Fünf Kupfermarker im Serum gesunder Frauen

Chillon et al. (2024) untersuchten fünf Kupfermarker im Serum gesunder Frauen. Der legal verfügbare Volltext liegt als veröffentlichte PDF-Version bei DepositOnce/TU Berlin vor. Die Studie umfasste 110 weibliche Teilnehmerinnen ohne bekannte gesundheitliche Beeinträchtigung.

Kurzprofil

  • Quelle: Chillon et al. (2024). Determination of copper status by five biomarkers in serum of healthy women.
  • Quellentyp: longitudinale Beobachtungsstudie mit wiederholten Serumproben.
  • Land/Kontext: Deutschland; gesunde weibliche Beschäftigte im Gesundheitswesen aus einer bestehenden Beobachtungskohorte.
  • Wirkstoffbezug: Kupferstatus im Serum.
  • Untersuchte Personen: 110 gesunde Frauen ohne bekannte gesundheitliche Beeinträchtigung.
  • Beobachtungszeitraum: vier Blutentnahmen über 24 Wochen.
  • Zentrale Messgrößen: Gesamtserumkupfer, Ceruloplasmin, Ceruloplasmin-Oxidaseaktivität, exchangeable copper und labiles Kupfer.
  • Originalquelle: https://doi.org/10.1016/j.jtemb.2024.127441
  • PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38579499/
  • Legal verfügbarer Volltext/PDF: https://depositonce.tu-berlin.de/bitstreams/efee85ca-1950-4376-a383-748e9d8b8c3b/download

Fragestellung

Chillon et al. untersuchten, ob neuere Kupfermarker im Serum zusätzliche Informationen liefern können, die mit Gesamtserumkupfer und Ceruloplasmin allein nicht sichtbar werden. Im Mittelpunkt standen drei ergänzende Marker: die Ceruloplasmin-Oxidaseaktivität, exchangeable copper und labiles Kupfer.

Die Ausgangsfrage war methodisch. Kupfer im Blut liegt zu einem großen Teil an Ceruloplasmin gebunden vor. Gesamtserumkupfer und Ceruloplasmin werden deshalb häufig gemeinsam betrachtet, können aber durch Alter, Geschlecht, Hormonstatus, Entzündung oder Infektion beeinflusst werden. Die Studie prüfte, ob weitere Serumfraktionen bei gesunden Frauen eigenständige Muster zeigen. Sie prüfte keine Einnahme von Kupfer, keine Behandlung eines Mangels und keine persönliche Diagnostikregel.

Studiendesign und Methoden

Die Arbeit war eine longitudinale Beobachtungsstudie. Serumproben stammten aus der TASC-Kohorte, einer bestehenden Untersuchung bei Beschäftigten im Gesundheitswesen. Blut wurde zu vier Zeitpunkten genommen: zu Beginn sowie nach 3, 6 und 24 Wochen. Alle einbezogenen Personen hatten im ursprünglichen Kohortenrahmen zwei BNT162b2-Impfungen erhalten. Die Autoren betonen, dass die hier ausgewertete Markerfrage grundsätzlich auch in einer anderen gesunden Kohorte hätte untersucht werden können.

Gemessen wurden fünf Kupfermarker. Gesamtserumkupfer wurde mit Totalreflexions-Röntgenfluoreszenz bestimmt. Ceruloplasmin wurde immunologisch über ein ELISA-Verfahren gemessen. Die Ceruloplasmin-Oxidaseaktivität erfasste die enzymatische Aktivität des kupferbeladenen Ceruloplasmins. Exchangeable copper wurde nach EDTA-Komplexierung und Proteinpräzipitation per ICP-MS/MS bestimmt. Labiles Kupfer wurde mit einem fluoreszenzbasierten Sensor gemessen.

Für die Auswertung nutzten die Autoren unter anderem Altersgruppen, paarweise Rangkorrelationen und eine Hauptkomponentenanalyse. Die Altersgruppen lagen bei unter 40 Jahren, 40 bis 53 Jahren und über 53 Jahren.

Untersuchte Personen oder Datenbasis

Die Datenbasis umfasste 110 Frauen. Die mediane Altersangabe lag bei 47 Jahren, mit einem Interquartilsbereich von 37 bis 55 Jahren. Die Teilnehmerinnen wurden als weibliche Spenderinnen ohne bekannte gesundheitliche Beeinträchtigung beschrieben. Es handelte sich überwiegend um europäische Frauen.

Die Ausgangswerte lagen nach den berichteten Daten im normalen Bereich. Der Median für Gesamtserumkupfer betrug 1161 µg/L. Ceruloplasmin lag im Median bei 392 mg/L, die Ceruloplasmin-Oxidaseaktivität bei 121 U/L. Für exchangeable copper wurde ein Median von 76,7 µg/L berichtet. Labiles Kupfer lag im Median bei 0,06 pmol/L.

Die Gruppe war für eine Markerarbeit nützlich, aber eng. Männer wurden nicht ausgewertet, weil die Zahl männlicher Teilnehmer zu klein war. Personen mit bekannten Kupferstoffwechselstörungen, klarer Unterversorgung oder Überversorgung wurden nicht gezielt untersucht.

Intervention, Exposition und Vergleich

Es gab keine Kupfergabe und keine gezielte Veränderung der Kupferaufnahme. Die Exposition bestand in den gemessenen Serumfraktionen selbst: Gesamtserumkupfer, Ceruloplasmin, Ceruloplasmin-Oxidaseaktivität, exchangeable copper und labiles Kupfer.

Verglichen wurden die Marker untereinander, über die vier Messzeitpunkte und zwischen Altersgruppen. Zusätzlich ordneten die Autoren Markerwerte nach niedrigerem oder höherem Gesamtserumkupfer ein. Die Schwelle für diese Gruppierung lag bei 1024,6 µg/L Gesamtserumkupfer.

Ergebnisse

Gesamtserumkupfer und Ceruloplasmin lagen insgesamt im Referenzbereich. Die Mittel- und Medianwerte passten nach Aussage der Autoren zu früheren Befunden bei gesunden Frauen. Sechs Spenderinnen hatten an einem einzelnen Messzeitpunkt Ceruloplasminwerte unter 200 mg/L, ihre Gesamtserumkupferwerte lagen aber über 680 µg/L. Bei diesen Personen waren die Ceruloplasminwerte zu anderen Zeitpunkten wieder deutlich höher. Die Autoren werteten die Gruppe deshalb auf Basis von Gesamtserumkupfer und Ceruloplasmin als ausreichend versorgt.

Bei der Altersbetrachtung zeigten sich unterschiedliche Muster. Die Ceruloplasmin-Oxidaseaktivität war bei Frauen im mittleren Altersbereich niedriger als bei jüngeren und älteren Teilnehmerinnen. Gesamtserumkupfer, Ceruloplasmin-Oxidaseaktivität und labiles Kupfer stiegen zwischen mittlerer und älterer Gruppe leicht an. Für Ceruloplasmin und exchangeable copper fanden die Autoren keine deutliche Altersabhängigkeit.

Über 24 Wochen blieb das mittlere Gesamtserumkupfer relativ stabil. Die Verteilung der Ceruloplasmin-Oxidaseaktivität ähnelte dem Verlauf von Gesamtserumkupfer. Ceruloplasmin zeigte ein ausgeprägteres Muster über die Messzeitpunkte. Signifikante Unterschiede für Ceruloplasmin-Oxidaseaktivität und exchangeable copper traten vor allem zwischen Woche 6 und Woche 24 auf. Exchangeable copper zeigte eine breitere Streuung, besonders in Richtung höherer Werte. Labiles Kupfer war nach 24 Wochen leicht erhöht und zeigte eine veränderte Streuung.

Die Marker hingen nicht gleich stark zusammen. Ceruloplasmin-Oxidaseaktivität korrelierte stärker mit Gesamtserumkupfer als die Ceruloplasminkonzentration. Für Ceruloplasmin-Oxidaseaktivität lag der Spearman-Korrelationskoeffizient mit Gesamtserumkupfer bei 0,67, für Ceruloplasmin bei 0,415. Exchangeable copper korrelierte nur schwach mit Gesamtserumkupfer. Labiles Kupfer korrelierte nicht mit Gesamtserumkupfer und auch nicht mit den anderen Serumkupfermarkern.

Die Hauptkomponentenanalyse bestätigte dieses Bild. Gesamtserumkupfer, Ceruloplasmin und Ceruloplasmin-Oxidaseaktivität lagen eng beieinander. Exchangeable copper entfernte sich von dieser Gruppe. Labiles Kupfer wich am stärksten von den anderen Parametern ab. Die Autoren interpretieren exchangeable copper und labiles Kupfer deshalb als eigenständige Serumkupferpools, nicht nur als kleine Unterfraktionen des Gesamtserumkupfers.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Die Studie war keine Sicherheitsstudie zu Kupferaufnahme, Kupferpräparaten oder hohen Kupfermengen. Sie berichtet keine kupferbezogene Intervention und keine systematische Nebenwirkungsübersicht für eine Kupfergabe.

Für den Beobachtungsrahmen ist wichtig, dass die Marker zwischen Studienbeginn und Woche 3 sowie nach der zweiten Immunisierung keine Veränderungen zeigten, die die Autoren als impfbedingten Entzündungseffekt auf die Kupfermarker werteten. Daraus folgt aber keine allgemeine Sicherheitsbewertung. Die Quelle liefert keine obere sichere Aufnahmemenge und keine Aussage dazu, wie Kupferpräparate klinische Endpunkte beeinflussen.

Grenzen der Aussagekraft

Die wichtigste Grenze ist die enge Population. Es wurden nur Frauen untersucht, überwiegend aus einem europäischen Gesundheitsarbeitskontext. Männer, Kinder, ältere Hochrisikogruppen, Menschen mit Kupfermangel, Wilson-Krankheit, Menkes-Krankheit, Alzheimer-Krankheit oder anderen Erkrankungen wurden nicht als eigene Zielgruppen geprüft.

Zweitens war die Studie beobachtend. Restverzerrungen können nicht ausgeschlossen werden. Daten zu BMI, Menopausenstatus, Rauchen, Alkoholkonsum und sozioökonomischem Status lagen nicht vor, obwohl solche Faktoren den Kupferstatus beeinflussen können.

Drittens fehlen für die neueren Marker feste klinische Grenzwerte. Die Studie liefert Normalbereichs- und Variabilitätsinformationen in einer gesunden Frauengruppe, aber keine validierten Diagnosegrenzen für einzelne Personen. Besonders für exchangeable copper und labiles Kupfer bleibt offen, wie gut sie frühe Unterversorgung, Überversorgung oder konkrete Erkrankungen vorhersagen.

Viertens ist der Impfkontext methodisch zu beachten. Alle Teilnehmerinnen erhielten im ursprünglichen Kohortenrahmen eine BNT162b2-Impfung. Die Autoren fanden keine deutlichen entzündungsbedingten Markerverschiebungen im relevanten Zeitraum, dennoch ist die Kohorte nicht identisch mit einer frei rekrutierten allgemeinen Bevölkerungsstichprobe.

Was die Studie zeigt

Die Studie zeigt, dass moderne Kupfermarker in Serumproben gesunder Frauen unterschiedliche biologische Informationen tragen können. Gesamtserumkupfer, Ceruloplasmin und Ceruloplasmin-Oxidaseaktivität bilden eine engere Markergruppe. Exchangeable copper und labiles Kupfer verhalten sich davon teilweise unabhängig.

Besonders labiles Kupfer erscheint nicht als einfache Unterfraktion des Gesamtserumkupfers. Es korrelierte weder mit Gesamtserumkupfer noch mit den anderen gemessenen Markern. Damit kann es ein eigener, ergänzender Marker sein, der in größeren und krankheitsspezifischen Studien weiter geprüft werden muss.

Was die Studie nicht zeigt

Die Studie zeigt keine Diagnosegrenze für Kupfermangel oder Kupferüberladung. Sie zeigt auch nicht, dass ein bestimmter Marker allein ausreicht, um den Kupferstatus einzelner Personen sicher zu beurteilen.

Die Quelle zeigt keinen Nutzen einer Kupfereinnahme, keine Wirkung von Kupferpräparaten und keine persönliche Dosierungsregel. Sie zeigt auch nicht, dass exchangeable copper oder labiles Kupfer bereits routinemäßig für allgemeine Gesundheitsentscheidungen eingesetzt werden sollten. Dafür fehlen größere, ausreichend gepowerte klinische Studien in passenden Patientengruppen.

Offene Punkte in der verfügbaren Quelle

  • INPUT_GAP: Für die neueren Marker liegen in der Quelle keine allgemein validierten Grenzwerte für Mangel, ausreichende Versorgung oder Überversorgung vor.
  • INPUT_GAP: Männer wurden wegen zu kleiner männlicher Ausgangsgruppe nicht ausgewertet.
  • INPUT_GAP: BMI, Menopausenstatus, Rauchen, Alkoholkonsum und sozioökonomischer Status waren nicht verfügbar.
  • INPUT_GAP: Die Studie prüfte keine Personen mit gezielter Kupferunterversorgung, Kupferüberladung oder bestätigter Kupferstoffwechselerkrankung.
  • INPUT_GAP: Die Quelle liefert keine persönliche Diagnose-, Therapie- oder Dosierungsregel.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Chillon et al. (2024) untersuchten fünf Kupfermarker im Serum gesunder Frauen.
  • Die Studie umfasste 110 weibliche Teilnehmerinnen ohne bekannte gesundheitliche Beeinträchtigung.
  • Serumproben wurden zu vier Zeitpunkten über 24 Wochen erhoben.
  • Gemessen wurden Gesamtserumkupfer, Ceruloplasmin, Ceruloplasmin-Oxidaseaktivität, exchangeable copper und labiles Kupfer.
  • Gesamtserumkupfer und Ceruloplasmin lagen insgesamt im Referenzbereich.
  • Die Ceruloplasmin-Oxidaseaktivität korrelierte stärker mit Gesamtserumkupfer als die Ceruloplasminkonzentration.
  • Exchangeable copper korrelierte nur schwach mit Gesamtserumkupfer.
  • Labiles Kupfer korrelierte nicht mit Gesamtserumkupfer oder den anderen gemessenen Markern.
  • Die Studie spricht dafür, dass exchangeable copper und labiles Kupfer ergänzende Marker sein könnten.
  • Die Studie liefert keine Diagnose-, Therapie-, Sicherheits- oder persönliche Dosierungsempfehlung.

Quellen

  1. Chillon et al. (2024) DOI
  2. PubMed
  3. ScienceDirect Landingpage
  4. DepositOnce/TU Berlin Volltext
  5. DepositOnce/TU Berlin PDF