Oxidation und Labelangaben bei Fischölprodukten aus Neuseeland
Albert et al. untersuchten verkapselte Fischölprodukte, die zum Untersuchungszeitpunkt in Neuseeland verkauft wurden. Krillöl, Kalamariöl und Algenöl wurden ausgeschlossen.
Kurzprofil
- Quelle: Albert, B. B., Derraik, J. G. B., Cameron-Smith, D., Hofman, P. L., Tumanov, S., Villas-Boas, S. G., Garg, M. L., & Cutfield, W. S. (2015). Fish oil supplements in New Zealand are highly oxidised and do not meet label content of n-3 PUFA. Scientific Reports, 5, 7928. PMID: 25604397. PMCID: PMC4300506. DOI: 10.1038/srep07928.
- Quellentyp: analytische Produktuntersuchung einer neuseeländischen Marktstichprobe.
- Land/Kontext: Neuseeland; im Einzelhandel oder online erhältliche verkapselte Fischölprodukte.
- Wirkstoffbezug: EPA und DHA als langkettige Omega-3-Fettsäuren in Fischölkapseln.
- Datenbasis: 32 Fischölprodukte für den Abgleich von EPA/DHA mit den Labelangaben; 36 Öle für Oxidationsmarker.
- Zentrale Endpunkte: gemessener EPA- und DHA-Gehalt, Peroxidzahl, Anisidinwert und Totox-Wert.
- Originalquelle: https://doi.org/10.1038/srep07928
- PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25604397/
- Volltext: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4300506/
- Corrigendum: https://doi.org/10.1038/srep35092
Albert et al. untersuchten die Zusammensetzung und Oxidation von Fischölkapseln, die zum Untersuchungszeitpunkt in Neuseeland erhältlich waren. Die Arbeit ist keine Humanstudie und keine Bewertung einzelner Marken. Sie zeigt, dass Produktlabel und analytisch gemessene Zusammensetzung in dieser Marktstichprobe deutlich auseinanderliegen konnten.
Fragestellung
Fischölprodukte werden meist über ihre EPA- und DHA-Mengen beschrieben. Für die Einordnung solcher Produkte ist deshalb wichtig, ob die auf dem Etikett genannten Mengen die tatsächliche Zusammensetzung einer Kapsel abbilden. Zusätzlich können Fischöle oxidieren. Oxidation bedeutet, dass ungesättigte Fettsäuren chemisch verändert werden; dabei entstehen primäre und sekundäre Oxidationsprodukte.
Die Studie fragte daher zweierlei: Erstens, wie viel EPA und DHA die untersuchten Fischölprodukte im Vergleich zu ihren Labelangaben tatsächlich enthielten. Zweitens, ob einfache Oxidationsmarker über empfohlenen Grenzwerten lagen. Es ging nicht um klinische Wirkung, nicht um Einnahmeempfehlungen und nicht um eine Rangfolge von Produkten.
Studiendesign und Methoden
Die Untersuchung war eine analytische Marktstichprobe. Eingeschlossen werden konnten verkapselte Fischölprodukte, die in neuseeländischen Geschäften oder online verkauft wurden. Andere marine Öle wie Krill-, Kalamari- oder Algenöl wurden ausgeschlossen, weil sie sich in ihrer Zusammensetzung von Fischöl unterscheiden.
Wenn ein Anbieter mehrere Fischölprodukte mit unterschiedlicher Zusammensetzung anbot, wurden diese getrennt einbezogen. Für jedes Produkt wurde eine Packung gekauft. Die Forschenden wählten bevorzugt Produkte mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum 12 bis 24 Monate nach Kaufzeitpunkt; wenn das nicht möglich war, wurden Packungen mit 9 bis 30 Monaten bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum berücksichtigt.
Nach dem Kauf wurden die Kapseln aus der Verpackung genommen, in verschlossene Braunglasgefäße überführt und bei 4 °C gelagert. Dadurch sollte zusätzliche Oxidation nach dem Kauf möglichst gering gehalten werden. Die Produktidentität war für die analytischen Tests und Auswertungen verblindet.
Der Fettsäuregehalt wurde mit Gaschromatographie bestimmt. Die Peroxidzahl (PV) diente als Marker für primäre Oxidationsprodukte. Der Anisidinwert (AV) diente als Marker für sekundäre Oxidationsprodukte. Der Totox-Wert wurde aus PV und AV berechnet. Das Corrigendum von 2016 korrigierte typografische Fehler in der AV-Formel und stellte klar, dass die Peroxidzahl in meq/kg statt meq/l angegeben wurde.
Untersuchte Produkte
Für den EPA- und DHA-Abgleich wurden 32 Fischölprodukte ausgewertet. Für die Oxidationsmarker wurden 36 Öle berichtet. Die Produkte standen für die damals verfügbare neuseeländische Fischölkapsel-Stichprobe, nicht für alle heutigen Omega-3-Produkte und nicht für andere Länder.
Die Arbeit nennt keine klinischen Teilnehmenden, weil keine Personen behandelt oder beobachtet wurden. Untersucht wurden Produktproben. Die Ergebnisse beschreiben daher chemische Qualität und Labelgenauigkeit, nicht Nutzen oder Schaden einer Einnahme.
Intervention, Exposition und Vergleich
Eine Intervention im medizinischen Sinn gab es nicht. Die Exposition war die Zusammensetzung der gekauften Fischölkapseln. Verglichen wurden die gemessenen EPA- und DHA-Mengen mit den jeweiligen Angaben auf dem Produktlabel.
Für die Oxidation wurden PV, AV und Totox mit empfohlenen Höchstwerten verglichen. Diese Marker beschreiben technische und sensorische Qualitätsaspekte von Ölen. Die Quelle weist darauf hin, dass solche Standards vor allem auf Genießbarkeit und Produktqualität beruhen und nicht direkt aus gesicherten Gesundheitsendpunkten abgeleitet sind.
Ergebnisse
Bei den EPA- und DHA-Mengen fanden Albert et al. deutliche Abweichungen von den Labelangaben. Nur 3 von 32 Fischölprodukten enthielten EPA und DHA in einer Menge, die der deklarierten Menge entsprach oder darüber lag. Im Durchschnitt enthielten die Produkte 68 % der angegebenen EPA- und DHA-Menge. Mehr als zwei Drittel der Produkte, 22 von 32, enthielten weniger als 67 % der deklarierten Menge. Zwei Produkte lagen ungefähr bei einem Drittel der angegebenen EPA- und DHA-Konzentration.
Auch die Oxidationsmarker waren häufig erhöht. Von 36 geprüften Ölen überschritten 30 Produkte, also 83 %, den empfohlenen PV-Wert. 9 von 36 Produkten, also 25 %, überschritten den empfohlenen AV-Wert. 18 von 36 Produkten, also 50 %, überschritten den empfohlenen Totox-Wert. Nur 3 von 36 Ölen, also 8 %, blieben bei allen drei Oxidationskennzahlen innerhalb der empfohlenen Werte.
Die Autoren prüften außerdem, ob einfache Merkmale die Produktqualität vorhersagen konnten. Die Zeit bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum zeigte keinen Zusammenhang mit den Oxidationsmarkern. Der Preis war ebenfalls kein verlässlicher Hinweis. Auch das angegebene Herkunftsland oder eine besondere Verkaufssituation erklärten die Qualität der Stichprobe nicht ausreichend.
Zwischen fehlender EPA-/DHA-Menge und einzelnen Oxidationsmarkern gab es Hinweise auf Zusammenhänge. Die fehlende EPA- und DHA-Menge war mit dem Anisidinwert statistisch assoziiert; für Totox war der Zusammenhang grenzwertig. Die Peroxidzahl zeigte diesen Zusammenhang nicht. Die Autoren erklärten das damit, dass Peroxide frühe Oxidationsprodukte sind und später wieder zerfallen können.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Die Studie untersuchte keine Nebenwirkungen, keine Blutwerte und keine klinischen Gesundheitsfolgen. Sie kann deshalb nicht beantworten, ob die gemessenen Abweichungen bei Menschen zu Beschwerden, geringerem Nutzen oder Langzeitrisiken geführt hätten.
Für die Sicherheitseinordnung ist die Arbeit trotzdem relevant, weil oxidierte Öle und ungenaue EPA-/DHA-Label zwei unterschiedliche Qualitätsfragen sichtbar machen. Wenn ein Produkt weniger EPA und DHA enthält als angegeben, können berechnete Aufnahmemengen ungenau sein. Wenn Oxidationsmarker erhöht sind, zeigt das eine chemische Veränderung des Öls. Die gesundheitliche Bedeutung solcher Oxidationsmarker bei üblicher Einnahme bleibt nach der Quelle unklar.
Die Ergebnisse sind kein Grund, alle Fischölprodukte pauschal gleich zu bewerten. Sie sind auch keine Empfehlung für oder gegen ein bestimmtes Produkt. Die Studie beschreibt eine damalige neuseeländische Marktstichprobe und lässt offen, wie heutige Produkte, andere Chargen, andere Märkte oder andere Ölformen abschneiden.
Grenzen der Aussagekraft
Die wichtigste Grenze ist die Marktabhängigkeit. Die Produkte wurden in Neuseeland ausgewählt und spiegeln die dort verfügbare Fischölkapsel-Stichprobe zum Untersuchungszeitpunkt wider. Aus diesen Daten folgt keine direkte Aussage über Deutschland, Europa, aktuelle Produkte oder einzelne Hersteller.
Eine zweite Grenze betrifft Chargen und Verkaufsorte. Für jedes Produkt wurde eine Packung gekauft. Dadurch konnte die Studie Unterschiede zwischen Chargen, Geschäften oder Lagerwegen nicht systematisch untersuchen. Die Ergebnisse können daher eine auffällige Marktstichprobe beschreiben, aber keine dauerhafte Qualität eines bestimmten Produkts beweisen.
Die Quelle ist außerdem eine Produktanalyse und keine klinische Studie. Sie misst EPA, DHA und Oxidationsmarker, aber keine Aufnahme im Körper, keine Wirksamkeit, keine Verträglichkeit und keine Langzeitfolgen. Auch die verwendeten Oxidationsgrenzwerte sind Qualitätsgrenzen, keine direkt gesicherten Krankheits- oder Risikoschwellen.
Das Corrigendum ist bei der Interpretation zu beachten. Es korrigierte die Darstellung einer Formel und die Einheit der Peroxidzahl. Die zentralen Ergebniszahlen der Publikation bleiben als korrigierter Scientific-Reports-Artikel und PubMed-Eintrag nachvollziehbar, sollten aber mit dieser Korrektur gelesen werden.
Was die Studie zeigt
Albert et al. zeigen, dass die gemessenen EPA- und DHA-Gehalte in einer neuseeländischen Fischölprodukt-Stichprobe häufig deutlich unter den Labelangaben lagen. Sie zeigen außerdem, dass Oxidationsmarker in derselben Stichprobe häufig über empfohlenen Qualitätswerten lagen.
Die Arbeit zeigt auch, dass einfache Verbrauchersignale wie Mindesthaltbarkeitsdatum, Preis oder Herkunftsangabe die gemessene Qualität in dieser Stichprobe nicht zuverlässig erklärten.
Was die Studie nicht zeigt
Die Studie zeigt nicht, dass alle Omega-3-Produkte, alle Fischölprodukte oder alle heutigen Produkte oxidiert sind oder falsche Labelangaben tragen. Sie zeigt auch nicht, welches Produkt gekauft werden sollte.
Sie zeigt keinen klinischen Nutzen und keinen klinischen Schaden von Fischöl. Aus den Daten lässt sich keine persönliche Einnahme-, Therapie-, Diagnose- oder Kaufempfehlung ableiten. Krillöl, Algenöl und andere marine Ölformen wurden nicht untersucht und dürfen aus dieser Quelle nicht gleichgesetzt werden.
Fazit
Albert et al. liefern eine deutliche, aber eng begrenzte Produktanalyse aus dem neuseeländischen Markt. In der untersuchten Stichprobe lagen EPA- und DHA-Gehalte häufig unter den Labelangaben, und viele Öle überschritten empfohlene Oxidationskennzahlen. Für die Einordnung von Omega-3-Produkten ist die Arbeit deshalb ein Qualitäts- und Analytiksignal. Sie bleibt aber eine marktspezifische Momentaufnahme und keine pauschale Aussage über alle Produkte, alle Länder oder die klinische Wirkung von Omega-3.
Kompakte Faktenzusammenfassung
- Albert et al. untersuchten verkapselte Fischölprodukte, die zum Untersuchungszeitpunkt in Neuseeland verkauft wurden.
- Krillöl, Kalamariöl und Algenöl wurden ausgeschlossen.
- Für den EPA-/DHA-Abgleich wurden 32 Fischölprodukte ausgewertet.
- Für Oxidationsmarker wurden 36 Öle berichtet.
- Der Fettsäuregehalt wurde per Gaschromatographie bestimmt.
- Die Oxidation wurde über Peroxidzahl, Anisidinwert und Totox-Wert beschrieben.
- Nur 3 von 32 Produkten erreichten die deklarierte EPA- und DHA-Menge oder lagen darüber.
- Im Durchschnitt enthielten die Produkte 68 % der angegebenen EPA- und DHA-Menge.
- 22 von 32 Produkten enthielten weniger als 67 % der deklarierten EPA- und DHA-Menge.
- 30 von 36 Ölen überschritten den empfohlenen PV-Wert.
- 9 von 36 Ölen überschritten den empfohlenen AV-Wert.
- 18 von 36 Ölen überschritten den empfohlenen Totox-Wert.
- Nur 3 von 36 Ölen blieben bei allen drei Oxidationskennzahlen innerhalb der empfohlenen Werte.
- Die Studie war eine Produktanalyse, keine Humanstudie und keine klinische Sicherheitsprüfung.
- Die Ergebnisse gelten für die untersuchte neuseeländische Marktstichprobe und sind nicht automatisch auf heutige Produkte, andere Länder, andere Chargen oder einzelne Marken übertragbar.
- Das Corrigendum von 2016 korrigierte eine AV-Formel und die Einheit der Peroxidzahl.