Esmaeilinezhad et al. 2025: Probiotika und C.-difficile-assoziierte Diarrhö

Die Arbeit ist ein Cochrane Review mit Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien. Gesucht wurde in CENTRAL, Ovid MEDLINE und Ovid Embase vom 18. März 2017 bis zum 3. März 2025.

Kurzprofil

FeldInhalt
QuelleEsmaeilinezhad et al. (2025). Probiotics for the prevention of Clostridioides difficile-associated diarrhea in adults and children.
QuellentypCochrane Review mit Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien
WirkstoffbezugProbiotika allgemein; Saccharomyces boulardii nur als möglicher Einzelstamm innerhalb einer breiten Probiotika-Frage
Land/Kontextinternationale Studienlage; Cochrane Database of Systematic Reviews
Datenbasis47 eingeschlossene Studien mit 15.260 Teilnehmenden
PopulationErwachsene und Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen Antibiotika erhielten
Zentrale EndpunkteC.-difficile-assoziierte Diarrhö, C.-difficile-Nachweis im Stuhl ohne Symptome, unerwünschte Ereignisse, antibiotikaassoziierte Diarrhö, Krankenhausaufenthalt
Originalquellehttps://doi.org/10.1002/14651858.CD006095.pub5
PubMed / PMIDhttps://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40931979/; PMID: 40931979
PMCIDPMC12424122; PubMed nennt eine Freigabe ab 2026-09-11
VolltextstatusPubMed-Abstract und Cochrane-Evidence-Page frei zugänglich; Cochrane-Vollreview im Abruf nicht frei auslesbar; PMC-Volltext laut PubMed erst ab 2026-09-11 verfügbar

Esmaeilinezhad et al. aktualisierten den Cochrane-Review zu Probiotika bei Menschen, die Antibiotika erhielten. Die zentrale Frage war, ob Probiotika das Auftreten einer C.-difficile-assoziierten Diarrhö verringern und ob dabei unerwünschte Ereignisse häufiger werden. Die Arbeit ist für Saccharomyces boulardii wichtig, weil diese Hefe in der Praxis oft in diesem Umfeld diskutiert wird. Der Review selbst ist jedoch nicht S.-boulardii-exklusiv, sondern bündelt verschiedene probiotische Stämme, Spezies, Mischungen und Dosierungen.

Hintergrund und Fragestellung

Antibiotika können die normale Darmmikrobiota stören. Dadurch kann der Schutz gegen Erreger wie Clostridioides difficile schwächer werden. Eine C.-difficile-assoziierte Diarrhö, kurz CDAD, ist dabei ein klinisch relevanter Sonderfall: Sie reicht von Durchfall bis zu schweren Darmentzündungen.

Der Cochrane-Review fragte, ob Probiotika bei Erwachsenen und Kindern unter Antibiotikatherapie CDAD verhindern können. Zusätzlich wurden Sicherheit, C.-difficile-Nachweis im Stuhl ohne Symptome, antibiotikaassoziierte Diarrhö und Krankenhausaufenthalt betrachtet. Die Fragestellung bezog sich ausdrücklich auf Probiotika jeder Sorte und jeder Dosis. Deshalb darf der zusammengefasste Haupteffekt nicht als eigener Wirksamkeitswert für Saccharomyces boulardii gelesen werden.

Methodik der Zusammenfassung

Die Autorengruppe suchte in CENTRAL, Ovid MEDLINE und Ovid Embase vom 18. März 2017 bis zum 3. März 2025. Der Zeitraum schloss an den Suchstichtag der vorherigen Review-Version an. Eingeschlossen wurden randomisierte kontrollierte Studien, in denen Probiotika mit Placebo, alternativer Vorbeugung oder keiner Zusatzbehandlung verglichen wurden. Die Teilnehmenden mussten Antibiotika aus irgendeinem Grund erhalten.

Zwei Review-Autoren bewerteten unabhängig das Verzerrungsrisiko mit dem Cochrane-RoB-1-Werkzeug. Dichotome Endpunkte wurden als relatives Risiko mit 95-%-Konfidenzintervall zusammengefasst. Für kontinuierliche Endpunkte wurde die mittlere Differenz genutzt. Die Auswertung verwendete Random-Effects-Modelle und prüfte in Sensitivitätsanalysen, wie fehlende Ergebnisdaten die Befunde beeinflussen könnten.

Geplante Untergruppen betrafen unter anderem Verzerrungsrisiko, Probiotika-Dosis, Probiotika-Spezies, Erwachsene gegenüber Kindern, stationäre gegenüber ambulante Settings und das CDAD-Ausgangsrisiko in der Kontrollgruppe. Die frei zugänglichen Zusammenfassungen nennen diese Untergruppen, liefern aber keine vollständig auswertbaren S.-boulardii-spezifischen Effektzahlen.

Eingeschlossene Studien

Insgesamt wurden 47 Studien mit 15.260 Teilnehmenden eingeschlossen. Acht Studien mit 4.595 Teilnehmenden waren neu gegenüber der vorherigen Review-Version. Die Studien untersuchten Erwachsene und Kinder in unterschiedlichen Antibiotika-Kontexten. Die Probiotika konnten verschiedene Stämme, Spezies, Mischungen und Dosierungen umfassen.

Für den CDAD-Hauptendpunkt lagen Daten aus 38 Studien mit 13.179 Teilnehmenden vor. Für antibiotikaassoziierte Diarrhö wurden 40 Studien mit 13.419 Teilnehmenden zusammengefasst. Für unerwünschte Ereignisse berichteten 37 Studien mit 11.911 Teilnehmenden Daten. Sieben Studien mit 6.553 Teilnehmenden untersuchten die Länge des Krankenhausaufenthalts.

Die vollständige Einzelstudienliste, die einzelnen Stämme je Studienarm und die S.-boulardii-spezifischen Studienbeiträge sind aus PubMed-Abstract und Cochrane-Evidence-Page nicht vollständig rekonstruierbar. Die Arbeit bleibt daher ein aktueller CDAD-Kontext für Probiotika insgesamt, aber kein alleiniger S.-boulardii-Nachweis.

Ergebnisse

Für CDAD zeigte die gepoolte Analyse ein niedrigeres Ereignisrisiko unter Probiotika. In 38 Studien mit 13.179 Teilnehmenden trat CDAD bei 110 von 6.787 Personen in der Probiotika-Gruppe auf, entsprechend 1,6 %. In den Kontrollgruppen waren es 203 von 6.392 Personen, entsprechend 3,2 %. Das relative Risiko lag bei 0,50 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,38 bis 0,64. Die absolute Risikoreduktion betrug 1,6 Prozentpunkte. Die Autorengruppe ordnete die Aussagesicherheit für diesen Endpunkt als niedrig ein.

Die berechnete Number Needed to Treat lag bei 65, mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 48 bis 97. Das entspricht im Studienpool einem verhinderten CDAD-Fall pro etwa 65 Personen in der Probiotika-Gruppe im Vergleich zur Kontrollbedingung. Diese Zahl ist eine zusammengefasste Studiengröße und keine persönliche Einnahmeempfehlung.

Für den Nachweis von C. difficile im Stuhl ohne Symptome war der Unterschied nicht statistisch klar. In 16 Studien mit 1.302 Teilnehmenden lag das relative Risiko bei 0,87 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,68 bis 1,11. Die Autorengruppe berichtete eine kleine absolute Differenz, aber keinen belastbaren Gruppenvorteil.

Antibiotikaassoziierte Diarrhö war ebenfalls niedriger in den Probiotika-Gruppen. In 40 Studien mit 13.419 Teilnehmenden lag das Risiko bei 23,0 % gegenüber 27,4 % in den Kontrollgruppen. Das relative Risiko betrug 0,67 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,57 bis 0,78. Auch dieser Befund betrifft Probiotika insgesamt und ist nicht automatisch auf einen einzelnen Stamm übertragbar.

Für die Länge des Krankenhausaufenthalts fanden die sieben berichtenden Studien wahrscheinlich wenig bis keinen Unterschied zwischen Probiotika und Kontrollbedingungen.

Nebenwirkungen und Sicherheit

37 Studien mit 11.911 Teilnehmenden berichteten unerwünschte Ereignisse. In der Probiotika-Gruppe traten sie bei 669 von 6.148 Personen auf, entsprechend 10,9 %. In den Kontrollgruppen waren es 701 von 5.763 Personen, entsprechend 12,2 %. Das relative Risiko lag bei 0,86 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,72 bis 1,01. Die Autorengruppe bewertete diesen Sicherheitsendpunkt mit moderater Aussagesicherheit und beschrieb eher weniger leichte bis mäßige unerwünschte Ereignisse in der Probiotika-Gruppe.

Zu den häufigsten berichteten Ereignissen gehörten Bauchkrämpfe, Übelkeit, Fieber, weicher Stuhl, Blähungen und Geschmacksstörungen. Diese Ereignisse kamen in beiden Gruppen vor.

Die Sicherheitsinterpretation ist eng zu begrenzen. Die Autorengruppe formulierte ihre Schlussfolgerung für kurzfristige Anwendung in Populationen unter systemischen Antibiotika, die nicht immungeschwächt waren. Der Review klärt nicht die Sicherheit bei schwer kranken, immunsupprimierten oder katheterisierten Personen. Für Saccharomyces boulardii ist diese Grenze besonders wichtig, weil andere Quellen seltene Fungämien und Katheterrisiken beschreiben.

Grenzen der Aussagekraft

Die wichtigste Grenze ist die Breite der Intervention. Der Review prüfte Probiotika jeder Sorte und Dosis. Ohne vollständig zugängliche Subgruppen- und Einzelstudientabellen lässt sich aus diesem Material kein eigener quantitativer Effekt für Saccharomyces boulardii ableiten.

Eine zweite Grenze betrifft fehlende Ergebnisdaten. Bei 27 von 38 Studien zum CDAD-Endpunkt fehlten CDAD-Daten in unterschiedlichem Umfang, von 2 % bis 45 %. Die Sensitivitätsanalysen sprachen zwar für robuste Hauptergebnisse unter plausiblen Annahmen, trotzdem bleibt dies eine methodische Einschränkung.

Drittens hatten einzelne Studien Probleme beim Verzerrungsrisiko, vor allem bei Sequenzgenerierung oder verdeckter Zuteilung. Etwa 30 % der Studien hatten kein veröffentlichtes Protokoll oder keine Studienregistrierung. In manchen Fällen passten berichtete Methoden und publizierte Ergebnisse nicht vollständig zusammen.

Viertens berichtete der Review, dass in 28 Studien Autorenzugehörigkeiten zu Probiotika-Unternehmen oder finanzielle Unterstützung durch Probiotika-Unternehmen vorkamen. Das macht die Ergebnisse nicht ungültig, muss aber bei der Einordnung der Studienbasis mitgedacht werden.

Fünftens zeigten die zwei größten Studien der Analyse laut Cochrane-Zusammenfassung keinen klaren Nutzen von Probiotika gegen CDAD. Dadurch bleibt die Frage nach dem Nutzen besonders bei niedrigem Ausgangsrisiko offen.

Was die Studie zeigt

Der Cochrane-Review zeigt, dass Probiotika im zusammengefassten Studienpool mit weniger CDAD-Fällen verbunden waren als Placebo, keine Zusatzbehandlung oder andere Kontrollbedingungen. Der absolute Unterschied war klein, das relative Risiko lag etwa halb so hoch wie in den Kontrollgruppen, und die Aussagesicherheit für CDAD war niedrig.

Die Arbeit zeigt außerdem ein niedrigeres Risiko für antibiotikaassoziierte Diarrhö insgesamt. Für unerwünschte Ereignisse ergab sich kein Hinweis auf mehr harmlose bis mäßige Ereignisse unter Probiotika; die gepoolte Schätzung lag eher zugunsten der Probiotika-Gruppe.

Was die Studie nicht zeigt

Der Review zeigt nicht, dass Saccharomyces boulardii allein den berichteten CDAD-Effekt erklärt. Er zeigt auch nicht, welcher Stamm, welche Kombination, welche Produktform oder welche Menge am besten wirkt. Direkte Vergleiche zwischen verschiedenen Probiotika fehlten.

Die Arbeit liefert keine Präventions-, Therapie-, Diagnose-, Dosierungs-, Produkt- oder Kaufempfehlung. Sie ersetzt auch keine Sicherheitsbewertung für immungeschwächte, schwer kranke oder katheterisierte Personen und erlaubt keine Übertragung auf Menschen ohne Antibiotikatherapie.

Fazit

Esmaeilinezhad et al. liefern den aktuellsten Cochrane-Kontext zu Probiotika und C.-difficile-assoziierter Diarrhö bis März 2025. Die gepoolten Daten sprechen für einen kleinen absoluten Rückgang von CDAD bei Menschen unter Antibiotika, aber die Aussagesicherheit ist niedrig und die Interventionen sind sehr unterschiedlich. Für Saccharomyces boulardii ist der Review deshalb ein wichtiger Hintergrund zur CDAD-Frage, aber kein S.-boulardii-exklusiver Wirksamkeitsbeleg. Sicherheitsdaten gelten nur für die eingeschlossenen Studienpopulationen und nicht für bekannte Hochrisikokontexte.

Eingeschlossene Einzelstudien

Die vollständige verifizierte Liste der 47 eingeschlossenen Studien und ihre Stammzuordnung sind aus den frei zugänglichen Abrufen nicht vollständig verfügbar.

EinzelstudiengruppeEinordnung aus frei zugänglichen AngabenLocator
47 eingeschlossene randomisierte StudienProbiotika jeder Sorte und Dosis bei Erwachsenen und Kindern unter Antibiotikatherapie; acht neue Studien seit der vorherigen Review-Versionhttps://doi.org/10.1002/14651858.CD006095.pub5
S.-boulardii-spezifische BeiträgeIm Review als mögliche Probiotika-Spezies-Untergruppe relevant, aber ohne frei zugängliche Subgruppenzahlen und Einzelstudientabellen nicht vollständig quantifizierbarhttps://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40931979/

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Die Arbeit ist ein Cochrane Review mit Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien.
  • Gesucht wurde in CENTRAL, Ovid MEDLINE und Ovid Embase vom 18. März 2017 bis zum 3. März 2025.
  • Eingeschlossen wurden 47 Studien mit 15.260 Erwachsenen und Kindern unter Antibiotikatherapie.
  • Acht Studien mit 4.595 Teilnehmenden waren neu gegenüber der vorherigen Review-Version.
  • Der kritische Endpunkt war C.-difficile-assoziierte Diarrhö.
  • Für CDAD wurden 38 Studien mit 13.179 Teilnehmenden ausgewertet.
  • CDAD trat bei 1,6 % der Personen in den Probiotika-Gruppen und bei 3,2 % der Personen in den Kontrollgruppen auf.
  • Das relative Risiko für CDAD betrug 0,50 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,38 bis 0,64.
  • Die absolute Risikoreduktion für CDAD betrug 1,6 Prozentpunkte; die Number Needed to Treat lag bei 65.
  • Für antibiotikaassoziierte Diarrhö lag das relative Risiko bei 0,67 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,57 bis 0,78.
  • Unerwünschte Ereignisse traten bei 10,9 % in den Probiotika-Gruppen und bei 12,2 % in den Kontrollgruppen auf.
  • Der Sicherheitsbefund gilt nur für die untersuchten Populationen und klärt Hochrisikogruppen nicht.
  • Der Review ist nicht S.-boulardii-exklusiv und erlaubt keine stammspezifische Empfehlung.
  • PubMed nennt PMCID PMC12424122 mit Freigabe ab 2026-09-11; dieser Lauf nutzte frei zugängliche PubMed- und Cochrane-Zusammenfassungen sowie DOI-/Locatorprüfung.

Quellen

  1. Originalquelle
  2. PubMed
  3. Volltext
  4. Cochrane Evidence summary for CD006095.