BfR/MRI: Warum bei jodiertem Salz die Angabe "Jodsalz" gesundheitlich ausreicht

Die BfR/MRI-Stellungnahme Opinion 039/2025 wurde am 23. September 2025 veröffentlicht. Die Quelle bewertet die gesundheitliche Bedeutung der genauen Jodverbindung in jodiertem Salz.

Kurzprofil

  • Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung und Max Rubner-Institut (2025). For salt with potassium or sodium iodate, the simplified designation "iodised salt" is sufficient from a health perspective.
  • Quellentyp: gemeinsame institutionelle Stellungnahme zu Jodsalz, Iodat/Iodid und Kennzeichnung.
  • Land/Kontext: Deutschland; jodiertes Speisesalz, Lebensmittelkennzeichnung und gesundheitliche Bewertung der verwendeten Jodverbindung.
  • Wirkstoff: Jod.
  • Bezugsgruppen: allgemeine Bevölkerung; zusätzlich betrachtet werden Gruppen, bei denen Kalium- oder Natriumaufnahme gesundheitlich besonders sensibel sein kann.
  • Zentrale Endpunkte: gesundheitliche Relevanz von Iodat gegenüber Iodid, Kalium- und Natriummenge aus jodiertem Salz, Bedeutung einer vereinfachten Kennzeichnung als "Jodsalz".
  • Originalquelle: https://www.bfr.bund.de/en/opinions/for-salt-with-potassium-or-sodium-iodate-the-simplified-designation-iodised-salt-is-sufficient-from-a-health-perspective/
  • PDF-Locator: https://www.bfr.bund.de/assets/01_Ver%C3%B6ffentlichungen/Stellungnahmen_englisch/for-salt-with-potassium-or-sodium-iodate-the-simplified-designation-iodised-salt-is-sufficient-from-a-health-perspective.pdf
  • DOI: 10.17590/20251015-110827-0

Die gemeinsame Stellungnahme von BfR und MRI vom 23. September 2025 behandelt eine eng abgegrenzte Frage: Macht es aus gesundheitlicher Sicht einen relevanten Unterschied, ob bei jodiertem Salz die genaue Verbindung wie Kaliumiodat, Natriumiodat, Kaliumiodid oder Natriumiodid genannt wird? Die Bewertung kommt zu dem Schluss, dass aus gesundheitlicher Sicht vor allem entscheidend ist, ob ein Salz Jod enthält. Die genaue Jodverbindung liefert bei jodiertem Salz nach dieser Quelle keine zusätzliche gesundheitsrelevante Information.

Fragestellung

Die Stellungnahme entstand vor dem Hintergrund der Lebensmittelkennzeichnung. Nach der Lebensmittelinformations-Verordnung können zusammengesetzte Zutaten genauer angegeben werden, zum Beispiel als "Jodsalz (Salz, Kaliumiodat)". Vor Einführung dieser Regelung war die vereinfachte Angabe "Jodsalz" üblich.

BfR und MRI prüften deshalb, ob bestimmte Bevölkerungsgruppen aus gesundheitlichen Gründen wissen müssen, welche genaue Jodverbindung im Jodsalz steckt. Die Quelle trennt dabei drei Fragen. Erstens: Ist Iodat gesundheitlich anders zu bewerten als Iodid? Zweitens: Spielt das Gegenion Kalium bei jodiertem Salz eine relevante Rolle? Drittens: Spielt das Gegenion Natrium bei jodiertem Salz eine relevante Rolle?

Die Fragestellung betrifft nicht den persönlichen Jodbedarf und nicht die Frage, ob einzelne Personen Jod zusätzlich aufnehmen sollten. Sie betrifft die gesundheitliche Bedeutung der genauen Zutatenbezeichnung bei jodiertem Salz.

Studiendesign und Methoden

Die Quelle ist keine klinische Studie und keine Meta-Analyse. Sie ist eine gemeinsame behördlich-wissenschaftliche Stellungnahme. BfR und MRI stützen ihre Bewertung auf rechtliche Vorgaben, frühere BfR/MRI-Bewertungen, Literatur zu Jod-, Kalium- und Natriumstoffwechsel, deutsche Salzaufnahmedaten und einfache Expositionsrechnungen.

Für den Iodat-Iodid-Vergleich greift die Stellungnahme auf die frühere gemeinsame Bewertung von BfR und MRI aus dem Jahr 2022 zurück. Dort wurde bereits bewertet, ob Iodide oder Iodate als Speisesalzzusätze aus ernährungsphysiologischer, technologischer oder toxikologischer Sicht problematisch sind.

Für Kalium und Natrium berechnet die Quelle, welche Mengen dieser Gegenionen über jodiertes Salz aufgenommen würden. Grundlage ist ein Jodgehalt von durchschnittlich 20 mg Jod pro kg Salz innerhalb des rechtlichen Rahmens von 15 bis 25 mg Jod pro kg Salz. Für die Salzaufnahme nutzt die Quelle eine biomarkerbasierte DEGS1-Auswertung des Robert Koch-Instituts: Männer nahmen darin im Mittel 10 g Salz pro Tag auf, Frauen 8,4 g pro Tag.

Untersuchte Personen oder Datenbasis

Die Stellungnahme rekrutiert keine eigene Studienpopulation. Sie betrachtet die deutsche Bevölkerung allgemein und prüft zusätzlich, ob empfindliche Gruppen bei Kalium oder Natrium eine andere Bewertung benötigen.

Datenbasis oder BezugspunktRolle in der BewertungKernaussage
Rechtlicher Jodsalzrahmen in DeutschlandGrundlage für die Rechenbeispiele15 bis 25 mg Jod pro kg Salz; für die Berechnung wird 20 mg/kg verwendet
DEGS1-SalzzufuhrdatenAbschätzung einer realistischen Salzaufnahme10 g Salz pro Tag bei Männern und 8,4 g pro Tag bei Frauen
Kaliumreferenzwerte und Literatur zu HyperkaliämiePrüfung sensibler Gruppenselbst bei kaliumempfindlichen Gruppen ist die Kaliumaufnahme aus Kaliumiodat im Jodsalz verschwindend klein
Natriumreferenzwerte und Literatur zu Blutdruck/SodiumPrüfung sensibler Gruppendie Natriummenge aus Natriumiodat ist im Vergleich zu Natriumchlorid praktisch bedeutungslos
MINTEL-Datenbank Januar 2014 bis September 2024Marktbeobachtung zu Salzprodukten66 Produktnamen mit Kaliumiodat oder Natriumiodat wurden gefunden; keiner enthielt Natriumiodat

Die Quelle nennt sensible Kaliumkontexte wie eingeschränkte Nierenfunktion, Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, Nebenniereninsuffizienz, Säuglinge, sehr hohes Alter und bestimmte Medikamente. Für Natrium wird besonders der Zusammenhang zwischen hoher Salz- beziehungsweise Natriumaufnahme und Blutdruck berücksichtigt.

Intervention, Exposition und Vergleich

Es gibt keine Intervention im klinischen Sinn. Verglichen werden chemische Verbindungen, die Jod in Salz liefern können: Iodate und Iodide sowie Kalium- und Natriumverbindungen.

Für Kaliumiodat nutzt die Quelle die Formel KIO3. Bei einem Jodgehalt von 20 mg pro kg Salz müssten ungefähr 34 mg Kaliumiodat pro kg Salz zugesetzt werden. Der Kaliumanteil dieser Menge ist sehr klein. Bei 10 g Salz pro Tag ergäbe sich aus Kaliumiodat etwa 61 µg Kalium pro Tag, also 0,061 mg.

Für Natriumiodat nutzt die Quelle die Formel NaIO3. Bei einem Jodgehalt von 20 mg pro kg Salz müssten ungefähr 31 mg Natriumiodat pro kg Salz zugesetzt werden. Daraus ergäben sich 3,6 mg Natrium aus Natriumiodat pro kg Salz. Bei 6 g Salz pro Tag wären das etwa 22 µg Natrium; bei 10 g Salz pro Tag etwa 36 µg Natrium.

Die Vergleichswerte stammen aus der normalen Ernährung. Kalium wird über viele Lebensmittel im Milligramm- bis Gramm-Bereich aufgenommen. Natrium stammt bei Speisesalz fast vollständig aus Natriumchlorid. Die Quelle stellt deshalb die winzigen Mengen aus Kalium- oder Natriumiodat den deutlich größeren Mengen aus üblicher Nahrung beziehungsweise aus Salz selbst gegenüber.

Ergebnisse

BfR und MRI kommen zu dem Ergebnis, dass die vereinfachte Angabe "Jodsalz" oder "jodiertes Salz" aus gesundheitlicher Sicht keine relevante Wissenslücke erzeugt. Das gilt laut Quelle auch für sensible Bevölkerungsgruppen.

Für Iodat und Iodid ist der zentrale Punkt die Umwandlung im Körper. Aufgenommenes Iodat wird zu Iodid reduziert. Die kleinen Iodatmengen aus jodiertem Salz stehen dem Körper deshalb nahezu vollständig als Iodid zur Verfügung. Daraus leiten BfR und MRI ab, dass es aus gesundheitlicher Sicht keine Bevölkerungsgruppe gibt, für die bei Jodsalz die Unterscheidung zwischen Iodat und Iodid entscheidend wäre.

Für Kalium ist die berechnete Zusatzmenge sehr klein. Bei 10 g Salz pro Tag liefert Kaliumiodat im Jodsalz etwa 61 µg Kalium. Die Quelle vergleicht dies mit einer Portion gekochter Pasta von 200 g, die als kaliumarm gelten kann, und kommt zu dem Ergebnis, dass die Kaliumaufnahme aus Kaliumiodat mehr als 1500-mal niedriger liegt. Auch bei einer kaliumarmen Ernährung wird die Kaliumquelle Kaliumiodat im Jodsalz deshalb als irrelevant eingeordnet.

Für Natrium ist der Abstand noch größer. Bei 10 g Salz pro Tag würden aus Natriumiodat etwa 36 µg Natrium stammen, während aus Natriumchlorid etwa 3900 mg Natrium aufgenommen würden. Die Natriummenge aus Natriumiodat ist damit mehr als 100.000-mal niedriger als die Natriummenge aus dem Salz selbst. Auch für Menschen mit Bluthochdruck sieht die Quelle deshalb keinen gesundheitsrelevanten Zusatznutzen der genauen Natriumiodat-Angabe.

Die Stellungnahme ordnet außerdem den Kennzeichnungskontext ein. BfR und MRI stimmen grundsätzlich der fachlichen Position zu, dass Mineralverbindungen in Zutatenlisten genau bezeichnet werden können. Für Jodsalz sehen sie jedoch einen besonderen Fall: Die Angabe "Jodsalz" macht bereits erkennbar, dass es sich um Salz mit Jodgehalt handelt, und die genaue Verbindung liefert nach ihrer Bewertung keine zusätzliche gesundheitsrelevante Information.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Die Quelle berichtet keine neu erhobenen Nebenwirkungen. Ihre Sicherheitsbewertung beruht auf bekannten physiologischen Zusammenhängen und den berechneten Zusatzmengen aus Jodsalz.

Für Iodat nennt die Quelle keinen Hinweis, dass die kleinen Mengen aus jodiertem Salz eine eigene toxikologische oder ernährungsphysiologische Sonderbewertung gegenüber Iodid benötigen. Entscheidend ist, dass Iodat im Körper zu Iodid reduziert wird.

Für Kalium berücksichtigt die Quelle ausdrücklich Gruppen mit eingeschränkter Kaliumregulation. Dazu gehören zum Beispiel Menschen mit Niereninsuffizienz oder Herzinsuffizienz. Selbst in diesem Kontext wird die Kaliumaufnahme aus Kaliumiodat im Jodsalz als so gering beschrieben, dass sie gegenüber Kalium aus Lebensmitteln keine praktische Bedeutung hat.

Für Natrium berücksichtigt die Quelle den Zusammenhang zwischen Salz- beziehungsweise Natriumaufnahme und Blutdruck. Die Natriummenge aus Natriumiodat ist im Vergleich zu Natriumchlorid jedoch so klein, dass sie selbst für empfindliche Gruppen wie Menschen mit Bluthochdruck als irrelevant bewertet wird.

Grenzen der Aussagekraft

Die Stellungnahme beantwortet keine allgemeine Frage zur Jodversorgung einzelner Personen. Sie sagt nicht, wer mehr oder weniger Jod aufnehmen sollte, und sie prüft keine Wirkung von Jodpräparaten.

Die Quelle behandelt jodiertes Salz, nicht Nahrungsergänzungsmittel. BfR und MRI halten die genaue Mineralverbindung bei anderen Produkten, etwa Nahrungsergänzungsmitteln, weiterhin für wichtige Zusatzinformation, weil dort größere Mengen aufgenommen werden können.

Eine weitere Grenze liegt im deutschen Rechts- und Marktkontext. In Deutschland sind seit 1981 für die Herstellung von jodiertem Speisesalz nur Iodate zugelassen, also Natriumiodat und Kaliumiodat. Iodide werden in anderen Ländern verwendet und sind in Deutschland als möglicher künftiger Schritt in Diskussion. Die Stellungnahme bewertet die gesundheitliche Relevanz dieser Unterscheidung, ersetzt aber keine rechtliche Entscheidung über Kennzeichnung oder Zulassung.

Die MINTEL-Auswertung ist eine Marktbeobachtung neuer Produktnamen und erfasst nicht den gesamten Marktbestand. Sie zeigt, dass in dieser Datenbank zwischen Januar 2014 und September 2024 keine Produktnamen mit Natriumiodat gefunden wurden, obwohl 66 Produktnamen mit Kaliumiodat oder Natriumiodat gesucht wurden. Daraus lässt sich keine vollständige Marktstatistik ableiten.

Was die Quelle zeigt

Die Quelle zeigt, dass Iodat aus jodiertem Salz im Körper nahezu vollständig zu Iodid wird. Dadurch ist die genaue Unterscheidung zwischen Iodat und Iodid bei den kleinen Mengen aus Jodsalz aus gesundheitlicher Sicht nach BfR/MRI nicht entscheidend.

Die Quelle zeigt außerdem, dass die Kalium- und Natriummengen aus Kaliumiodat beziehungsweise Natriumiodat im Jodsalz extrem klein sind. Sie sind so gering, dass BfR und MRI auch bei sensiblen Gruppen keine gesundheitsrelevante Notwendigkeit sehen, die genaue Verbindung zu kennen.

Die Quelle zeigt schließlich, dass der gesundheitlich wichtigere Informationspunkt bei Salz die Frage ist, ob es überhaupt Jod enthält. Die Angabe "Jodsalz" transportiert genau diesen Punkt.

Was die Quelle nicht zeigt

Die Quelle zeigt nicht, welche Jodmenge für einzelne Personen passend ist. Sie zeigt auch nicht, dass Jodsalz eine medizinische Maßnahme ersetzt oder dass einzelne Personen Jod ergänzen sollten.

Die Quelle zeigt keine klinischen Effekte von Jodsalz auf Schilddrüsenwerte, Blutdruck, Nierenfunktion oder andere Erkrankungen. Sie bewertet keine Produkte, Marken oder individuellen Ernährungspläne.

Die Quelle zeigt auch nicht, dass genaue Zutatenangaben bei allen mineralischen Zusätzen verzichtbar wären. Sie beschränkt diese gesundheitliche Bewertung ausdrücklich auf jodiertes Salz und grenzt Nahrungsergänzungsmittel davon ab.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Die gemeinsame Stellungnahme von BfR und MRI ist Opinion 039/2025 vom 23. September 2025.
  • Die Quelle bewertet die gesundheitliche Bedeutung der genauen Jodverbindung in jodiertem Salz.
  • In Deutschland sind für jodiertes Speisesalz seit 1981 Iodate zugelassen, insbesondere Kaliumiodat und Natriumiodat.
  • Iodat aus Lebensmitteln wird im Körper zu Iodid reduziert und steht bei den kleinen Mengen aus Jodsalz nahezu vollständig als Iodid zur Verfügung.
  • Bei 20 mg Jod pro kg Salz und 10 g Salz pro Tag liefert Kaliumiodat etwa 61 µg Kalium pro Tag.
  • Die Kaliumaufnahme aus Kaliumiodat im Jodsalz liegt laut Quelle mehr als 1500-mal niedriger als die Kaliumaufnahme aus 200 g gekochter Pasta.
  • Bei 20 mg Jod pro kg Salz liefert Natriumiodat 3,6 mg Natrium pro kg Salz.
  • Bei 10 g Salz pro Tag entstehen daraus etwa 36 µg Natrium aus Natriumiodat, während Natriumchlorid etwa 3900 mg Natrium liefert.
  • Die Natriummenge aus Natriumiodat ist laut Quelle mehr als 100.000-mal niedriger als die Natriummenge aus dem Salz selbst.
  • BfR und MRI sehen aus gesundheitlicher Sicht keine relevante Wissenslücke, wenn jodiertes Salz vereinfacht als "Jodsalz" oder "jodiertes Salz" bezeichnet wird.
  • Die Quelle liefert keine persönliche Jod-, Salz-, Natrium- oder Kaliumempfehlung.
  • Die Quelle behandelt jodiertes Salz und grenzt Nahrungsergänzungsmittel davon ab.

Quellen

  1. DOI
  2. Originalquelle
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