Diabetes und Nahrungsergänzungsmittel: Was Sie wissen sollten

NCCIH beschreibt zu Alpha-Liponsäure bei Diabetes gemischte Nervenbefunde und ausbleibende Vorteile bei mehreren anderen Ergebnissen. Sicherheitsgrenzen bleiben wichtig.

Welche Quelle wird erklärt?

Die Patienteninformation des National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) richtet sich an die Öffentlichkeit. Ihr ausgewiesener Stand ist November 2023. Sie behandelt Nahrungsergänzungsmittel mit Schwerpunkt Typ-2-Diabetes, darunter Alpha-Liponsäure, Berberin, Chrom, pflanzliche Ergänzungen, Magnesium, Omega-3-Fettsäuren, Selen, Vitamine und Polyphenole.

Die grundsätzliche Aussage lautet: Für die meisten Ergänzungen fehlt ein belegter Nutzen bei Diabetes oder seinen Folgen. Bei wenigen gibt es schwache Hinweise. Die Studien sind häufig klein und unterscheiden sich etwa bei Teilnehmenden, Präparaten, Mengen, Dauer und untersuchten Ergebnissen. Diese Unterschiede erschweren klare Schlussfolgerungen.

Die folgenden Abschnitte geben die Aussagen dieser Patienteninformation zu Alpha-Liponsäure, kurz ALA, wieder. Die Quelle fasst andere Untersuchungen zusammen und ist selbst keine klinische Studie.

Was berichtet NCCIH über Blutzucker und Blutfette?

Eine Übersicht von 2019 mit zehn Studien und insgesamt 553 Teilnehmenden fand ALA bei der Senkung von Blutzucker, Cholesterin und Triglyceriden nicht besser als Placebo. Ein Placebo ist ein Scheinpräparat zum Vergleich. Cholesterin und Triglyceride sind unterschiedliche Blutfettwerte.

Die NCCIH-Zusammenfassung nennt dazu keine genauen Effektgrößen, Dosierungen oder Angaben zu den einzelnen untersuchten Personengruppen. Aus diesem Ergebnis lässt sich deshalb weder eine persönliche Wirkung noch eine Einnahmemenge ableiten.

Was zeigen die Untersuchungen zu Nervenbeschwerden?

Diabetische Neuropathie bedeutet Nervenschädigung durch Diabetes. Dazu stellt die Patienteninformation zwei getrennte Übersichten aus dem Jahr 2022 vor:

ÜbersichtWas wurde berichtet?
Acht Studien mit 1.500 TeilnehmendenDrei Studien fanden bessere Symptome, fünf nicht. Die Ergebnisse waren uneinheitlich.
Neun Studien mit 2.062 TeilnehmendenALA konnte möglicherweise Schmerzen bei diabetischer Neuropathie vermindern.

Schmerzen und die Gesamtheit der Nervenbeschwerden sind nicht dasselbe Ergebnis. Die beiden Übersichten dürfen auch nicht einfach zu einer größeren Teilnehmerzahl addiert werden. Zusammen liefern sie keinen gesicherten Nachweis, dass ALA allen Menschen mit diabetischer Neuropathie hilft.

In den acht Studien der ersten Übersicht wurden laut NCCIH keine unerwünschten Wirkungen berichtet; ALA wurde dort als sicher bewertet. Das ist auf die beschriebenen Untersuchungen begrenzt. Fehlende Nebenwirkungsberichte bedeuten keine Sicherheit für jede Person oder Menge.

Was berichtet die Seite über die Nieren?

Diabetische Nephropathie ist eine durch Diabetes verursachte Nierenschädigung. Der ähnlich klingende Begriff Neuropathie betrifft dagegen die Nerven.

Eine von NCCIH beschriebene Übersicht aus dem Jahr 2022 umfasste zwölf Studien mit 653 Teilnehmenden. Sie fand keine Verbesserung der gestörten Nierenfunktion durch ALA-Supplementierung. Untersucht worden war ALA allein oder zusammen mit Arzneimitteln beziehungsweise Vitaminen.

Die Autoren der Übersicht sahen die Aussagekraft durch wenige Studien und Teilnehmende begrenzt. Getrennte Effektgrößen für ALA allein und die verschiedenen Kombinationen nennt die Patienteninformation nicht.

Die eigenständige Fachübersicht wird unter Typ-2-Diabetes und Nahrungsergänzungsmittel: Was die Wissenschaft sagt erklärt. Sie ist eine andere Veröffentlichung; ihre Befunde ersetzen nicht die hier wiedergegebenen Aussagen der Patienteninformation.

Was ergab die Augenstudie?

Ein diabetisches Makulaödem ist eine diabetesbedingte Augenerkrankung, die zu Sehverlust führen kann. Eine Studie von 2011 untersuchte bei 467 Menschen mit Typ-2-Diabetes, ob sich ein klinisch bedeutsames Makulaödem entwickelte.

Über zwei Jahre wurden täglich 600 mg ALA oder Placebo gegeben. Zwischen den Gruppen zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied bei der Entwicklung dieser Augenerkrankung. Genauere Effektgrößen oder Unsicherheitsbereiche nennt die NCCIH-Zusammenfassung nicht. Die Menge von 600 mg beschreibt ausschließlich diese Studie und ist keine persönliche Einnahmeempfehlung.

Welche Sicherheitsangaben nennt NCCIH?

Eine Sicherheitsübersicht von 2020 mit 71 Studien und 4.749 Teilnehmenden bewertete ALA laut NCCIH als sicher. Untersucht worden waren Gesunde sowie bestimmte Erkrankungsgruppen, darunter Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologischen Störungen und Diabetes. Dieses Urteil gilt für die ausgewerteten Studienbedingungen und ist keine pauschale Freigabe aller Mengen oder Anwendungszeiträume.

Als häufigste Nebenwirkungen von ALA nennt NCCIH Kopfschmerzen, Sodbrennen, Übelkeit und Erbrechen. Ihre Häufigkeit wird auf der Seite nicht beziffert.

Daneben enthält die Patienteninformation allgemeine Warnungen zu Nahrungsergänzungsmitteln:

  • Sie können mit Arzneimitteln oder anderen Ergänzungen wechselwirken.
  • Nebenwirkungen können auch schwerwiegend sein, etwa Nierenschäden. Das ist ein allgemeiner Hinweis und kein hier belegter ALA-spezifischer Ursachenbefund.
  • Bei bestehender Nierenerkrankung oder entsprechendem Risiko fordert NCCIH eine enge ärztliche Überwachung des Supplementgebrauchs.
  • Illegal mit Diabetesversprechen beworbene Produkte können schädliche oder auf dem Etikett nicht erkennbare Inhaltsstoffe enthalten.

Wirksame Diabetesbehandlung sollte nach NCCIH nicht durch unbewiesene Produkte oder Verfahren ersetzt werden. Unzureichende Behandlung erhöht das Risiko schwerer Komplikationen. Die Seite regt an, ergänzende Verfahren und Entscheidungen zur Versorgung mit dem Behandlungsteam zu besprechen.

Welche Fragen bleiben offen?

Die Quelle nennt keine einheitliche ALA-Einnahmemenge und keine Obergrenze. Auch ausführliche Angaben zu Schwangerschaft und Stillzeit fehlen. Diese Lücken sind keine Bestätigung, dass eine bestimmte Menge sicher wäre.

Über Mangelstatus, geeignete Statusmesswerte, chemische ALA-Formen, Aufnahme in den Körper oder Nahrungsquellen enthält die Seite keine näheren Angaben. Die hier wiedergegebenen Studienübersichten wurden nicht neu ausgewertet. Ihr jeweiliger Aussageumfang bleibt deshalb erhalten.

Fazit

Die NCCIH-Patienteninformation zeigt ein begrenztes Bild: mögliche Schmerzlinderung bei Nervenbeschwerden, aber uneinheitliche Symptomverbesserungen und keinen berichteten Vorteil bei mehreren anderen untersuchten Ergebnissen. Sie bietet keine allgemeine ALA-Dosierung und betont Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und die Grenzen ergänzender Produkte.

Weitere Einordnung bietet Alpha-Liponsäure: Zellhelfer mit engen Grenzen.

Quellen

  1. National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) (2023). Diabetes and Dietary Supplements: What You Need To Know. NCCIH, National Institutes of Health.