Mangan-Referenzwerte im Vergleich: D-A-CH, EFSA, NASEM und WHO

D-A-CH, EFSA und NASEM nutzen für Mangan Schätzwerte oder Adequate-Intake-Werte, weil kein klassischer durchschnittlicher Bedarf ableitbar war. Die DGE nennt für Personen ab 10 Jahren, Jugendliche und Erwachsene 2,0 bis 5,0 mg Mangan pro Tag.

Kurzprofil

  • Quelle: DGE (2025/2026 Webfassung), EFSA NDA Panel (2013), Institute of Medicine/NASEM (2001) und WHO (1996).
  • Quellentyp: Vergleich mehrerer Referenzwert- und Behördenrahmen.
  • Land/Kontext: Deutschland/Österreich/Schweiz, Europäische Union, USA/Kanada und globaler WHO-Kontext.
  • Wirkstoff: Mangan.
  • Bewertete Frage: Wie ordnen wichtige Fachgremien die angemessene Manganzufuhr ein, und warum unterscheiden sich die Werte?
  • Zentrale Werte: D-A-CH nennt für Personen ab 10 Jahren 2,0 bis 5,0 mg/Tag; EFSA nennt ab 15 Jahren und für Erwachsene 3,0 mg/Tag; NASEM nennt für erwachsene Männer 2,3 mg/Tag und für erwachsene Frauen 1,8 mg/Tag.
  • Sicherheit: NASEM setzte für Erwachsene einen UL von 11 mg/Tag; D-A-CH und EFSA 2013 sind in diesem Vergleich vor allem Bedarfs- beziehungsweise Referenzwertrahmen.
  • Originalquellen: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/kupfer-mangan-chrom-molybdaen/, https://doi.org/10.2903/j.efsa.2013.3419, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK222332/, https://www.who.int/publications/i/item/9241561734

Mangan hat keinen einheitlichen Referenzwert, der in allen Ländern gleich verwendet wird. Die wichtigsten Fachgremien arbeiten meist mit Schätzwerten oder Adequate-Intake-Werten, weil die Daten nicht reichen, um einen klassischen durchschnittlichen Bedarf und daraus eine empfohlene Zufuhr abzuleiten. Der Vergleich zeigt daher keinen Widerspruch im einfachen Sinn, sondern unterschiedliche Bewertungswege für einen Nährstoff, dessen Mangel beim Menschen selten beschrieben ist und dessen Statusmarker schwer zu interpretieren sind.

Fragestellung

Die vier Referenzrahmen beantworten eine ähnliche Grundfrage: Welche tägliche Manganzufuhr gilt als angemessen, wenn keine robuste Mangelschwelle und kein klarer Biomarker für den individuellen Bedarf vorliegen? Gleichzeitig setzen die Dokumente verschiedene Schwerpunkte.

Die DGE-Seite ist für den deutschsprachigen Raum maßgeblich. Sie nennt Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr und führt Mangan zusammen mit Kupfer, Chrom und Molybdän. EFSA bewertet Mangan für die Europäische Union und spricht 2013 von Adequate Intake, also einer angemessenen Zufuhr, nicht von einem Population Reference Intake. NASEM/IOM bildet den älteren, aber weiterhin häufig zitierten US-kanadischen DRI-Rahmen. WHO ordnet Mangan in einem globalen Bericht zu Spurenelementen ein und behandelt es als wahrscheinlich essenzielles Element.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Welcher Einzelwert ist der einzig richtige? Wichtiger ist, welche Ableitungslogik hinter den Zahlen steht.

Vorgehen der Referenzwertableitung

D-A-CH verwendet für Mangan Schätzwerte. Die DGE-Seite nennt als Stand der Ableitung das Jahr 2000 und verweist auf die dritte Auflage des Referenzwerte-Ringordners seit September 2025 sowie ein Erratum mit Stand Mai 2026. Die Werte sind altersgestaffelt und werden als Bereiche angegeben. Für Säuglinge von 0 bis unter 4 Monaten macht die Tabelle bei Mangan keine Angabe. Ab 4 bis unter 12 Monaten werden 0,6 bis 1,0 mg/Tag genannt. Für Kinder steigen die Bereiche mit dem Alter an: 1,0 bis 1,5 mg/Tag, 1,5 bis 2,0 mg/Tag und 2,0 bis 3,0 mg/Tag. Ab 10 Jahren und bei Jugendlichen sowie Erwachsenen nennt D-A-CH 2,0 bis 5,0 mg/Tag.

EFSA kam 2013 ebenfalls zu dem Schluss, dass die Daten nicht ausreichen, um einen Average Requirement oder Population Reference Intake abzuleiten. Das Gremium nutzte beobachtete mittlere Aufnahmen aus gemischten Ernährungsweisen in der EU und Mangan-Balance-Daten. Für Erwachsene wurde ein AI von 3,0 mg/Tag vorgeschlagen. Dieser Wert gilt auch für Schwangerschaft und Stillzeit. Für Kinder und Jugendliche wurden Werte durch Extrapolation aus dem Erwachsenenwert abgeleitet und gerundet.

NASEM/IOM ging 2001 ähnlich vorsichtig vor, aber mit anderen Daten und einer stärker nach Geschlecht und Lebensphase gegliederten Tabelle. Auch dort reichten die Daten nicht für einen Estimated Average Requirement. Der AI wurde vor allem aus Medianaufnahmen der Total Diet Study abgeleitet. Für erwachsene Männer wurden 2,3 mg/Tag festgelegt, für erwachsene Frauen 1,8 mg/Tag. In Schwangerschaft nennt NASEM 2,0 mg/Tag, in Stillzeit 2,6 mg/Tag. Zusätzlich leitete NASEM einen UL ab, also einen tolerierbaren oberen Aufnahmewert.

WHO setzte Mangan 1996 in einen breiteren globalen Spurenelementrahmen. Der Bericht unterscheidet essenzielle, wahrscheinlich essenzielle und potenziell toxische Elemente. Mangan wird dort als wahrscheinlich essenziell eingeordnet. Der Wert dieser Quelle liegt vor allem in der historischen und globalen Einordnung: Sie zeigt, dass Mangan seit Langem als biologisch relevantes Spurenelement behandelt wird, während moderne nationale und europäische Referenzwerte später genauer ausformuliert wurden.

Vergleich der Werte

RahmenArt des WertsZentrale ErwachsenenwerteWichtige Besonderheit
D-A-CH / DGESchätzwert für eine angemessene Zufuhr2,0 bis 5,0 mg/Tag ab 10 Jahren, Jugendliche und ErwachseneBereich statt Einzelwert; deutschsprachiger Referenzrahmen
EFSA 2013Adequate Intake3,0 mg/Tag ab 15 Jahren und für Erwachsenegilt auch für Schwangerschaft und Stillzeit; kein AR/PRI
NASEM/IOM 2001Adequate IntakeMänner 2,3 mg/Tag, Frauen 1,8 mg/Taggetrennte Werte nach Geschlecht; Schwangerschaft 2,0 mg/Tag, Stillzeit 2,6 mg/Tag
NASEM/IOM 2001UL11 mg/Tag für Erwachseneoberer Sicherheitswert, nicht Bedarfswert
WHO 1996globaler Spurenelementrahmenkein moderner D-A-CH-/EFSA-Ersatzwerthistorische Einordnung von Mangan als wahrscheinlich essenzielles Spurenelement

Die Zahlen liegen für Erwachsene nicht extrem weit auseinander, sind aber unterschiedlich formuliert. D-A-CH arbeitet mit einem breiten Bereich von 2,0 bis 5,0 mg/Tag. EFSA setzt einen einheitlichen AI von 3,0 mg/Tag. NASEM trennt Männer und Frauen und liegt mit 2,3 mg/Tag beziehungsweise 1,8 mg/Tag niedriger als der obere D-A-CH-Bereich. Der NASEM-UL von 11 mg/Tag gehört in eine andere Kategorie: Er beschreibt eine obere Gesamtaufnahme, nicht eine Zielmenge.

Was die Werte bedeuten

Alle vier Rahmen machen indirekt deutlich, dass Mangan anders bewertet wird als Nährstoffe mit gut messbaren Mangelsyndromen und klaren Biomarkern. Bei vielen Vitaminen oder Mineralstoffen lässt sich ein durchschnittlicher Bedarf bestimmen, aus dem eine empfohlene Zufuhr abgeleitet wird. Für Mangan war das in diesen Quellen nicht möglich.

Die Referenzwerte beruhen deshalb stark auf beobachteten Aufnahmen, Balance-Studien und der Tatsache, dass ein ausgeprägter Manganmangel beim Menschen selten beschrieben wird. Balance-Studien prüfen vereinfacht, ob Aufnahme und Ausscheidung im Gleichgewicht stehen. Bei Mangan sind diese Daten jedoch schwer zu deuten, weil der Körper Aufnahme und Ausscheidung reguliert und weil verschiedene Messwerte im Blut oder Plasma den tatsächlichen Versorgungsstatus nur begrenzt abbilden.

Die Werte sind auch keine Aussage über den Nutzen einer zusätzlichen Manganzufuhr. Sie beschreiben, welche Aufnahmen in bestimmten Bevölkerungsgruppen als angemessen oder plausibel gelten. Daraus folgt keine Empfehlung, einen bestimmten Wert durch Nahrungsergänzungsmittel anzustreben.

Sicherheit und Abgrenzung

NASEM ist in diesem Vergleich die Quelle, die neben AI-Werten auch einen UL nennt. Für Erwachsene wurde ein UL von 11 mg/Tag Gesamtaufnahme aus Lebensmitteln, Wasser und Supplementen abgeleitet. Für Kinder und Jugendliche wurden niedrigere UL-Werte aus dem Erwachsenenwert extrapoliert: 2 mg/Tag für 1 bis 3 Jahre, 3 mg/Tag für 4 bis 8 Jahre, 6 mg/Tag für 9 bis 13 Jahre und 9 mg/Tag für 14 bis 18 Jahre. Für Säuglinge wurde kein UL festgelegt.

D-A-CH und EFSA 2013 sind für diesen Vergleich vor allem Referenzwertrahmen. Eine spätere EFSA-Bewertung von 2023 behandelte die obere sichere Aufnahme gesondert und kam zu einem anderen Sicherheitsrahmen. Diese spätere Bewertung wird nicht mit dem EFSA-AI von 2013 gleichgesetzt. Ebenso ist der deutsche BfR-Höchstmengenvorschlag für Nahrungsergänzungsmittel ein eigener Risikomanagementrahmen und nicht dasselbe wie ein Referenzwert für die normale Ernährung.

Wichtig ist die Trennung zwischen angemessener Aufnahme, üblicher Ernährung, zusätzlicher Produktmenge und oberem Sicherheitswert. Diese Kategorien dürfen nicht zusammengeschoben werden.

Grenzen der Aussagekraft

Die größte Grenze liegt in der Art der Daten. Die Quellen zeigen keinen präzisen individuellen Manganbedarf. Sie zeigen auch keinen einfachen Laborwert, mit dem sich eine normale Versorgung zuverlässig für alle Menschen bestimmen ließe.

Die D-A-CH-Werte sind als Schätzwerte formuliert. EFSA 2013 setzt einen AI, weil ein Average Requirement und Population Reference Intake nicht ableitbar waren. NASEM nennt ebenfalls keinen EAR und keine RDA, sondern AI-Werte. WHO liefert einen historischen globalen Rahmen, ersetzt aber keine aktuelle regionale Referenzwerttabelle.

Eine weitere Grenze betrifft Gruppen mit besonderen Risiken. Die hier besprochenen Referenzwerte erklären nicht abschließend, wie besondere Aufnahmesituationen, stark erhöhte Trinkwasserexposition, parenterale Ernährung, Leber- oder Gallenerkrankungen oder seltene Störungen des Mangantransports zu bewerten sind. Solche Fragen brauchen eigene Sicherheits- und Toxikologiequellen.

Was die Quellen zeigen

Die Quellen zeigen, dass Mangan international als biologisch relevantes Spurenelement behandelt wird, die Referenzwertableitung aber unsicherer ist als bei Nährstoffen mit klaren Mangelschwellen. D-A-CH nennt für Personen ab 10 Jahren, Jugendliche und Erwachsene 2,0 bis 5,0 mg/Tag. EFSA nennt ab 15 Jahren und für Erwachsene 3,0 mg/Tag. NASEM nennt für erwachsene Männer 2,3 mg/Tag und für erwachsene Frauen 1,8 mg/Tag.

Die Quellen zeigen außerdem, dass sich die Unterschiede vor allem aus Methodik, Datenbasis und Zielsetzung ergeben. D-A-CH stellt einen deutschsprachigen Bereich bereit. EFSA nutzt europäische Aufnahmedaten und Extrapolation. NASEM nutzt US-amerikanische Aufnahmedaten und gliedert stärker nach Geschlecht und Lebensphase. WHO liefert den globalen historischen Rahmen.

Was die Quellen nicht zeigen

Die Quellen zeigen nicht, dass eine zusätzliche Manganzufuhr für einzelne Personen notwendig ist. Sie zeigen auch keine Überlegenheit bestimmter Supplementformen und keine Wirkung von Manganpräparaten auf bestimmte Gesundheitsziele.

Die Quellen lösen die Frage nach zuverlässigen Statusmarkern nicht. Sie zeigen auch nicht, dass ein Wert oberhalb oder unterhalb eines Referenzbereichs automatisch eine individuelle Schädigung oder einen individuellen Mangel beweist. Die Referenzwerte sind fachliche Orientierungswerte für Bevölkerungsgruppen, keine persönliche Dosierungsregel.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • D-A-CH, EFSA und NASEM nutzen für Mangan Schätzwerte oder Adequate-Intake-Werte, weil kein klassischer durchschnittlicher Bedarf ableitbar war.
  • Die DGE nennt für Personen ab 10 Jahren, Jugendliche und Erwachsene 2,0 bis 5,0 mg Mangan pro Tag.
  • Für Kinder nennt D-A-CH altersabhängige Bereiche von 0,6 bis 1,0 mg/Tag bis 2,0 bis 3,0 mg/Tag.
  • EFSA 2013 nennt einen AI von 3,0 mg/Tag für Personen ab 15 Jahren und Erwachsene.
  • Der EFSA-Erwachsenenwert gilt auch für Schwangerschaft und Stillzeit.
  • EFSA nennt für Kinder und Jugendliche AI-Werte von 0,5, 1,0, 1,5, 2,0 und 3,0 mg/Tag je nach Alter.
  • NASEM/IOM 2001 nennt für erwachsene Männer 2,3 mg/Tag und für erwachsene Frauen 1,8 mg/Tag.
  • NASEM nennt für Schwangerschaft 2,0 mg/Tag und für Stillzeit 2,6 mg/Tag.
  • NASEM setzte zusätzlich einen UL von 11 mg/Tag für Erwachsene fest; dieser Wert ist kein Bedarfswert.
  • WHO 1996 ordnet Mangan als wahrscheinlich essenzielles Spurenelement in einen globalen Ernährungsrahmen ein.
  • Die Unterschiede zwischen den Werten entstehen vor allem durch unterschiedliche Datenbasis, Methodik und Zielsetzung.
  • Die Quellen liefern keine persönliche Einnahmeempfehlung und keinen Nachweis eines Nutzens zusätzlicher Manganzufuhr.

Quellen

  1. DGE Referenzwerte
  2. EFSA 2013 Dietary Reference Values
  3. NASEM/IOM Dietary Reference Intakes - Manganese
  4. WHO Trace elements in human nutrition and health