Manganaufnahme bei Erwachsenen in Deutschland: die Expositionsstudie von Sachse et al. 2019
Sachse et al. veröffentlichten 2019 eine deutsche Expositionsstudie zur Manganaufnahme aus Lebensmitteln. Die Quelle basiert auf einer deutschen Pilot Total Diet Study und betrachtet Personen von 14 bis 80 Jahren. Die durchschnittliche Aufnahme lag laut Abstract bei etwa 2,8 mg Mangan pro Tag für eine Person mit 70 kg Körpergewicht.
Kurzprofil
| Feld | Inhalt |
|---|---|
| Quelle | Sachse et al. (2019). Dietary Manganese Exposure in the Adult Population in Germany-What Does it Mean in Relation to Health Risks? |
| Quellenart | Expositionsstudie auf Basis der deutschen Pilot Total Diet Study |
| Land/Kontext | Deutschland; Erwachsene und Jugendliche von 14 bis 80 Jahren |
| Population | Allgemeine Bevölkerung in Deutschland von 14 bis 80 Jahren; vegetarisch lebende Personen wurden gesondert betrachtet |
| Manganbezug | Geschätzte Manganaufnahme aus Lebensmitteln |
| Zentrale Endpunkte | tägliche Manganaufnahme, Vergleich mit D-A-CH-Schätzwerten, Einordnung möglicher Gesundheitsrisiken |
| Originalquelle | https://doi.org/10.1002/mnfr.201900065 |
Sachse et al. untersuchten, wie hoch die Manganaufnahme über Lebensmittel bei Erwachsenen und Jugendlichen in Deutschland ungefähr ist. Grundlage war eine deutsche Pilot Total Diet Study. Das ist eine Untersuchung, bei der typische verzehrfertige Lebensmittel analysiert und mit Verzehrdaten kombiniert werden. Die Arbeit ist besonders wichtig für den Deutschlandbezug: Sie beschreibt normale Ernährungsexposition, nicht Trinkwasserbelastung, nicht Nahrungsergänzungsmittel und nicht angereicherte Lebensmittel.
Fragestellung
Mangan ist gleichzeitig ein notwendiges Spurenelement und bei hoher Exposition ein möglicher Nervengiftstoff. Daraus ergibt sich eine einfache, aber schwierige Frage: Liegt die übliche Aufnahme über Lebensmittel in Deutschland eher niedrig, angemessen oder in einem Bereich, der für die Risikobewertung auffällig wäre?
Die Studie setzte diese Frage in Beziehung zu den Schätzwerten der Fachgesellschaften für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Für Personen ab 10 Jahren nennen diese D-A-CH-Werte einen Bereich von 2 bis 5 mg Mangan pro Tag. Die Studie prüfte außerdem, ob die geschätzten Aufnahmen Hinweise auf gesundheitliche Beeinträchtigungen durch zu wenig oder zu viel Mangan liefern.
Studiendesign und Methoden
Die Arbeit war eine Expositionsschätzung, keine Interventionsstudie. Sie verband Daten aus einer deutschen Pilot Total Diet Study mit Verzehrdaten der erwachsenen Bevölkerung. Bei einer Total Diet Study werden Lebensmittel so analysiert, wie sie typischerweise gegessen werden. Dadurch soll die Aufnahme aus der üblichen Ernährung realistischer abgebildet werden als durch Rohstoffdaten allein.
Die öffentlich zugängliche Abstractbasis nennt die zentrale durchschnittliche Aufnahmeschätzung. Der BfR-Kontext, der Sachse et al. später für die deutsche Höchstmengenbewertung verwendete, berichtet zusätzlich Perzentilbereiche und eine getrennte Betrachtung vegetarisch lebender Personen. Perzentile beschreiben die Verteilung: Die 95. Perzentile steht für hohe Aufnahmen innerhalb der betrachteten Gruppe, nicht für eine toxikologische Grenze.
Die Studie untersuchte keine kontrollierte Mangangabe und keine Wirkung von Manganpräparaten. Sie schätzte Mangan aus Lebensmitteln. Zusätzliche Aufnahme aus Nahrungsergänzungsmitteln oder angereicherten Lebensmitteln war nicht Teil der Expositionsschätzung.
Untersuchte Personen oder Datenbasis
Die Auswertung bezog sich auf Personen in Deutschland im Alter von 14 bis 80 Jahren. Der frei zugängliche Abstract beschreibt diese Gruppe als allgemeine Bevölkerung. Für Kinder unter 14 Jahren liefert die Quelle keine belastbare deutsche Ernährungsexpositionsschätzung.
Der BfR-Kontext nennt außerdem eine gesonderte Betrachtung vegetarisch lebender Personen. Diese Gruppe ist für Mangan plausibel relevant, weil viele manganreiche Lebensmittel pflanzlich sind, zum Beispiel Getreideprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte, Tee und einige weitere pflanzliche Lebensmittel. Die Studie ist dadurch nützlich für die Einordnung üblicher und höherer ernährungsbedingter Aufnahmen in Deutschland.
Intervention, Exposition und Vergleich
Es gab keine Intervention. Die Exposition war die geschätzte Aufnahme von Mangan aus Lebensmitteln.
Der wichtigste Vergleich war der D-A-CH-Schätzwert von 2 bis 5 mg pro Person und Tag. Dieser Wert beschreibt eine angemessene Zufuhr als Orientierungsbereich, nicht eine zusätzliche Menge aus Produkten. Die durchschnittliche geschätzte Aufnahme aus der Pilot Total Diet Study lag laut Abstract bei etwa 2,8 mg pro Tag für eine Person mit 70 kg Körpergewicht.
Der BfR-Kontext berichtet für die 14- bis 80-jährige Bevölkerung eine mediane Aufnahme von 38,1 bis 42,6 µg pro kg Körpergewicht und Tag. Bei 70 kg Körpergewicht entspricht das etwa 2,7 bis 3,0 mg pro Tag. Die 5. Perzentile lag bei etwa 1,1 bis 1,4 mg pro Tag, die 95. Perzentile bei etwa 5,5 bis 5,8 mg pro Tag. Für vegetarisch lebende Personen lag die mediane Aufnahme bei etwa 3,0 bis 3,3 mg pro Tag; die 95. Perzentile lag bei etwa 7,1 bis 7,5 mg pro Tag.
Diese Werte beschreiben Ernährungsexposition. Sie dürfen nicht als persönliche Zielmenge und nicht als Sicherheitsgrenze gelesen werden.
Ergebnisse
Die zentrale Schätzung lag bei etwa 2,8 mg Mangan pro Tag für eine 70-kg-Person in der allgemeinen Bevölkerung von 14 bis 80 Jahren. Damit lag die durchschnittliche Aufnahme innerhalb des D-A-CH-Bereichs von 2 bis 5 mg pro Tag.
Die Verteilungsdaten aus dem BfR-Kontext zeigen eine breite Spannweite. Viele Erwachsene lagen rechnerisch im Bereich um 2,7 bis 3,0 mg pro Tag. Hohe Aufnahmen innerhalb der allgemeinen 14- bis 80-jährigen Gruppe lagen bei etwa 5,5 bis 5,8 mg pro Tag. Bei vegetarisch lebenden Personen wurden höhere Werte geschätzt, mit einer oberen Verteilung von etwa 7,1 bis 7,5 mg pro Tag.
Die Autorengruppe schloss aus der Literatur und den Expositionsdaten, dass es für diese ernährungsbedingten Aufnahmen keine Hinweise auf gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Manganmangel oder Manganüberschuss gab. Gleichzeitig wird die Aussage vorsichtig formuliert: Zu gesundheitlichen Effekten oraler Manganaufnahme sind verlässliche Daten begrenzt.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Die Studie selbst beschreibt keine beobachteten Nebenwirkungen in einer untersuchten Personengruppe. Sie ist keine klinische Sicherheitsstudie. Ihre Sicherheitsrelevanz entsteht aus dem Vergleich zwischen geschätzter Aufnahme, D-A-CH-Orientierungsbereich und Literatur zu oraler Manganexposition.
Der Abstract nennt keine Hinweise darauf, dass die geschätzten Lebensmittelaufnahmen in Deutschland mit nachteiligen Gesundheitseffekten durch Mangel oder Überschuss verbunden wären. Diese Aussage gilt für die betrachtete Ernährungsexposition. Sie gilt nicht automatisch für andere Expositionswege.
Wichtig ist die Trennung von Lebensmittelaufnahme und höher bioverfügbarer Bolusaufnahme. Der Abstract nennt Trinkwasser und Nahrungsergänzungsmittel als Beispiele für Quellen, bei denen Mangan unter Umständen anders aufgenommen werden kann. Ein Bolus bedeutet, dass eine größere Menge auf einmal oder in konzentrierter Form aufgenommen wird. Solche Situationen könnten für bestimmte Gruppen ein Risiko darstellen, wenn nicht gut definierte Mengen überschritten werden. Die Studie legt diese Mengen aber nicht fest.
Grenzen der Aussagekraft
Die wichtigste Grenze ist der Zugang zur Detailbasis. Der frei verfügbare Abstract liefert die Kernschätzung, aber nicht alle Tabellen, Lebensmittelbeiträge, statistischen Annahmen oder Unsicherheitsanalysen. Der BfR-Kontext ergänzt wichtige Perzentilwerte, ersetzt aber nicht den vollständigen Studienbericht.
Eine zweite Grenze betrifft die Altersgruppe. Für deutsche Kinder unter 14 Jahren liefert die Quelle keine Ernährungsexpositionsschätzung. Gerade Kinder können in anderen Manganfragen wichtig sein, etwa bei Trinkwasser oder Säuglingsnahrung. Diese Fragen werden durch Sachse et al. nicht beantwortet.
Eine dritte Grenze betrifft die Art der Exposition. Die Studie erfasst Lebensmittel. Sie erfasst keine Nahrungsergänzungsmittel, keine angereicherten Lebensmittel und keine besondere Trinkwasserbelastung. Zusätzliche Quellen würden zur Gesamtaufnahme hinzukommen und müssen getrennt bewertet werden.
Eine vierte Grenze betrifft Kausalität. Die Studie beobachtet keine Gesundheitseffekte direkt und prüft keine Intervention. Sie kann deshalb keine Wirkung zusätzlicher Manganaufnahme zeigen und keine sichere Schwelle für alle Bevölkerungsgruppen festlegen.
Was die Studie zeigt
- Die Studie schätzt die Manganaufnahme aus Lebensmitteln bei 14- bis 80-jährigen Personen in Deutschland.
- Die durchschnittliche Aufnahme lag laut Abstract bei etwa 2,8 mg pro Tag für eine Person mit 70 kg Körpergewicht.
- Diese durchschnittliche Aufnahme lag innerhalb des D-A-CH-Bereichs von 2 bis 5 mg pro Tag.
- Die mediane Aufnahme in der allgemeinen 14- bis 80-jährigen Gruppe lag im BfR-Kontext bei etwa 2,7 bis 3,0 mg pro Tag bei 70 kg Körpergewicht.
- Hohe Aufnahmen in der allgemeinen Gruppe lagen bei etwa 5,5 bis 5,8 mg pro Tag.
- Vegetarisch lebende Personen hatten höhere geschätzte Aufnahmen; die 95. Perzentile lag bei etwa 7,1 bis 7,5 mg pro Tag.
- Die Quelle fand auf Basis der verfügbaren Literatur keinen Hinweis, dass diese Lebensmittelaufnahmen mit nachteiligen Gesundheitseffekten durch Mangel oder Überschuss verbunden waren.
Was die Studie nicht zeigt
- Sie zeigt keine Wirkung von Manganpräparaten.
- Sie zeigt keine persönliche Einnahmeregel.
- Sie untersucht keine Kinder unter 14 Jahren.
- Sie bewertet keine besondere Trinkwasserbelastung.
- Sie erfasst keine zusätzliche Aufnahme aus Nahrungsergänzungsmitteln oder angereicherten Lebensmitteln.
- Sie definiert keinen allgemeinen sicheren oberen Wert für jede Bevölkerungsgruppe.
- Sie beweist nicht, dass hohe Bolusaufnahmen aus leicht bioverfügbaren Quellen unbedenklich sind.
Kompakte Faktenzusammenfassung
- Sachse et al. veröffentlichten 2019 eine deutsche Expositionsstudie zur Manganaufnahme aus Lebensmitteln.
- Die Quelle basiert auf einer deutschen Pilot Total Diet Study und betrachtet Personen von 14 bis 80 Jahren.
- Die durchschnittliche Aufnahme lag laut Abstract bei etwa 2,8 mg Mangan pro Tag für eine Person mit 70 kg Körpergewicht.
- Der D-A-CH-Schätzwert für Personen ab 10 Jahren liegt bei 2 bis 5 mg Mangan pro Tag.
- Die durchschnittliche deutsche Aufnahme lag damit im D-A-CH-Bereich.
- Der BfR-Kontext berichtet für 14- bis 80-Jährige eine mediane Aufnahme von etwa 2,7 bis 3,0 mg pro Tag bei 70 kg Körpergewicht.
- Die 95. Perzentile lag in der allgemeinen Gruppe bei etwa 5,5 bis 5,8 mg pro Tag.
- Bei vegetarisch lebenden Personen lag die geschätzte mediane Aufnahme bei etwa 3,0 bis 3,3 mg pro Tag; die 95. Perzentile lag bei etwa 7,1 bis 7,5 mg pro Tag.
- Für Kinder unter 14 Jahren liefert die Quelle keine deutsche Ernährungsexpositionsschätzung.
- Nahrungsergänzungsmittel, angereicherte Lebensmittel und besondere Trinkwasserexposition waren nicht Teil der Schätzung.
- Die Quelle liefert keinen Nutzenbeleg für zusätzliche Manganaufnahme und keine persönliche Dosierungsregel.
- Die Quelle trennt normale Lebensmittelaufnahme von möglichen Bolusquellen wie Trinkwasser oder Nahrungsergänzungsmitteln.