AREDS2 Report 28: Langzeitdaten zu Beta-Carotin, Lutein/Zeaxanthin und AMD

AREDS2 Report 28 ist ein Langzeit-Follow-up einer AMD-Hochrisikokohorte. Der Vitamin-A-Bezug liegt bei Beta-Carotin als Provitamin-A-Carotinoid in AREDS-Formelvarianten. Frühere Beta-Carotin-Zuteilung war mit einem höheren Lungenkrebsrisiko verbunden. Lutein/Zeaxanthin war nicht mit einem statistisch signifikanten Lungenkrebs-Signal verbunden. Lutein/Zeaxanthin war im Langzeitvergleich mit geringerer Progression zu später AMD verbunden. Die Übertragbarkeit ist auf den ophthalmologischen Kontext einer älteren AMD-Risikopopulation begrenzt.

AREDS2 Report 28 wertet die Langzeitnachbeobachtung der AREDS2-Kohorte aus. Im Mittelpunkt stehen zwei Fragen: ob das Lungenkrebs-Signal nach früherer Beta-Carotin-Zuteilung auch über die randomisierte Studienphase hinaus sichtbar bleibt, und ob Lutein/Zeaxanthin im Vergleich zu Beta-Carotin langfristig mit einer geringeren Progression zu später altersbedingter Makuladegeneration verbunden ist. Der Vitamin-A-Bezug entsteht hier nicht über Retinol, sondern über Beta-Carotin als Provitamin-A-Carotinoid in der ursprünglichen AREDS-Formel.

Kurzprofil

  • Quelle: Chew et al. (2022), JAMA Ophthalmology
  • Studientyp: epidemiologisches Langzeit-Follow-up einer randomisierten klinischen Studie
  • Land/Kontext: USA, ältere Personen mit intermediärer altersbedingter Makuladegeneration oder später AMD in einem Auge
  • Population: AREDS2-Kohorte; Analyse mit 3882 Teilnehmenden und 6351 Augen, ursprüngliche Kohorte 4203 Teilnehmende
  • Vitamin-A-Bezug: Beta-Carotin als Provitamin-A-Carotinoid in AREDS-Formelvarianten
  • Zentrale Endpunkte: Entwicklung von Lungenkrebs, Progression zu später AMD, Sterblichkeit

Fragestellung

Die ursprüngliche AREDS-Formel enthielt Antioxidanzien, Zink, Kupfer und Beta-Carotin. Nach früheren Studien bei Rauchern wurde Beta-Carotin wegen eines erhöhten Lungenkrebsrisikos problematisch. AREDS2 prüfte deshalb unter anderem, ob Lutein/Zeaxanthin Beta-Carotin in einer AMD-Formel ersetzen kann. Report 28 verlängert diese Betrachtung auf einen Zeitraum von etwa zehn Jahren und fragt, ob die Sicherheits- und Augenbefunde nach Ende der randomisierten Einnahmephase noch erkennbar sind.

Studiendesign und Methoden

Die ursprüngliche AREDS2-Studie war multizentrisch und randomisiert. Die Teilnehmenden wurden in der Hauptzuteilung Lutein/Zeaxanthin, Omega-3-Fettsäuren, der Kombination oder keiner dieser Zusatzkomponenten zugeordnet. Zusätzlich gab es sekundäre Randomisierungen zu Beta-Carotin versus kein Beta-Carotin sowie zu niedrigerer versus höherer Zinkmenge. Aktive Raucher wurden nicht in die Beta-Carotin-Randomisierung aufgenommen.

Das Follow-up lief nach der fünfjährigen klinischen Studie von Dezember 2012 bis Dezember 2018. Während dieser Nachbeobachtung erhielten die Teilnehmenden AREDS2-Supplemente mit Lutein/Zeaxanthin, Vitaminen C und E, Zink und Kupfer; Beta-Carotin war daraus entfernt. Endpunkte wurden in sechsmonatlichen Telefonkontakten erhoben und, soweit möglich, durch medizinische Unterlagen validiert. Für AMD-Progression nutzten die Forschenden Cox-Modelle, für Lungenkrebs logistische Regressionen.

Untersuchte Personen oder Datenbasis

Die AREDS2-Kohorte bestand aus älteren Erwachsenen mit hohem AMD-Risiko. Die Analyse berichtet für die Langzeitbewertung 3882 Teilnehmende mit einem mittleren Ausgangsalter von 72,0 Jahren; 2240 Personen waren Frauen. Für Augenendpunkte gingen 6351 Augen in die Analyse ein. Von den überlebenden AREDS2-Teilnehmenden nahmen 2923 an der epidemiologischen Nachbeobachtung teil; der Großteil wurde ausschließlich telefonisch nachverfolgt. Die Population war nach Angaben der Autorinnen und Autoren im Allgemeinen gut gebildet, gut ernährt und hatte eine überdurchschnittliche Nährstoffaufnahme.

Intervention, Exposition und Vergleich

Die für Vitamin A relevante Exposition war die frühere Zuteilung zu Beta-Carotin oder zu keiner Beta-Carotin-Komponente. In AREDS2 wurde Beta-Carotin nicht als isolierter Nährstoff im Alltag untersucht, sondern als Bestandteil einer komplexen Augenformel. Der zentrale Vergleich für die spätere AMD-Progression war Lutein/Zeaxanthin gegenüber keiner Lutein/Zeaxanthin-Zuteilung sowie, in einer direkten Analyse, Lutein/Zeaxanthin gegenüber Beta-Carotin. Omega-3-Fettsäuren und Zinkmengen wurden zusätzlich betrachtet, standen aber nicht im Vitamin-A-Schwerpunkt.

Ergebnisse

Über den gesamten Zehnjahreszeitraum entwickelten 117 von 4203 Teilnehmenden Lungenkrebs. Für Personen, die ursprünglich Beta-Carotin erhalten hatten, lag die Odds Ratio für Lungenkrebs bei 1,82 (95-%-Konfidenzintervall 1,06 bis 3,12; p = 0,02). In der Beta-Carotin-Gruppe traten 38 Fälle unter 1348 Personen auf, in der Gruppe ohne Beta-Carotin 21 Fälle unter 1341 Personen. Bei früheren Rauchern waren es 32 von 711 Personen mit Beta-Carotin gegenüber 17 von 735 ohne Beta-Carotin. Für Lutein/Zeaxanthin zeigte sich kein statistisch signifikanter Anstieg des Lungenkrebsrisikos (Odds Ratio 1,15; 95-%-Konfidenzintervall 0,79 bis 1,66; p = 0,46).

Für die Progression zu später AMD zeigte die Hauptanalyse einen Vorteil zugunsten von Lutein/Zeaxanthin. Die Hazard Ratio betrug 0,91 (95-%-Konfidenzintervall 0,84 bis 0,99; p = 0,02) gegenüber keiner Lutein/Zeaxanthin-Zuteilung. Bei den Teilnehmenden, die in der sekundären Randomisierung Beta-Carotin erhalten konnten, war der Unterschied deutlicher: Hazard Ratio 0,80 (95-%-Konfidenzintervall 0,68 bis 0,92; p = 0,002). Im direkten Vergleich Lutein/Zeaxanthin versus Beta-Carotin lag die Hazard Ratio für späte AMD bei 0,85 (95-%-Konfidenzintervall 0,73 bis 0,98; p = 0,02).

Omega-3-Fettsäuren zeigten keinen erkennbaren Vorteil für die Progression zu später AMD: Die Hazard Ratio betrug 1,01 (95-%-Konfidenzintervall 0,93 bis 1,09; p = 0,91). Auch der Vergleich niedrigerer mit höherer Zinkmenge und der Vergleich kein Beta-Carotin versus Beta-Carotin zeigten beim AMD-Endpunkt keine signifikanten Unterschiede. Die Sterbewahrscheinlichkeit unterschied sich in den betrachteten Nährstoffzuteilungen ebenfalls nicht deutlich.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Das wichtigste Sicherheitssignal betraf Lungenkrebs nach früherer Beta-Carotin-Zuteilung. Der Befund passt zu älteren Interventionsstudien, in denen Beta-Carotin bei Rauchern oder Hochrisikogruppen ungünstige Lungensignale zeigte. In AREDS2 waren aktive Raucher zwar von der Beta-Carotin-Randomisierung ausgeschlossen, dennoch konzentrierte sich das erhöhte Risiko vor allem auf ehemalige Raucher. Für Lutein/Zeaxanthin fand die Studie kein statistisch signifikantes Lungenkrebs-Signal.

Grenzen der Aussagekraft

Die Nachbeobachtung war keine neue randomisierte Einnahmephase. Nach Abschluss der klinischen Studie erhielten praktisch alle Teilnehmenden die überarbeitete AREDS2-Formel mit Lutein/Zeaxanthin und ohne Beta-Carotin. Dadurch lassen sich langfristige Unterschiede nur begrenzt als reine Behandlungseffekte interpretieren. Einige Endpunkte wurden telefonisch selbst berichtet und anschließend, soweit möglich, validiert. Außerdem lagen nicht für alle Teilnehmenden Augenbilder vor; die Untertypen später AMD konnten langfristig nicht sauber getrennt werden.

Die Ergebnisse gelten für ältere Menschen mit hohem AMD-Risiko und überwiegend guter Nährstoffversorgung. Sie erlauben keine Aussage zu isoliertem Retinol, zu Beta-Carotin aus normaler Ernährung, zu jüngeren gesunden Bevölkerungsgruppen oder zu persönlicher Supplementierung außerhalb eines ophthalmologischen AMD-Kontexts.

Was die Studie zeigt

AREDS2 Report 28 zeigt, dass die frühere Beta-Carotin-Zuteilung in dieser AMD-Kohorte langfristig mit mehr Lungenkrebsfällen verbunden war, besonders bei ehemaligen Rauchern. Gleichzeitig war Lutein/Zeaxanthin im Vergleich zu keiner Lutein/Zeaxanthin-Zuteilung und im direkten Vergleich mit Beta-Carotin mit einer geringeren Progression zu später AMD verbunden. Der Befund stützt die wissenschaftliche Begründung, Beta-Carotin in AREDS2-Formeln durch Lutein/Zeaxanthin zu ersetzen.

Was die Studie nicht zeigt

Die Studie zeigt nicht, dass Vitamin A allgemein ungünstig oder günstig wirkt. Sie prüft Beta-Carotin im Kontext einer speziellen AMD-Formel und einer älteren Hochrisikopopulation. Sie zeigt auch keine Wirkung von Retinol, keine allgemeine Krebsprävention und keine allgemeine Augenprävention für Menschen ohne AMD-Risiko.

Kompakte Faktenzusammenfassung

AREDS2 Report 28 ist ein Langzeit-Follow-up der AREDS2-Kohorte mit 3882 analysierten Teilnehmenden und 6351 Augen. Die frühere Beta-Carotin-Zuteilung war mit einem höheren Lungenkrebsrisiko verbunden (Odds Ratio 1,82; 95-%-Konfidenzintervall 1,06 bis 3,12), während Lutein/Zeaxanthin kein statistisch signifikantes Lungenkrebs-Signal zeigte. Lutein/Zeaxanthin war zudem mit einer geringeren Progression zu später AMD verbunden (Hazard Ratio 0,91 gegenüber keiner Zuteilung; 0,85 im direkten Vergleich mit Beta-Carotin). Die Aussage gilt für eine spezielle AMD-Kohorte und nicht für isoliertes Retinol oder allgemeine Vitamin-A-Aufnahme.

Quellen

  1. Chew, E. Y. et al. (2022). Long-term Outcomes of Adding Lutein/Zeaxanthin and ω-3 Fatty Acids to the AREDS Supplements on Age-Related Macular Degeneration Progression: AREDS2 Report 28. JAMA Ophthalmology, 140(7), 692-698. PMID: 35653117. DOI: 10.1001/jamaophthalmol.2022.1640.
  2. PubMed 35653117
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