Vitamin- und Mineralstoffbedarf in der menschlichen Ernährung, 2. Auflage
WHO und FAO leiten einen historischen Vitamin-C-Referenzwert aus Körperpool, Verlusten und angenommener Absorption ab.
Entstehungsgrundlage und Geltungsbereich
Die zweite Auflage beruht auf der gemeinsamen WHO/FAO-Konsultation von 1998 sowie ergänzenden Stoffwechsel- und Depletions-/Repletionsdaten. Im Vitamin-C-Kapitel werden gesunde Erwachsene betrachtet, ergänzt um Referenzwerte für Schwangerschaft und Stillzeit. Weitere Abschnitte ordnen Risikogruppen, physiologische Funktionen und Lebensmittelquellen ein.
Der Bericht ist eine institutionelle Synthese. Er vergleicht kein einzelnes Präparat mit Placebo, sondern modelliert den Bedarf anhand von Körperbestand, täglichem Verlust und Aufnahme aus der Ernährung.
Wie der Erwachsenenwert abgeleitet wurde
WHO/FAO nimmt für die Ableitung eine Absorption von 85 % an. Bei üblichen Zufuhrmengen von etwa 30 bis 180 mg pro Tag kann sie laut Bericht auf ungefähr 75 % sinken. Diese Werte sind Modellannahmen; die tatsächliche Aufnahme hängt von Dosis und Person ab.
Aus einem Körperpool von etwa 900 mg, einem geschätzten katabolen Verlust von 2,9 % pro Tag und der angenommenen Absorption leitete der Bericht für Erwachsene einen gerundeten Referenzwert von 45 mg pro Tag ab. Das ist ein historischer internationaler Populationswert und nicht mit aktuellen DGE-Werten gleichzusetzen.
Mindestzufuhr und Risikokonstellationen
Nach den zusammengefassten historischen Daten verhinderten beziehungsweise beseitigten täglich etwa 6,5 bis 10 mg Vitamin C frühe klinische Mangelzeichen wie Skorbut. Diese Mindestzufuhr dient allein der Vermeidung klinischen Mangels; sie ist kein Zielwert für eine optimale Versorgung.
Ein erhöhtes Mangelrisiko beschreibt der Bericht bei unregelmäßiger Lebensmittelversorgung, etwa in Hunger-, Kriegs- oder Fluchtsituationen, sowie bei älteren Menschen mit eingeschränkter Lebensmittelauswahl. Rauchen erhöht zudem den Vitamin-C-Umsatz. Die Quelle nennt hierfür keine einheitliche Prävalenz, und soziale, kulturelle sowie wirtschaftliche Bedingungen beeinflussen die Zufuhr.
Funktionen und Lebensmittel
Der Bericht beschreibt Vitamin C als Elektronendonator und Cofaktor, unter anderem für die Synthese von Kollagen, Carnitin und Neurotransmittern. Außerdem fördert es die Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen. Das ist eine biochemische Funktionsbeschreibung, keine Behandlungsaussage.
Wichtige Quellen sind Zitrus- und andere weiche Früchte sowie grünes Gemüse. Lagerung, Transport, Erhitzen, alkalische Bedingungen und Auslaugen ins Kochwasser können den Gehalt mindern. Kartoffeln können wegen ihres regelmäßigen Verzehrs dennoch erheblich zur Zufuhr beitragen.
Grenzen und Einordnung
Die Ableitung spiegelt den Wissens- und Referenzrahmen des Berichts von 2004 wider. Modellannahmen, historische Mangeldaten und internationale Versorgungsbedingungen dürfen nicht mit aktuellen nationalen Empfehlungen oder individueller Diagnostik vermischt werden.
Fazit
WHO/FAO leitete 45 mg Vitamin C pro Tag für Erwachsene aus einem physiologischen Modell ab. Die viel niedrigeren 6,5 bis 10 mg pro Tag beziehen sich nur auf die Vermeidung früher klinischer Mangelzeichen. Beide Größen sind populationsbezogene Einordnungen, keine persönliche Dosierung.