Kupfersupplementierung und Statusmarker: die Kehoe-Crossover-Studie von 2000

Kehoe et al. (2000), DOI 10.1017/S0007114500001379, PMID 11029965, untersuchte in einem Crossover-Design Kupfersupplementierung und Placebophasen bei zwölf Frauen und zwölf Männern. Kehoe et al. (2000) ist eine doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Humanstudie zu Kupfersupplementierung und Statusmarkern. Untersucht wurden 24 gesunde Erwachsene im Alter von 22 bis 45 Jahren.

Kurzprofil

  • Quelle: Kehoe et al. (2000). Response of putative indices of copper status to copper supplementation in human subjects.
  • Studientyp: doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Humanstudie.
  • Land/Kontext: Nordirland; University of Ulster; British Journal of Nutrition.
  • Population: 24 gesunde, frei lebende Erwachsene, davon zwölf Frauen und zwölf Männer im Alter von 22 bis 45 Jahren.
  • Kupferbezug: drei sechswöchige Regime mit 3 mg Kupfer pro Tag als Kupfersulfat, 3 mg Kupfer pro Tag als Kupfer-Glycin-Chelat und 6 mg Kupfer pro Tag als Kupfer-Glycin-Chelat; zwischen den Regimen lagen gleich lange Placebophasen.
  • Zentrale Endpunkte: Serum-Diaminoxidase, Ceruloplasmin-Oxidase, Ceruloplasmin-Protein, Superoxiddismutase in Erythrozyten und Leukozyten, Cytochrom-c-Oxidase in Thrombozyten und Leukozyten, Glutathionperoxidase in Erythrozyten.
  • Originalquelle: https://doi.org/10.1017/S0007114500001379
  • PubMed-Locator: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11029965/
  • Zugriffslage: offizielles Volltext-PDF über Cambridge University Press verfügbar.

Fragestellung

Kehoe et al. untersuchten, ob mehrere vorgeschlagene Laborwerte auf eine veränderte Kupferaufnahme reagieren. Die Grundfrage war nicht, ob Kupfer einen Gesundheitsnutzen bringt. Es ging darum, welche Marker empfindlich genug sein könnten, um kleine Veränderungen des Kupferstatus bei gesunden Erwachsenen sichtbar zu machen.

Der Hintergrund war ein bekanntes Messproblem: Serumkupfer und Ceruloplasmin werden oft zur Einordnung des Kupferstatus genutzt, können aber auch durch Entzündung, Rauchen, Stress, Schwangerschaft, Hormonstatus oder andere Faktoren beeinflusst werden. Die Studie prüfte deshalb auch funktionelle Enzymmarker. Besonders im Blick stand die Diaminoxidase. Diaminoxidase ist ein kupferabhängiges Enzym, das unter anderem am Abbau bestimmter biogener Amine beteiligt ist.

Studiendesign und Methoden

Die Studie war doppelblind und placebokontrolliert angelegt. Jede Person durchlief drei sechswöchige Kupferphasen: 3 mg Kupfer pro Tag als Kupfersulfat, 3 mg Kupfer pro Tag als Kupfer-Glycin-Chelat und 6 mg Kupfer pro Tag als Kupfer-Glycin-Chelat. Zwischen den einzelnen Kupferphasen lagen gleich lange Placebophasen.

Zu Beginn und am Ende der Studie wurde die Ernährung per Diet-History-Verfahren erhoben. Die Auswertung nutzte ein britisches Nährwertprogramm. Blutproben wurden nach nächtlichem Fasten genommen. Die Autoren untersuchten mehrere Enzyme und Proteine, die als mögliche Marker für Kupferstatus diskutiert wurden.

Statistisch wurden die Kupferphasen mit den jeweiligen Placebophasen verglichen. Die Auswertung berücksichtigte mögliche Periodeneffekte im Crossover-Design. Die Autoren berichten außerdem, dass fehlende Blutabnahmen zu unterschiedlichen Fallzahlen je Marker und Crossover führten.

Untersuchte Personen oder Datenbasis

Eingeschlossen wurden 24 gesunde Erwachsene aus der Mitarbeiter- und Studierendenpopulation der University of Ulster. Die Gruppe bestand aus zwölf Frauen und zwölf Männern im Alter von 22 bis 45 Jahren.

Ausgeschlossen wurden unter anderem Raucher, Personen mit Medikamenteneinnahme, Personen mit Vitamin- oder Mineralstoffsupplementen und Personen mit Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck. Die Studie wurde durch das Ethikkomitee der University of Ulster geprüft.

Die Ausgangswerte unterschieden sich teilweise zwischen Frauen und Männern. Frauen hatten zu Studienbeginn höhere Ceruloplasmin-Oxidase-Aktivität, höhere Ceruloplasmin-Protein-Konzentration und höhere Serum-Diaminoxidase-Aktivität als Männer. Diese Unterschiede sind wichtig, weil sie zeigen, dass Geschlecht und Hormonumfeld die Interpretation einzelner Kupfermarker beeinflussen können.

Intervention, Exposition und Vergleich

Die getesteten Mengen waren 3 mg Kupfer pro Tag als Kupfersulfat, 3 mg Kupfer pro Tag als Kupfer-Glycin-Chelat und 6 mg Kupfer pro Tag als Kupfer-Glycin-Chelat. Die Placebophasen dienten als Vergleich innerhalb desselben Crossover-Ablaufs.

Die Studie prüfte damit keine normale Bedarfshöhe und keine persönliche Zielmenge. Die Mengen waren geprüfte Expositionen, um Markerreaktionen sichtbar zu machen. Die Autoren berichten, dass die mittlere Kupferaufnahme über die übliche Ernährung bei Männern etwa 1,38 bis 1,59 mg pro Tag und bei Frauen etwa 0,98 bis 1,08 mg pro Tag betrug. Durch das 6-mg-Regime lag die Gesamtzufuhr deutlich über typischen westlichen Ernährungsaufnahmen.

Ergebnisse

Der deutlichste Befund betraf die Serum-Diaminoxidase. Die Aktivität dieses Enzyms war nach allen drei Kupferregimen signifikant höher als in den jeweiligen Placebophasen. Das galt für die Gesamtgruppe und getrennt für Frauen und Männer. In der Tabelle der Studie lagen die Mittelwerte der Serum-Diaminoxidase in der Gesamtgruppe bei 1,34, 1,63 und 2,00 U/l nach den drei Kupferregimen, verglichen mit 0,30, 0,44 und 0,89 U/l in den jeweiligen Placebophasen.

Andere Marker reagierten schwächer oder uneinheitlich. Erythrozyten- und Leukozyten-Superoxiddismutase sowie Erythrozyten-Glutathionperoxidase zeigten keine Veränderung nach den Kupferregimen. Die Thrombozyten-Cytochrom-c-Oxidase war nach 6 mg Kupfer pro Tag als Kupfer-Glycin-Chelat in der Gesamtgruppe und bei Frauen signifikant höher, jedoch nicht bei Männern. Für diesen Marker wurden zudem Carryover-Effekte berichtet, was die Interpretation erschwert.

Ceruloplasmin reagierte ebenfalls nicht einheitlich. Bei Männern stieg die Ceruloplasmin-Oxidase-Aktivität nach 3 mg Kupfer pro Tag als Kupfersulfat signifikant an. Die Ceruloplasmin-Protein-Konzentration war bei Männern nach 6 mg Kupfer pro Tag als Kupfer-Glycin-Chelat signifikant niedriger. Die Autoren bewerteten diese kleinen Ceruloplasmin-Veränderungen jedoch nicht als wahrscheinlich physiologisch bedeutsam.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Die Autoren berichten, dass die Teilnehmenden während der Studie keine unerwünschten Nebenwirkungen angaben. Der Satz ist hilfreich, aber er macht die Studie nicht zu einer umfassenden Sicherheitsbewertung.

Die Arbeit war klein, dauerte pro Kupferregime sechs Wochen und konzentrierte sich auf Marker des Kupferstatus. Sie untersuchte keine seltenen unerwünschten Wirkungen, keine Leberkupferspeicherung, keine Langzeitfolgen und keine Risikogruppen. Aus den Daten lässt sich daher keine allgemeine Sicherheit hoher Kupferaufnahme ableiten.

Grenzen der Aussagekraft

Die wichtigste Grenze ist die kleine Stichprobe. 24 gesunde Erwachsene reichen aus, um deutliche Markerreaktionen zu beobachten, aber nicht für belastbare Aussagen zu seltenen Nebenwirkungen, klinischen Endpunkten oder empfindlichen Untergruppen.

Eine zweite Grenze liegt im Crossover-Design. Crossover-Studien können effizient sein, weil jede Person mehrfach als eigene Vergleichsbasis dient. In dieser Studie traten jedoch bei mehreren Cytochrom-c-Oxidase-Auswertungen Carryover-Effekte auf. Das bedeutet, dass Effekte aus einer früheren Phase die spätere Messung beeinflusst haben könnten.

Eine dritte Grenze betrifft die Marker selbst. Diaminoxidase reagierte klar auf die Kupferregime, ist aber nicht ausschließlich vom Kupferstatus abhängig. Die Autoren nennen unter anderem Schwangerschaft, Nierenerkrankungen, Dialyse, Darmschädigung, Crohn-Erkrankung und Zöliakie als Kontexte, in denen Diaminoxidase verändert sein kann. Deshalb ist eine Markerreaktion nicht automatisch eine einfache Diagnoseregel.

Außerdem war die Studie keine Depletionsstudie. Sie prüfte Supplementierungsphasen bei gesunden Erwachsenen und Placebophasen, aber keine gezielte Kupferverarmung. Für Aussagen zu Mangel, Repletion nach Mangel oder klinischer Behandlung reicht sie daher nicht aus.

Was die Studie zeigt

Kehoe et al. zeigen, dass Serum-Diaminoxidase in dieser kleinen gesunden Erwachsenenstichprobe auf mehrere sechswöchige Kupferregime reagierte. Die Reaktion war konsistenter als bei vielen anderen untersuchten Markern.

Die Studie zeigt außerdem, dass häufig diskutierte Kupfermarker wie Superoxiddismutase, Glutathionperoxidase und Ceruloplasmin in diesem Setting nicht durchgehend oder nicht eindeutig reagierten. Dadurch stützt die Arbeit die Einschätzung, dass Kupferstatus beim Menschen schwer mit einem einzigen Laborwert zu erfassen ist.

Was die Studie nicht zeigt

Die Studie zeigt keinen gesundheitlichen Nutzen einer Kupfergabe. Sie zeigt auch nicht, dass zusätzliche Kupferaufnahme für gesunde Menschen sinnvoll ist.

Sie zeigt keine Langzeitsicherheit, keine Dosis-Wirkungs-Grenze für die allgemeine Bevölkerung und keine Diagnoseregel für einzelne Personen. Sie zeigt auch keine Wirkung bei Kindern, Schwangeren, Stillenden, älteren Menschen, Personen mit Lebererkrankungen oder Personen mit gestörter Kupferregulation.

Die Ergebnisse gelten vor allem für Markerreaktionen in einer kleinen, gesunden Erwachsenengruppe. Klinische Krankheitsendpunkte wurden nicht geprüft.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Kehoe et al. (2000) untersuchten 24 gesunde Erwachsene in einer doppelblinden, placebokontrollierten Crossover-Studie.
  • Die Gruppe bestand aus zwölf Frauen und zwölf Männern im Alter von 22 bis 45 Jahren.
  • Getestet wurden 3 mg Kupfer pro Tag als Kupfersulfat, 3 mg Kupfer pro Tag als Kupfer-Glycin-Chelat und 6 mg Kupfer pro Tag als Kupfer-Glycin-Chelat.
  • Jedes Kupferregime dauerte sechs Wochen und wurde durch eine gleich lange Placebophase getrennt.
  • Serum-Diaminoxidase stieg nach allen drei Kupferregimen signifikant an.
  • Superoxiddismutase in Erythrozyten und Leukozyten sowie Glutathionperoxidase in Erythrozyten reagierten nicht auf die Kupferregime.
  • Thrombozyten-Cytochrom-c-Oxidase stieg nur nach 6 mg Kupfer pro Tag als Kupfer-Glycin-Chelat in der Gesamtgruppe und bei Frauen an; Carryover-Effekte begrenzen die Auswertung.
  • Ceruloplasmin-Veränderungen waren klein und nicht einheitlich.
  • Die Teilnehmenden berichteten keine unerwünschten Nebenwirkungen.
  • Die Studie liefert keinen Nutzenbeleg, keine persönliche Dosierungsregel und keine Langzeitsicherheitsbewertung.

Quellen

  1. Kehoe et al. (2000) DOI
  2. PubMed
  3. Cambridge University Press PDF