Sicherheit und Wirksamkeit von gereinigtem Klinoptilolith-Tuff bei Menschen mit Reizdarmsyndrom mit Durchfall: randomisierte kontrollierte Studie
Nach zwölf Wochen zeigte eine kleine Pilotstudie beim vorab festgelegten Hauptendpunkt keinen Unterschied zwischen gereinigtem Klinoptilolith-Tuff und Placebo.
Warum wurde das Material bei Reizdarm mit Durchfall geprüft?
Bei Reizdarmsyndrom mit vorherrschendem Durchfall (IBS-D) schwanken Bauchbeschwerden und Stuhlgang oft. Forschende prüften deshalb, ob ein bestimmter gereinigter Klinoptilolith-Tuff, in der Studie G-PUR genannt, Beschwerden stärker lindert als ein wirkstofffreies Vergleichspräparat. Die Originalpublikation mit DOI erschien 2022 im World Journal of Gastroenterology; der PubMed-Eintrag führt dieselbe Studie.
Klinoptilolith ist ein poröses Mineral. Die Autoren beschreiben eine hohe Bindungsfähigkeit im Darm als mögliche Materialeigenschaft. Ob daraus bei Menschen ein gesundheitlicher Nutzen entsteht, musste die Studie jedoch erst prüfen. Eine allgemeine „Entgiftung“ wurde damit nicht nachgewiesen. Wer Zeolith grundsätzlich einordnen möchte, findet dazu den Überblick zu Material, Adsorption und Produktqualität.
Wer nahm teil und wie lief die Studie ab?
Die Untersuchung war eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppen-Pilotstudie an zwei österreichischen Zentren. „Randomisiert“ bedeutet, dass die Zuteilung per Zufall erfolgte; „doppelblind“, dass Teilnehmende und Studienpersonal die Zuteilung nicht kannten. Sie lief von September 2019 bis Februar 2021 und war als NCT04138186 registriert. Eine formale Berechnung der nötigen Teilnehmerzahl gab es nicht.
Von 44 auf Eignung geprüften Personen wurden 30 zufällig zugeteilt: 14 zu G-PUR, 16 zu Placebo. Vor der Zuteilung schieden acht wegen nicht erfüllter Kriterien, vier wegen COVID-19-Beschränkungen und zwei nach Rücknahme ihrer Einwilligung aus. Das mediane Alter der Randomisierten betrug 34 Jahre (Spanne 20 bis 73); 21 von 30 waren Frauen. Zugelassen waren 18- bis 75-Jährige mit nach Rome IV definiertem IBS-D, deutlicher Symptomlast und seit einem Monat stabilen Essgewohnheiten. Die Stuhlform musste zu mehr als einem Viertel der Entleerungen weich bis flüssig und zu weniger als einem Viertel hart sein; Menschen über 50 benötigten eine unauffällige Koloskopie aus den vorherigen fünf Jahren.
Ausgeschlossen wurden unter anderem Menschen mit ungeklärter rektaler Blutung, größeren Magen-Darm-Operationen oder bestimmten Begleittherapien. Antibiotika einschließlich Rifaximin und einige weitere Arzneimittel waren im Studienprotokoll nicht erlaubt. Das sind Auswahlregeln dieser Untersuchung, keine vollständige Liste möglicher Wechselwirkungen.
Die Gruppen waren zu Beginn nicht in allen Punkten gleich: Die mediane Zeit seit IBS-Diagnose lag bei acht Jahren unter G-PUR und zwei Jahren unter Placebo. Schmerzmittel verwendeten zwei von 14 beziehungsweise acht von 16 Personen. Solche Unterschiede können die Deutung kleiner Studien erschweren.
Auf eine vierwöchige Vorbeobachtung folgten zwölf Wochen verblindete Behandlung und zwei Wochen nach dem Absetzen; insgesamt waren pro Person 18 bis 21 Wochen und sieben Visiten vorgesehen. Während der Behandlungsphase erhielten Teilnehmende fünf Kapseln dreimal täglich vor Mahlzeiten. Das entsprach laut Publikation 2 g gereinigtem Klinoptilolith-Tuff (PCT) je Einnahme und 6 g PCT pro Tag; vorgesehen waren mindestens 200 mL Wasser je Einnahme. Diese Mengen beschreiben allein die Versuchsbedingung und sind keine Einnahmeempfehlung.
Die Kapseln enthielten je 400 mg PCT und 0,5 % kolloidales Siliziumdioxid. Das gleich aussehende Placebo enthielt je 400 mg Maltodextrin und 0,5 % Magnesiumstearat. Laut Produktbeschreibung stammte der Tuff aus einer Mine in der östlichen Slowakei, wurde unter anderem durch Ionenaustausch, Mikronisierung und Erhitzen aufbereitet und enthielt mehr als 75 % Klinoptilolith sowie weitere Minerale. Die Studie prüfte diese Zusammensetzung nicht unabhängig. Begrenzt erlaubt waren die Rettungsmedikamente Loperamid und Hyoscinbutylbromid; zudem erhielten Teilnehmende medizinische und psychologische Begleitung.
Was ergab der vorab festgelegte Hauptendpunkt?
Der primäre Endpunkt war eine zusammenfassende Selbsteinschätzung der Linderung („SGA of Relief“). Als Responder galt, wer in den letzten vier verfügbaren Bewertungen mindestens zur Hälfte eine deutliche oder vollständige Linderung meldete oder durchgehend zumindest eine gewisse Linderung angab.
Nach zwölf Wochen erfüllten 3 von 14 Personen unter G-PUR (21 %) und 4 von 16 unter Placebo (25 %) diese Vorgabe. Der Gruppenvergleich ergab P = 1,0000; das Chancenverhältnis betrug 0,82 mit einem breiten 95-%-Konfidenzintervall von 0,18 bis 3,73. Damit zeigte die Studie für ihren Hauptendpunkt keinen nachgewiesenen Vorteil. Das breite Intervall lässt wegen der kleinen Stichprobe zugleich erhebliche Unsicherheit.
Die Auswertung ordnete alle 30 Randomisierten zunächst ihrer zugeteilten Gruppe zu. Dennoch schieden vorzeitig drei Personen unter G-PUR und zwei unter Placebo aus. Für einzelne weitere Analysen lagen weniger Daten vor: Eine Regression umfasste 27 Personen, und eine Abbildung wertete fehlende Angaben als Nichtresponse. Die Nenner 14 und 16 bedeuten daher nicht, dass jeder Endpunkt für alle vollständig gemessen wurde.
Welche weiteren Ergebnisse wurden beobachtet?
Einige sekundäre Messungen zeigten günstigere Zahlen unter G-PUR, andere nicht. Diese Auswertungen waren dem Hauptendpunkt nachgeordnet. Für die vielen sekundären Vergleiche beschreiben die Autoren keine Korrektur; einzelne kleine P-Werte sind deshalb vorsichtig zu lesen.
| Sekundäre Messung | G-PUR | Placebo | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Bauchschmerz an mindestens der Hälfte der dokumentierten Tage um mindestens 30 % geringer als der schlimmste Bauchschmerz während der Vorbeobachtung | 13/14 (93 %) | 13/16 (81 %) | P = 0,6015; kein gesicherter Gruppenunterschied |
| Mindestens 50 % weniger Tage mit sehr weichem oder flüssigem Stuhl pro Woche | 7/14 (50 %) | 5/16 (31 %) | P = 0,4572; kein gesicherter Gruppenunterschied |
| Kombination aus Schmerz- und Stuhlresponse | 6/14 (43 %) | 4/16 (25 %) | P = 0,4421; kein gesicherter Gruppenunterschied |
| Zusätzliche Stuhlform-Response mit 30-%-Schwelle | 10/14 (71 %) | 7/16 (44 %) | P = 0,1590; kein gesicherter Gruppenunterschied |
Der mediane Anteil der Tage, an denen der Bauchschmerz mindestens 30 % unter dem schlimmsten Bauchschmerz während der Vorbeobachtung lag, betrug 94 % unter G-PUR und 83 % unter Placebo (P = 0,0353). Das sind Anteile von Tagen, nicht Anteile gebesserter Menschen. Die mediane Abnahme der Durchfalltage pro Woche betrug 2,4 gegenüber 0,3 Tagen (P = 0,4176). Beim IBS-Schweregradscore lag die mediane Veränderung bei −90 gegenüber −55 Punkten (P = 0,3950). Diese Befunde ergeben zusammen keinen gesicherten klinischen Vorteil.
Nach vier Wochen meldeten 36 % unter G-PUR und 0 % unter Placebo eine vollständige oder deutliche Linderung. In der zugehörigen Abbildung hatten zu diesem Zeitpunkt insgesamt 24 Personen verfügbare Daten; gruppengetrennte Nenner fehlen dort. Dieses frühe Signal ersetzt den negativen primären Vergleich nach zwölf Wochen nicht. Rettungsmedikamente verwendeten 7 von 11 Personen mit verfügbaren Angaben unter G-PUR und 12 von 14 unter Placebo; für diesen Vergleich wurde kein P-Wert berichtet.
Beim Stressfragebogen PSQ war die mediane Änderung des Gesamtwerts −7 gegenüber +5 Punkten (P = 0,0843). Nur der Teilbereich Anspannung zeigte einen nominalen Unterschied (−20 gegenüber −3 Punkte; P = 0,0399); die weiteren Teilbereiche Anforderungen, Freude und Sorgen zeigten keinen gesicherten Unterschied. Für den SF-12-Gesundheitswert lag der Endwert bei 53 gegenüber 49 Punkten (P = 0,0127). Die Autoren führen diesen Unterschied wahrscheinlich auf einen bereits zu Beginn ungünstigeren körperlichen Wert der Placebogruppe zurück. Eine durch die Behandlung bewirkte Verbesserung der Lebensqualität ist damit nicht sauber belegt. Für Angst und Depression wurden keine eigenen numerischen Ergebnisse berichtet. Auch für geplante Variablen wie Blähungen und Drang sind im Ergebnisteil keine getrennt auswertbaren Zahlen angegeben; fehlende Angaben sind keine Nullbefunde.
Explorativ untersuchten die Forschenden Blut- und Stuhlmarker sowie das Darmmikrobiom. Mehrere Marker veränderten sich laut Ergebnisteil nicht; Einzelwerte fehlen. Für das ebenfalls geplante Stuhlgluten wurde kein eigenes Ergebnis berichtet. Die Autoren beschreiben eine geringe Zunahme der Mikrobiomvielfalt unter G-PUR. In der Abbildung zur Vielfalt liegen die eingezeichneten Vergleichswerte jedoch alle über 0,05, und die Gruppenbereiche einer weiteren Mikrobiomdarstellung überlappen. Daraus lässt sich weder ein gesicherter Diversitätsgewinn noch ein klinischer Nutzen ableiten.
Was berichtete die Studie zu Sicherheit und Wechselwirkungen?
Unter G-PUR wurden 69 unerwünschte Ereignisse während insgesamt 805 Behandlungstagen gezählt. Die berichtete Rate betrug 31 Ereignisse pro Patientenjahr gegenüber 90 unter Placebo. Das sind Ereignisse, nicht 69 betroffene Personen; viele Meldungen waren IBS-Beschwerden. Zwei Ereignisse unter G-PUR bewerteten die Untersuchenden als produktbezogen: leichte Schleimhauttrockenheit und leichte Bauchaufblähung. Die Rate produktbezogener Ereignisse lag bei 0,9 gegenüber 0,7 pro Patientenjahr. Im Abstract werden keine PCT-bezogenen schwerwiegenden Ereignisse berichtet. Diese kleine und kurze Studie beweist damit weder allgemeine Sicherheit noch eine Sicherheitsüberlegenheit.
Bei niemandem der untersuchten Kohorte lagen Aluminiumwerte über dem Normalbereich. Unter G-PUR hatten zu Beginn zwei Personen (14 %) und am Ende vier Personen (40 %) Werte unter dem Referenzbereich; unter Placebo waren es zwei Personen (13 %) beziehungsweise keine. Die verfügbaren Messgruppen unterschieden sich. Zahlen zu Konzentrationen und Referenzgrenzen fehlen. Das belegt keine klinisch relevante „Aluminiumausleitung“.
Wegen der Bindungsfähigkeit des Materials und möglicher Wechselwirkungen sah das Studienprotokoll mindestens zwei Stunden Abstand zu anderen oral eingenommenen Medikamenten vor. Die Studie prüfte damit keine allgemeine Wechselwirkungsfreiheit und liefert keine persönliche Einnahmeanweisung.
Wie weit reichen diese Befunde?
Die Studie untersuchte nur 30 Menschen mit IBS-D über zwölf Behandlungswochen und genau das beschriebene gereinigte Material. Fünf Personen schieden vorzeitig aus; bei weiteren Endpunkten fehlten Angaben. Zudem können schwankende IBS-Symptome und die intensive Begleitung die Auswertung beeinflussen. Die Autoren nennen diese Begleitung als mögliche Erklärung für den starken Placeboeffekt, haben diese Ursache aber nicht experimentell geprüft.
Glock Health, Science and Research GmbH war Sponsor und für Design und Bericht verantwortlich. Die Studienzentren erhielten Ersatz für studienbezogene Aufwände; ein Autor legte eine unbeschränkte Forschungszuwendung von G. H. Glock offen. Diese Verflechtungen gehören zur Einordnung der Ergebnisse.
Aus der Pilotstudie lässt sich weder eine Wirkung bei gesunden Menschen noch bei anderen Zeolithprodukten oder eine langfristige Sicherheit ableiten. Sie begründet auch keine Therapieempfehlung für IBS-D.
Fazit
Das geprüfte Klinoptilolith-Präparat war beim vorab festgelegten Linderungsendpunkt nach zwölf Wochen nicht besser als Placebo. Einzelne sekundäre Signale bleiben wegen der kleinen Stichprobe, fehlender Daten und vieler Vergleiche unsicher. Die Sicherheitsbeobachtung gilt nur für dieses Material und diesen kurzen Versuch.