Einbau von EPA und DHA in Plasma-Phospholipide nach verschiedenen Omega-3-Fettsäure-Formulierungen: eine vergleichende Bioverfügbarkeitsstudie mit Fischöl und Krillöl
Nach einer Einzelgabe zeigte Krillöl bei zwölf Männern einen höheren EPA+DHA-Spitzenwert als Fischöl-Ethylester. Über 72 Stunden war kein Unterschied statistisch gesichert.
Was wurde verglichen?
Die Studie von Schuchardt und Kollegen aus dem Jahr 2011 fragte, wie sich EPA und DHA nach drei Omega-3-Präparaten in den Phospholipiden des Blutplasmas verändern. Diese Fettbestandteile der Blutprobe dienten als indirekter Marker für die Aufnahme. Gemessen wurde ihr Anteil an allen Fettsäuren dieser Plasmafraktion, nicht die Menge in Geweben oder ein gesundheitlicher Effekt.
Zwölf gesunde Männer nahmen in zufälliger Reihenfolge je einmal Fischöl als erneut veresterte Triglyceride (rTAG), Fischöl als Ethylester (EE) und Krillöl ein. Die Studie war doppelblind und nutzte ein Crossover-Design: Jeder Teilnehmer durchlief alle drei Behandlungen, mit jeweils 14 Tagen Abstand. Das Alter der Männer lag bei 20 bis 50 Jahren. Blut wurde vor der Einnahme sowie nach 2, 4, 6, 8, 24, 48 und 72 Stunden abgenommen. Die Ausgangswerte unterschieden sich nach Angabe der Autoren zwischen den Behandlungen nicht signifikant.
Welche Mengen und Bedingungen galten?
Alle drei Einzelgaben enthielten laut Tabelle 1 1.680 mg EPA+DHA. Dafür waren vier Kapseln rTAG oder EE, aber 14 Kapseln Krillöl nötig. Die Fischölgruppen erhielten laut Tabelle jeweils 1.008 mg EPA und 672 mg DHA sowie 3.400 mg Gesamtfett; die Krillölgruppe 1.050 mg EPA und 630 mg DHA sowie 7.000 mg Gesamtfett. Im Fließtext stehen für die Fischöle dagegen 1.080 mg EPA. Dieser Widerspruch zur Tabelle bleibt offen; die Mengen sind Versuchsbedingungen, keine Einnahmeempfehlung.
Nach nächtlichem Fasten wurden die Kapseln um 7 Uhr mit einem standardisierten Frühstück eingenommen. Das Frühstück enthielt 30,1 g Fett; zusammen mit den Präparaten waren es 33,5 g Fett in den Fischölgruppen und 37,1 g in der Krillölgruppe. Weitere Mahlzeiten waren über die ersten 24 Stunden standardisiert. Fisch, Meeresfrüchte und Pflanzenöl sollten vermieden werden.
Die Autoren untersuchten die Präparate außerdem auf freie Fettsäuren. In der Krillölprobe fanden sie 33 mg freie EPA je g Öl, entsprechend 22 % ihrer gesamten EPA, und 19 mg freie DHA je g Öl, entsprechend 21 % ihrer gesamten DHA. In den beiden Fischölproben wurden keine freien Fettsäuren bestimmt. Dass der übrige EPA- und DHA-Anteil des Krillöls überwiegend an Phospholipide gebunden war, war eine Annahme der Autoren, keine direkte Messung der Bindungsform.
Was zeigten die Plasmawerte?
Nach 24 Stunden stieg der mittlere EPA-Anteil in den Plasma-Phospholipiden bei rTAG von 0,92 auf 1,68 %, bei EE von 0,94 auf 1,82 % und bei Krillöl von 0,79 auf 1,80 %. Für DHA lauteten die entsprechenden Werte 2,61 auf 3,00 %, 2,71 auf 2,90 % und 2,56 auf 3,03 %. Diese Werte sind Anteile an den Fettsäuren der gemessenen Plasmafraktion; sie zeigen keine aufgenommene Menge in Milligramm.
Die AUC fasst den basislinienkorrigierten Verlauf über 0 bis 72 Stunden zusammen. Für EPA+DHA betrug sie bei rTAG 59,78 ± 36,75 %·h, bei EE 47,53 ± 38,42 %·h und bei Krillöl 80,03 ± 34,71 %·h (Mittelwert ± Standardabweichung). Der Gesamtvergleich war nicht signifikant (p = 0,119). Das galt auch für die getrennte DHA-AUC (p = 0,246) und die AUC aller n-3-Fettsäuren (p = 0,134). Bei EPA lag die Krillöl-AUC numerisch höher, doch auch hier erreichte der Gesamtvergleich mit p = 0,057 die festgelegte Signifikanzgrenze von p ≤ 0,05 nicht.
Ein engerer Befund betraf den Spitzenwert der basislinienkorrigierten EPA+DHA-Anteile: 1,12 ± 0,66 % bei rTAG, 0,72 ± 0,76 % bei EE und 1,51 ± 0,69 % bei Krillöl. Der Gesamtvergleich war signifikant (p = 0,039), im paarweisen Vergleich aber nur Krillöl gegenüber EE (p = 0,034). Für die Spitzenwerte von EPA allein, DHA allein und allen n-3-Fettsäuren gab es keinen signifikanten Gesamtunterschied. Auch die Zeit bis zum Spitzenwert unterschied sich in keinem dieser Vergleiche signifikant.
Abbildung 1 zeigt die zeitlichen Verläufe samt Streuung. Bei DHA unter EE lagen die Unterschiede zum Ausgangswert zunächst unter null und erst später darüber. Daraus lässt sich weder ein zusätzlicher genauer Blutentnahmezeitpunkt noch ein klinischer Vorteil einer Formulierung ableiten.
Wie weit reicht die Aussage?
Die Autoren ordnen die Formulierungen in ihrer Schlussfolgerung numerisch als Krillöl vor rTAG vor EE ein. Für eine allgemeine Überlegenheit reicht das Ergebnis nicht: Die AUC-Vergleiche waren nicht signifikant, die Streuung war groß, und der signifikante Spitzenwert betraf nur den Vergleich von Krillöl mit EE. Zudem enthielt die Krillöl-Einzelgabe mehr Gesamtfett und unerwartet viel freie EPA und DHA. Ob die Unterschiede an der Bindung an Phospholipide, an diesen Begleitfaktoren oder an anderem lagen, konnte die Studie nicht trennen.
Die Untersuchung umfasste nur zwölf gesunde Männer und 72 Stunden nach je einer Gabe. Plasma-Phospholipide bilden die Fettsäurezusammensetzung von Geweben nicht zuverlässig ab. Längerfristige Marker und gesundheitliche Endpunkte wie Blutdruck oder Blutfette wurden hier nicht als Wirksamkeitsnachweis untersucht. Die Autoren erklären ausdrücklich, dass die Studie auch keine Daten zu Sicherheit und Verträglichkeit liefert.
Die Autoren berichten keine spezifische Forschungsförderung; die Fischölpräparate wurden kostenlos bereitgestellt. Mehrere Autoren legten Verbindungen zu Unternehmen im Fettsäurebereich offen. Dazu gehörte die Gründung des Labors, das die Plasma-Phospholipide analysierte, durch einen Mitautor. Diese Angaben sind bei der Einordnung der kleinen Studie relevant.
Fazit
Nach der Einzelgabe war der EPA+DHA-Spitzenwert in Plasma-Phospholipiden unter Krillöl höher als unter Fischöl-Ethylestern. Über den gesamten 72-Stunden-Verlauf zeigte die Studie jedoch keinen statistisch gesicherten Vorteil einer Formulierung. Sie beantwortet weder die Frage nach langfristigem Nutzen noch die nach Sicherheit. Grundwissen zu der Produktkategorie bietet die Krillöl-Übersicht.
Zusätzliche Originalzugänge zur selben Studie:
- Schuchardt et al. (2011). Incorporation of EPA and DHA into plasma phospholipids in response to different omega-3 fatty acid formulations - a comparative bioavailability study of fish oil vs. krill oil. Lipids in Health and Disease. DOI: 10.1186/1476-511x-10-145. PMID: 21854650.
- Schuchardt et al. (2011). Incorporation of EPA and DHA into plasma phospholipids in response to different omega-3 fatty acid formulations - a comparative bioavailability study of fish oil vs. krill oil. Lipids in Health and Disease. DOI: 10.1186/1476-511x-10-145. PMID: 21854650.