Quercetin und Health Claims: Warum die EFSA keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang bestätigte

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) prüfte 2011 mehrere gesundheitsbezogene Aussagen zu Quercetin. Im Mittelpunkt stand die Behauptung, Quercetin könne DNA, Proteine oder Fette im Körper vor oxidativen Schäden schützen. Die Behörde bestätigte dafür keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang.

Das bedeutet nicht, dass die EFSA jede mögliche Wirkung von Quercetin ausgeschlossen hat. Bewertet wurden die damals eingereichten Aussagen und die dazu vorgelegten Unterlagen. Entscheidend war, ob diese Unterlagen den jeweils behaupteten Nutzen beim Menschen ausreichend belegten.

Welche Aussagen wurden geprüft?

Die Bewertung umfasste neben dem Schutz vor oxidativen Schäden auch allgemein formulierte Aussagen zum Herz-Kreislauf-System, zu mentaler Verfassung und Leistungsfähigkeit sowie zu Leber und Nieren. Im Mittelpunkt stand, ob die eingereichten Unterlagen die behaupteten gesundheitlichen Wirkungen tragen.

Für die Aussagen zu Herz-Kreislauf, mentaler Leistung sowie Leber und Nieren sah die EFSA bereits ein grundlegendes Problem: Sie waren zu allgemein und unspezifisch formuliert. Dadurch ließ sich kein klar abgegrenzter gesundheitlicher Nutzen prüfen. Diese Einordnung ist von einem negativen Ergebnis in einer konkreten Wirksamkeitsstudie zu unterscheiden.

Warum reichten Laborbefunde nicht aus?

Bei antioxidativen Stoffen wirkt eine Erklärung zunächst oft plausibel: Ein Stoff zeigt im Labor antioxidative Eigenschaften, also könnte er auch Körperbestandteile vor oxidativen Schäden schützen. Für einen Health Claim beim Menschen genügt dieser Schluss jedoch nicht.

Die EFSA wertete In-vitro- und Ex-vivo-Befunde deshalb nicht als ausreichenden Nachweis. In vitro bedeutet, dass ein Vorgang außerhalb eines lebenden Organismus untersucht wird, etwa in einem Reagenzglas. Ex vivo beschreibt Untersuchungen an entnommenen Zellen oder Geweben. Solche Modelle können biologische Mechanismen sichtbar machen. Sie zeigen aber nicht automatisch, dass nach dem Verzehr von Quercetin im menschlichen Körper derselbe gesundheitliche Effekt eintritt.

Auch narrative Übersichtsarbeiten und pharmakokinetische Angaben konnten diese Lücke nicht schließen. Pharmakokinetik beschreibt, wie ein Stoff aufgenommen, verteilt, umgewandelt und ausgeschieden wird. Daraus folgt noch nicht, dass ein bestimmter Schutz vor oxidativen Schäden tatsächlich erreicht wird. Unterlagen mit unpassenden Endpunkten oder ungeeigneten Markern waren für die konkrete Aussage ebenfalls nicht tragfähig.

Was zeigte die Humanstudie?

Unter den eingereichten Unterlagen befand sich eine Humaninterventionsstudie mit einem gültigen Marker für oxidative DNA-Schäden. Ein Marker ist ein messbarer biologischer Wert, der den untersuchten Vorgang möglichst zuverlässig abbilden soll. In dieser Studie zeigte sich kein Effekt von Quercetin auf den geprüften Marker.

Damit fehlte für den zentralen Claim gerade dort ein positiver Befund, wo eine direkte Untersuchung am Menschen und ein geeigneter Messwert zusammentrafen. Die EFSA kam deshalb zu dem Schluss, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Quercetin und dem Schutz von DNA, Proteinen oder Lipiden vor oxidativen Schäden nicht belegt war.

Quellen

  1. EFSA NDA Panel: Scientific Opinion on health claims related to quercetin