Wissenschaftliches Gutachten zu Referenzwerten für Calcium

Die EFSA leitete für Erwachsene ab 25 Jahren 950 mg Calcium pro Tag ab. Der Referenzwert beruht auf Bilanzstudien und Modellannahmen, nicht auf klinischen Endpunkten.

Warum diese Bewertung relevant ist

Das Gutachten übersetzt den damaligen Forschungsstand in europäische Referenzwerte für verschiedene Lebensphasen. Es beantwortet damit eine andere Frage als eine Therapiestudie: Nicht, ob eine bestimmte Calciumgabe eine Erkrankung verhindert, sondern welche Zufuhr den Bedarf einer Referenzpopulation voraussichtlich deckt. Die stoffweite Einordnung steht im Calcium-Hauptartikel.

Wie die EFSA den Referenzwert ableitete

Die institutionelle Bewertung wertete die Literatur bis 2015 aus. Als Grundlage dienten vor allem Bilanzstudien zu Aufnahme und Ausscheidung. Zusätzlich berücksichtigte die EFSA Lebensphasen und Calciumverluste über die Haut.

Rund 99 % des Calciums im Körper verortet das Gutachten in Knochen und Zähnen. Der verbleibende Anteil erfüllt unter anderem eine Funktion als intrazellulärer Botenstoff. Diese physiologische Einordnung erklärt, weshalb sowohl der Knochenbestand als auch die eng regulierte Calciumverteilung relevant sind; sie liefert für sich allein aber noch keinen Referenzwert.

Zentrale Referenzwerte und Lebensphasen

Für Erwachsene ab 25 Jahren setzte die EFSA den „Population Reference Intake“ auf 950 mg Calcium pro Tag. Der Begriff bezeichnet eine Zufuhr, die den Bedarf nahezu aller gesunden Menschen einer Referenzgruppe decken soll. Er ist weder eine persönliche Dosierungsempfehlung noch eine Behandlungsgrenze.

Für Schwangerschaft und Stillzeit übernahm die EFSA wegen physiologischer Anpassungen jeweils den Referenzwert nicht schwangerer Frauen derselben Altersgruppe. Das Gutachten leitete daraus also keinen pauschalen Mehrbedarf für diese Lebensphasen ab.

Grenzen der Ableitung

Knochenbezogene, Krebs- und kardiovaskuläre Endpunkte waren nach der Bewertung nicht belastbar genug, um den Referenzwert daraus abzuleiten. Deshalb stützt sich der Erwachsenenwert auf Bilanzdaten, angenommene Verluste und ein Modell des Bedarfs. Diese Methode ist für Referenzsysteme geeignet, lässt aber Unsicherheit darüber, wie genau ein Gruppenwert die Situation einer einzelnen Person abbildet.

Das Gutachten bewertet Referenzgruppen und keine konkrete Erkrankung oder individuelle Versorgungslage. Sein Wert sollte daher nicht mit einer getesteten Supplementmenge oder einer persönlichen Einnahmeanweisung verwechselt werden.

Fazit

Die EFSA nennt für Erwachsene ab 25 Jahren 950 mg Calcium pro Tag und wendet altersgleiche Werte auch in Schwangerschaft und Stillzeit an. Entscheidend für die Einordnung ist die Entstehungsgrundlage: Der Wert stammt aus Bilanzdaten und Modellannahmen, nicht aus einem nachgewiesenen klinischen Nutzen einer bestimmten Calciumgabe.

Quellen

  1. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (2015). Scientific Opinion on Dietary Reference Values for calcium. EFSA Journal. DOI: 10.2903/j.efsa.2015.4101.