Selen, Antioxidanzien und harte Herz-Kreislauf-Endpunkte: Jenkins 2020

Jenkins et al. (2020) untersuchten Selen allein und Antioxidanzien-Mischungen mit oder ohne Selen in randomisierten kontrollierten Studien. Die Suche lief in der Cochrane Library, Medline und Embase bis zum 5. Juni 2020. Eingeschlossen wurden 43 RCTs mit oraler Supplementierung über mindestens 24 Wochen.

Kurzprofil

FeldInhalt
Primäre QuelleJenkins et al. (2020). Selenium, antioxidants, cardiovascular disease, and all-cause mortality: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials.
QuellenartSystematischer Review und Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien
Land/KontextInternational; erwachsene Humanpopulationen in randomisierten kontrollierten Studien
WirkstoffSelen
PopulationErwachsene in RCTs mit oraler Supplementierung über mindestens 24 Wochen; Kinder, Schwangere, Stillende, chronische Infektionskrankheiten und intravenöse Interventionen waren ausgeschlossen
InterventionSelen allein oder Antioxidanzien-Mischungen mit beziehungsweise ohne Selen
VergleichPlacebo oder vergleichbare Kontrollgruppe ohne ungleiche Begleitintervention
Zentrale EndpunkteHerz-Kreislauf-Erkrankungen, kardiovaskuläre Mortalität, Gesamtmortalität, Krebsendpunkte und ergänzende kardiovaskuläre Teilendpunkte
Originalquellehttps://doi.org/10.1093/ajcn/nqaa245
DOI / PMID / PMCIDDOI: 10.1093/ajcn/nqaa245; PMID: 33053149; PMCID: PMC7727482

Jenkins et al. prüften, ob Selen in randomisierten Studien mit harten Herz-Kreislauf- und Mortalitätsendpunkten verbunden war. Die Arbeit ist keine einfache Nutzenbestätigung für Selen allein. Sie trennt vielmehr drei Situationen: Selen als Einzelstoff, Antioxidanzien-Mischungen ohne Selen und Antioxidanzien-Mischungen mit Selen. Der auffällige Befund lag vor allem bei Mischungen, in denen Selen enthalten war.

Fragestellung

Antioxidanzien wurden lange als mögliche Schutzfaktoren gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und altersnahe chronische Erkrankungen diskutiert. Frühere Interventionsstudien mit einzelnen Antioxidanzien oder Kombinationen hatten jedoch keine einheitlichen Vorteile gezeigt. Für einige Stoffe, besonders Beta-Carotin und Vitamin E in bestimmten Risikogruppen, wurden sogar ungünstige Signale berichtet.

Selen ist in diesem Zusammenhang anders zu betrachten als klassische direkte Antioxidanzien. Der Körper benötigt Selen für Selenoproteine, darunter Glutathionperoxidasen. Diese Enzyme gehören zum körpereigenen antioxidativen System. Jenkins et al. wollten daher wissen, ob Selen allein oder als Bestandteil von Antioxidanzien-Mischungen die Ergebnisse randomisierter Studien zu Herz-Kreislauf-Ereignissen und Sterblichkeit verändert.

Studiendesign und Methoden

Die Arbeit ist ein systematischer Review mit Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien. Gesucht wurde in der Cochrane Library, in Medline und Embase bis zum 5. Juni 2020. Zusätzlich wurden bestehende systematische Reviews und Meta-Analysen genutzt, um weitere relevante RCTs zu finden.

Eingeschlossen wurden veröffentlichte Humanstudien mit erwachsenen Teilnehmenden, oraler Supplementierung und einer Dauer von mindestens 24 Wochen. Die Intervention konnte Selen allein sein oder eine Mischung aus mindestens zwei Antioxidanzien, darunter Vitamin A, Retinol, Beta-Carotin, Vitamin C, Vitamin E, Selen, Zink oder Kupfer. Wichtig war eine vergleichbare Placebo- oder Kontrollgruppe ohne andere ungleiche Begleitintervention.

Die Datenauswertung nutzte random-effects-Modelle nach Mantel-Haenszel. Das Verzerrungsrisiko wurde mit dem Cochrane Risk of Bias Tool beurteilt. Die Vertrauenswürdigkeit der Befunde wurde mit GRADE eingestuft. Für einige Analysen wurden Studien zusätzlich danach getrennt, ob die Antioxidanzien-Mischung Selen enthielt oder nicht. Außerdem prüfte die Arbeit explorativ, ob Gesundheits- oder Risikostatus der Teilnehmenden die Ergebnisse beeinflussten.

Untersuchte Personen oder Datenbasis

Die Suche identifizierte 9.423 Treffer. Davon gingen 43 einzelne randomisierte kontrollierte Studien in die finale Auswertung ein. Die Gesamtzahl der Teilnehmenden über alle eingeschlossenen Studien wurde im verwendeten Artikeltext nicht als eine einzige zusammengefasste Zahl ausgewiesen; die Auswertung extrahierte Ereignisse und Teilnehmendenzahlen für Interventions- und Kontrollgruppen je Endpunkt.

Die eingeschlossenen Studien waren nicht alle Selenstudien im engeren Sinn. Ein Teil prüfte Selen allein. Ein anderer Teil prüfte Antioxidanzien-Mischungen, die Selen enthalten konnten oder nicht. Dadurch beantwortet die Arbeit nicht nur die Frage nach Selen als Einzelstoff, sondern auch die Frage, ob die Zusammensetzung einer Antioxidanzien-Mischung für Herz-Kreislauf- und Mortalitätsendpunkte eine Rolle spielte.

Ausgeschlossen wurden Studien an Kindern, Schwangeren und Stillenden, Tier- und Laborstudien, intravenöse Supplementierung, Studien mit chronischen Infektionen wie HIV oder Hepatitis C sowie Studien unter 24 Wochen Dauer. Dadurch bezieht sich die Auswertung auf länger laufende orale RCTs bei Erwachsenen, nicht auf klinische Akutbehandlung oder spezielle Lebensphasen.

MerkmalBefund in der ÜbersichtBedeutung
Suchtreffer9.423breite Ausgangssuche
Eingeschlossene RCTs43experimentelle Studiendaten, aber mit unterschiedlichen Interventionen
Mindestdauer24 Wochenkeine Kurzzeitmarker-Studien
Supplementierungswegoralkeine intravenösen Klinikinterventionen
Selen alleinseparat ausgewertetkeine klare Verbindung zu CVD oder Gesamtmortalität
Antioxidanzien-Mischungen mit Selenseparat ausgewertetauffälligere Ergebnisse bei CVD-Mortalität und Gesamtmortalität
Antioxidanzien-Mischungen ohne Selenseparat ausgewertetteils ungünstigere Mortalitätssignale

Intervention, Exposition und Vergleich

Die Interventionsgruppen unterschieden sich deutlich. Selen wurde teils als Einzelstoff gegeben, teils als Bestandteil einer Antioxidanzien-Mischung. Die Mischungen konnten Vitamine, Retinol, Beta-Carotin sowie die Spurenelemente Selen, Zink oder Kupfer enthalten. Die Arbeit behandelte solche Mischungen als zusammengesetzte Interventionen und trennte sie danach, ob Selen enthalten war.

Für Selen allein wurden die verfügbaren Langzeitstudien gesondert analysiert. Für Antioxidanzien-Mischungen wurde zusätzlich geprüft, ob die Anwesenheit von Selen mit anderen Ergebnissen einherging als eine Mischung ohne Selen. Eine Dosis-Wirkungs-Analyse betrachtete Selenmengen in Antioxidanzien-Mischungen in Bezug auf Gesamtmortalität. Dabei war 50 µg Selen pro Tag ein wichtiger Knotenpunkt in der Modellierung.

Der Vergleich war jeweils Placebo oder eine vergleichbare Kontrollgruppe. Studien mit ungleichen zusätzlichen Begleitinterventionen wurden ausgeschlossen, weil sie die Zuordnung der Effekte zu Selen oder den Antioxidanzien-Mischungen erschwert hätten.

Ergebnisse

In der Gesamtauswertung zeigte Selen als Einzelstoff keinen klaren Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, kardiovaskulärer Mortalität, Krebsendpunkten oder Gesamtmortalität. Auch Antioxidanzien-Mischungen insgesamt ergaben kein einfaches einheitliches Bild.

Auffällig wurde die Trennung nach Mischungen mit und ohne Selen. Bei Antioxidanzien-Mischungen, die Selen enthielten, war die kardiovaskuläre Mortalität niedriger als in den jeweiligen Kontrollgruppen. Die gepoolte Risikoschätzung lag bei RR 0,77 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,62 bis 0,97 und einem p-Wert von 0,02. Für Antioxidanzien-Mischungen ohne Selen wurde dieser Zusammenhang nicht beobachtet; dort lag die Schätzung bei RR 1,05 mit 95-%-Konfidenzintervall 0,97 bis 1,15.

Ein ähnliches Muster zeigte sich bei der Gesamtmortalität. Mischungen mit Selen waren mit einer niedrigeren Gesamtmortalität verbunden: RR 0,90; 95-%-Konfidenzintervall 0,82 bis 0,98; p = 0,02. Mischungen ohne Selen zeigten dagegen ein erhöhtes Risiko: RR 1,09; 95-%-Konfidenzintervall 1,04 bis 1,13; p = 0,0002. Die Unterschiede zwischen den beiden Mischungsgruppen waren statistisch deutlich.

Die explorative Auswertung nach Gesundheits- oder Risikostatus zeigte das stärkste Signal für Gesamtmortalität bei gesunden oder nicht erkennbar vorerkrankten Teilnehmenden. In sechs entsprechenden Studien waren vier Mischungen mit Selen mit einer niedrigeren Gesamtmortalität verbunden: RR 0,89; 95-%-Konfidenzintervall 0,81 bis 0,98. Bei höherem Risiko oder bestehender Erkrankung war dieser Unterschied nicht klar. Bei Rauchenden gab es keine Studie mit Selen in der Antioxidanzien-Mischung; Mischungen ohne Selen waren dort mit der höchsten Erhöhung der Gesamtmortalität verbunden.

Die Dosis-Wirkungs-Analyse ergab für Selen in Antioxidanzien-Mischungen einen linearen und einen nichtlinearen Zusammenhang mit Gesamtmortalität. Die Daten deuteten darauf hin, dass mehr als 50 µg Selen pro Tag in solchen Mischungen keinen zusätzlichen Rückgang der Gesamtmortalität zeigte. Für Selen allein und für Antioxidanzien-Mischungen mit Selen ergaben die Dosis-Kategorien keine eigenständigen signifikanten Befunde.

Für Krebsinzidenz und Krebsmortalität fand die Arbeit in dieser Analyse kein entsprechendes günstiges Muster. Die Qualität der Evidenz wurde für Antioxidanzien insgesamt als moderat, für Selen allein als niedrig eingestuft.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Die Arbeit war keine klassische Nebenwirkungsübersicht zu Selen. Sie betrachtete harte Endpunkte wie Gesamtmortalität, kardiovaskuläre Mortalität und Krebsendpunkte. Dennoch enthält sie wichtige Sicherheitsgrenzen für die Interpretation.

Erstens zeigte Selen allein in den wenigen verfügbaren Langzeitstudien keine konsistente Nutzenlage. Die Autorengruppe wies außerdem darauf hin, dass eine Studie bei 300 µg Selen pro Tag im 10-Jahres-Follow-up nach fünfjähriger Supplementierung ein ungünstiges Signal für Gesamtmortalität zeigte, während dieses Muster bei 100 µg und 200 µg nicht gesehen wurde. Das ist kein allgemeiner Grenzwert, aber ein Hinweis, dass hohe Zusatzmengen vorsichtig bewertet werden müssen.

Zweitens verweist die Arbeit auf nichtkardiovaskuläre Vorsichtssignale aus SELECT. Dort wurden mögliche Risiken für hochgradigen Prostatakrebs und Typ-2-Diabetes in bestimmten Gruppen diskutiert. Diese Signale stammen nicht aus dem primären CVD-Ergebnis der Jenkins-Analyse, begrenzen aber die Deutung von Selen als Bestandteil langfristiger Antioxidanzien-Mischungen.

Drittens zeigte die Analyse, dass Antioxidanzien-Mischungen ohne Selen in manchen Gruppen ungünstig aussehen konnten, besonders bei Rauchenden. Das bedeutet nicht automatisch, dass Selen solche Risiken verlässlich ausgleicht. Für Rauchende fehlten Studien, in denen Selen Bestandteil der Mischung war. Gerade diese Lücke verhindert eine sichere Aussage für die Gruppe mit dem höchsten beobachteten Risiko.

Grenzen der Aussagekraft

Die wichtigste Grenze liegt in der Heterogenität der Interventionen. Die Arbeit bündelte nicht nur Selenstudien, sondern auch Studien mit unterschiedlichen Antioxidanzien-Mischungen. Daher lässt sich der beobachtete Unterschied bei Mischungen mit Selen nicht als isolierter Effekt von Selen allein lesen.

Viele Endpunkte waren nicht in jeder Studie primäre Zielgrößen. CVD- und Mortalitätsereignisse traten teils selten auf. Dadurch können einzelne Auswertungen ungenau bleiben, obwohl die Gesamtzahl der Studien groß wirkt.

Die Datenbasis für Selen allein war begrenzt und nicht konsistent. Für langfristige Dosis-Wirkungs-Fragen zu Selen als Einzelstoff gab es zu wenige belastbare Studien. Auch für Personen mit sehr niedrigem oder sehr hohem Ausgangsstatus reichte die Evidenz nicht aus, um klare gruppenspezifische Schlussfolgerungen zu ziehen.

Die gesundheitsstatusbezogenen Analysen waren explorativ. Für Rauchende fehlte die entscheidende Vergleichsgruppe mit Selen in der Antioxidanzien-Mischung. Für Personen mit bestehenden Erkrankungen oder erhöhtem Risiko zeigte sich kein klares günstiges Muster. Solche Untergruppen dürfen deshalb nicht in eine allgemeine Aussage für alle Erwachsenen übertragen werden.

Schließlich ist die biologische Erklärung plausibel, aber nicht bewiesen. Die Autorengruppe diskutierte Selen, Zink und Kupfer als Bestandteile körpereigener antioxidativer Enzymsysteme. Die Meta-Analyse selbst kann jedoch nicht zeigen, welcher Mechanismus den Unterschied zwischen Mischungen mit und ohne Selen verursacht hat.

Was die Arbeit zeigt

  • Jenkins et al. werteten 43 randomisierte kontrollierte Studien zu Selen, Antioxidanzien-Mischungen, Herz-Kreislauf-Endpunkten, Krebsendpunkten und Sterblichkeit aus.
  • Selen allein war nicht klar mit weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder niedrigerer Gesamtmortalität verbunden.
  • Antioxidanzien-Mischungen mit Selen waren mit niedrigerer kardiovaskulärer Mortalität verbunden.
  • Antioxidanzien-Mischungen mit Selen waren auch mit niedrigerer Gesamtmortalität verbunden.
  • Antioxidanzien-Mischungen ohne Selen zeigten bei Gesamtmortalität ein ungünstigeres Muster.
  • Die Ergebnisse passen nicht zu einer einfachen Aussage "Selen schützt das Herz", sondern zu einer differenzierten Frage nach Mischungen, Ausgangsrisiko, Dosis und Studiendesign.

Was die Arbeit nicht zeigt

  • Sie leitet keine individuelle Einnahmeregel ab.
  • Sie zeigt keinen gesicherten Nutzen von Selen als Einzelstoff für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Gesamtmortalität.
  • Sie beweist nicht, dass Selen in jeder Antioxidanzien-Mischung nützlich oder sicher ist.
  • Sie klärt nicht, welche Selenform für harte Endpunkte am besten wäre.
  • Sie beantwortet keine langfristige Sicherheitsfrage für hohe Zusatzmengen bei bereits gut versorgten Personen.
  • Sie erlaubt keine sichere Aussage für Rauchende, weil dort Studien mit Selen in der Antioxidanzien-Mischung fehlten.
  • Sie ersetzt keine getrennte Bewertung von Krebs-, Diabetes-, Hochstatus- und UL-Daten.

Fazit

Jenkins et al. liefern eine wichtige RCT-Meta-Analyse für den kardiometabolischen Selenkontext, weil sie Selen allein von Antioxidanzien-Mischungen trennt. Die stärksten Signale lagen nicht bei Selen als Einzelstoff, sondern bei Mischungen, die Selen enthielten. Gleichzeitig bleiben die Befunde begrenzt: Die Interventionen waren unterschiedlich, viele Endpunkte waren nicht primär geplant, und für Selen allein fehlt eine konsistente Langzeitlage. Die Arbeit stützt daher keine pauschale Selen-Nutzenbehauptung, sondern eine vorsichtige Einordnung von Selen im Zusammenspiel mit anderen Antioxidanzien und dem Ausgangsrisiko der untersuchten Gruppen.

Eingeschlossene Studien und wichtige Studiengruppen

BereichBeispiele aus der ÜbersichtEinordnung
Große Präventions- und Antioxidanzien-StudienSELECT, SU.VI.MAX, Physicians' Health Study, AREDS, Heart Protection Studyprägen die Auswertung zu Antioxidanzien-Mischungen und harten Endpunkten
Rauchenden-Studien ohne Selen in der MischungATBC, CARET und weitere Raucherkontextewichtig für ungünstige Mortalitätssignale ohne Selen; keine direkte Gegenprüfung mit Selen verfügbar
Herz-Kreislauf-nahe StudienHATS, WAVE, CLIPS und weitere CVD-nahe RCTstragen Teilendpunkte wie CHD, MI, Schlaganfall oder CVD-Mortalität bei
China-/Linxian-KontexteLinxian/Shandong Intervention Trialrelevant für Antioxidanzien-/Mikronährstoffmischungen und Mortalitätsendpunkte
Selen-EinzelstoffstudienSELECT und weitere Selenarme aus RCTskeine konsistente Bestätigung eines isolierten CVD- oder Gesamtmortalitätsnutzens

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Jenkins et al. (2020) untersuchten Selen allein und Antioxidanzien-Mischungen mit oder ohne Selen in randomisierten kontrollierten Studien.
  • Die Suche lief in der Cochrane Library, Medline und Embase bis zum 5. Juni 2020.
  • Eingeschlossen wurden 43 RCTs mit oraler Supplementierung über mindestens 24 Wochen.
  • Die Arbeit schloss Kinder, Schwangere, Stillende, chronische Infektionskrankheiten, intravenöse Interventionen und Studien unter 24 Wochen aus.
  • Primäre Endpunkte waren Gesamt-CVD, kardiovaskuläre Mortalität, Krebsinzidenz, Krebsmortalität und Gesamtmortalität.
  • Sekundäre Endpunkte waren unter anderem CHD, CHD-Mortalität, Myokardinfarkt, MI-Mortalität, Schlaganfall und Schlaganfallmortalität.
  • Selen allein war nicht klar mit weniger CVD oder niedrigerer Gesamtmortalität verbunden.
  • Antioxidanzien-Mischungen mit Selen waren mit niedrigerer CVD-Mortalität verbunden: RR 0,77; 95-%-KI 0,62 bis 0,97; p = 0,02.
  • Antioxidanzien-Mischungen mit Selen waren mit niedrigerer Gesamtmortalität verbunden: RR 0,90; 95-%-KI 0,82 bis 0,98; p = 0,02.
  • Antioxidanzien-Mischungen ohne Selen waren bei Gesamtmortalität mit einem erhöhten Risiko verbunden: RR 1,09; 95-%-KI 1,04 bis 1,13; p = 0,0002.
  • Die Dosis-Wirkungs-Analyse deutete bei Antioxidanzien-Mischungen auf keinen zusätzlichen Rückgang der Gesamtmortalität oberhalb von 50 µg Selen pro Tag hin.
  • Die Arbeit fand kein entsprechendes günstiges Muster für Krebsinzidenz oder Krebsmortalität.
  • Die Qualität der Evidenz wurde für Antioxidanzien insgesamt als moderat und für Selen allein als niedrig bewertet.
  • Die Ergebnisse erlauben keine allgemeine Einnahmeempfehlung und keinen isolierten Nutzenbeleg für Selen allein.

Quellen

  1. primary_review
  2. primary_review PubMed
  3. primary_review PMC