Eisen-Referenzwerte im D-A-CH-, EU- und internationalen Vergleich
Eisenreferenzwerte sind Planungs- und Bewertungswerte für gesunde Bevölkerungsgruppen.
Kurzprofil
- Quellen: DGE/D-A-CH, EFSA NDA Panel, Nordic Nutrition Recommendations, Institute of Medicine / National Academies, NIH Office of Dietary Supplements, WHO/FAO, SACN/UK, NHMRC/Australien-Neuseeland, BLV/Schweiz und EFSA-Summary-Report.
- Quellentyp: behördliche Referenzwertdokumente, wissenschaftliche Referenzwertgutachten und institutionelle Übersichtsdokumente.
- Land/Kontext: Deutschland/Österreich/Schweiz, Europäische Union, Nordic/Baltic, USA/Kanada, WHO/FAO international, Vereinigtes Königreich und Australien/Neuseeland.
- Bezugsgruppe: gesunde Bevölkerungsgruppen mit getrennten Angaben für Säuglinge, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, menstruierende Frauen, postmenopausale Frauen, Schwangerschaft und Stillzeit, soweit die jeweilige Quelle diese Gruppen ausweist.
- Bewerteter Rahmen: Referenzwerte für die tägliche Eisenaufnahme, Bedarfsableitungen, Bioverfügbarkeitsannahmen, Bevölkerungsgruppen mit höherem Risiko für unzureichende Versorgung und Länderunterschiede.
- Zentrale Frage: Warum unterscheiden sich Eisenwerte zwischen D-A-CH, EFSA, IOM/USA, Nordic, UK, WHO/FAO und Australien/Neuseeland, obwohl alle Systeme denselben Nährstoff bewerten?
Fragestellung
Eisenreferenzwerte beschreiben keine persönliche Einnahmeanweisung. Sie sind Planungs- und Bewertungswerte für gesunde Bevölkerungsgruppen. Die Quellen beantworten vor allem drei Fragen: Wie viel Eisen muss rechnerisch aufgenommen werden, damit der physiologische Bedarf gedeckt wird? Welche Gruppen brauchen wegen Wachstum, Menstruation, Schwangerschaft oder Ernährungsmuster besondere Beachtung? Und welche Annahmen zur Aufnahme aus der Nahrung stecken hinter den Zahlen?
Die Abweichungen zwischen den Ländern entstehen nicht durch einen einfachen Widerspruch. Sie entstehen, weil die Systeme unterschiedliche Begriffe und Modelle verwenden. DGE/D-A-CH spricht von empfohlener Zufuhr. EFSA nutzt Average Requirement (AR) und Population Reference Intake (PRI). Das Institute of Medicine und NIH verwenden Estimated Average Requirement (EAR), Recommended Dietary Allowance (RDA) und Adequate Intake (AI). UK/SACN arbeitet mit Lower Reference Nutrient Intake (LRNI), Estimated Average Requirement (EAR) und Reference Nutrient Intake (RNI). Nordic Nutrition Recommendations nennt Average Requirement (AR) und Recommended Intake (RI). WHO/FAO legt die Werte stark nach angenommener Bioverfügbarkeit aus.
Dadurch können zwei Werte ähnlich aussehen, aber etwas anderes bedeuten. Ein RDA, PRI, RNI oder RI beschreibt meist eine hohe Abdeckung innerhalb einer gesunden Gruppe. Ein EAR oder AR beschreibt dagegen einen mittleren Bedarf. Ein AI wird genutzt, wenn die Daten nicht reichen, um einen voll abgeleiteten Durchschnittsbedarf festzulegen.
Quellenbasis
Die Quellenbasis besteht aus Behörden- und Institutionstexten. Sie ist kein klinischer Wirksamkeitsvergleich und keine Produktbewertung.
| Quelle | Bewertungsart | Kernpunkt |
|---|---|---|
| DGE: Eisen - Referenzwerte | D-A-CH-Referenzwerttabelle | aktuelle deutschsprachige Werte nach Alter, Geschlecht, Schwangerschaft und Zeit nach Geburt |
| EFSA NDA Panel (2015) | EU-Scientific Opinion zu Dietary Reference Values | AR/PRI-Ableitung über Eisenverluste, Ferritinziel und angenommene Absorption |
| Nordic Nutrition Recommendations 2023 | Nordic/Baltic-Referenzwertkapitel | RI/AR für Erwachsene, Bioverfügbarkeit und Risikogruppen |
| Institute of Medicine / National Academies (2001) | nordamerikanisches DRI-Kapitel | klassische EAR/RDA/AI- und UL-Systematik für USA/Kanada |
| NIH Office of Dietary Supplements | US-Factsheet auf Basis der National-Academies-Werte | zugängliche Zusammenfassung der US-RDA-Werte, inklusive vegetarischer Ernährungsweise |
| WHO/FAO (2004) | internationale Referenzwertgrundlage | Werte werden stark über Bioverfügbarkeit und Ernährungsmuster gedacht |
| SACN (2010) | britischer Report zu Iron and Health | UK-DRV-System, Versorgungslage und Risikogruppen |
| NHMRC/Australien-Neuseeland | Nutrient Reference Values: Iron | EAR/RDI/AI-System mit IOM-naher Modellierung und eigener Darstellung |
| BLV/Schweiz | Schweizer dynamische Referenzwerttabelle | amtliche Schweizer Darstellung der Nährstoffzufuhrwerte |
| EFSA (2017) | Summary report zu DRVs | Kontroll- und Übersichtsdokument zur EFSA-DRV-Systematik |
Methoden der Referenzwertableitung
Die Quellen nutzen überwiegend eine faktorielle Ableitung. Dabei wird nicht nur gemessen, wie viel Eisen Menschen essen. Stattdessen wird berechnet, wie viel Eisen der Körper verliert oder zusätzlich braucht. Dazu gehören basale Verluste über Haut, Darm und Urin, Menstruationsverluste, Wachstum, Schwangerschaft, Stillzeit und der Aufbau von Eisenspeichern.
Der zweite Schlüssel ist die Bioverfügbarkeit. Hämeisen aus tierischen Lebensmitteln wird im Durchschnitt besser aufgenommen als Nicht-Hämeisen aus pflanzlichen Lebensmitteln. Nicht-Hämeisen wird durch Vitamin C und den Fleisch-Fisch-Geflügel-Faktor gefördert, aber durch Phytat, Polyphenole und Calcium gehemmt. EFSA modellierte die Aufnahme bei einem Serumferritin von 30 µg/L und nutzte 16 % Absorption für Männer und die meisten Gruppen sowie 18 % für prämenopausale Frauen. Australien/Neuseeland beschreibt ebenfalls eine Mischkostannahme mit etwa 18 % Absorption und weist darauf hin, dass vegetarische Ernährung wegen niedrigerer Nicht-Hämeisen-Verfügbarkeit höhere rechnerische Aufnahmen braucht. NIH nennt für vegetarische Ernährung den Faktor 1,8 gegenüber Mischkost.
WHO/FAO macht die Bioverfügbarkeit besonders sichtbar. Dort hängen empfohlene Aufnahmemengen stark davon ab, ob eine Ernährung mit hoher, mittlerer oder niedriger Eisenverfügbarkeit angenommen wird. Das ist für globale Ernährungskontexte wichtig, weil Ernährungsmuster mit viel Phytat und wenig Fleisch oder Vitamin C andere rechnerische Eisenmengen ergeben können als typische Mischkostmodelle in Europa, Nordamerika oder Australien.
Vergleich der wichtigsten Erwachsenenwerte
Die Erwachsenenwerte zeigen die Logik der Systeme besonders klar.
| System | Männer | Frauen vor der Menopause / menstruierend | Frauen nach der Menopause | Schwangerschaft | Stillzeit / nach Geburt | Einordnung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| DGE/D-A-CH | 11 mg/Tag | 16 mg/Tag | 14 mg/Tag | 27 mg/Tag | 16 mg/Tag nach Geburt | D-A-CH-Zufuhrwerte mit neuerer Trennung nach Menstruationsstatus |
| EFSA | PRI 11 mg/Tag | PRI 16 mg/Tag | PRI 11 mg/Tag | wie prämenopausale Frauen | wie prämenopausale Frauen | EU-Modell mit AR/PRI; Schwangerschaft nicht mit 27 mg/Tag angesetzt |
| IOM/NIH USA | RDA 8 mg/Tag | RDA 18 mg/Tag | RDA 8 mg/Tag ab 51 Jahren | RDA 27 mg/Tag | RDA 9 mg/Tag ab 19 Jahren | nordamerikanische RDA-Systematik; vegetarische Ernährung mit 1,8-fachem Bedarf |
| Nordic 2023 | RI 9 mg/Tag | RI 15 mg/Tag | nicht in der Kurzansicht getrennt ausgewiesen | Risikogruppe genannt | nicht in der Kurzansicht getrennt ausgewiesen | RI/AR-System, stark auf Statusmarker und Ernährungsmatrix bezogen |
| UK/SACN | RNI 8,7 mg/Tag | RNI 14,8 mg/Tag für 19-49 Jahre | RNI 8,7 mg/Tag | keine einfache Gleichsetzung mit US-/D-A-CH-Wert | nicht als D-A-CH-Postpartumwert zu lesen | britische DRV-Werte aus DH-1991, im SACN-Report überprüft |
| NHMRC/NZ | RDI 8 mg/Tag | RDI 18 mg/Tag für 19-50 Jahre | RDI 8 mg/Tag ab 51 Jahren | RDI 27 mg/Tag | RDI 9 mg/Tag ab 19 Jahren | IOM-nahe Modellierung mit australisch-neuseeländischer Darstellung |
| WHO/FAO | abhängig von Bioverfügbarkeit | abhängig von Bioverfügbarkeit und Menstruationsverlusten | abhängig von Bioverfügbarkeit | eigener globaler Bedarfskontext | eigener globaler Bedarfskontext | globale Modelllogik nach Ernährungsform und angenommener Absorption |
Der auffälligste Unterschied betrifft erwachsene Männer und postmenopausale Frauen. DGE nennt für Männer 11 mg/Tag und für Frauen nach der Menopause 14 mg/Tag, während IOM/NIH und NHMRC/NZ bei 8 mg/Tag liegen. EFSA liegt mit PRI 11 mg/Tag für Männer und postmenopausale Frauen näher bei DGE-Männern, aber niedriger als der D-A-CH-Wert für postmenopausale Frauen.
Bei menstruierenden Frauen liegen die Werte näher beieinander, aber nicht identisch. DGE und EFSA nennen 16 mg/Tag, Nordic 15 mg/Tag, UK 14,8 mg/Tag, IOM/NIH und NHMRC/NZ 18 mg/Tag. Die Unterschiede spiegeln Annahmen zu Menstruationsverlusten, Abdeckungsziel, Absorption und Modellpopulation wider.
Bei Schwangerschaft trennt sich die Logik deutlich. DGE, IOM/NIH und NHMRC/NZ nennen 27 mg/Tag. EFSA setzt Schwangerschaft und Stillzeit dagegen nicht auf 27 mg/Tag, sondern bleibt bei den Werten für prämenopausale Frauen, weil Eisenspeicher und erhöhte Absorption in der Ableitung anders bewertet werden. Diese Abweichung ist fachlich wichtig und darf nicht zu einem Durchschnittswert geglättet werden.
Kinder, Jugendliche und Säuglinge
Kinderwerte sind besonders modellabhängig, weil Wachstum, Blutvolumen, Eisenspeicher und Ernährungsmuster stark wechseln.
DGE nennt für Säuglinge 0 bis unter 4 Monate einen Schätzwert von 0,3 mg/Tag und für 4 bis unter 12 Monate 11 mg/Tag. Bei Kindern und Jugendlichen steigen die Werte nach Alter und Geschlecht: 7 mg/Tag in frühen Kinderjahren, 10 mg/Tag von 7 bis unter 10 Jahren, 14 mg/Tag für 10 bis unter 13 Jahre, danach bei männlichen Jugendlichen 11 mg/Tag und bei weiblichen Jugendlichen mit Menstruationsbezug 16 mg/Tag.
EFSA setzt für Säuglinge von 7 bis 11 Monaten einen PRI von 6 mg/Tag. Für Kinder und Jugendliche ergeben sich PRIs aus Wachstumsbedarf und angenommener Absorption; Jungen bis 17 Jahre liegen im EFSA-Modell niedriger als viele D-A-CH-Kinderwerte, Mädchen von 12 bis 17 Jahren werden mit einem höheren Wert abgebildet, weil Pubertät und Menarche unsicherer sind.
IOM/NIH nennt 0,27 mg/Tag als AI für 0 bis 6 Monate, 11 mg/Tag für 7 bis 12 Monate, 7 mg/Tag für 1 bis 3 Jahre, 10 mg/Tag für 4 bis 8 Jahre, 8 mg/Tag für 9 bis 13 Jahre, 11 mg/Tag für Jungen von 14 bis 18 Jahren und 15 mg/Tag für Mädchen von 14 bis 18 Jahren. NHMRC/NZ folgt in vielen Kindergruppen einer ähnlichen Logik, setzt aber den AI für gestillte Säuglinge von 0 bis 6 Monaten mit 0,2 mg/Tag an.
Nordic Nutrition Recommendations nennen Säuglinge, junge Kinder, menstruierende Frauen, Schwangere und vegetarisch lebende Menschen als Gruppen mit erhöhtem Risiko für unzureichende Eisenversorgung. Damit steht dort weniger ein einzelner Zahlenvergleich im Vordergrund als die Verbindung aus Bedarf, Statusmarkern und Ernährungsmatrix.
Bioverfügbarkeit und vegetarische Ernährung
Die größten Länderunterschiede lassen sich ohne Bioverfügbarkeit nicht verstehen. Eisen aus Fleisch, Fisch und Geflügel enthält Hämeisen und kann außerdem die Aufnahme von Nicht-Hämeisen aus anderen Lebensmitteln fördern. Pflanzliche Lebensmittel liefern überwiegend Nicht-Hämeisen. Dieses wird stärker von Begleitstoffen beeinflusst.
DGE erklärt deshalb ausdrücklich, dass Phytate aus Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten sowie Polyphenole aus Kaffee und schwarzem Tee die Aufnahme pflanzlichen Eisens hemmen können, während Vitamin C sie verbessern kann. EFSA nutzt in der Modellierung Serumferritin und Absorptionsannahmen, statt nur Tabellenwerte zu übernehmen. Nordic beschreibt die gleichen Förder- und Hemmfaktoren in einer kompakten Übersicht. IOM/NIH und NHMRC/NZ leiten daraus einen höheren rechnerischen Bedarf für vegetarische Ernährung ab.
WHO/FAO ist für diesen Punkt besonders wichtig, weil die globale Perspektive Ernährungsmuster mit niedriger Eisenverfügbarkeit stärker berücksichtigt. In Bevölkerungen mit hoher Phytataufnahme, niedriger Fleischaufnahme und wenig absorptionsfördernden Komponenten kann derselbe physiologische Eisenbedarf zu deutlich höheren Aufnahmewerten führen als in einer Mischkostannahme.
Risikogruppen in den Referenzwertsystemen
Alle Systeme erkennen, dass Eisenbedarf und Eisenmangelrisiko nicht gleichmäßig verteilt sind. Die Gruppen werden aber unterschiedlich benannt und gewichtet.
| Gruppe | Warum sie in den Quellen auffällt | Typische Bewertungslogik |
|---|---|---|
| Säuglinge und Kleinkinder | Wachstum, begrenzte Speicher, Übergang von Milch zu Beikost | eigene Alterswerte und teils AI statt voll abgeleiteter Werte |
| Jugendliche | Wachstumsschub und Beginn der Menstruation | getrennte Werte nach Geschlecht und Alter |
| menstruierende Frauen | zusätzliche und stark variable Eisenverluste | höhere Werte oder eigene Modellierung |
| Schwangerschaft | zusätzlicher Bedarf für Mutter, Fetus, Blutvolumen und Speicher | DGE/IOM/NHMRC nennen 27 mg/Tag; EFSA bewertet anders |
| Stillzeit / Zeit nach Geburt | unterschiedliche Annahmen zu Menstruation, Milchverlust und Ausgleich nach Geburt | DGE 16 mg/Tag nach Geburt; IOM/NIH und NHMRC/NZ 9 mg/Tag ab 19 Jahren |
| vegetarische Ernährung | geringere Nicht-Hämeisen-Bioverfügbarkeit | IOM/NIH Faktor 1,8; NHMRC/NZ etwa 80 % höhere Aufnahme; WHO/FAO Bioverfügbarkeitsstufen |
| Menschen mit sehr niedriger Eisenverfügbarkeit der Ernährung | viel Phytat, wenig Hämeisen, wenig Vitamin C | WHO/FAO-Logik mit bioverfügbarkeitsabhängigen Werten |
Diese Gruppen zeigen, warum Referenzwerte nicht als pauschale Zielzahl für alle gelesen werden können. Sie beschreiben Normalfälle innerhalb definierter Gruppen und beruhen auf Annahmen, die im jeweiligen Land oder Modell gelten.
Ergebnisse des Vergleichs
DGE/D-A-CH liegt bei erwachsenen Männern mit 11 mg/Tag höher als IOM/NIH und NHMRC/NZ, aber gleichauf mit dem EFSA-PRI für Männer. Für postmenopausale Frauen ist DGE mit 14 mg/Tag höher als EFSA, IOM/NIH, UK und NHMRC/NZ. Für prämenopausale oder menstruierende Frauen liegt DGE mit 16 mg/Tag nahe bei EFSA und Nordic, unter IOM/NIH und NHMRC/NZ und leicht über UK/SACN.
Die US- und Australien/Neuseeland-Systeme ähneln sich stark bei vielen RDA/RDI-Werten: 8 mg/Tag für Männer, 18 mg/Tag für Frauen von 19 bis 50 Jahren, 27 mg/Tag für Schwangerschaft und 9 mg/Tag für Stillzeit ab 19 Jahren. Diese Werte sind nicht identisch mit EFSA, obwohl EFSA und IOM beide faktorielle Modelle nutzen.
EFSA unterscheidet sich besonders bei Schwangerschaft und Stillzeit. Während DGE, IOM/NIH und NHMRC/NZ 27 mg/Tag in der Schwangerschaft nennen, bleibt EFSA bei der Logik für prämenopausale Frauen. EFSA begründet dies mit Eisenspeichern und erhöhter Absorption. Diese Bewertung ist kein Beleg, dass Schwangerschaftsbedarf unwichtig wäre; sie zeigt, dass ein anderes Modell zu einem anderen Referenzwert führt.
UK/SACN ist wichtig, weil der britische Report nicht nur Tabellenwerte zeigt, sondern die Versorgungslage in der Bevölkerung diskutiert. SACN hebt hervor, dass Mädchen und Frauen im Alter von 11 bis 49 Jahren häufiger unter den unteren Referenzwerten liegen als viele männliche Gruppen. Damit verbindet der Report Referenzwerte mit beobachteten Aufnahmedaten.
WHO/FAO liefert keine einfache Kopie europäischer oder nordamerikanischer Werte. Die globale Ableitung macht sichtbar, dass Eisenbedarf und empfohlene Aufnahme in Ernährungssystemen mit niedriger Bioverfügbarkeit deutlich anders bewertet werden können. Gerade für Länder- oder Public-Health-Vergleiche ist das zentral.
Die Schweizer BLV-Tabelle ist als amtliche nationale Darstellung wichtig. Sie sollte nicht mit der deutschen DGE-Webseite gleichgesetzt werden, auch wenn der D-A-CH-Raum eng zusammenhängt. Für einen genauen Zahlenvergleich muss die jeweils aktuell abrufbare Schweizer Tabelle separat gelesen werden.
Sicherheit und Grenzen
Referenzwerte beschreiben Bedarf und Planungsrahmen. Sie ersetzen keine Sicherheitsbewertung. Obergrenzen, sichere Gesamtzufuhrwerte, Höchstmengen und Warnhinweise werden in getrennten Sicherheitsquellen behandelt. Die wichtigsten Sicherheitsabweichungen zwischen EFSA, IOM, BfR, UK, WHO/JECFA und FDA gehören deshalb nicht in denselben Zahlenvergleich wie die Bedarfswerte.
Die Quellen liefern auch keine Diagnosegrenzen. Ferritin, Hämoglobin, Transferrinsättigung und Entzündungsmarker werden in anderen Leitlinien und Statusmarkerquellen bewertet. Ein Referenzwert für die Zufuhr sagt nicht, ob eine Person einen Eisenmangel hat.
Die Genauigkeit der Werte hängt von Annahmen ab. Menstruationsverluste sind stark variabel. Vegetarische oder phytatreiche Ernährung kann die rechnerisch nötige Aufnahme erhöhen. Schwangerschaft wird nicht überall gleich modelliert. Säuglingswerte hängen davon ab, ob Muttermilch, Säuglingsnahrung und Beikost getrennt betrachtet werden. Deshalb sind internationale Abweichungen bei Eisen erwartbar.
Was die Quellen zeigen
Die Quellen zeigen, dass Eisenreferenzwerte länder- und modellabhängig sind. DGE/D-A-CH, EFSA, IOM/NIH, Nordic, UK/SACN, WHO/FAO, NHMRC/NZ und BLV bewerten dieselbe Substanz, aber nicht immer dieselbe Bezugsfrage.
Sie zeigen außerdem, dass Bioverfügbarkeit einer der wichtigsten Gründe für abweichende Werte ist. Systeme, die pflanzliche Ernährung, Phytat, Polyphenole, Vitamin C und Hämeisen stärker berücksichtigen, können zu anderen rechnerischen Anforderungen kommen.
Die Quellen zeigen klare Risikogruppen: Säuglinge und Kleinkinder, Jugendliche, menstruierende Frauen, Schwangere, Menschen nach Geburt, vegetarisch lebende Menschen und Bevölkerungen mit niedriger Eisenverfügbarkeit der Ernährung.
Was die Quellen nicht zeigen
Die Quellen zeigen nicht, welche Eisenmenge für eine einzelne Person passend ist. Sie zeigen auch nicht, ob ein Eisenpräparat notwendig oder wirksam ist.
Die Quellen zeigen nicht, dass DGE, EFSA, IOM/NIH, WHO/FAO, Nordic, UK/SACN und NHMRC/NZ in einer Rangliste stehen. Ein niedrigerer Wert ist nicht automatisch moderner, und ein höherer Wert ist nicht automatisch vorsichtiger. Entscheidend sind Bezugsgruppe, Begriff, Modell und Bioverfügbarkeitsannahme.
Die Quellen zeigen nicht, wie Eisenmangel, Eisenmangelanämie, Schwangerschaftsanämie, Hämochromatose oder Eisenüberladung medizinisch abzuklären oder zu behandeln sind. Dafür sind getrennte Leitlinien und Statusmarkerquellen erforderlich.
Kompakte Faktenzusammenfassung
- Eisenreferenzwerte sind Planungs- und Bewertungswerte für gesunde Bevölkerungsgruppen, keine persönliche Dosierungsanweisung.
- DGE/D-A-CH nennt für erwachsene Männer 11 mg/Tag, für prämenopausale Frauen 16 mg/Tag, für postmenopausale Frauen 14 mg/Tag, für Schwangerschaft 27 mg/Tag und für die Zeit nach Geburt 16 mg/Tag.
- EFSA nennt für Männer und postmenopausale Frauen einen PRI von 11 mg/Tag und für prämenopausale Frauen 16 mg/Tag; Schwangerschaft und Stillzeit werden nicht auf 27 mg/Tag gesetzt.
- IOM/NIH nennt für Männer 8 mg/Tag, für Frauen von 19 bis 50 Jahren 18 mg/Tag, für Schwangerschaft 27 mg/Tag und für Stillzeit ab 19 Jahren 9 mg/Tag.
- Nordic Nutrition Recommendations nennen in der Kurzansicht für Erwachsene RI-Werte von 9 mg/Tag für Männer und 15 mg/Tag für Frauen.
- UK/SACN arbeitet mit RNI-Werten, unter anderem 8,7 mg/Tag für erwachsene Männer und 14,8 mg/Tag für Frauen von 19 bis 49 Jahren.
- NHMRC/Australien-Neuseeland liegt bei vielen Erwachsenenwerten nahe bei IOM/NIH: 8 mg/Tag für Männer, 18 mg/Tag für Frauen von 19 bis 50 Jahren und 27 mg/Tag für Schwangerschaft.
- WHO/FAO macht die angenommene Bioverfügbarkeit besonders wichtig; niedrige Eisenverfügbarkeit kann höhere rechnerische Aufnahmewerte ergeben.
- Vegetarische Ernährung wird in IOM/NIH und NHMRC/NZ mit deutlich höherem rechnerischem Eisenbedarf beschrieben.
- Säuglinge, Kinder, Jugendliche, menstruierende Frauen, Schwangere und Menschen mit niedriger Eisenverfügbarkeit der Ernährung werden in mehreren Quellen als besonders relevante Gruppen sichtbar.
- Internationale Eisenwerte dürfen nicht geglättet werden, weil Begriffe, Zielabdeckung, Modellpopulation und Bioverfügbarkeitsannahmen unterschiedlich sind.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung. *Eisen - Referenzwerte*. DGE
- Domellöf, M. & Sjöberg, A. (2023). *Iron*. In Nordic Nutrition Recommendations 2023
- EFSA NDA Panel (2015). *Scientific Opinion on Dietary Reference Values for iron*. EFSA Journal. DOI: 10.2903/j.efsa.2015.4254
- Institute of Medicine / National Academies (2001). *Dietary Reference Intakes: Iron*. National Academies Press. DOI: 10.17226/10026
- NIH Office of Dietary Supplements. *Iron - Fact Sheet for Health Professionals*. NIH ODS
- WHO/FAO (2004). *Vitamin and mineral requirements in human nutrition, 2nd edition*. WHO/FAO
- SACN (2010). *Iron and Health*. Scientific Advisory Committee on Nutrition
- Australian Government / NHMRC & New Zealand Ministry of Health. *Nutrient Reference Values: Iron*
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. *Schweizer Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, dynamische Tabelle*
- EFSA (2017). *Dietary Reference Values for nutrients: Summary report*. EFSA