Mangan im Trinkwasser sowie kognitive Fähigkeiten und Verhalten im Alter von zehn Jahren: eine prospektive Kohortenstudie

Rahmans Kohorte in Bangladesch fand nach umfassender Adjustierung keinen klaren Zusammenhang mit kognitiven Rohwerten. Einige Verhaltenswerte waren mit Wasser-Mangan assoziiert.

Warum wurde Trinkwasser über Jahre untersucht?

Rahman und Mitarbeitende verfolgten Kinder aus Matlab im ländlichen Bangladesch. Sie fragten, ob die Mangankonzentration im genutzten Trinkwasser während der Schwangerschaft sowie im Alter von fünf und zehn Jahren mit kognitiven Fähigkeiten oder Verhalten beim späteren Test zusammenhing. Die Mutter-Kind-Kohorte stammte aus der MINIMat-Studie zu Nahrung und Mikronährstoffen in der Schwangerschaft. Für die hier beschriebene Mangananalyse wurde die Wasserexposition aber nicht zufällig zugeteilt. Die Originalveröffentlichung über den DOI und der PubMed-Eintrag dokumentieren die Studie.

Von 1.607 eingeladenen Einlingskindern nahmen 1.530 an der Nachuntersuchung teil; für 1.265 lagen zusätzlich mütterliche Wasserproben und für 1.162 auch Proben aus dem Alter von fünf Jahren vor. Die Hauptstichprobe umfasste 656 Jungen und 609 Mädchen. Die Kinder waren bei den Tests 8,8 bis 10,1 Jahre alt, im Mittel 9,5 Jahre. Die Größe der tatsächlich ausgewerteten Gruppen wechselte mit Zeitpunkt, Modell und Endpunkt. Deshalb darf man eine Tabellenzahl nicht pauschal für alle Ergebnisse verwenden.

Wie wurden Wasser und Entwicklung erfasst?

Die Familien berichteten, welche Brunnen sie seit der Geburt des Kindes nutzten und wie lange. Forschende beprobten die noch verfügbaren Quellen. Bei 656 Kindern blieb die Quelle von der Geburt bis zum Alter von zehn Jahren gleich. Mangan und Arsen im Wasser wurden mit Massenspektrometrie gemessen. Die Proben stammten aus den Jahren 2002–2003 (Schwangerschaft), 2007–2008 (fünf Jahre) und 2012–2013 (zehn Jahre); die Laboranalysen erfolgten jeweils später. Das Originalsupplement mit Tabelle S1 und Abbildung S1 ergänzt die Messkontrolle mit Referenzmaterial und die Verteilung von Arsen und Mangan. Tabelle S1 zeigt für ihre Konzentrationszahlen jedoch keine Einheit; aus ihnen lässt sich hier kein quantitativer Nachweisgrenzwert übernehmen.

Die Medianwerte für Mangan im Wasser betrugen während der Schwangerschaft 204 µg/L, im Alter von fünf Jahren 228 µg/L und mit zehn Jahren 339 µg/L. Die zugehörigen Spannweiten lagen bei 1,3–6.550, 0,1–6.550 und 0,1–8.680 µg/L. Die Messzeitpunkte waren nicht unabhängig: Beispielsweise korrelierten die Mangankonzentrationen mit fünf und zehn Jahren mit rₛ = 0,74. So lässt sich ein einzelnes empfindliches Altersfenster nur begrenzt herauslösen.

Für die Kognition nutzten vier geschulte Psychologinnen Rohwerte aus dem WISC-IV. Der Gesamtwert beruhte auf zehn Untertests; zusätzlich wurden Sprachverständnis, wahrnehmungsgebundenes Schlussfolgern, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit betrachtet. Rohwerte sind keine auf eine andere Bevölkerung normierten IQ-Werte. Materialien wurden ins Bengalische übertragen und mit 52 Kindern erprobt. Die Beurteilerinnen kannten die Mangankonzentrationen während der Erhebung nicht.

Das Verhalten erfassten geschulte Interviewerinnen mit dem Elternfragebogen SDQ bei der Mutter oder einer anderen weiblichen Betreuungsperson. Seine 25 Fragen betreffen unter anderem Verhaltensprobleme, Hyperaktivität, emotionale Probleme, Schwierigkeiten mit Gleichaltrigen und prosoziales Verhalten. Die Forschenden fassten die Punktwerte für ihre statistischen Modelle in Kategorien zusammen. Das sind Fragebogenkategorien, keine Diagnosen.

Warum änderten Arsen und weitere Faktoren die Auswertung?

Die Forschenden untersuchten kognitive Rohwerte mit linearen Modellen und die SDQ-Kategorien mit logistischen Modellen. Zunächst berücksichtigten sie Alter und Geschlecht. In weiteren Modellen kamen unter anderem mütterlicher IQ, sozioökonomischer Status, Bildung, Wachstum, Hämoglobin, häusliche Umgebung und Arsen im Urin hinzu. Sie prüften außerdem andere Metalle und die ursprüngliche MINIMat-Zuteilung in ergänzenden Analysen. Die zunächst positiven kognitiven Zusammenhänge wurden nach dieser umfassenderen Berücksichtigung, besonders des sozioökonomischen Status, deutlich schwächer.

Hohe Manganwerte traten in den Wasserproben vorwiegend bei vergleichsweise niedrigen Arsenwerten auf. Das zeigt auch die Abbildung im Supplement; sie belegt keine gesundheitliche Schwelle. Um den Mangan-Zusammenhang in diesem Bereich genauer zu prüfen, beschränkten die Forschenden ein Modell zusätzlich auf Kinder mit weniger als 20 µg/L Arsen im Wasser zum jeweiligen Messzeitpunkt. Dieser Wert war eine Auswahlregel für die Analyse, kein persönlicher Trinkwassergrenzwert. Dadurch schrumpfte die Stichprobe: Für das Schwangerschaftsfenster standen im nur nach Alter und Geschlecht angepassten kognitiven Modell 1.265 Kinder, im weiter angepassten Modell 1.201 und im arsenbeschränkten Modell 554. Für die Fünfjahres- und Zehnjahresfenster waren es im letzten Modell 705 beziehungsweise 801 Kinder.

Was zeigten die kognitiven Tests?

Im Modell nur mit Alter und Geschlecht lag der geschätzte Unterschied im kognitiven Gesamtrohwert bei +4,5 Punkten je 1 mg/L mehr Mangan im Wasser während der Schwangerschaft (95-%-Konfidenzintervall 2,5 bis 6,5; 1.265 Kinder). Nach umfassenderer Berücksichtigung der Störfaktoren und der Beschränkung auf Wasser-Arsen unter 20 µg/L blieb für dieses Fenster ein Schätzwert von +0,42 Rohwertpunkten je 1 mg/L (95-%-Intervall −1,6 bis 2,5; 554 Kinder). Ein Konfidenzintervall beschreibt hier die Unsicherheit des geschätzten Zusammenhangs. Weil dieses Intervall auch null umfasst, ist weder ein klarer Vorteil noch ein klarer Nachteil belegt.

Auch für Wasser-Mangan mit fünf Jahren (−0,37 Rohwertpunkte je 1 mg/L; 95-%-Intervall −2,3 bis 1,5; 705 Kinder) und mit zehn Jahren (+0,18; −1,3 bis 1,6; 801 Kinder) ergab das vollständig angepasste, arsenbeschränkte Modell keinen klaren Zusammenhang mit dem Gesamtrohwert. In den einzeln betrachteten Bereichen des WISC-IV gab es für die Gesamtgruppe ebenfalls keine klare, durchgehend gerichtete Assoziation. Ein fehlender klarer Zusammenhang ist aber kein Nachweis, dass jede Wasserexposition unbedenklich wäre.

Bei Jungen zeigte das getrennte Modell für das Arbeitsgedächtnis einen negativen Schätzwert für Wasser-Mangan mit fünf Jahren (−0,7 Rohwertpunkte je 1 mg/L; 95-%-Intervall −1,4 bis −0,022; Tabelle 3: 345 Jungen). Die Zahl der Jungen in dieser Tabellenzeile weicht von anderen Tabellenangaben ab; die Fußnoten klären das nicht. Eine weitere Zeile für Arbeitsgedächtnis bei zehnjähriger Exposition ist in sich widersprüchlich: Ihr gedruckter Punktschätzer liegt außerhalb des gedruckten Intervalls. Daraus lässt sich kein präziser Effekt ableiten.

Die Autoren untersuchten bei Mädchen zusätzlich eine geknickte Modellkurve für pränatale Wasserwerte. Unterhalb eines aus dem Streudiagramm gewählten Knotens von 3 mg/L war die Steigung für den Gesamtrohwert positiv (+5,2 Rohwertpunkte je 1 mg/L; 95-%-Intervall 1,8 bis 8,6). Die gesamte Mädchen-Stichprobe dieses Modells umfasste 266 Kinder, doch nur 27 Mütter hatten Werte oberhalb des Knotens. Dort war der Schätzwert negativ, das Intervall aber breit und mit null vereinbar (−5,4; −13 bis 2). Der datengestützt gewählte Knoten ist keine Grenze für sicheres oder nützliches Trinkwasser. Geschlechtsunterschiede aus solchen Teilgruppenanalysen bleiben vorsichtig zu lesen.

Welche Verhaltenswerte waren auffällig?

Im vollständig angepassten, arsenbeschränkten Modell waren höhere Mangankonzentrationen mit höheren Odds für auffällige SDQ-Verhaltensproblemwerte verbunden. „Odds“ sind statistische Chancenverhältnisse; sie sagen ohne Ausgangshäufigkeit nicht, um wie viele Kinder mehr betroffen wären. Die Tabelle zeigt jeweils das Odds Ratio (OR) je 1 mg/L mehr Mangan im Wasser, gemessen zum genannten Zeitpunkt. Alle SDQ-Ergebnisse beziehen sich auf die Untersuchung um das Alter von zehn Jahren.

WasserprobeKinder im ModellVerhaltensproblemwerte: OR (95-%-Intervall)Niedrige prosoziale Werte: OR (95-%-Intervall)
Schwangerschaft5541,29 (1,08–1,53)1,27 (1,03–1,57)
Alter fünf Jahre7051,26 (1,07–1,48)1,11 (0,92–1,34)
Alter zehn Jahre8011,18 (1,05–1,34)1,23 (1,05–1,43)

Bei den prosozialen Werten liegt das Intervall für die Fünfjahresprobe über und unter 1; der tabellierte Befund ist damit nicht eindeutig. Der Ergebnisteil nennt dagegen alle drei Zeitfenster signifikant. Diese Abweichung im Original bleibt ungeklärt. Für Hyperaktivität und Probleme mit Gleichaltrigen zeigten die Gesamtmodelle keine durchgehend klaren Assoziationen. Bei emotionalen Problemwerten waren die OR für Schwangerschaft und fünf Jahre unter 1, mit zehn Jahren jedoch nicht mehr klar von 1 verschieden. Daraus folgt keine Schutzwirkung.

In getrennten Analysen waren die OR für Verhaltensproblemwerte bei Jungen für alle drei Wasserzeitpunkte über 1; zum Beispiel betrug es für die Schwangerschaft 1,43 je 1 mg/L (95-%-Intervall 1,06–1,91; 288 Jungen). Bei Mädchen waren die entsprechenden Schätzungen weniger eindeutig. Für niedrige prosoziale Werte bei Mädchen betrug das pränatale OR 1,48 je 1 mg/L (266 Mädchen). Sein 95-%-Intervall steht im Abstract als 1,06–1,88, in Tabelle 5 dagegen als 1,07–2,06. Die Studie löst diese Abweichung nicht auf. Auch das OR für die Zehnjahresprobe lag bei Mädchen über 1 (1,34; 95-%-Intervall 1,05–1,73; 395 Mädchen). Solche getrennten Auswertungen und mehrere getestete Bereiche sind keine sichere Grundlage für eine geschlechtsspezifische Vorhersage.

Was begrenzt die Aussage für einzelne Kinder?

Die prospektive Erfassung ist eine Stärke, doch ein beobachteter Zusammenhang beweist nicht, dass Mangan die späteren Werte verursacht hat. Wasser aus Schulen wurde nicht beprobt. Ein Biomarker wie Blut-Mangan fehlte. Wann Säuglinge erstmals Trinkwasser erhielten, war nur grob bekannt; zur ausschließlichen Stillzeit gab es eine Angabe mit vier Monaten. Der Eisenstatus wurde überwiegend über Hämoglobin erfasst. Ernährung, andere Belastungen und die Auswahl der kleineren arsenbeschränkten Gruppen können die Übertragbarkeit zusätzlich begrenzen. Die Autoren berichten selbst, dass frühere Querschnittsstudien teils anders gerichtete kognitive Zusammenhänge fanden; warum, bleibt offen.

Die Befunde stammen aus einem konkreten Brunnenwasserkontext in Bangladesch. Sie liefern weder eine individuelle Diagnose noch eine persönliche sichere Mangankonzentration. Für breitere Fragen zu Mangan als Spurenelement, zu weiteren Studien mit Schulkindern und zur WHO-Einordnung von Mangan im Trinkwasser sind die getrennten Übersichten hilfreich.

Fazit

Bei den Kindern dieser Kohorte blieb nach umfassender Adjustierung kein klarer Zusammenhang zwischen Wasser-Mangan und den kognitiven Gesamtrohwerten. Einige SDQ-Verhaltenskategorien waren mit höheren Wasserwerten assoziiert. Unterschiedliche Stichproben, kleine Teilgruppen und Widersprüche im Original begrenzen diese Befunde. Aus der Beobachtungsstudie folgt weder eine Ursache noch ein persönlicher Trinkwassergrenzwert.

Quellen

  1. Rahman et al. (2017). Supplemental Material: Manganese in Drinking Water and Cognitive Abilities and Behavior at 10 Years of Age: A Prospective Cohort Study. Environmental Health Perspectives.
  2. Rahman et al. (2017). Manganese in Drinking Water and Cognitive Abilities and Behavior at 10 Years of Age: A Prospective Cohort Study. Environmental Health Perspectives. DOI: 10.1289/ehp631. PMID: 28564632.