Historischer EU-UL für Kupfer im SCF-Gutachten
Das Scientific Committee on Food bewertete 2003 die tolerierbare obere Aufnahme von Kupfer für die europäische Bevölkerung. Für Erwachsene wurde ein Wert von 5 mg Kupfer pro Tag als langfristige Gesamtaufnahme abgeleitet. Ausgangspunkt war ein NOAEL von 10 mg/Tag aus einer kleinen Humanstudie mit 12 Wochen Supplementierung.
Kurzprofil
- Quelle: Scientific Committee on Food (2003). Opinion on the Tolerable Upper Intake Level of Copper. European Commission.
- Quellentyp: wissenschaftliche Behördenbewertung zur Ableitung eines tolerierbaren oberen Aufnahmewerts.
- Land/Kontext: Europäische Union; Scientific Committee on Food der Europäischen Kommission.
- Population: gesunde Erwachsene, Kinder und Jugendliche als allgemeine Bevölkerungsgruppen; Schwangerschaft und Stillzeit wurden wegen unzureichender Daten nicht in den Erwachsenenwert einbezogen.
- Kupferbezug: langfristige Gesamtaufnahme von Kupfer aus Nahrung, Trinkwasser und möglichen Zusatzquellen.
- Zentrale Endpunkte: Leberschäden als kritischer Langzeitendpunkt, akute gastrointestinale Effekte durch Trinkwasser, NOAEL-Ableitung und altersbezogene obere Aufnahmewerte.
- Originalquelle: https://ec.europa.eu/food/fs/sc/scf/out176_en.pdf
Fragestellung
Das Scientific Committee on Food prüfte, welcher obere Aufnahmewert für Kupfer in der europäischen Bevölkerung vertretbar ist. Kupfer ist ein lebensnotwendiges Spurenelement. Zu hohe Aufnahmen können aber, besonders bei gestörter Kupferverarbeitung oder besonderen Expositionsbedingungen, Leber und Magen-Darm-Trakt belasten.
Die zentrale Bewertungsfrage war deshalb nicht der tägliche Bedarf, sondern die Grenze langfristiger Gesamtaufnahme. Die Opinion wollte abschätzen, ab welcher Menge die Sicherheitsmarge enger wird und welche Daten für Erwachsene, Kinder und besondere Lebensphasen ausreichen.
Studiendesign und Methoden
Die Quelle ist keine einzelne klinische Studie, sondern eine wissenschaftliche Risikobewertung. Das Gremium wertete Humanstudien, toxikologische Befunde, Daten zu Kupferaufnahme und Kupferstoffwechsel, Berichte zu Trinkwasserexposition und frühere Referenzwertarbeiten aus.
Für die Ableitung des oberen Werts wählte das Gremium Leberschäden als kritischen Endpunkt. Akute Magen-Darm-Beschwerden durch Kupfer im Trinkwasser wurden ebenfalls betrachtet, galten aber eher als akuter Reizungsendpunkt. Für einen langfristigen oberen Aufnahmewert war aus Sicht des Gremiums die Leber relevanter.
Ein Schlüsselbegriff ist NOAEL. Das bedeutet: In der betrachteten Datenbasis wurde bei einer bestimmten Menge kein unerwünschter Effekt beobachtet. Der SCF nutzte 10 mg Kupfer pro Tag als NOAEL-Ausgangspunkt, weil in einer kleinen Supplementierungsstudie mit sieben gesunden Erwachsenen über 12 Wochen keine auffälligen Leberfunktionstests berichtet wurden. Zur Absicherung gegen Unterschiede innerhalb der gesunden Bevölkerung setzte das Gremium einen Unsicherheitsfaktor von 2 an.
Untersuchte Personen oder Datenbasis
Die Datenbasis war gemischt. Sie umfasste kurze Humanstudien mit Supplementierung oder erhöhter Kupferzufuhr, Angaben zur Kupferaufnahme in europäischen Ländern, Trinkwasserbefunde, Fallberichte hoher Aufnahmen und toxikologische Informationen aus Tier- und Labordaten.
Für Erwachsene nennt die Opinion europäische Aufnahmedaten aus mehreren Ländern. Die mittleren Aufnahmen aus Lebensmitteln lagen etwa im Bereich von 0,9 bis 2,3 mg/Tag, je nach Land, Geschlecht und Erhebungsmethode. Die 97,5. Perzentile lagen in einzelnen Erhebungen näher an den später abgeleiteten oberen Werten, wurden vom Gremium aber nicht als unmittelbare Besorgnis gewertet.
Für Kinder und Jugendliche leitete der SCF eigene Werte aus dem Erwachsenenwert ab. Für Schwangerschaft und Stillzeit wurde der Erwachsenenwert nicht übernommen, weil für diese Lebensphasen aus Sicht des Gremiums nicht genug Daten vorlagen.
Intervention, Exposition und Vergleich
Bewertet wurde die Gesamtaufnahme von Kupfer. Dazu gehören Lebensmittel, Trinkwasser, mögliche Beiträge aus Kupferleitungen, Nahrungsergänzungsmittel und besondere Expositionssituationen wie die Nutzung kupferhaltiger Gefäße in bestimmten Regionen.
Der wichtigste Ableitungsschritt lautete: 10 mg/Tag wurden als NOAEL betrachtet; durch Division mit einem Unsicherheitsfaktor von 2 ergab sich für Erwachsene ein tolerierbarer oberer Aufnahmewert von 5 mg/Tag. Für Kinder und Jugendliche wurden niedrigere Werte anhand des Körpergewichts abgeleitet.
Historisch ist diese Ableitung wichtig, weil sie einen europäischen Erwachsenenwert von 5 mg/Tag begründete. Der nordamerikanische Referenzrahmen aus dem Jahr 2001 arbeitete dagegen mit einem Erwachsenen-UL von 10 mg/Tag. Die EFSA-Neubewertung von 2023 griff den Bereich von 5 mg/Tag für Erwachsene erneut auf, begründete ihn aber stärker über Kupferretention und einen gesundheitsbezogenen Bewertungswert von 0,07 mg/kg Körpergewicht pro Tag. Der SCF-Wert von 2003 bleibt damit ein älterer, aber zentraler europäischer Sicherheitsrahmen.
Ergebnisse
Für Erwachsene leitete der SCF einen tolerierbaren oberen Aufnahmewert von 5 mg Kupfer pro Tag ab. Dieser Wert bezog sich auf die langfristige Gesamtaufnahme und nicht auf eine einzelne Produktmenge.
Für Kinder und Jugendliche nannte die Opinion altersbezogene Werte:
| Altersgruppe | Oberer Aufnahmewert laut SCF |
|---|---|
| 1-3 Jahre | 1 mg/Tag |
| 4-6 Jahre | 2 mg/Tag |
| 7-10 Jahre | 3 mg/Tag |
| 11-14 Jahre | 4 mg/Tag |
| 15-17 Jahre | 4 mg/Tag |
In der Risikobeschreibung hielt das Gremium fest, dass die mittleren Kupferaufnahmen von Erwachsenen und Kindern in EU-Ländern unter diesen Werten lagen. Die 97,5. Perzentile der Gesamtaufnahme lagen für alle Altersgruppen nahe an den oberen Werten, wurden aber vom SCF nicht als Anlass unmittelbarer Besorgnis bewertet. Zusätzliches Kupfer aus Trinkwasser sollte nach Einschätzung des Gremiums berücksichtigt werden, weil es in bestimmten Situationen relevant sein kann.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Die Opinion trennt chronische und akute Risiken. Für die langfristige Bewertung wurde die Leber ausgewählt, weil Leberschäden ein plausibler Ausdruck chronisch hoher Kupferbelastung sind. Akute Magen-Darm-Beschwerden wurden besonders mit Kupfer im Trinkwasser verbunden und eher als kurzfristiger lokaler Reizeffekt beschrieben.
Besondere Risikokontexte waren Wilson-Krankheit, Indian childhood cirrhosis, idiopathische Kupfertoxikose im Kindesalter, sehr hohe Kupfergehalte im Trinkwasser und die Nutzung kupferhaltiger Gefäße. Diese Kontexte zeigen, dass Kupferbelastung nicht nur von der aufgenommenen Menge abhängt, sondern auch von Ausscheidung, Alter, genetischer Veranlagung und Umweltbedingungen.
Die Quelle nennt außerdem Fallberichte deutlich höherer Aufnahmen. Ein Fall akuten Leberversagens wurde bei 30 mg/Tag über zwei Jahre und anschließend 60 mg/Tag über einen nicht genauer angegebenen Zeitraum beschrieben. Solche Fälle wurden nicht als normale Bevölkerungsdaten genutzt, markieren aber den Abstand zwischen üblichen Aufnahmen und klar gefährlichen Sonderexpositionen.
Grenzen der Aussagekraft
Die stärkste Grenze ist die kleine Humanbasis für den NOAEL. Die zentrale 10-mg/Tag-Studie umfasste nur sieben gesunde Erwachsene und dauerte 12 Wochen. Das reicht für eine historische Sicherheitsableitung, bildet aber keine breite Langzeitdatenbasis ab.
Eine weitere Grenze betrifft die Endpunkte. Leberfunktionstests können unauffällig bleiben, obwohl feinere Kupferspeicherung oder frühe biologische Veränderungen nicht vollständig erfasst wurden. Spätere Bewertungen legten deshalb mehr Gewicht auf Kupferretention als frühen Sicherheitsmarker.
Für Schwangerschaft und Stillzeit setzte der SCF keinen eigenen oberen Wert. Für Säuglinge unter einem Jahr enthält die Opinion ebenfalls keinen abgeleiteten Wert. Für Personen mit gestörter Kupferhomöostase ist die allgemeine Ableitung nicht geeignet.
Was die Quelle zeigt
Die SCF-Opinion zeigt, wie der historische europäische obere Aufnahmewert von 5 mg/Tag für Erwachsene abgeleitet wurde. Der Wert entstand aus einem 10-mg/Tag-NOAEL und einem Unsicherheitsfaktor von 2.
Die Quelle zeigt außerdem, warum Leber und Magen-Darm-Trakt getrennt betrachtet werden. Leberbefunde waren für die langfristige Sicherheitsbewertung entscheidend; Magen-Darm-Beschwerden waren vor allem bei akuten Trinkwasserexpositionen wichtig.
Die Quelle macht sichtbar, dass europäische und nordamerikanische Sicherheitsrahmen bei Kupfer nicht identisch waren. Der SCF-Wert von 5 mg/Tag lag niedriger als der nordamerikanische Erwachsenen-UL von 10 mg/Tag und wurde später im europäischen Raum in anderer Begründungslogik wieder aufgegriffen.
Was die Quelle nicht zeigt
Die Opinion zeigt nicht, welche Kupferaufnahme für eine einzelne Person passend ist. Sie gibt keine Supplementierungs-, Therapie-, Diagnose- oder Produktempfehlung.
Die Quelle zeigt nicht, dass 5 mg/Tag ein Zielwert ist. Der Wert beschreibt eine obere Gesamtaufnahme im historischen europäischen Bewertungsrahmen.
Die Quelle zeigt nicht, dass alle Personengruppen gleich belastbar sind. Schwangerschaft, Stillzeit, Säuglinge und Menschen mit gestörter Kupferhomöostase wurden nicht durch einen allgemeinen Erwachsenenwert abgedeckt.
Kompakte Faktenzusammenfassung
- Das Scientific Committee on Food bewertete 2003 die tolerierbare obere Aufnahme von Kupfer für die europäische Bevölkerung.
- Für Erwachsene wurde ein Wert von 5 mg Kupfer pro Tag als langfristige Gesamtaufnahme abgeleitet.
- Ausgangspunkt war ein NOAEL von 10 mg/Tag aus einer kleinen Humanstudie mit 12 Wochen Supplementierung.
- Das Gremium setzte einen Unsicherheitsfaktor von 2 ein, um Unterschiede innerhalb der gesunden Bevölkerung zu berücksichtigen.
- Der kritische Langzeitendpunkt war Leberschädigung; akute Magen-Darm-Effekte wurden vor allem im Trinkwasserkontext betrachtet.
- Für Kinder und Jugendliche wurden altersbezogene Werte von 1 bis 4 mg/Tag abgeleitet.
- Der 5-mg/Tag-Wert galt nicht für Schwangerschaft und Stillzeit, weil dafür aus Sicht des Gremiums unzureichende Daten vorlagen.
- Der Wert ist eine historische Sicherheitsgrenze, kein Bedarf, kein Zielwert und keine persönliche Dosierungsanweisung.