Wissenschaftliches Gutachten zu Referenzwerten für die Magnesiumzufuhr
Die EFSA leitet angemessene Zufuhrwerte von 350 mg für erwachsene Männer und 300 mg für erwachsene Frauen aus beobachteten EU-Zufuhrmengen ab.
Warum die EFSA einen anderen Referenzweg wählte
Das wissenschaftliche Gutachten von 2015 prüfte die Grundlagen für europäische Referenzwerte. Eine zentrale Schwierigkeit war, dass sich kein hinreichend belastbarer durchschnittlicher Bedarf ableiten ließ. Die EFSA konnte daher weder einen „Average Requirement“ noch einen „Population Reference Intake“ festlegen.
Stattdessen verwendete sie beobachtete Zufuhrmengen gesunder Populationen aus neun EU-Ländern. Aus dieser Datengrundlage entstanden „Adequate Intakes“, also angemessene Zufuhrwerte. Diese Methode unterscheidet sich vom US-amerikanischen IOM-System, das vor allem Bilanzstudien nutzt und daraus EAR- und RDA-Werte ableitet. Zahlen aus diesen Systemen sind daher nur zusammen mit ihrer jeweiligen Herleitung vergleichbar.
Welche Werte festgelegt wurden
Für erwachsene Männer setzte die EFSA einen Adequate Intake von 350 mg Magnesium pro Tag fest. Für erwachsene Frauen beträgt der Wert 300 mg pro Tag.
Diese Angaben sind Referenzwerte für Gruppen. Weil sie nicht aus einem präzise bestimmten durchschnittlichen Bedarf abgeleitet wurden, erlauben sie keine genaue Aussage darüber, wie viel eine einzelne Person benötigt. Sie sind auch keine persönliche Empfehlung für eine Supplementmenge.
Warum der Magnesiumstatus schwer zu messen ist
Das Gutachten bewertet Serum- und Plasmamagnesium als häufig verwendete, aber nur begrenzt empfindliche Marker. Ihre Eignung, die Magnesiumzufuhr oder den gesamten Magnesiumstatus zuverlässig abzubilden, bleibt fraglich. Ein geeigneter funktioneller Biomarker fehlt.
Das hat eine wichtige Konsequenz: Ein normaler Serumwert schließt einen unzureichenden Gesamtstatus nicht sicher aus. Umgekehrt kann aus einem Referenzwert allein kein persönlicher Status abgeleitet werden. Weitere Zusammenhänge werden im Überblick zu Magnesium eingeordnet.
Grenzen und Übertragbarkeit
Die EFSA-Werte beruhen auf beobachteten Zufuhrmengen und nicht auf einer exakten Messung des individuellen Bedarfs. Zusätzlich erschwert das Fehlen eines geeigneten funktionellen Markers die Bewertung. Die Werte sind deshalb ein europäischer Orientierungsrahmen für gesunde Bevölkerungsgruppen, keine Diagnose- oder Dosierungsgrundlage für Einzelpersonen.
Fazit
Die EFSA entschied sich wegen methodischer Unsicherheiten für angemessene Zufuhrwerte statt für präzise Bedarfswerte. Sie nennt 350 mg pro Tag für erwachsene Männer und 300 mg pro Tag für erwachsene Frauen. Aussagekräftig werden diese Zahlen erst zusammen mit ihrer Herleitung und ihren Grenzen.