SCF, VKM und Health Council: Sicherheitsrahmen für Mangan im Vergleich

SCF bewertete im Jahr 2000 die tolerierbare obere Aufnahme von Mangan. SCF konnte keinen UL für Mangan ableiten.

Kurzprofil

  • Quellen: Scientific Committee on Food (2000), VKM (2018) und Health Council of the Netherlands (2023).
  • Quellentyp: Behördenbewertungen und nationale Einordnung zu oberen Aufnahmewerten von Vitaminen und Mineralstoffen.
  • Land/Kontext: Europäische Union, Norwegen und Niederlande.
  • Wirkstoff: Mangan.
  • Bewertete Frage: Wie gingen ältere und nationale Behörden mit der unsicheren Sicherheitsbewertung von Mangan um, wenn kein belastbarer klassischer UL vorliegt?
  • Zentrale Einordnung: SCF konnte keinen UL für Mangan ableiten. VKM übernahm diese Vorsicht und sah jede zusätzliche Menge Mangan in Nahrungsergänzungsmitteln kritisch. Der Health Council der Niederlande empfiehlt allgemein, EFSA-Obergrenzen als niederländischen Rahmen zu übernehmen.
  • Originalquellen: https://ec.europa.eu/food/fs/sc/scf/out80f_en.pdf, https://vkm.no/download/18.18fcfdf1161d31d8fb92463b/1521019598516/Assessment%20of%20dietary%20intake%20of%20manganese%20in%20relation%20to%20tolerable%20upper%20intake%20level.pdf, https://www.healthcouncil.nl/site/binaries/site-content/collections/documents/2023/03/07/tolerable-upper-intake-levels-for-vitamins-and-minerals/20230307-advisory-report-Tolerable-upper-intake-levels-for-vitamins-and-minerals.pdf

Mangan ist ein essentielles Spurenelement, kann bei hoher Exposition aber neurotoxisch wirken. Genau diese Doppelrolle macht obere Aufnahmewerte schwierig. Die drei Behördenquellen zeigen, dass Sicherheitsrahmen für Mangan nicht einfach aus einem einzigen Zahlenwert bestehen. Sie beruhen auf unvollständigen Dosis-Wirkungs-Daten, unterschiedlichen nationalen Risikomanagementfragen und der Trennung zwischen normaler Ernährung, Nahrungsergänzungsmitteln, Trinkwasser und beruflicher oder umweltbedingter Exposition.

Fragestellung

Die gemeinsame Kernfrage lautet: Wie lässt sich ein Stoff begrenzen, wenn hohe Expositionen neurologische Schäden verursachen können, die normalen Ernährungsaufnahmen aber in einem Bereich liegen, in dem Bedarf und mögliche Sicherheitsgrenzen nah beieinanderstehen?

Der Scientific Committee on Food (SCF) sollte im Jahr 2000 einen tolerierbaren oberen Aufnahmewert für Mangan prüfen. Ein solcher Wert wird meist `UL` genannt. Er beschreibt eine chronische Gesamtaufnahme, bei der nach wissenschaftlicher Bewertung kein erkennbares Risiko erwartet wird.

VKM prüfte 2018 für die norwegische Lebensmittelbehörde, welche Folgen mögliche Höchstmengen von 1, 5 oder 10 mg Mangan pro Tagesdosis in Nahrungsergänzungsmitteln hätten. Der Health Council der Niederlande befasste sich 2023 nicht isoliert mit Mangan, sondern mit der Frage, ob die Niederlande künftig EFSA-Obergrenzen für Vitamine und Mineralstoffe als nationalen Rahmen übernehmen sollten.

Studiendesign und Methoden

Es handelt sich nicht um klinische Studien, sondern um Behördenbewertungen. SCF fasste ältere Human-, Tier- und Expositionsdaten zusammen. Der Ausschuss betrachtete Manganaufnahme aus Lebensmitteln, Hinweise auf neurotoxische Wirkungen, Tierdaten, berufliche Exposition und die Frage, ob ein geeigneter Referenzpunkt für einen UL verfügbar ist.

VKM nutzte veröffentlichte Bewertungen von IOM/NASEM, SCF, EVM und NNR. Die norwegische Bewertung führte keine neue systematische Literaturübersicht durch. Sie verglich stattdessen vorhandene obere Aufnahmerahmen mit Daten aus Dänemark, Schweden und weiteren europäischen Ländern, weil in der norwegischen Lebensmittelzusammensetzungsdatenbank keine eigenen Mangandaten verfügbar waren.

Der Health Council der Niederlande erstellte eine kurze nationale Empfehlung. Die Quelle bewertet nicht die Manganliteratur neu. Sie ordnet die niederländische Regulierung in die erwartete europäische Entwicklung ein und empfiehlt, EFSA-Obergrenzen für die niederländische Bevölkerung zu verwenden.

Bewertete Personen oder Datenbasis

SCF berücksichtigte allgemeine Ernährungsexpositionen bei Erwachsenen. Die Quelle nennt für Erwachsene geschätzte Aufnahmen von etwa 0,9 bis 9,4 mg Mangan pro Tag, je nach Studie und Land. Lebensmittel mit hohen Gehalten waren unter anderem Getreide, Reis, Nüsse und Tee. Eine Tasse Tee konnte in den älteren Daten 0,4 bis 1,3 mg Mangan enthalten.

VKM nutzte vor allem skandinavische Vergleichsdaten. Die schwedische Market-Basket-Studie von 2015 deutete auf eine durchschnittliche Aufnahme von 4,2 mg/Tag hin. Dänische Daten ergaben für Erwachsene eine mittlere Aufnahme von 3,9 mg/Tag und in höheren Aufnahmekategorien bis zu 6,9 mg/Tag. VKM beschrieb außerdem 95.-Perzentil-Werte von 4,3 bis 7,2 mg/Tag in verschiedenen dänischen Altersgruppen von 1 bis 75 Jahren; erwachsene Männer waren in diesen Perzentilzahlen nicht enthalten.

Der Health Council bezog sich allgemein auf EFSA-Obergrenzen und ihre erwartete Rolle in der europäischen Regulierung von Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln.

Bewertete Exposition und Vergleich

SCF trennte orale Aufnahme aus Lebensmitteln und Getränken von inhalativer Exposition am Arbeitsplatz. Für die allgemeine Bevölkerung war Nahrung die wichtigste Manganquelle. Der Ausschuss sah aber, dass hohe Expositionen über Trinkwasser oder andere Quellen neurologisch relevant sein können.

VKM bewertete zusätzliche Mengen in Nahrungsergänzungsmitteln als Szenarien von 1, 5 und 10 mg pro Tagesdosis. Diese Mengen wurden nicht als Bedarf betrachtet, sondern als mögliche zusätzliche Belastung oberhalb der normalen Ernährung. Die Bewertung war besonders vorsichtig, weil die skandinavische Ernährung bereits als ausreichend galt.

Der niederländische Health Council verglich keine Manganmengen. Seine Rolle liegt darin, dass die Niederlande EFSA-Werte grundsätzlich als nationalen Sicherheitsrahmen verwenden wollen, statt dauerhaft eigene provisorische Werte neben den europäischen Rahmen zu stellen.

Ergebnisse

SCF konnte keinen UL für Mangan ableiten. Der Grund war nicht fehlende Relevanz des Risikos, sondern die unzureichende Datenbasis. Die Humanstudien und Tierdaten lieferten keinen geeigneten NOAEL. Ein NOAEL ist eine Expositionshöhe, bei der in einer Studie keine nachteiligen Wirkungen beobachtet wurden. Ohne solchen Referenzpunkt war eine klassische UL-Ableitung nicht möglich.

SCF formulierte dennoch eine klare Risikowarnung: Der Abstand zwischen beobachteten oralen Effektmengen und geschätzter Aufnahme aus Lebensmitteln sei gering. Wegen neurotoxischer Befunde und möglicher empfindlicherer Gruppen könne zusätzliche orale Exposition über die üblichen Lebensmittel- und Getränkemengen hinaus ein Risiko darstellen, ohne dass dafür ein gesundheitlicher Nutzen belegt sei.

VKM schloss sich der SCF-Entscheidung an, keinen UL festzulegen. Die norwegische Bewertung betonte, dass SCF, IOM/NASEM und EVM zu unterschiedlichen oberen Rahmen gekommen waren. Das zeigt eine echte Unsicherheit, besonders für Kinder und Jugendliche. VKM verwies außerdem darauf, dass ATSDR wegen uneinheitlicher Dosis-Wirkungs-Beziehungen keine oralen Minimal-Risk-Level für akute, mittlere oder chronische Exposition gegenüber überschüssigem anorganischem Mangan ableiten konnte.

Für Nahrungsergänzungsmittel zog VKM eine strenge Schlussfolgerung. Da die skandinavische Aufnahme als ausreichend galt und neurotoxische Wirkungen nahe angemessener Aufnahmen berichtet wurden, sah VKM keine wissenschaftliche Begründung für Mangan als Zutat in Nahrungsergänzungsmitteln. Nach VKM könne jede zusätzliche Menge Mangan in solchen Produkten mit einem erhöhten Risiko negativer gesundheitlicher Wirkungen verbunden sein.

Der Health Council der Niederlande traf keine eigenständige Manganzahl. Die Empfehlung lautet allgemein, EFSA-Obergrenzen für die niederländische Bevölkerung zu übernehmen, auch für neue oder geänderte EFSA-Werte. Für Mangan bedeutet das: Der niederländische Rahmen folgt der europäischen EFSA-Logik und fügt in dieser Quelle keinen zusätzlichen nationalen Mangan-UL hinzu.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Alle drei Quellen führen die Sicherheitsfrage auf neurologische Effekte zurück. SCF beschreibt die Neurotoxizität hoher Manganexposition als kritischen Punkt. VKM nennt Manganismus als mögliches dauerhaftes neurologisches Störungsbild bei hoher Exposition, besonders aus beruflichen oder kontaminierten Trinkwasserquellen.

Die Quellen machen zugleich eine wichtige Abgrenzung: Normale Lebensmittelaufnahme, Trinkwasserbelastung, berufliche Inhalation und Nahrungsergänzungsmittel sind nicht derselbe Expositionsweg. Trotzdem ist zusätzliche orale Aufnahme aus Nahrungsergänzungsmitteln schwer zu bewerten, weil vorhandene Daten keine klare Schwelle zeigen und die normale Aufnahme bereits relevante Mengen liefert.

Grenzen der Aussagekraft

SCF und VKM zeigen nicht, ab welcher genauen Tagesaufnahme bei Menschen ein Schaden beginnt. Die Quellen können auch nicht sagen, ob eine bestimmte Überschreitung sofort gefährlich ist. Ihr Kern ist vorsichtiger: Die Daten erlauben keine robuste klassische Obergrenze.

VKM stützt sich nicht auf eine eigene neue systematische Literaturübersicht. Außerdem fehlten norwegische Mangandaten aus der Lebensmittelzusammensetzungsdatenbank, sodass Daten aus Dänemark, Schweden und anderen europäischen Ländern verwendet wurden.

Der Health Council liefert nur einen allgemeinen niederländischen Regulierungsrahmen. Die Quelle ist kein eigenständiges Mangan-Gutachten und ersetzt keine stoffbezogene Bewertung wie SCF 2000 oder EFSA 2023.

Was die Quellen zeigen

Die Quellen zeigen, dass ältere europäische und nordische Sicherheitsbewertungen bei Mangan vorsichtig blieben, weil die Datenlage keine stabile UL-Ableitung erlaubte. SCF konnte im Jahr 2000 keinen UL festlegen. VKM übernahm diese Vorsicht für Norwegen und bewertete zusätzliche Manganmengen in Nahrungsergänzungsmitteln kritisch.

Die Quellen zeigen außerdem, warum EFSA 2023 später nicht einfach einen historischen UL übernehmen konnte. Der Sicherheitsrahmen für Mangan bleibt von Unsicherheit geprägt: Neurotoxizität ist plausibel und relevant, aber die genaue Dosis-Wirkungs-Grenze für normale orale Gesamtaufnahme ist nicht belastbar bestimmt.

Was die Quellen nicht zeigen

Die Quellen zeigen keinen Nutzen zusätzlicher Manganaufnahme. Sie liefern keine persönliche Einnahmeregel, keine Therapie- oder Diagnoseaussage und keine Bewertung einzelner Produkte.

Sie zeigen auch keinen einheitlichen internationalen Grenzwert. SCF leitet keinen UL ab, VKM lehnt zusätzliche Mangangaben in Nahrungsergänzungsmitteln aus Vorsicht ab, und der Health Council verweist allgemein auf EFSA-Obergrenzen als niederländischen Rahmen.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • SCF bewertete im Jahr 2000 die tolerierbare obere Aufnahme von Mangan.
  • SCF konnte keinen UL für Mangan ableiten, weil Human- und Tierdaten keinen geeigneten Referenzpunkt lieferten.
  • SCF sah den Abstand zwischen beobachteten oralen Effektmengen und geschätzter Lebensmittelaufnahme als gering an.
  • SCF warnte vor zusätzlicher oraler Exposition über übliche Lebensmittel- und Getränkemengen hinaus.
  • VKM bewertete 2018 für Norwegen mögliche Höchstmengen von 1, 5 oder 10 mg Mangan pro Tagesdosis in Nahrungsergänzungsmitteln.
  • Die frühere norwegische Höchstmenge von 5 mg pro Tagesdosis war 2017 aufgehoben worden.
  • VKM nutzte vorhandene Bewertungen von IOM/NASEM, SCF, EVM und NNR, führte aber keine eigene neue systematische Literaturübersicht durch.
  • VKM fand keine norwegischen Mangandaten in der Lebensmittelzusammensetzungsdatenbank und nutzte deshalb Daten aus Dänemark, Schweden und anderen europäischen Ländern.
  • VKM betrachtete die skandinavische Manganaufnahme als ausreichend.
  • VKM sah keine wissenschaftliche Begründung für Mangan als Zutat in Nahrungsergänzungsmitteln.
  • VKM kam zu dem Schluss, dass jede zusätzliche Menge Mangan in Nahrungsergänzungsmitteln mit einem erhöhten Risiko negativer gesundheitlicher Wirkungen verbunden sein könne.
  • Der Health Council der Niederlande empfahl 2023 allgemein, EFSA-Obergrenzen für die niederländische Bevölkerung zu übernehmen.
  • Der Health Council legte in dieser Quelle keinen eigenständigen Manganwert fest.
  • Zusammen zeigen die Quellen historische und nationale Vorsicht bei Mangan, nicht eine harmonisierte internationale Obergrenze.

Quellen

  1. Quelle 1
  2. Quelle 2
  3. Quelle 3