Szajewska et al. 2020: Saccharomyces boulardii bei akuter Gastroenteritis bei Kindern

Die Arbeit ist ein systematisches Review mit Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien. Gesucht wurde in Cochrane Library, MEDLINE und EMBASE bis Dezember 2019; zusätzlich wurde graue Literatur über Google gesucht.

Kurzprofil

FeldInhalt
QuelleSzajewska, Kołodziej und Zalewski (2020). Systematic review with meta-analysis: Saccharomyces boulardii for treating acute gastroenteritis in children-a 2020 update.
Quellentypsystematisches Review mit Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien
WirkstoffSaccharomyces boulardii
Land/Kontextinternationale Studienlage; Autorengruppe aus Warschau, Polen; Fachjournal Alimentary Pharmacology & Therapeutics
Datenbasis29 randomisierte kontrollierte Studien; die Gesamtzahl aller Kinder wird im frei zugänglichen Abstract nicht als Gesamtwert berichtet
PopulationKinder mit akuter Gastroenteritis bzw. akuter Diarrhö
Zentrale EndpunkteDauer der Diarrhö, Dauer der Hospitalisierung, Durchfall an den Tagen 2 bis 7, Stuhlvolumen, methodische Vertrauenswürdigkeit
Originalquellehttps://doi.org/10.1111/apt.15659
PubMed / PMIDhttps://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32056266/; PMID: 32056266
DOI10.1111/apt.15659
Volltextstatuspaywalled; PubMed-Abstract, Crossref-Metadaten, DOI und Wiley-Landingpage geprüft; kein frei zugänglicher PMC-Volltext gefunden

Szajewska, Kołodziej und Zalewski aktualisierten die Studienlage zu Saccharomyces boulardii bei Kindern mit akuter Gastroenteritis. Die Arbeit fasste 29 randomisierte Studien zusammen und fand im Mittel kürzere Durchfalldauer und kürzere Krankenhausaufenthalte in den S.-boulardii-Gruppen. Die Autorengruppe stufte die Aussage aber zurückhaltend ein, weil viele Studien methodische Schwächen hatten und die Ergebnisse zwischen den Studien stark schwankten.

Hintergrund und Fragestellung

Akute Gastroenteritis im Kindesalter ist meist durch plötzlich einsetzenden Durchfall, häufig mit Erbrechen, Fieber oder Bauchbeschwerden, gekennzeichnet. Der wichtigste medizinische Grundpfeiler ist die Vermeidung oder Behandlung von Flüssigkeitsverlust. Probiotische Präparate wurden in vielen Studien als zusätzliche Intervention untersucht, doch die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Stamm, Studiendesign und untersuchter Kindergruppe.

Die Arbeitsgruppe wollte den Stand zu einem einzelnen Hefestamm-Komplex aktualisieren: Saccharomyces boulardii. Die Frage war, ob S. boulardii in randomisierten Studien bei Kindern mit akuter Gastroenteritis messbare Vorteile gegenüber Placebo oder keiner S.-boulardii-Gabe zeigte.

Methodik der Zusammenfassung

Die Autorengruppe suchte in der Cochrane Library, MEDLINE und EMBASE von Beginn der Datenbanken bis Dezember 2019. Zusätzlich wurde graue Literatur über Google gesucht. Die Autorengruppe kontaktierte auch Autorinnen und Autoren früherer Arbeiten sowie Hersteller von S.-boulardii-Produkten, um zusätzliche Daten zu erhalten.

Eingeschlossen wurden randomisierte kontrollierte Studien, die S. boulardii mit keiner S.-boulardii-Gabe verglichen. Die Vergleichsbedingung konnte Placebo oder keine zusätzliche Behandlung sein. Der Review bewertete methodische Kernpunkte wie Randomisierung, verdeckte Zuteilung, Verblindung und Vollständigkeit der Ergebnisdaten.

Der Volltext war im legalen Zugriff nicht frei verfügbar. Deshalb bleiben mehrere Details `INPUT_GAP`: vollständige Suchsyntax, genaue Ein- und Ausschlusskriterien jeder Einzelstudie, alle Dosierungs- und Stammangaben, alle Länder, alle Altersverteilungen, vollständige Nebenwirkungstabellen und die vollständige Risiko-Bewertung jeder Studie.

Eingeschlossene Studien

Die Meta-Analyse schloss 29 randomisierte kontrollierte Studien ein. Davon waren 20 Studien gegenüber früheren Auswertungen neu identifiziert. Die frei sichtbaren Metadaten berichten keine Gesamtzahl aller Kinder über alle 29 Studien hinweg. Für einzelne Endpunkte sind jedoch Teilnehmerzahlen angegeben: Die Auswertung zur Diarrhödauer beruhte auf 23 RCTs mit 3.450 Kindern, die Auswertung zur Hospitalisierungsdauer auf 8 RCTs mit 999 Kindern.

Die methodische Qualität war ein zentrales Problem. Nur 38 % der Studien beschrieben eine angemessene Erzeugung der Randomisierungssequenz. Nur 17 % berichteten eine angemessene verdeckte Zuteilung. Nur eine Studie verblindete Teilnehmende, Studienpersonal und Ergebnisbewertung angemessen. Vollständige Ergebnisdaten lagen dagegen in 83 % der Studien vor.

Die PubMed-Referenzliste nennt zahlreiche pädiatrische RCTs zu akuter Diarrhö, Rotavirus-Diarrhö oder akuter Gastroenteritis. Ohne freien Volltext lässt sich aber nicht für jede zitierte Studie sicher rekonstruieren, welche Einzelstudie in welchen Endpunkt einging. Deshalb wird die vollständige Liste der 29 eingeschlossenen RCTs nicht als gesichert nachgebaut.

Ergebnisse

Keiner der eingeschlossenen RCTs untersuchte den Effekt von S. boulardii auf das Stuhlvolumen. Damit blieb ein klinisch anschaulicher Endpunkt offen.

Für die Dauer der Diarrhö berichtete die Meta-Analyse einen Vorteil zugunsten von S. boulardii. In 23 RCTs mit 3.450 Kindern war die Durchfalldauer im Mittel um 1,06 Tage kürzer als in den Vergleichsgruppen. Das 95-%-Konfidenzintervall reichte von 1,32 bis 0,79 Tage kürzer. Die Heterogenität war hoch, I² = 90 %. Das bedeutet: Die Einzelergebnisse schwankten stark zwischen den Studien.

Auch die Dauer der Hospitalisierung war in den S.-boulardii-Gruppen kürzer. Diese Auswertung beruhte auf 8 RCTs mit 999 Kindern. Der mittlere Unterschied betrug -0,85 Tage, mit einem 95-%-Konfidenzintervall von -1,35 bis -0,34 Tagen. Auch hier war die Heterogenität hoch, I² = 91 %.

Zusätzlich war S. boulardii mit einem geringeren Risiko verbunden, an den Tagen 2 bis 7 weiterhin Durchfall zu haben. Die frei sichtbaren Abstractdaten nennen für diesen Endpunkt keine einzelnen gepoolten Effektzahlen in derselben Detailtiefe wie für Diarrhödauer und Hospitalisierungsdauer.

Die Autorengruppe bewertete die Aussage zu mehreren Durchfallendpunkten als niedrig bis sehr niedrig abgesichert. Diese Zurückhaltung passt zu den methodischen Schwächen der eingeschlossenen Studien und zur hohen Heterogenität.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Der frei zugängliche Abstract enthält keine vollständige Nebenwirkungstabelle. Deshalb bleibt `INPUT_GAP`, welche unerwünschten Ereignisse in den einzelnen RCTs systematisch erhoben wurden, wie lange nachbeobachtet wurde und ob seltene Risiken überhaupt erkennbar gewesen wären.

Diese Grenze ist bei S. boulardii wichtig, weil es sich um lebende Hefezellen handelt. Der Review zu akuter Gastroenteritis bei Kindern beantwortet keine Sicherheitsfragen für schwer kranke, immunsupprimierte oder katheterisierte Kinder. Er klärt auch keine seltenen invasiven Infektionen. Solche Risiken müssen aus eigenen Sicherheitsquellen bewertet werden und dürfen nicht aus diesem pädiatrischen Akutdurchfall-Review weginterpretiert werden.

Grenzen der Aussagekraft

Die wichtigste Grenze ist die methodische Schwäche vieler eingeschlossener Studien. Randomisierung, verdeckte Zuteilung und Verblindung waren häufig unzureichend berichtet oder nicht angemessen umgesetzt. Dadurch kann die Größe des beobachteten Effekts überschätzt werden.

Eine zweite Grenze ist die hohe Heterogenität. Bei Diarrhödauer und Hospitalisierungsdauer lagen die I²-Werte bei 90 % bzw. 91 %. Die Studien unterschieden sich also wahrscheinlich deutlich in Population, Versorgungskontext, Studiendurchführung, Dauer der Erkrankung, Vergleichsbedingung oder Produktanwendung.

Drittens war der Volltext nicht frei zugänglich. Dadurch bleiben Studienliste, Produkt- und Mengenangaben, Stammpräzision, Länder, Altersgruppen, Nebenwirkungen und Detailanalysen teilweise offen. Die zentralen Abstractdaten reichen für die Einordnung des Hauptbefunds, aber nicht für eine vollständige Detailauswertung.

Viertens betrifft der Befund Kinder mit akuter Gastroenteritis im Studienkontext. Er sagt nichts über antibiotikaassoziierte Diarrhö, C.-difficile-Erkrankungen, Reisediarrhö, H.-pylori-Behandlungen, chronische Darmerkrankungen, Erwachsene oder gesunde Kinder ohne akute Erkrankung aus.

Was die Studie zeigt

Die Meta-Analyse zeigt, dass S. boulardii in randomisierten Studien bei Kindern mit akuter Gastroenteritis im Mittel mit kürzerer Durchfalldauer und kürzerer Hospitalisierung verbunden war als Placebo oder keine S.-boulardii-Gabe. Außerdem war das Risiko, an den Tagen 2 bis 7 weiterhin Durchfall zu haben, niedriger.

Die Arbeit zeigt auch, dass die günstigen Signale wegen methodischer Schwächen und stark unterschiedlicher Einzelergebnisse vorsichtig gelesen werden müssen.

Was die Studie nicht zeigt

Die Meta-Analyse liefert keine Handlungsanweisung für Behandlung, Diagnose, Produktwahl, Kauf, Menge oder Einnahme. Sie zeigt nicht, dass S. boulardii für jedes Kind mit Durchfall geeignet ist. Sie zeigt auch nicht, dass alle Probiotika, alle Saccharomyces-boulardii-Stämme oder alle Produkte mit lebenden Hefezellen austauschbar sind.

Die Arbeit klärt keine seltenen Sicherheitsrisiken und keine Hochrisikosituationen. Sie ersetzt keine Auswertung von Quellen zu Fungämie, Kathetern, Immunsuppression oder schwerer Grunderkrankung.

Fazit

Szajewska, Kołodziej und Zalewski liefern einen breiten internationalen Überblick zu S. boulardii bei akuter Gastroenteritis im Kindesalter. In 29 randomisierten Studien zeigten sich günstige Signale für kürzere Diarrhödauer, kürzere Hospitalisierung und weniger fortbestehenden Durchfall an den Tagen 2 bis 7. Die Aussage bleibt begrenzt, weil viele Studien methodisch schwach waren, die Ergebnisse stark schwankten, der Volltext nicht frei verfügbar war und Sicherheitsdetails aus den Abstractdaten nicht vollständig hervorgehen.

Eingeschlossene Einzelstudien

Die vollständige verifizierte Liste aller 29 eingeschlossenen RCTs ist ohne frei zugänglichen Volltext nicht sicher rekonstruierbar. PubMed und Crossref zeigen eine Referenzliste mit zahlreichen pädiatrischen RCTs, aber nicht eindeutig, welche Studie in welchen Endpunkt einging.

Einzelstudien-InformationEinordnung
29 randomisierte kontrollierte StudienGesamtzahl der eingeschlossenen Studien laut PubMed-Abstract.
20 neu identifizierte StudienGegenüber früheren Auswertungen neu hinzugekommen.
23 RCTs mit 3.450 KindernDatenbasis für Diarrhödauer.
8 RCTs mit 999 KindernDatenbasis für Hospitalisierungsdauer.
vollständige Einzelstudienliste`INPUT_GAP`, weil der Volltext paywalled ist und der Abstract keine vollständige gesicherte Liste enthält.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Die Arbeit ist ein systematisches Review mit Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien.
  • Gesucht wurde in Cochrane Library, MEDLINE und EMBASE bis Dezember 2019; zusätzlich wurde graue Literatur über Google gesucht.
  • Eingeschlossen wurden 29 RCTs, davon 20 neu identifizierte Studien.
  • Die Population waren Kinder mit akuter Gastroenteritis bzw. akuter Diarrhö.
  • 23 RCTs mit 3.450 Kindern berichteten die Diarrhödauer.
  • S. boulardii war mit einer im Mittel 1,06 Tage kürzeren Diarrhödauer verbunden; 95-%-Konfidenzintervall -1,32 bis -0,79 Tage.
  • Die Heterogenität für Diarrhödauer war hoch, I² = 90 %.
  • 8 RCTs mit 999 Kindern berichteten die Hospitalisierungsdauer.
  • S. boulardii war mit einer im Mittel 0,85 Tage kürzeren Hospitalisierung verbunden; 95-%-Konfidenzintervall -1,35 bis -0,34 Tage.
  • Die Heterogenität für Hospitalisierungsdauer war hoch, I² = 91 %.
  • S. boulardii reduzierte laut Abstract auch das Risiko für Durchfall an den Tagen 2 bis 7.
  • Keine Studie bewertete Stuhlvolumen.
  • Nur 38 % der Studien berichteten angemessene Randomisierung, 17 % angemessene verdeckte Zuteilung und eine Studie angemessene Verblindung von Teilnehmenden, Personal und Ergebnisbewertung.
  • Die Autorengruppe beschrieb die Aussage als niedrig bis sehr niedrig abgesichert.
  • Der Volltext ist paywalled; vollständige Einzelstudienliste, Produkt-/Mengenangaben, Nebenwirkungstabellen und Detailanalysen bleiben teilweise `INPUT_GAP`.
  • Die Arbeit liefert keine Handlungsanweisung für Behandlung, Diagnose, Produktwahl, Kauf, Menge oder Einnahme.

Quellen

  1. Originalquelle
  2. PubMed
  3. Wiley DOI landing page for DOI 10.1111/apt.15659.