Saccharomyces boulardii: lebende Hefe mit engen Studiengrenzen

Saccharomyces boulardii verständlich erklärt: lebende Hefe, Stammgrenzen, AAD, CDI/CDAD, akute Diarrhö, Reisediarrhö, H.-pylori und Fungämierisiko.

Saccharomyces boulardii ist eine lebende Hefe. Sie wird oft im Probiotika-Umfeld genannt, ist aber keine bakterielle Probiotika-Art und kein Nährstoff wie Vitamin C, Magnesium oder Eisen.

Der wichtigste Punkt ist die Grenze der Aussage. Studien zu einem bestimmten Stamm, etwa CNCM I-745, CNCM I-1079 oder CBS 5926, gelten nicht automatisch für andere Stämme, andere Produkte oder allgemeine Darmflora-Versprechen. Gleichzeitig ist die Sicherheit nicht banal: Weil S. boulardii lebend ist, sind Fungämie, zentrale Venenkatheter, schwere Erkrankung, Immunsuppression und Intensivkontexte zentrale Risikothemen.

Auf einen Blick

  • Saccharomyces boulardii ist eine lebende Hefe, kein Bakterium. Sie gehört taxonomisch nahe zu Saccharomyces cerevisiae.
  • Es gibt keinen DGE-Bedarf, keinen klassischen Mangel, keinen offiziellen oberen Grenzwert und keine allgemeine sichere Standardmenge für S. boulardii.
  • Studienkontexte sind vor allem antibiotikaassoziierte Diarrhö, C.-difficile-assoziierte Diarrhö, akute Diarrhö/Gastroenteritis bei Kindern, Reisediarrhö und H.-pylori-Begleittherapien.
  • Die Studienlage ist nicht einheitlich: positive Meta-Analysen stehen neben einer späteren neutralen Erwachsenen-RCT und zurückhaltenden CDI-Leitlinien.
  • Sicherheit gehört nach vorn: Bei schwerer Erkrankung, Immunsuppression, zentralen Venenkathetern und Intensivumgebungen wurden Fungämie- und Handhabungsrisiken beschrieben.

Inhaltsübersicht

1. Was ist Saccharomyces boulardii?

Saccharomyces boulardii ist eine Hefe. Hefen sind Pilze und damit biologisch anders als die Bakterien, die viele Menschen mit Probiotika verbinden.

In älteren und neueren Quellen wird S. boulardii häufig als Saccharomyces cerevisiae var. boulardii beschrieben. Das zeigt: Die Abgrenzung ist stamm- und taxonomienah. Für Nutzer zählt deshalb nicht nur der Name auf der Vorderseite eines Produkts, sondern der genaue Stamm, die lebende Menge und der untersuchte Kontext.

Der Körper braucht S. boulardii nicht wie einen essenziellen Nährstoff. Es gibt keinen bekannten S.-boulardii-Speicher, keinen täglichen Bedarf und keinen Mangelzustand. Die Hefe wird als lebender Mikroorganismus in Studien geprüft, meist zeitlich begrenzt und in konkreten Situationen.

Merkkasten

S. boulardii ist nicht "Darmflora zum Auffüllen". Besser ist die Frage: Welcher lebende Hefestamm wurde bei welcher Gruppe, in welcher Menge, für welchen Endpunkt und mit welchen Sicherheitsgrenzen untersucht?

2. Formen, Stämme und KBE/CFU

Bei S. boulardii ist der Stamm nicht Nebensache. CNCM I-745, CNCM I-1079, CBS 5926 und breite Angaben zu S. boulardii dürfen nicht automatisch gleichgesetzt werden.

Viele Studien und Behördenquellen arbeiten mit KBE oder CFU. KBE bedeutet koloniebildende Einheiten; CFU ist die englische Abkürzung dafür. Gemeint ist die Zahl lebender Mikroorganismen, die unter Laborbedingungen Kolonien bilden können. Das ist wichtig, aber kein Nutzenbeweis und keine persönliche Dosierung.

BegriffEinfach erklärtWarum es wichtig ist
Saccharomyces boulardiilebende Hefe im Probiotika-Umfeldnicht mit bakteriellen Probiotika verwechseln
CNCM I-745häufig untersuchter S.-boulardii-StammDaten zu diesem Stamm gelten nicht automatisch für CNCM I-1079 oder andere Stämme
CNCM I-1079Stamm aus einer EFSA-Health-Claim-BewertungEFSA bestätigte den beantragten Claim nicht, weil die eingereichten Humanstudien nicht mit diesem Stamm durchgeführt wurden
CBS 5926 / Hansen CBS 5926Stammbezeichnung in einzelnen Quellen und Studiennicht ohne Beleg mit CNCM I-1079 oder anderen Stämmen gleichsetzen
KBE/CFUzählbare lebensfähige Einheiten im LaborEtikettzahl, Studienmenge und Wirksamkeit sind nicht dasselbe
nicht lebensfähige Formenhitzeinaktivierte oder anders abgetötete Mikroorganismenfallen nicht unter die gleiche Lebendhefe-Logik

Health Canada beschreibt Probiotika im Natural-Health-Product-Kontext als lebende Mikroorganismen und verlangt Angaben zu Identität, Stamm, Lebensfähigkeit und KBE/CFU. Die Monographie nennt für bestimmte kanadische Labelkontexte CFU-Bereiche, unter anderem 1,0 x 10^10 bis 3,0 x 10^10 CFU pro Tag für S. boulardii oder S. cerevisiae im AAD-Kontext. Diese Zahlen sind regulatorischer Kontext, keine Anwendungsempfehlung und kein allgemeiner sicherer Grenzwert.

3. Wie S. boulardii im Darm verstanden wird

S. boulardii wird als lebende Hefe untersucht, die vorübergehend mit dem Darmmilieu in Kontakt kommt. Das ist etwas anderes als ein Nährstoff, den der Körper einbaut oder speichert.

Studien und Übersichten diskutieren mehrere mögliche Mechanismen: Konkurrenz mit Krankheitserregern, Einfluss auf Toxine, Wechselwirkung mit der Darmbarriere und Veränderungen von Entzündungsmarkern. Solche Mechanismen erklären, warum die Hefe überhaupt untersucht wird. Sie beweisen aber nicht allein, dass ein Produkt bei einem Menschen wirkt.

Wichtig ist außerdem: Viele Studien prüfen kurze Zeiträume. Bei akuter Diarrhö, Antibiotikagabe oder H.-pylori-Eradikationsschemata geht es um Tage oder wenige Wochen. Daraus folgt keine sichere Aussage über langfristige Mikrobiomveränderungen.

4. Bedarf, Mangel und obere Grenze

Für S. boulardii gibt es keinen Bedarf wie bei Vitaminen oder Mineralstoffen. Deshalb darf auch kein Mangel oder oberer Grenzwert erfunden werden.

Der verwendete Datenbestand enthält keinen DGE-Referenzwert, keinen klassischen Mangelmarker und keinen offiziellen UL. UL bedeutet "Tolerable Upper Intake Level", also eine obere Aufnahmemenge, die bei Nährstoffen manchmal festgelegt wird. Für eine lebende Hefe passt dieses Nährstoffmodell nicht.

FrageStand für S. boulardiiWas daraus folgt
DGE-Bedarfnicht vorhandenkeine Tagesbedarfs-Aussage
klassischer Mangelnicht vorhandenkein "S.-boulardii-Mangel"
offizieller ULnicht vorhandenkeine allgemeine Obergrenze ableiten
Studienmengenje nach Studie oder Monographie unterschiedlichnur als Kontext nennen
KBE/CFUwichtig für lebende Produktekeine automatische Wirkung und keine Sicherheitsfreigabe

5. Sicherheit: lebende Hefe kann in Risikokontexten problematisch werden

Die Sicherheit von S. boulardii ist kein Randthema. Weil es eine lebende Hefe ist, können Risikosituationen anders aussehen als bei einem Mineralstoff oder einem hitzeinaktivierten Stoff.

Fungämie bedeutet, dass Hefepilze im Blut nachgewiesen werden. Das ist ein ernstes Ereignis, besonders bei Menschen mit schwerer Krankheit, geschwächter Abwehr, verletzter Darmbarriere oder Kathetern. Die belgische FAMHP-Warnung beschreibt S.-boulardii-haltige Arzneimittel als kontraindiziert für schwer kranke oder immunsupprimierte Personen. Sie nennt außerdem zentrale Venenkatheter und die Handhabung lebender Mikroorganismen in Katheterumgebungen.

Die finnische Registerstudie von Rannikko et al. betrachtete 46 Personen mit Saccharomyces-Fungämie in fünf Universitätskliniken. Bei 20 von 46 Fällen war eine S.-boulardii-Anwendung am Tag der Blutkultur oder in den sieben Tagen davor dokumentiert. Gegenüber Blutkultur-Kontrollen lag das Odds Ratio bei 14. Das ist ein starkes Zusammenhangssignal, aber keine absolute Häufigkeit pro Anwenderzahl. Die Betroffenen waren überwiegend hospitalisierte, oft ältere und schwer kranke Menschen.

RisikosituationWarum sie zähltWas die Quellen zeigen
zentrale Venenkatheterlebende Hefezellen können in Katheterumgebungen ein besonderes Risiko darstellenFAMHP nennt zentrale Venenkatheter als bekannten Risikokontext
schwere ErkrankungBarrieren und Abwehr können geschwächt seinFAMHP beschreibt schwer kranke Personen als kontraindizierten Kontext
Immunsuppressionder Körper kann Mikroorganismen schlechter kontrollierenFAMHP und Health Canada nennen immungeschwächte Situationen als relevante Grenze
Intensiv- und Krankenhausumgebungviele Eintrittswege, Antibiotika und schwere Grunderkrankungen treffen zusammenRannikko et al. fanden den Zusammenhang in Universitätskliniken
Handhabung lebender HefeKapseln, Pulver oder Beutel können lebende Zellen freisetzenFAMHP betont besondere Aufmerksamkeit im Umfeld zentraler oder peripherer Katheter
ungeklärte ProduktqualitätStamm, Lebensfähigkeit und tatsächliche Menge können abweichenHealth Canada fordert Identität, Stammcharakterisierung und CFU-Angaben, zeigt aber keine unabhängige Marktprüfung

Sicherheits-Callout

"Natürlich" oder "probiotisch" bedeutet nicht automatisch harmlos. Bei S. boulardii ist die Lebendhefe selbst der Grund für die besondere Aufmerksamkeit: Sie soll biologisch aktiv sein, kann in Hochrisikosituationen aber zum Problem werden.

Wofür wird Saccharomyces boulardii normalerweise supplementiert?

S. boulardii wird meist in bestimmten Magen-Darm-Kontexten genutzt. Das sind Studienkontexte, keine Empfehlungen.

Die folgenden Abschnitte trennen AAD, CDI/CDAD, akute Diarrhö/Gastroenteritis, Reisediarrhö und H.-pylori. Diese Trennung ist wichtig, weil ein Signal aus einem Kontext nicht automatisch für einen anderen gilt.

Antibiotikaassoziierte Diarrhö (AAD)

AAD bedeutet Durchfall während oder nach einer Antibiotikatherapie. S. boulardii wurde hier besonders häufig untersucht.

Die Meta-Analyse von Szajewska und Kołodziej 2015 fand in 21 randomisierten Studien mit 4.780 Personen ein niedrigeres AAD-Risiko unter S. boulardii. In der Gesamtauswertung sank das Risiko von 18,7 % in den Kontrollgruppen auf 8,5 % in den S.-boulardii-Gruppen. Das relative Risiko lag bei 0,47. Bei Kindern und Erwachsenen wurden ebenfalls getrennte positive Signale berichtet.

Die spätere Erwachsenen-RCT von Ehrhardt et al. 2016 passte nicht einfach in dieses positive Bild. Sie untersuchte hospitalisierte Erwachsene und wurde wegen geringer Erfolgsaussicht vorzeitig beendet. AAD trat ähnlich häufig auf: 21 Episoden in der S.-boulardii-Gruppe und 19 Episoden in der Placebogruppe. Personen mit zentralem Venenkatheter oder Immunsuppression waren ausgeschlossen.

Das bedeutet: AAD ist ein wichtiger Studienkontext, aber kein Freifahrtschein. Ältere Meta-Daten, eine spätere neutrale RCT, Ausschluss von Hochrisikogruppen, unvollständige Dosisdetails und Stammfragen müssen zusammen gelesen werden.

CDI und CDAD

CDI bedeutet Clostridioides-difficile-Infektion. CDAD meint C.-difficile-assoziierte Diarrhö, also Durchfall im Zusammenhang mit diesem Erreger.

Der Cochrane-Review von Esmaeilinezhad et al. 2025 fand im Probiotika-Gesamtpool weniger CDAD-Fälle: 1,6 % in Probiotika-Gruppen gegenüber 3,2 % in Kontrollgruppen. Das relative Risiko lag bei 0,50. Dieser Review ist aber nicht S.-boulardii-exklusiv. Vollständig quantifizierbare S.-boulardii-spezifische Effekte waren im frei zugänglichen Material nicht sauber ableitbar.

Die Leitlinien machen den Kontext noch vorsichtiger. Die AGA-Leitlinie 2020 nennt S. boulardii in einem engen Antibiotika-/C.-difficile-Präventionskontext, bewertet aber je nach Erkrankung und Stamm sehr unterschiedlich. Die ACG-Leitlinie 2021 spricht sich gegen Probiotika zur primären CDI-Prävention bei Menschen unter Antibiotikatherapie und gegen Probiotika zur Rezidivprävention aus. Sie begründet das mit methodischen Grenzen, Übertragbarkeit, Sicherheit und Produktqualität.

Für Leser ist die Kernaussage: CDI/CDAD ist ein enger medizinischer Kontext. Positive Pooling-Ergebnisse, AGA-Nennungen und ACG-Zurückhaltung müssen nebeneinander stehen bleiben. Daraus entsteht keine persönliche Präventions- oder Therapieanweisung.

Akute Diarrhö und Gastroenteritis

Akute Gastroenteritis bedeutet eine plötzlich auftretende Magen-Darm-Entzündung, meist mit Durchfall, manchmal mit Erbrechen oder Fieber. Dieser Kontext ist nicht dasselbe wie AAD oder CDI.

McFarland und Li 2025 werteten zehn chinesische Studien zu S. boulardii CNCM I-745 bei Kindern aus. Die gepoolte Diarrhödauer war in den S.-boulardii-Gruppen kürzer; die standardisierte mittlere Differenz entsprach etwa -1,63 Tagen. Die Studien betrafen Kinder von unter einem Monat bis sechs Jahren, meist stationär. Die Grenzen sind wichtig: alle Studien nutzten offene Kontrollen, keine Placebos, keine Studie hatte niedriges Verzerrungsrisiko, und die Daten sind regional auf China begrenzt.

Szajewska et al. 2020 betrachteten breiter akute Gastroenteritis bei Kindern. Sie fanden eine kürzere Diarrhödauer und kürzere Hospitalisierung, beschrieben aber die Aussage zu mehreren Endpunkten als niedrig bis sehr niedrig abgesichert. Heterogenität, methodische Schwächen und Paywall-Grenzen bleiben relevant.

Akute Diarrhö/Gastroenteritis ist deshalb ein eigener Studienbereich. Er erlaubt keine automatische Aussage für Erwachsene, AAD, CDI, Reisediarrhö oder H.-pylori.

Reisediarrhö

Reisediarrhö ist Durchfall im Reiseumfeld. Die S.-boulardii-Daten dazu sind stammbezogen, aber älter und nicht vollständig frei zugänglich.

McFarland und Goh 2019 fanden für S. boulardii CNCM I-745 ein niedrigeres Reisediarrhö-Risiko mit einem relativen Risiko von 0,79 und einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,72 bis 0,87. Die Quelle trennt einzelne Probiotika voneinander; sie zeigt also gerade keine pauschale Wirkung aller Probiotika.

Die Grenzen bleiben groß: Der Volltext war im legalen freien Zugriff nicht verfügbar, Reiseziele, genaue Populationen, Mengen, Einnahmezeitpunkt und Endpunktdefinitionen bleiben teilweise INPUT_GAP. Außerdem endete die Suche im Juni 2018. Reisediarrhö-Daten sollten daher nicht als allgemeine Reiseberatung oder Produktregel gelesen werden.

H.-pylori-Begleitkontext

H. pylori ist ein Bakterium, das den Magen besiedeln kann. In Studien zu S. boulardii geht es nicht darum, eine Behandlung zu ersetzen, sondern um Begleitkontexte neben Eradikationsschemata.

Chen et al. 2024 betrachteten S. boulardii zusätzlich zur Bismut-Quadrupeltherapie. In der Intention-to-treat-Auswertung lag die Eradikationsrate bei 87,0 % mit S. boulardii plus Therapie und 83,3 % mit Therapie allein. In der Per-protocol-Auswertung war der Unterschied nicht statistisch signifikant. Häufige unerwünschte Ereignisse wie Diarrhö, Verstopfung und Blähbauch waren in den S.-boulardii-Gruppen seltener.

Li und Xie 2025 fassten 19 Studien zu S. boulardii als Begleitung verschiedener H.-pylori-Eradikationsregime zusammen. Sie berichteten ein höheres gepooltes relatives Risiko für Eradikation und weniger häufige unerwünschte Ereignisse, darunter Diarrhö und Übelkeit. Gleichzeitig unterschieden sich Länder, Altersgruppen, Therapieschemata, Dauer, Produktprotokolle und Nachbeobachtung.

Der H.-pylori-Kontext bleibt damit adjunct, also begleitend und studienbezogen. Er ist kein Ersatz für Diagnostik oder Behandlung und keine Anleitung zu Menge, Produkt oder Dauer.

6. Was nicht sauber behauptet werden kann

Viele typische Werbe- oder Alltagsaussagen gehen weiter als die vorliegenden Quellen. Genau dort braucht S. boulardii enge Sprache.

BehauptungWarum sie problematisch ist
"S. boulardii stärkt die Darmflora allgemein"Die Studien betreffen konkrete Endpunkte, nicht allgemeine Darmflora-Versprechen
"Alle S.-boulardii-Produkte sind gleich"EFSA und Health Canada zeigen, warum Stammidentität und Lebensfähigkeit getrennt geprüft werden müssen
"CNCM I-745, CNCM I-1079 und CBS 5926 sind austauschbar"EFSA akzeptierte die Übertragung von Studien zu anderen Stämmen auf CNCM I-1079 nicht
"IBS oder IBD sind gut belegt"Der vorhandene Input beschreibt IBS/IBD als dünn und heterogen, nicht als robusten Nutzungsanker
"KBE/CFU zeigt die richtige Menge"KBE/CFU beschreibt lebende zählbare Einheiten, nicht Nutzen oder Sicherheit
"Ein Probiotikum ist bei CDI grundsätzlich sinnvoll"ACG 2021 spricht sich im CDI-Kontext gegen Probiotika zur Prävention aus; AGA und Cochrane müssen differenziert gelesen werden
"Sicherheit ist bei gesunden und schwer kranken Menschen gleich"Fungämie-, Katheter- und Immunsuppressionsthemen widersprechen dieser Vereinfachung

7. Häufige Verwechslungen

Die meisten Missverständnisse entstehen, weil S. boulardii wie ein normales bakterielles Probiotikum oder wie ein Nährstoff behandelt wird.

VerwechslungBesseres Verständnis
S. boulardii ist ein BakteriumEs ist eine Hefe, also ein Pilz
S. boulardii ist dasselbe wie Probiotika allgemeinEs ist ein spezieller Lebendhefe-Kontext innerhalb des Probiotika-Feldes
eine positive Studie gilt für jeden StammStamm, Produkt, KBE/CFU, Zielgruppe und Endpunkt müssen passen
ein Health-Claim-Urteil erklärt allesEFSA CNCM I-1079 betrifft einen bestimmten Claim und Stamm, nicht alle S.-boulardii-Daten
Studienmengen sind EinnahmeempfehlungenStudienmengen beschreiben Protokolle, keine persönliche Dosierung
fehlender DGE-Wert ist ein DatenfehlerS. boulardii ist kein essenzieller Nährstoff mit Bedarf

8. Offene Fragen

Einige Punkte bleiben wichtig offen. Diese Lücken schützen vor zu breiten Aussagen.

  • Produktstabilität und reale Produktqualität: Health Canada beschreibt Anforderungen an Identität, KBE/CFU und Lebensfähigkeit. Unabhängige Markt- oder Stabilitätsdaten zu konkreten S.-boulardii-Produkten liegen im verwendeten Input nicht vor: INPUT_GAP.
  • Reisediarrhö: Die stammbezogene Evidenz zu CNCM I-745 ist älter und nicht vollständig frei zugänglich: INPUT_GAP.
  • IBS und IBD: Die Quellen tragen keine robuste positive Hauptaussage. Dieser Bereich bleibt ein Abgrenzungsthema.
  • Hochrisikogruppen: FAMHP und Rannikko et al. zeigen Risikokontexte, aber keine absolute Häufigkeit pro Anwenderzahl.
  • Stammgleichheit: CNCM I-745, CNCM I-1079, CBS 5926 und breite S.-boulardii-Angaben bleiben getrennt.

Grafikidee: Warum eine S.-boulardii-Aussage eng bleibt

Ziel: Eine einfache Flussgrafik soll zeigen, warum aus "S. boulardii" nicht automatisch "wirkt bei Darmproblemen" folgt.

Kernaussage: Eine belastbare Aussage braucht mehrere passende Bausteine: lebender Stamm, KBE/CFU, Produktqualität, Zielgruppe, Endpunkt, Studiendauer und Risikokontext.

Elemente: Startpunkt "lebende Hefe"; Prüfschritte "Stamm", "KBE/CFU", "Produkt", "Zielgruppe", "Endpunkt", "Sicherheit"; Warnhinweis bei "Katheter/Immunsuppression/Intensivstation"; Endpunkt "enge Studienaussage, keine Pauschalbehauptung".

Datenbasis: Health Canada 2026, EFSA CNCM I-1079 2012, FAMHP 2018, Rannikko et al. 2021 und die endpunktspezifischen Studienartikel.

9. Häufige Fragen

Ist Saccharomyces boulardii ein normales Probiotika-Bakterium?

Nein. S. boulardii ist eine Hefe. Deshalb muss sie getrennt von Lactobacillus-, Bifidobacterium- oder anderen bakteriellen Probiotika betrachtet werden.

Gibt es einen S.-boulardii-Mangel?

Nein. Im verwendeten Material gibt es keinen klassischen Mangelmarker und keinen DGE-Bedarf. S. boulardii ist kein essenzieller Nährstoff.

Bedeutet KBE/CFU, dass ein Produkt wirkt?

Nein. KBE/CFU beschreibt lebende, zählbare Einheiten unter Laborbedingungen. Wirkung und Sicherheit hängen zusätzlich von Stamm, Produkt, Zielgruppe, Endpunkt und Qualität ab.

Sind CNCM I-745, CNCM I-1079 und CBS 5926 austauschbar?

Nein. EFSA lehnte bei CNCM I-1079 gerade eine Übertragung von Humanstudien mit anderen Stämmen ab. Stammgrenzen bleiben zentral.

Was ist Fungämie?

Fungämie bedeutet, dass Hefepilze im Blut nachgewiesen werden. Das ist besonders in schweren Krankenhaus-, Katheter- oder Immunsuppressionssituationen relevant.

Kann S. boulardii eine H.-pylori-Behandlung ersetzen?

Nein. Die Studien betrachten S. boulardii als Begleitung zu Eradikationsregimen. Sie liefern keine Diagnose-, Therapie- oder Dosierungsanleitung.

10. Fazit

Saccharomyces boulardii ist ein spezieller Lebendhefe-Kontext, kein Nährstoff und kein allgemeines Darmgesundheitsversprechen. Die besten Aussagen entstehen, wenn Stamm, Produkt, KBE/CFU, Zielgruppe und Endpunkt eng zusammenbleiben.

Die Studien zeigen Signale in bestimmten Bereichen, vor allem AAD, akute pädiatrische Diarrhö, Reisediarrhö und H.-pylori-Begleitkontexte. Beim CDI/CDAD-Kontext stehen positive Probiotika-Pooling-Daten und zurückhaltende Leitlinien nebeneinander. Sicherheit muss prominent bleiben, weil Fungämie, Katheter, schwere Erkrankung und Immunsuppression nicht mit gesunden Alltagssituationen gleichgesetzt werden dürfen.

Rechtlicher Hinweis

Diese Informationen ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Erkrankungen, Immunsuppression, schweren Verläufen, Kathetern, Schwangerschaft, Stillzeit oder Arzneimitteltherapien gehört die Einordnung in medizinische Hände.

Fazit

Saccharomyces boulardii verständlich erklärt: lebende Hefe, Stammgrenzen, AAD, CDI/CDAD, akute Diarrhö, Reisediarrhö, H.-pylori und Fungämierisiko.

Quellen

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