Oxidationsstatus und Standardkonformität von Fischölprodukten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten

Jairoun et al. untersuchten 44 Fischöl-Supplemente aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Produkte stammten aus Apotheken, Para-Apotheken sowie Gesundheits- und Ernährungsfachgeschäften.

Kurzprofil

  • Quelle: Jairoun, A. A., Shahwan, M., & Zyoud, S. H. (2020). Fish oil supplements, oxidative status, and compliance behaviour: Regulatory challenges and opportunities. PLOS ONE, 15(12), e0244688. PMID: 33382790. PMCID: PMC7774961. DOI: 10.1371/journal.pone.0244688.
  • Quellentyp: analytische Produktuntersuchung einer kommerziellen Marktstichprobe.
  • Land/Kontext: Vereinigte Arabische Emirate; in Apotheken, Para-Apotheken sowie Gesundheits- und Ernährungsfachgeschäften erhältliche Fischöl-Supplemente.
  • Wirkstoffbezug: Omega-3-reiche Fischöle mit EPA und DHA als langkettige n-3-Fettsäuren.
  • Datenbasis: 44 Fischölprodukte; keine Humanstudie und keine klinische Intervention.
  • Zentrale Endpunkte: Peroxidzahl, Anisidinwert, Totox-Wert und Einhaltung der GOED-Grenzwerte für Oxidationsmarker.
  • Originalquelle: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0244688
  • Offene Quelle: https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0244688
  • PubMed/PMC: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33382790/ und https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7774961/

Jairoun et al. untersuchten, wie stark Fischöl-Supplemente aus einer Marktstichprobe in den Vereinigten Arabischen Emiraten oxidiert waren und wie häufig sie empfohlene Qualitätsgrenzen einhielten. Die Arbeit ist keine Studie zur Wirkung von Omega-3 im Körper. Sie beschreibt Produktqualität, Laborwerte und regulatorische Kontrolle in einem bestimmten Marktumfeld.

Fragestellung

Fischöle enthalten mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Diese Fettsäuren können durch Sauerstoff, Licht, Wärme, Wasser, Metallspuren und Lagerbedingungen chemisch verändert werden. Dieser Prozess heißt Oxidation. Dabei entstehen zuerst Peroxide und später weitere Abbauprodukte wie Aldehyde und Ketone.

Die Studie fragte, ob Fischöl-Supplemente, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten erhältlich waren, die empfohlenen Grenzwerte für wichtige Oxidationsmarker einhielten. Zusätzlich prüften die Autoren, ob Produktmerkmale wie Darreichungsform, Verpackung oder Herkunft mit den Oxidationswerten zusammenhingen.

Mit "compliance behaviour" meinte die Quelle vor allem die Einhaltung von Qualitätsstandards durch Produkte. Tatsächliches Einnahmeverhalten, Therapietreue oder Kaufverhalten von Menschen wurde nicht untersucht.

Studiendesign und Methoden

Die Untersuchung war eine analytische Marktstichprobe. Die Autoren erstellten zunächst eine Stichprobenbasis aus 1.650 Verkaufsstellen, darunter Apotheken, Para-Apotheken sowie Gesundheits- und Ernährungsfachgeschäfte. Aus diesen Verkaufsstellen wurde eine zufällige, nach Art und Standort geschichtete Auswahl gebildet.

In jeder ausgewählten Verkaufsstelle wurde jeweils eine Packung aller verfügbaren Fischöl-Supplemente für die orale Anwendung aufgenommen. Doppelte Produkte mit gleichem Namen, Hersteller, Formulierung, Barcode und Packungsgröße wurden nicht mehrfach getestet. Produkte mit gleichem Namen, aber anderer Herstellungsfirma oder anderer Darreichungsform, wurden getrennt ausgewertet.

Für jedes Produkt wurden unter anderem Produktname, Marke, Herkunfts- oder Herstellungsland, Darreichungsform, Chargennummer, Barcode, Packungsgröße, empfohlene Einnahmemenge auf dem Label und Verkaufsbereich dokumentiert. Die Produkte wurden am Tag der Sammlung ins Labor geschickt.

Die Peroxidzahl wurde nach europäischem Arzneibuch per iodometrischer Titration bestimmt. Der Anisidinwert wurde photometrisch nach Reaktion mit p-Anisidin gemessen. Der Totox-Wert wurde als kombinierter Oxidationswert aus Peroxidzahl und Anisidinwert berechnet. Die Messwerte wurden mit den GOED-Grenzwerten verglichen: Peroxidzahl unter 5 mEq/kg, Anisidinwert unter 20 und Totox unter 26.

Untersuchte Produkte

Insgesamt wurden 44 Fischöl-Supplemente analysiert. Nach Herstellungsregion stammten 9 Produkte aus den USA, 17 aus der Europäischen Union, 6 aus Indien und 12 aus Kanada. Die Verpackungen waren überwiegend aus Kunststoff; 4 Produkte waren in Glas verpackt.

Bei der Packungsfarbe waren transparente Verpackungen am häufigsten. Weitere Verpackungen waren Aluminiumstreifen oder bernsteinfarbene Verpackungen. Die Darreichungsformen waren Kapseln, Softgels, Sirupe und Kautabletten. 15 Produkte enthielten Vitamin E, 29 Produkte enthielten kein Vitamin E.

Die Studie untersuchte Produkte, keine Personen. Es gab daher keine Teilnehmenden, keine Einnahmephase und keine klinische Nachbeobachtung.

Intervention, Exposition und Vergleich

Eine medizinische Intervention gab es nicht. Die Exposition war die chemische Zusammensetzung der gekauften Fischölprodukte. Verglichen wurden die gemessenen Oxidationswerte mit den GOED-Grenzwerten für Fischöle.

Zusätzlich verglichen die Autoren Oxidationsmarker zwischen Produktmerkmalen. Dazu gehörten Herstellungsregion, Verpackungsart, Verpackungsfarbe, Darreichungsform und Vitamin-E-Zusatz. Für statistische Vergleiche nutzten sie nichtparametrische Tests wie Kruskal-Wallis und Mann-Whitney-U. Ein p-Wert unter 0,05 wurde als statistisch auffällig gewertet.

Ergebnisse

Die durchschnittliche Peroxidzahl lag bei 6,4 mEq/kg, mit einem 95%-Konfidenzintervall von 4,2 bis 8,7. Damit lag der Mittelwert oberhalb des GOED-Grenzwerts von 5 mEq/kg. 18 von 44 Produkten, also 40,9 %, überschritten diesen empfohlenen Wert.

Der durchschnittliche Anisidinwert lag bei 11, mit einem 95%-Konfidenzintervall von 7,8 bis 14,2. Dieser Mittelwert lag unter dem GOED-Grenzwert von 20. 3 von 44 Produkten, also 6,8 %, überschritten den empfohlenen Anisidinwert.

Der durchschnittliche Totox-Wert lag bei 23,8 mEq/kg, mit einem 95%-Konfidenzintervall von 17,4 bis 30,3. Der Mittelwert lag damit unter dem GOED-Grenzwert von 26, aber nahe an dieser Grenze. 12 von 44 Produkten, also 27,3 %, überschritten den empfohlenen Totox-Wert.

Die Autoren fassten die Gesamtlage so ein, dass die meisten, aber nicht alle getesteten Fischölprodukte die GOED-Grenzwerte für oxidative Qualität einhielten. Gleichzeitig zeigte die Peroxidzahl bei einem relevanten Anteil der Produkte Überschreitungen.

Bei den Produktmerkmalen fanden sich einige statistische Zusammenhänge. Kapseln zeigten höhere Peroxid- und Totox-Werte als andere Darreichungsformen. Sirupe zeigten höhere Anisidinwerte. Bei Verpackungsfarben gab es ebenfalls Signale: Aluminiumstreifen waren mit höheren Peroxidwerten verbunden, bernsteinfarbene Verpackungen zeigten einen Trend zu höheren Anisidinwerten.

Die Gesamtmenge an Omega-3-Fettsäuren korrelierte in der bivariaten Analyse mit allen drei Oxidationsmarkern: Peroxidzahl, Anisidinwert und Totox. Diese Korrelation beweist aber keine Ursache. Sie zeigt nur, dass in dieser Stichprobe höhere gemessene Omega-3-Gehalte mit höheren Oxidationsmarkern zusammenhingen.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Die Studie erfasste keine Nebenwirkungen, keine Blutwerte und keine klinischen Gesundheitsfolgen. Sie kann deshalb nicht beantworten, ob die gemessenen Oxidationswerte bei Menschen Beschwerden, Nutzenverlust oder Langzeitrisiken verursachten.

Die Ergebnisse sind trotzdem für die Qualitätseinordnung relevant. Erhöhte Oxidationsmarker zeigen, dass Fischöle chemisch verändert sein können. Die Quelle betont zugleich, dass die verwendeten Grenzwerte Qualitäts- und Genussgrenzen sind und nicht direkt aus gesicherten Krankheitsrisiken abgeleitet werden. Eine Grenzwertüberschreitung ist daher kein unmittelbarer klinischer Schadensnachweis.

Die Arbeit ist auch keine Kauf- oder Markenbewertung. Sie zeigt, dass Qualitätskontrolle, Laboranalytik und regulatorische Überwachung bei Fischölprodukten wichtig sind. Sie ersetzt aber keine Prüfung einzelner aktueller Produkte, Chargen oder Märkte.

Grenzen der Aussagekraft

Die Studie ist eine Produktanalyse und keine Humanstudie. Sie misst Oxidationsmarker in 44 Produkten, aber keine Aufnahme im Körper, keine Wirksamkeit, keine Verträglichkeit und keine tatsächliche Einnahme durch Personen.

Die Ergebnisse stammen aus einem bestimmten Marktumfeld in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Autoren diskutieren, dass die vergleichsweise gute Einhaltung der Standards mit dem dortigen Registrierungssystem für Nahrungsergänzungsmittel zusammenhängen könnte. Daraus folgt aber keine direkte Aussage über Deutschland, Europa, andere Länder oder heutige Produktchargen.

Weitere Grenzen betreffen die Produktbeschreibung. Die Studie berichtet nicht im Detail, aus welchen Fischölquellen die Produkte stammten. Sie untersuchte auch nicht die vollständige Fettsäurezusammensetzung. Die Autoren nennen außerdem große Streuungen der Peroxidmarker und verweisen auf mögliche Unterschiede zwischen Herstellern, Rohstoffen und Chargen.

Die statistischen Zusammenhänge zwischen Produktmerkmalen und Oxidationswerten sind explorativ. Sie können Hinweise geben, beweisen aber nicht, dass eine bestimmte Verpackung oder Darreichungsform die Ursache der Oxidation war.

Was die Studie zeigt

Jairoun et al. zeigen, dass in einer Stichprobe von 44 Fischöl-Supplementen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten die meisten Produkte die GOED-Grenzwerte für Anisidinwert und Totox einhielten. Zugleich überschritten 40,9 % der Produkte den empfohlenen Peroxidwert.

Die Studie zeigt außerdem, dass Oxidationswerte je nach Produktmerkmal unterschiedlich ausfallen konnten. Darreichungsform, Verpackungsfarbe und Gesamtgehalt an Omega-3-Fettsäuren waren in dieser Stichprobe mit einzelnen Oxidationsmarkern verbunden.

Was die Studie nicht zeigt

Die Studie zeigt nicht, dass alle Fischölprodukte oxidiert sind oder dass alle Produkte eines bestimmten Landes, Herstellers oder Formats besser oder schlechter sind. Sie zeigt auch nicht, welches Produkt gekauft werden sollte.

Sie untersucht kein tatsächliches Nutzungsverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Aus den Daten lässt sich keine Aussage ableiten, ob Menschen Fischölprodukte regelmäßig, unregelmäßig oder korrekt nach Label einnahmen.

Die Studie zeigt keinen klinischen Nutzen und keinen klinischen Schaden von Omega-3-Supplementen. Aus den Ergebnissen folgt keine persönliche Einnahme-, Therapie-, Diagnose- oder Kaufempfehlung.

Fazit

Jairoun et al. liefern eine offene Produktanalyse zu Fischöl-Supplementen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Mehrheit der getesteten Produkte erfüllte die GOED-Grenzwerte für oxidative Qualität, aber ein relevanter Anteil überschritt einzelne Marker, besonders die Peroxidzahl. Die Quelle ergänzt die Produktqualitätsdebatte, weil sie zeigt, dass Oxidation marktabhängig und analytisch prüfbar ist. Ihre Aussage bleibt auf Produktproben, Laborwerte und Standardkonformität begrenzt.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Jairoun et al. untersuchten 44 Fischöl-Supplemente aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
  • Die Produkte stammten aus Apotheken, Para-Apotheken sowie Gesundheits- und Ernährungsfachgeschäften.
  • Die Studie war eine Produktanalyse, keine Humanstudie und keine klinische Sicherheitsprüfung.
  • Gemessen wurden Peroxidzahl, Anisidinwert und Totox-Wert.
  • Die Messwerte wurden mit GOED-Grenzwerten verglichen.
  • Die durchschnittliche Peroxidzahl lag bei 6,4 mEq/kg und damit oberhalb des empfohlenen Grenzwerts von 5 mEq/kg.
  • 18 von 44 Produkten, also 40,9 %, überschritten den empfohlenen Peroxidwert.
  • Der durchschnittliche Anisidinwert lag bei 11 und damit unter dem Grenzwert von 20.
  • 3 von 44 Produkten, also 6,8 %, überschritten den empfohlenen Anisidinwert.
  • Der durchschnittliche Totox-Wert lag bei 23,8 mEq/kg und damit unter dem Grenzwert von 26.
  • 12 von 44 Produkten, also 27,3 %, überschritten den empfohlenen Totox-Wert.
  • Kapseln zeigten höhere Peroxid- und Totox-Werte als andere Darreichungsformen.
  • Sirupe zeigten höhere Anisidinwerte.
  • Die Gesamtmenge an Omega-3-Fettsäuren korrelierte mit Peroxidzahl, Anisidinwert und Totox.
  • Die Quelle misst Produkt-Compliance mit Qualitätsstandards, nicht tatsächliches Nutzungsverhalten von Menschen.
  • Die Ergebnisse sind marktabhängig und nicht automatisch auf Deutschland, Europa, heutige Produkte oder einzelne Marken übertragbar.

Quellen

  1. Originalquelle
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