Wirksamkeit und Sicherheit von Saccharomyces boulardii als Zusatztherapie zur Eradikation von Helicobacter pylori: eine Metaanalyse

Mit S. boulardii zusätzlich zur H.-pylori-Behandlung waren Eradikation häufiger und Nebenwirkungen seltener. Studienmängel und widersprüchliche Angaben begrenzen den Befund.

Welche Frage untersuchten Li und Xie?

Die Metaanalyse von Li und Xie erschien im Februar 2025. Sie untersuchte, ob Saccharomyces boulardii zusätzlich zu einer medikamentösen Behandlung gegen Helicobacter pylori deren Ergebnisse verändert. Eradikation bedeutet hier, dass der Keim nach der Behandlung nicht mehr nachgewiesen wird. Verglichen wurde die Zusatzgabe mit derselben Grundbehandlung, teilweise ergänzt um ein Placebo. Eine alleinige Anwendung von S. boulardii als Ersatz wurde damit nicht geprüft.

Die Autoren berichten insgesamt 19 randomisierte Studien mit 5036 Personen: 15 Studien mit Erwachsenen und vier mit Kindern, neun aus China und zehn aus anderen Ländern. Voraussetzung war laut Auswahlkriterien ein positiver H.-pylori-Antigentest oder ein positiver 14C-Atemtest. Nicht randomisierte Untersuchungen, Tierstudien, Studien mit anderen zusätzlichen Probiotika und solche mit unvollständigen Daten sollten ausgeschlossen werden.

Wie wurde die Evidenz zusammengeführt?

Die Suche in PubMed und Web of Science deckte Januar 2002 bis Januar 2023 ab. Zwei Personen prüften die Studien und entnahmen die Daten unabhängig voneinander; Meinungsverschiedenheiten wurden im Konsens geklärt. Im Abstract ist die Registrierung CRD42024549780 angegeben.

Bereits bei der Suche enthält die Veröffentlichung eine Unstimmigkeit: Der Methodenteil nennt 125 gefundene Artikel, der Ergebnisteil und das Flussdiagramm dagegen 149 Datensätze. Dort folgen 129 nach Entfernung von Duplikaten, 81 gescreente Datensätze, 57 Volltexte und schließlich 19 eingeschlossene Studien. Diese Angaben werden hier nicht nachträglich vereinheitlicht.

Die Autoren berechneten relative Risiken, kurz RR, mit 95 %-Konfidenzintervallen. Das Intervall beschreibt die statistische Unsicherheit des geschätzten Effekts. Bei fehlenden Unterschieden zwischen den Studien nutzten sie ein Fixed-Effects-Modell, bei vorhandenen Unterschieden ein Random-Effects-Modell, das diese stärker berücksichtigt. Hinzu kamen Analysen von Teilgruppen und Prüfungen, ob einzelne Studien das Gesamtergebnis stark beeinflussten. Die primäre Auswertung wird als Intention-to-treat bezeichnet: Maßgeblich soll dabei die ursprüngliche Gruppenzuteilung sein.

Welche Präparate und Behandlungen wurden geprüft?

S. boulardii wurde zu einer Dreifach-, Vierfach- oder sequenziellen Eradikationsbehandlung hinzugegeben. Bei der sequenziellen Behandlung wechselte die Medikamentenkombination im Verlauf. Die Regime, Mengen und Beobachtungszeiten unterschieden sich. Zwei Beispiele aus der Studientabelle verdeutlichen das:

  • Bei Cindoruk 2007 wurden 0,5 g S. boulardii zweimal täglich für 14 Tage geprüft. Beide Gruppen erhielten Lansoprazol 30 mg, Amoxicillin 1,0 g und Clarithromycin 500 mg, jeweils zweimal täglich für 14 Tage. Die Tabelle nennt eine Nachbeobachtung von sechs Wochen.
  • Bei Chang 2020 wurden 0,25 g S. boulardii dreimal täglich für 28 Tage geprüft. Die Grundbehandlung bestand aus Pantoprazol 40 mg, Amoxicillin 1,0 g und Clarithromycin 0,5 g, jeweils zweimal täglich für sieben Tage. Die Nachbeobachtung ist mit vier Wochen angegeben.

Über alle tabellierten Studien hinweg wurde S. boulardii für sieben bis 28 Tage gegeben. Genannt werden 0,25 g oder 0,5 g je Gabe, in anderen Studien 282,5 mg oder 5 Milliarden koloniebildende Einheiten je Gabe. Koloniebildende Einheiten beschreiben die Zahl vermehrungsfähiger Mikroorganismen. Die Gabe erfolgte je nach Studie zwei- oder dreimal täglich; auch Antibiotikakombinationen, Säurehemmer, der Einsatz von Bismut und die Nachbeobachtung unterschieden sich. Diese Mengen und Verfahren sind nicht beliebig austauschbar.

Das sind Beschreibungen der untersuchten Verfahren, keine Einnahmeempfehlungen. Eine durchgehend einheitliche Stammkennung und Angaben zur Zahl lebensfähiger Mikroorganismen fehlen in der Regimetabelle. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht pauschal jedem S.-boulardii-Präparat zuschreiben.

Was zeigt der Gesamtbefund zur Eradikation?

Die zentrale Ergebnisgrafik umfasst 18 Studien: Bei 1676 von 2001 Personen mit S. boulardii und bei 1287 von 1706 Kontrollpersonen wurde eine Eradikation berichtet. Diese konkreten Gruppen sind von den insgesamt genannten 5036 Personen aus 19 Studien zu unterscheiden. Die unterschiedlichen Bezugsgrößen dürfen nicht als identischer Auswertungspool behandelt werden.

Das zusammengefasste relative Risiko betrug 1,11, mit einem 95 %-Konfidenzintervall von 1,08 bis 1,15. Die Eradikationswahrscheinlichkeit lag damit relativ um 11 % höher. Das bedeutet nicht einen Anstieg um 11 Prozentpunkte. Der Wert bezieht sich auf die Zusatzgabe zur untersuchten Grundbehandlung.

Das Maß I² lag bei 23 %. Es beschreibt, wie stark sich Studienergebnisse über zufällige Schwankungen hinaus unterscheiden. Die Unterschiede waren beim Eradikationsbefund geringer als bei den gesamten Nebenwirkungen.

Was wurde zu Nebenwirkungen berichtet?

Für die gesamten Nebenwirkungen zeigt die entsprechende Grafik neun Studien: 265 Ereignisse bei 1361 Personen mit Zusatzgabe gegenüber 378 bei 1052 Kontrollpersonen. Das zusammengefasste RR lag bei 0,49, das 95 %-Konfidenzintervall bei 0,37 bis 0,66. Nebenwirkungen wurden somit in den untersuchten Zusatzgruppen seltener berichtet. Mit I² von 79 % unterschieden sich die Studienergebnisse allerdings stark; ein einzelner Durchschnittswert beschreibt die verschiedenen Situationen nur begrenzt.

Auch Durchfall wurde seltener berichtet: In 16 Studien mit 3701 Personen betrug das RR 0,36, bei einem 95 %-Konfidenzintervall von 0,26 bis 0,48 und I² von 58 %. Für Übelkeit, Blähungen und Verstopfung zeigte sich ebenfalls eine geringere berichtete Häufigkeit. Für Bauchschmerz, Erbrechen und Geschmacksstörungen ergab sich dagegen kein statistisch gesicherter Unterschied. Das ist kein Beweis dafür, dass ein Effekt ausgeschlossen wäre.

Laut Diskussion änderte das Weglassen einzelner Studien den Befund zu den gesamten Nebenwirkungen nicht wesentlich. Beim Durchfall sank I² nach Ausschluss der sequenziellen Seddik-Studie unter 50 %. Neue konkrete Effektschätzer mit Konfidenzintervallen werden dafür nicht angegeben. Die Befunde zur Verträglichkeit der untersuchten Kombinationen sind zudem kein allgemeiner Nachweis, dass S. boulardii für jede Person oder Anwendung sicher ist.

Wie belastbar sind die Ergebnisse?

Die Übersicht zum Verzerrungsrisiko zeigt überwiegend unklare Angaben zur verdeckten Gruppenzuteilung und zur Verblindung. Bei etwa der Hälfte bestand ein hohes Risiko durch unvollständige Ergebnisdaten. Genaue Bewertungen aller einzelnen Studien nach Prüfbereich fehlen. Solche Schwächen können die geschätzten Effekte beeinflussen.

Hinzu kommt ein weiterer Widerspruch im Original: Der beschreibende Text nennt 13 Dreifach-, fünf Vierfach- und eine sequenzielle Studie. Tabelle 2 nennt hingegen fünf Dreifachstudien mit 1232 Personen, zwölf Vierfachstudien mit 2276 Personen und eine sequenzielle Studie mit 199 Personen. Die Veröffentlichung liefert damit keine durchgehend übereinstimmende Zuordnung der Behandlungsgruppen.

Auch die Aussagen zu vermeintlich besseren Ergebnissen bestimmter Alters- oder Behandlungsgruppen sind vorsichtig zu lesen. Die Autoren vergleichen deren getrennte relative Risiken; einen formalen Test auf Unterschiede zwischen den Teilgruppen berichten sie nicht. Daraus lässt sich keine gesicherte Überlegenheit einer Gruppe ableiten.

Die getrennten Auswertungen betrafen Erwachsene und Kinder, China und andere Länder, Behandlungsdauern von sieben und 14 Tagen sowie Dreifach-, Vierfach- und sequenzielle Behandlungen. Ihre Effektschätzer zeigten jeweils in Richtung häufigerer Eradikation mit Zusatzgabe. Bei Dreifach- und sequenzieller Behandlung reichte das Konfidenzintervall jedoch bis zum Wert ohne Unterschied. Auch diese Teilgruppenanalysen rechtfertigen keine Auswahl eines persönlich geeigneten Behandlungsverfahrens.

Der Egger-Test zur Eradikation ergab p = 0,068. Dieser statistisch nicht signifikante Test schließt eine bevorzugte Veröffentlichung günstiger Ergebnisse nicht aus. Er bestätigt auch nicht die übrigen Schlussfolgerungen des Reviews.

Als Finanzierung nennen die Autoren die Doctoral Start-up Foundation of Liaoning Province, Vertrag 2022-BS-127. Sie erklären, keine kommerziellen oder finanziellen Beziehungen zu haben, die als potenzielle Interessenkonflikte gelten könnten.

Einordnung und Zugang zur Originalarbeit

Der Review liefert Hinweise auf günstigere Ergebnisse bei zusätzlichem S. boulardii innerhalb der untersuchten H.-pylori-Behandlungen. Er bestimmt weder ein allgemein geeignetes Präparat noch ein persönliches Einnahmeschema. Die unterschiedlichen Studienbedingungen und die widersprüchlichen Angaben zur Auswahl und Zusammensetzung begrenzen die Übertragbarkeit. Einen breiteren Überblick bietet der Artikel Saccharomyces boulardii: lebende Hefe mit engen Studiengrenzen.

Dieselbe Originalarbeit ist über den DOI-Zugang, den PubMed-Eintrag, den Verlagsvolltext und die PDF-Fassung erreichbar. Die bibliografischen Angaben bei Crossref sind ein weiterer Zugang zu ihren Metadaten. Der Quellenbeleg unten führt zum Volltext bei PMC.

Fazit

Die Metaanalyse spricht für häufiger berichtete Eradikation und weniger Nebenwirkungen bei zusätzlichem S. boulardii in den untersuchten Behandlungen. Unterschiedliche Studienbedingungen, Verzerrungsrisiken und interne Zahlenwidersprüche schränken die Sicherheit dieses Befunds ein. Daraus folgt keine Empfehlung zur Selbstbehandlung oder zum Ersatz einer medikamentösen Behandlung.

Quellen

  1. Li und Xie (2025). Efficacy and safety of Saccharomyces boulardii as an adjuvant therapy for the eradication of Helicobacter pylori: a meta-analysis. Frontiers in Cellular and Infection Microbiology. DOI: 10.3389/fcimb.2025.1441185. PMID: 40012609.