 Tage. Schwangere und Kinder mit Grunderkrankungen, die den Anämieverlauf beeinflussen konnten, wurden ausgeschlossen. Die Hauptauswertung bündelte die Veränderung des Hämoglobins und prüfte Untergruppen nach Dauer unter 3 Monaten, 3 bis 6 Monaten und über 6 Monaten sowie nach Dosisbereichen unter 5 mg/kg/Tag, 5 bis 10 mg/kg/Tag und über 10 mg/kg/Tag.

De-Regil et al. werteten randomisierte und quasi-randomisierte Studien bei Kindern unter 12 Jahren aus. Die Intervention war intermittierende Eisengabe, allein oder mit weiteren Vitaminen und Mineralstoffen. Verglichen wurde mit Placebo, keiner Intervention oder täglicher Eisengabe. Zwei Personen prüften die Eignung der Studien, extrahierten Daten und bewerteten das Verzerrungsrisiko.

Untersuchte Personen oder Datenbasis

Andersen et al. fassten 129 randomisierte Studien mit 201 Interventionsarmen und 34.564 Kindern und Jugendlichen zusammen. Etwa die Hälfte der Studienarme untersuchte ausschließlich anämische oder gemischte Populationen mit und ohne Anämie. Ein Teil der Studien untersuchte nicht anämische Kinder, und in vielen Studien war der Ausgangsstatus nicht vollständig berichtet. Die Altersgruppen reichten von Säuglingen bis zu Jugendlichen unter 20 Jahren.

Rehman et al. schlossen 28 Studien mit 8.829 Kindern und Jugendlichen aus 16 Ländern ein. Die Altersgrenze lag bei 19 Jahren. Die Studien kamen häufig aus Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen, aber auch aus Ländern mit höherem Einkommen. Die eingeschlossenen Personen hatten Eisenmangelanämie; damit ist diese Quelle enger als Andersen et al. und nicht auf gut versorgte Kinder ohne Anämie übertragbar.

De-Regil et al. analysierten 33 Studien mit etwa 13.000 Kindern aus 20 Ländern in Lateinamerika, Afrika und Asien. Fünfzehn Studien schlossen Kinder unter 60 Monaten ein, elf Studien Kinder ab 60 Monaten, und sieben Studien enthielten beide Altersbereiche. Einige Studien untersuchten nur anämische Kinder, wenige nur nicht anämische Kinder; in den übrigen Studien war die Ausgangshäufigkeit von Anämie unterschiedlich.

Intervention, Exposition und Vergleich

Andersen et al. verglichen orale Eisengabe nach Häufigkeit, Dauer, altersangepassten Dosisgruppen und Co-Supplementierung. Häufige Gabe bedeutete drei bis sieben Tage pro Woche; intermittierende Gabe bedeutete ein bis zwei Tage pro Woche. Die Studiendauer wurde in 1 bis 3 Monate, 4 bis 6 Monate und mindestens 7 Monate eingeteilt. Die Dosis wurde altersangepasst in niedrigere, mittlere und höhere Bereiche gegliedert.

Rehman et al. betrachteten definierte Behandlungsregime bei Eisenmangelanämie. Der wichtigste Endpunkt war die Veränderung des Hämoglobins. Die Quelle unterscheidet orale und parenterale Wege, berichtet aber für den hier relevanten Kinderartikel besonders die oralen Befunde zu Eisenformen wie Eisen(II)-sulfat und zu Dosis- und Dauergruppen.

De-Regil et al. betrachteten intermittierende Gabe an einem, zwei oder drei Tagen pro Woche, meist mit Eisen allein, teils kombiniert mit weiteren Mikronährstoffen. Die tägliche Gabe war ein eigener Vergleich. Dadurch beantwortet die Quelle nicht dieselbe Frage wie Rehman et al.: De-Regil et al. beschrieben eher öffentliche Präventions- und Versorgungsprogramme, während Rehman et al. Kinder und Jugendliche mit bestätigter Eisenmangelanämie auswerteten.

Ergebnisse

Andersen et al. fanden, dass häufige und intermittierende Regime Anämie, Eisenmangel und Eisenmangelanämie ähnlich verringerten. Nach Anpassung an den Ausgangsstatus stiegen Ferritin und Hämoglobin jedoch stärker bei häufigerer Gabe. Kürzere Dauer von 1 bis 3 Monaten und längere Dauer ab 7 Monaten zeigten nach Kontrolle des Ausgangsstatus meist ähnliche Vorteile; Ferritin stieg bei längerer Dauer stärker. Mittlere und höhere altersangepasste Dosen waren gegenüber niedrigeren Dosen mit stärkeren Verbesserungen bei Hämoglobin, Ferritin und Eisenmangelanämie verbunden. Für die Gesamtanämie unterschieden sich niedrigere und höhere Dosen weniger deutlich.

Bei Co-Supplementierung fand Andersen et al. ein gemischtes Bild. Eisen allein und Eisen zusammen mit Vitamin A oder Zink zeigten meist ähnliche Vorteile. Eine Ausnahme war der Endpunkt Gesamtanämie, bei dem die Wirkung in Studien mit Eisen plus Zink abgeschwächt war. Das ist ein Studienbefund, aber keine Aussage, dass eine bestimmte Kombination für einzelne Kinder passend oder unpassend wäre.

Rehman et al. berichteten insgesamt und in den untersuchten Dauergruppen höhere Hämoglobinwerte. Die Heterogenität war sehr hoch. Die Quelle beschreibt standardisierte Mittelwertdifferenzen, versieht die Effektwerte aber zugleich mit g/dL. Wegen dieses Widerspruchs werden hier keine absoluten Hämoglobinanstiege aus den gepoolten Zahlen abgeleitet.

Rehman et al. beschrieben günstige Trends bei niedrigeren Dosisgruppen und einen positiven Befund für Eisen(II)-sulfat. Ausgangsschwere, Region und Studienkontext beeinflussten die Ergebnisse stark. Eine allgemeine Rangfolge von Dosis und Dauer lässt sich daraus nicht ableiten.

De-Regil et al. fanden gegenüber Placebo oder keiner Intervention eine geringere Anämiewahrscheinlichkeit unter intermittierender Eisengabe: RR 0,51 mit 95-%-Konfidenzintervall 0,37 bis 0,72. Auch Eisenmangel war seltener, RR 0,24 mit 95-%-Konfidenzintervall 0,06 bis 0,91. Hämoglobin stieg im Mittel um 5,20 g/L, Ferritin um 14,17 µg/L. Im Vergleich mit täglicher Gabe waren Hämoglobin und Ferritin im Mittel ähnlich, aber Anämie blieb unter intermittierender Gabe häufiger: RR 1,23 mit 95-%-Konfidenzintervall 1,04 bis 1,47.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Die Sicherheitsdaten sind in diesen Reviews weniger stark als die Hämoglobin- und Ferritindaten. Andersen et al. schlossen Nebenwirkungen ein, der Schwerpunkt lag aber auf Anämie- und Eisenstatus-Endpunkten sowie auf Schemaunterschieden. De-Regil et al. hielten ausdrücklich fest, dass Informationen zu Sterblichkeit, Erkrankungen, Entwicklungsendpunkten und Nebenwirkungen weiterhin lückenhaft waren.

Die Quellen behandeln nicht die spezielle Frage akuter Eisenaufnahme, versehentlicher Überdosierung oder Kinder in malaria-endemischen Gebieten im Detail. Für Malaria-Settings und akute Sicherheit sind andere Quellen enger geeignet. Die hier besprochenen Arbeiten zeigen deshalb keine allgemeine Sicherheitsfreigabe für alle Kindergruppen und keine Aussage zu Kindern mit besonderen Risiken oder Erkrankungen.

Grenzen der Aussagekraft

Die wichtigste Grenze ist die Vermischung unterschiedlicher Kindergruppen. Säuglinge, Vorschulkinder, Schulkinder und Jugendliche haben unterschiedliche Wachstumsphasen, Ausgangsrisiken und Versorgungsbedingungen. Ein Ergebnis aus Kindern mit Eisenmangelanämie in einem Land mit hoher Anämielast kann nicht einfach auf gut versorgte Schulkinder oder Jugendliche in anderen Ländern übertragen werden.

Eine zweite Grenze ist die Heterogenität der Studien. Besonders Rehman et al. berichteten sehr hohe Streuung zwischen Studien. Unterschiede bei Diagnostik, Hämoglobinschwellen, Ferritinmessung, Ernährung, Infektionen, Studiendauer, Eisenform und Vergleichsgruppe erschweren eine einfache Rangfolge von Dosis und Dauer.

Eine dritte Grenze betrifft Endpunkte jenseits von Laborwerten. Hämoglobin, Ferritin, Anämie und Eisenmangel sind gut abgebildet. Für Entwicklung, Schulleistung, Sterblichkeit, seltene Nebenwirkungen und langfristige Folgen sind die Daten deutlich schwächer oder nicht ausreichend berichtbar. Die Übersichtsarbeiten ersetzen deshalb keine separate Bewertung von Malaria, Säuglingskontext, niedrigem Geburtsgewicht oder akuter Eisenaufnahme.

Was die Quellen zeigen

Die Quellen zeigen, dass orale Eisengabe in Studien bei Kindern und Jugendlichen mit erhöhtem Risiko oder bestehender Eisenmangelanämie Hämoglobin und Eisenstatus verbessern kann. Der Effekt ist besonders klar, wenn mit Placebo oder keiner Intervention verglichen wird.

Die Arbeiten zeigen außerdem, dass das Schema eine Rolle spielt. Häufigere Gabe kann Ferritin und nach Anpassung auch Hämoglobin stärker erhöhen, während intermittierende Gabe gegenüber keiner Intervention trotzdem wirksam sein kann. Bei Kindern unter 12 Jahren war intermittierende Gabe im Vergleich mit täglicher Gabe für Hämoglobin und Ferritin ähnlich, aber für die Vermeidung oder Kontrolle von Anämie schwächer.

Für Kinder und Jugendliche mit Eisenmangelanämie deutet Rehman et al. darauf hin, dass niedrigere mg/kg-Dosisbereiche in den einbezogenen Studien mit Hämoglobinverbesserung vereinbar waren. Die Quelle liefert aber keine einfache allgemeine Dosisregel, weil Ausgangshämoglobin, Alter, Land, Schweregrad und Studiendesign die Ergebnisse stark beeinflussten.

Was die Quellen nicht zeigen

Die Quellen zeigen nicht, dass ein Schema für alle Kinder und Jugendlichen gleich geeignet ist. Sie zeigen auch nicht, dass Befunde aus Mangel- oder Anämiepopulationen auf gut versorgte Kinder, Erwachsene oder Schwangere übertragen werden dürfen.

Die Quellen liefern keine persönliche Einnahme-, Diagnose- oder Behandlungsanweisung. Getestete Mengen und Studiendauern sind Studienbedingungen. Für einzelne Kinder hängen Abklärung und Vorgehen von Alter, Ausgangswerten, Ursache des Mangels, Entzündungen, Ernährung, Begleiterkrankungen und medizinischem Setting ab.

Die Quellen beantworten auch nicht ausreichend, wie orale Eisengabe bei akuter Vergiftungsgefahr, genetischer Eisenüberladung, chronischen Erkrankungen, Malaria-Exposition oder Säuglingen mit niedrigem Geburtsgewicht zu bewerten ist. Diese Gruppen benötigen getrennte Evidenz.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Andersen et al. (2023) fassten 129 randomisierte Studien mit 34.564 Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren zusammen.
  • In Andersen et al. waren häufige und intermittierende Regime ähnlich bei Anämie, Eisenmangel und Eisenmangelanämie; Ferritin und angepasstes Hämoglobin stiegen stärker bei häufigerer Gabe.
  • In Andersen et al. waren 1 bis 3 Monate und mindestens 7 Monate nach Anpassung meist ähnlich wirksam; Ferritin stieg bei längerer Dauer stärker.
  • Mittlere und höhere altersangepasste Dosisgruppen verbesserten in Andersen et al. Hämoglobin, Ferritin und Eisenmangelanämie stärker als niedrigere Dosisgruppen.
  • Rehman et al. (2025) schlossen 28 Studien mit 8.829 Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahre mit Eisenmangelanämie ein.
  • Rehman et al. berichteten Hämoglobinverbesserungen, aber sehr hohe Heterogenität und widersprüchliche Angaben zum Effektmaß; daraus wird hier kein absoluter Anstieg in g/dL abgeleitet.
  • De-Regil et al. (2011) analysierten 33 Studien mit etwa 13.000 Kindern unter 12 Jahren aus 20 Ländern.
  • Bei De-Regil et al. senkte intermittierende Eisengabe gegenüber keiner Gabe oder Placebo das Risiko für Anämie und Eisenmangel und erhöhte Hämoglobin und Ferritin.
  • Gegenüber täglicher Gabe war intermittierende Gabe bei De-Regil et al. für Hämoglobin und Ferritin ähnlich, aber bei der Anämievermeidung schwächer.
  • Die Daten gelten für die untersuchten Kinder- und Jugendgruppen und dürfen nicht auf Erwachsene, Schwangere oder besondere Risikokontexte übertragen werden.

Quellen

  1. Andersen et al. (2023). Oral iron supplementation and anaemia in children according to schedule, duration, dose and cosupplementation: a systematic review and meta-analysis of 129 randomised trials. BMJ Global Health. DOI: 10.1136/bmjgh-20...
  2. Rehman et al. (2025). Optimal dose and duration of iron supplementation for treating iron deficiency anaemia in children and adolescents: A systematic review and meta-analysis. PLOS ONE. DOI: 10.1371/journal.pone.0319068; PMID: 39951396
  3. De-Regil et al. (2011). Intermittent iron supplementation for improving nutrition and development in children under 12 years of age. Cochrane Database of Systematic Reviews. DOI: 10.1002/14651858.CD009085.pub2; PMID: 22161444