Klinische Untersuchung der Auswirkungen eines definierten Zeolith-Klinoptiloliths auf ausgewählte Blutparameter von Patienten
Die Publikation bündelt Blutmessungen aus drei Humanstudien mit einem definierten Klinoptilolith. Einzelne Werte änderten sich; ein Entgiftungseffekt ist damit nicht belegt.
Was die Veröffentlichung untersucht
Klinoptilolith ist ein Mineral aus der Zeolithgruppe. Die Autoren untersuchten ausschließlich ein definiertes, bearbeitetes Material namens PMA-Klinoptilolith. Sie beschreiben es als geprüftes Medizinprodukt. Das sagt nichts über die Zusammensetzung oder Sicherheit anderer Zeolithprodukte aus. Einen breiteren Überblick bietet der Zeolith-Artikel; warum sich Materialien unterscheiden können, zeigt die Analyse kommerzieller Produkte.
Die Publikation verbindet drei Untersuchungen: gesunde neue und langjährige Anwender, Erwachsene mit Osteoporose sowie einen kleinen Pilotversuch mit Menschen mit Morbus Crohn und gesunden Kontrollen. Gemessen wurden Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen im Vollblut sowie Aluminium, Nickel und mehrere Mineralstoffe im Serum, also im flüssigen Anteil des Blutes. Dafür nutzten die Forschenden unter anderem ICP-MS, ein Verfahren zur Bestimmung kleiner Elementmengen. In der ersten Untersuchung kamen übliche Laborwerte für Mineralstoffe sowie Leber- und Nierenparameter hinzu. Chromwerte veröffentlichten die Autoren wegen Schwierigkeiten bei Probenvorbereitung und Messung nicht.
Die im Folgenden genannten Grammzahlen beschreiben allein die Studienprotokolle. Die angegebenen Referenzbereiche sind Grenzen der verwendeten Labore, keine allgemeingültigen Sicherheitswerte oder Empfehlungen zur Einnahme.
Gesunde Freiwillige: kurze Beobachtung ohne Zufallszuteilung
In der MMBP-Untersuchung nahmen 15 Personen teil: sieben neue Anwender mit einem mittleren Alter von 45 Jahren und acht bereits länger anwendende Personen mit einem mittleren Alter von 56 Jahren. Die Gruppen wurden nicht zufällig zugeteilt. Die neuen Anwender verwendeten laut Protokoll 6 g PMA-Klinoptilolith pro Tag über 28 Tage. Die andere Gruppe hatte es nach dem Haupttext schon sechs Monate bis acht Jahre in Mengen von mindestens 6 g pro Tag verwendet. Das Zusatzmaterial beschreibt die Vorgeschichte an einer Stelle knapper; die individuellen Angaben reichen jedoch ebenfalls über Monate bis Jahre. Erkrankungen, Medikamente, Supplemente und Rauchen unterschieden sich zwischen einzelnen Personen.
Bei den neuen Anwendern wurden Metallwerte zu Beginn, eine Stunde nach der ersten Einnahme und nach 28 Tagen erfasst. Für die länger anwendende Gruppe lagen Metallmessungen nur am Ende vor. Die zusätzlichen Standardlaborwerte wurden zu Beginn und nach 28 Tagen erfasst. Damit gibt es für die länger anwendende Gruppe keinen gleichartigen Vorher-nachher-Vergleich der Metalle. Der Ein-Stunden-Wert kann eine allgemeine Freisetzung von Metallen aus dem Material ebenfalls nicht ausschließen.
Der Haupttext berichtet bei den sieben neuen Anwendern nach 28 Tagen niedrigere Quecksilber- und Cadmiumwerte im Blut (p = 0,003 beziehungsweise p = 0,040). Einzelne Werte blieben trotzdem erhöht. Bei den länger anwendenden Personen war Blut-Blei höher als bei den neuen Anwendern (p = 0,040); eine Person hatte am Ende 62,3 ± 0,8 µg/L gegenüber der in Tabelle 2 genannten Laborgrenze von höchstens 50 µg/L. Auch einzelne Arsen- und Nickelwerte überschritten die angegebenen Referenzen. Aus diesen kleinen, nicht randomisierten Gruppen lässt sich weder die Herkunft eines Metalls noch seine Ausscheidung bestimmen.
Die Autoren berichten bei Calcium, Magnesium und Natrium Gruppenunterschiede, die sie als klinisch nicht relevant einordnen. Einzelwerte verdienen dennoch einen genauen Blick: Bei einer neuen Anwenderin stieg Serum-Eisen nach 28 Tagen von 4,0 auf 6,1 µmol/L; auch der Endwert lag unter der für Frauen angegebenen Laborreferenz von 8–30 µmol/L. Die Leber- und Nierenwerte waren überwiegend stabil, zeigten aber einzelne Auffälligkeiten. Das belegt keine Wirkung auf diese Organe.
Osteoporosekohorte: Mineralwerte über vier Jahre
Die TOP-Untersuchung begann mit 100 Erwachsenen mit Osteoporose im Alter von 56–74 Jahren. Im ersten Jahr wurden je 50 Personen zufällig einer PMA- oder Placebogruppe zugeteilt; die Zuteilung war verblindet. Danach erhielten auch die früheren Placeboteilnehmenden PMA. Das Protokoll sah 9 g pro Tag über bis zu 48 Monate für die ursprüngliche PMA-Gruppe und 36 Monate nach dem Wechsel für die frühere Placebogruppe vor. Am Studienende nennt der Haupttext 62 ausgewertete Personen. Je Messzeitpunkt und Stoff weichen die Zahlen der tatsächlich gemessenen Proben davon ab.
Die Laborwerte aus Tabelle 5 zeigen einen Verlauf, keinen durchgehend kontrollierten Behandlungseffekt. Der mittlere Kupferwert im Serum nahm nach dem ersten Jahr in den folgenden PMA-Jahren zunächst ab und stieg später wieder; für das dritte PMA-Jahr nennt die Tabelle 762,3 ± 272,9 µg/L. Die Laborreferenz lautet 750–1450 µg/L. Der Text bezeichnet diesen Mittelwert als unterhalb der Referenz; rechnerisch liegt er knapp darüber, während einzelne Personen darunter gelegen haben können.
Für Natrium im Serum nennt Tabelle 5 im zweiten bis vierten PMA-Jahr 2945,9, 3011,6 und 2936,5 mg/L. Die Laborreferenz beträgt 3100–3350 mg/L. Calcium lag im dritten und vierten PMA-Jahr bei 88,7 und 83,3 mg/L; die Referenz beträgt 89–101 mg/L. Somit lagen diese berichteten Mittelwerte unter den jeweiligen Laborbereichen. Der direkte Vergleich vom dritten zum vierten PMA-Jahr zeigte steigendes Kupfer sowie sinkendes Natrium und Calcium. Weitere Mineralstoffe schwankten ebenfalls; aus einem statistischen Unterschied allein folgt kein klinischer Nutzen.
Bei Blut-Blei nennt Tabelle 5 für Placebo nach einem Jahr und PMA nach ein bis vier Jahren Mittelwerte von 23,7, 36,4, 45,3, 44,1 und 38,9 µg/L. Das Zusatzmaterial berichtet zwischen dem dritten und vierten PMA-Jahr einen Rückgang von 44,1 ± 15,8 µg/L bei 56 gemessenen Personen auf 38,9 ± 15,7 µg/L bei 57 gemessenen Personen (p < 0,001). Der Unterschied zwischen den Gruppengrößen und der fehlende unbehandelte Vergleichsarm in den späteren Jahren begrenzen die Deutung. Für Quecksilber, Cadmium und Arsen zeigt der globale Test der Haupttabelle keine p-Werte unter 0,05. Die Zusammenfassung der Publikation spricht dennoch von weniger Arsen; Tabelle 5 gibt dafür p = 0,277 an, und der entsprechende Placebo-gegen-Jahr-4-Vergleich im Zusatzmaterial p = 0,816. Eine gesicherte Arsensenkung ergibt sich daraus nicht.
Crohn-Pilot: kleiner Versuch über zwölf Wochen
Im randomisierten, placebokontrollierten und verblindeten Pilotversuch waren je 15 Menschen mit Morbus Crohn für Placebo und PMA sowie je fünf gesunde Personen für beide Gruppen vorgesehen. Die Crohn-Teilnehmenden erreichten trotz Standardtherapie keine angemessene Remission. Das Protokoll sah 6 g PMA pro Tag über zwölf Wochen vor; sechs Personen brachen den Versuch ab. Vorgesehene Untersuchungen zu Entzündung, Darmbarriere, Mikrobiota und Lebensqualität sind keine nachgewiesenen Verbesserungen dieser Bereiche.
In der Zusatztabelle S6 sank der mittlere Arsenwert im Blut der Crohn-Gruppe unter PMA von 2,2 ± 1,9 auf 1,2 ± 0,5 µg/L; unter Placebo blieb der Mittelwert bei 1,2 µg/L (Streuung zu Beginn ± 0,8, am Ende ± 0,6 µg/L). Die Zahlen hinter „±“ beschreiben die Streuung zwischen Personen. Für die gesunden Kontrollen meldet S5 unter PMA 1,7 ± 0,5 zu 1,7 ± 0,7 µg/L und unter Placebo 1,1 ± 0,4 zu 1,4 ± 0,9 µg/L. Die Haupttabelle markiert einen Arsenvergleich bei Crohn mit p = 0,0499; das Zusatzmaterial nennt abweichend p = 0,0049. Der Text ordnet den Wert einem Gruppenvergleich am Ende zu. Ein sauber belegter Unterschied der Veränderungen beider Gruppen ist damit nicht gegeben. Abgesehen von Arsen berichtet der Haupttext keine statistisch relevanten Veränderungen der untersuchten Standardblut-, Mineral- und Metallwerte.
Wie belastbar sind diese Messungen?
Ein Blutwert zeigt eine Konzentration zum Messzeitpunkt. Er misst weder, wie viel Metall den Körper verlassen hat, noch woher es stammt. Die Autoren diskutieren Ionenaustausch als Eigenschaft des Minerals und vermuten bei manchen Bleiänderungen einen Zusammenhang mit Knochenumbau. Beides sind Erklärungsansätze, keine in diesen Untersuchungen nachgewiesenen Mechanismen. Ernährung, Umwelt, Erkrankungen und andere persönliche Faktoren können Blutmetalle ebenfalls beeinflussen.
Hinzu kommen Unterschiede innerhalb der Originalveröffentlichung und ihrer ergänzenden Tabellen: Die Blei-Abbildung nennt für das zweite PMA-Jahr 46,5 µg/L, Haupt- und Zusatztabellen 45,3 µg/L. Tabelle 3 beschriftet Calcium und Magnesium mit µmol/L, Tabelle 2 und das Zusatzmaterial verwenden für die betreffenden Laborreferenzen mmol/L. Die Zusatztabellen S7 und S8 zeigen dieselben Zahlenreihen unter verschiedenen Gruppenüberschriften. Einige Zinkwerte fehlen wegen nachträglich festgestellter Reagenzprobleme.
Auch die Laborgrenzen sind nicht einheitlich: Für Cadmium und Aluminium stehen in der TOP-Tabelle 5 Grenzen von <5 beziehungsweise <10 µg/L, in Tabelle 2 jedoch <1 beziehungsweise <8 µg/L. Für Quecksilber nennt das MMBP-Zusatzmaterial <10 µg/L, Tabelle 2 dagegen 0–2 µg/L. Die Aussage im Haupttext, alle Aluminiumwerte der ersten Untersuchung seien unter der Referenz geblieben, passt nicht zu einem Wert von 9,8 ± 4,5 µg/L bei einer angegebenen Grenze von <8 µg/L. Solche Unterschiede verhindern eine pauschale Aussage, alle Messwerte seien unauffällig.
MMBP und der Crohn-Pilot sind sehr klein. Im langen TOP-Verlauf wechselte die Kontrollgruppe nach einem Jahr zu PMA; spätere Vergleiche haben deshalb keine parallele unbehandelte Gruppe. Der Hersteller förderte alle drei Untersuchungen. Zwei Autoren waren wissenschaftliche Berater des Herstellers, eine Mitautorin war dort angestellt; der Funding-Abschnitt verneint eine Beteiligung des Geldgebers an Auswertung und Publikationsentscheidung. Diese Angaben gehören zur Einordnung der Ergebnisse. Die Autoren selbst begrenzen die Übertragbarkeit auf andere, anders verarbeitete Klinoptilolithe.
Fazit
Die Publikation beschreibt Veränderungen einzelner Blut- und Serumwerte unter einem definierten PMA-Klinoptilolith. Sie liefert keine Grundlage für ein allgemeines Entgiftungsversprechen, einen klinischen Nutzen oder die Sicherheit beliebiger Zeolithprodukte. Besonders die kleinen Gruppen, der spätere Wegfall der Kontrolle und widersprüchliche Angaben zu Messwerten und Referenzen verlangen eine vorsichtige Lesart. Der Originalartikel über DOI und sein PubMed-Eintrag ermöglichen den direkten Abgleich.