Magnesium – Referenzwerte für Calcium, Phosphor, Magnesium, Vitamin D und Fluorid

Das IOM leitet US-Referenzwerte aus Bilanzstudien ab und begrenzt zusätzliches Magnesium wegen des Durchfallrisikos.

Wie das Gutachten den Bedarf ableitete

Grundlage waren kontrollierte Magnesium-Bilanzstudien. Dabei werden Zufuhr und Ausscheidung gegenübergestellt, um abzuschätzen, bei welcher Aufnahme ein Gleichgewicht erreicht wird. Das IOM weist jedoch selbst auf Messprobleme hin: Magnesium in Nahrung, Urin und Stuhl lässt sich nicht fehlerfrei erfassen, und Verluste über Schweiß und Haut wurden in den meisten Untersuchungen nicht berücksichtigt.

Diese Grenzen und die kleine Studienbasis schränken die Präzision der Bedarfsableitung ein. Das Gutachten liefert daher keinen direkt gemessenen persönlichen Bedarf.

EAR und RDA für junge Erwachsene

Für Männer von 19 bis 30 Jahren leitete das IOM einen Estimated Average Requirement, kurz EAR, von 330 mg pro Tag ab. Die Recommended Dietary Allowance, kurz RDA, beträgt für diese Gruppe 400 mg pro Tag.

Für Frauen derselben Altersgruppe nennt die Quelle einen EAR von 255 mg und eine RDA von 310 mg pro Tag. Weil die Streuung des Magnesiumbedarfs nicht aus den vorhandenen Daten bestimmt werden konnte, nahm das IOM für die Umrechnung vom EAR zur RDA einen Variationskoeffizienten von 10 Prozent an. Dieser Wert ist eine methodische Annahme, keine gemessene Bedarfsstreuung.

Die Zahlen gehören zum US-IOM-System und folgen einer anderen Methodik als heutige EFSA- und D-A-CH-Schätzwerte. Der Überblick zu Magnesium ordnet die Systeme im größeren Zusammenhang ein.

Die Obergrenze betrifft zusätzliche Quellen

Für Jugendliche und Erwachsene über acht Jahre setzte das IOM einen Upper Intake Level von 350 mg Magnesium pro Tag aus zusätzlichen, nicht aus Lebensmitteln stammenden Quellen fest. Natürlich in Lebensmitteln vorkommendes Magnesium wurde nicht in diese Grenze einbezogen.

Als kritischen unerwünschten Effekt verwendete das IOM osmotischen Durchfall. Dieser kann durch Magnesiumsalze aus Nicht-Lebensmittelquellen entstehen und wird als früher, meist milder und reversibler Effekt beschrieben. Die Obergrenze ist deshalb ein Sicherheitswert für zusätzliche Quellen und kein anzustrebender Zufuhrwert.

Grenzen und Einordnung

Bilanzstudien, angenommene Bedarfsstreuung und ein quellenbezogener Sicherheitsendpunkt erfüllen unterschiedliche Aufgaben. EAR, RDA und UL dürfen daher weder untereinander noch mit einer persönlichen Supplementmenge gleichgesetzt werden. Auch der Vergleich mit europäischen Referenzwerten erfordert die jeweilige Ableitungsmethodik.

Fazit

Das IOM-Gutachten macht transparent, wie seine US-Referenzwerte entstanden sind und wo ihre Grenzen liegen. Für 19- bis 30-Jährige nennt es EAR/RDA-Werte von 330/400 mg für Männer und 255/310 mg für Frauen. Der UL von 350 mg bezieht sich dagegen auf zusätzliche Nicht-Lebensmittelquellen und schützt vor gastrointestinalen Effekten.

Quellen

  1. Institute of Medicine Standing Committee on the Scientific Evaluation of Dietary Reference Intakes (1997). Magnesium - Dietary Reference Intakes for Calcium, Phosphorus, Magnesium, Vitamin D, and Fluoride. National Academies Press / NCBI Bookshelf. DOI: 10.17226/5776.