Zeolith-Supplementierung bei trainierten Erwachsenen: Darmschranke, Entzündung und Redoxmarker

Lamprecht et al. veröffentlichten die Studie 2015 im Journal of the International Society of Sports Nutrition. Die Originalquelle hat DOI 10.1186/s12970-015-0101-z, PMID 26500463 und PMCID PMC4617723.

Kurzprofil

  • Quelle: Lamprecht, M., Bogner, S., Steinbauer, K., Schuetz, B., Greilberger, J. F., Leber, B., Wagner, B., Zinser, E., Petek, T., Wallner-Liebmann, S., Oberwinkler, T., Bachl, N., & Schippinger, G. (2015). Effects of zeolite supplementation on parameters of intestinal barrier integrity, inflammation, redoxbiology and performance in aerobically trained subjects.
  • Studientyp: randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Parallelgruppenstudie.
  • Land/Kontext: Österreich; Studie an aerob trainierten Erwachsenen, überwiegend aus dem Ausdauer- und Triathlonbereich.
  • Population: 52 ausgewertete trainierte Erwachsene, davon 27 in der Zeolith-Gruppe und 25 in der Placebo-Gruppe.
  • Wirkstoff/Material: zeolithhaltige Kapseln mit Zeolith-Klinoptilolith; die geprüfte Tagesmenge entsprach 1,845 g Zeolith über 12 Wochen.
  • Zentrale Endpunkte: Zonulin und alpha-1-Antitrypsin im Stuhl, Redoxmarker, Entzündungsmarker, VO2max und maximale Leistung im Ergometertest.
  • Originalquelle: https://doi.org/10.1186/s12970-015-0101-z
  • PubMed/PMCID: PMID 26500463; PMCID PMC4617723.
  • Studienregister: ClinicalTrials.gov NCT01831492.

Lamprecht et al. prüften, ob eine zeolithhaltige Supplementierung bei regelmäßig trainierenden Erwachsenen Marker der Darmbarriere, Entzündung, Redoxbiologie und Ausdauerleistung verändert. Die Studie fand ein Signal bei Zonulin, einem Marker im Kontext der Darmbarriere. Für Redoxmarker und Leistungsdaten zeigte sich dagegen kein belastbarer Unterschied zur Placebo-Gruppe.

Fragestellung

Ausdauertraining kann bei manchen Sportlerinnen und Sportlern mit Magen-Darm-Beschwerden und erhöhter Darmdurchlässigkeit einhergehen. Die Autorengruppe interessierte sich deshalb dafür, ob Zeolith-Klinoptilolith im Darm messbare Veränderungen an Markern der Darmbarriere auslösen kann.

Die Hauptfrage betraf die Darmbarriere. Dafür wurde Zonulin im Stuhl gemessen. Zonulin ist ein Protein, das mit der Regulation enger Zellkontakte im Darm in Verbindung gebracht wird. Eine zweite Stuhlmessung war alpha-1-Antitrypsin, ein Marker für Proteinverlust über den Darm. Zusätzlich untersuchte die Studie Blutmarker für oxidativen Stress, Entzündung und DNA-Schäden sowie VO2max und maximale Leistung im Fahrradergometer.

Die Fragestellung war explorativ und markerbezogen. Sie zielte nicht darauf, eine Krankheit zu behandeln, eine Leistungssteigerung zu belegen oder eine allgemeine Aussage zu allen Zeolith-Produkten zu treffen.

Studiendesign und Methoden

Die Studie war randomisiert, placebokontrolliert und doppelblind. Nach einer telefonischen Vorprüfung meldeten sich 61 Personen zur Eignungsprüfung. 56 Personen wurden randomisiert. Nach 12 Wochen beendeten 52 Personen das vollständige Programm und gingen in die Auswertung ein.

Vor der Randomisierung wurden VO2max-Tests durchgeführt. Die Teilnehmenden wurden nach VO2max sortiert und blockweise randomisiert, damit die aerobe Leistungsfähigkeit zwischen den Gruppen möglichst ausgeglichen war. Der Randomisierungscode lag bei einer unabhängigen dritten Stelle und wurde erst nach Abschluss der Datenerhebung an die statistische Auswertung übergeben.

Die Intervention dauerte 12 Wochen. Die Zeolith-Gruppe erhielt sechs Kapseln pro Tag. Jede Kapsel enthielt 307,50 mg Zeolith, außerdem Dolomit, Maca und Cellulose. Daraus ergab sich eine geprüfte Zeolithmenge von 1,845 g pro Tag. Die Placebo-Kapseln sahen gleich aus und enthielten Cellulose. Die Einhaltung wurde über Rückgabe der Kapseln geprüft und lag in beiden Gruppen über 90 %.

Die Teilnehmenden sollten Ernährung, Lebensstil und Training während der Studie möglichst stabil halten. Vor der ersten Untersuchung wurde ein 7-Tage-Ernährungsprotokoll erhoben. Für die zweite Untersuchung sollten die Personen ihre Ernährung der Tage vor der ersten Untersuchung nachbilden. Ein zweites vollständiges Ernährungsprotokoll am Studienende wurde jedoch nicht erhoben.

Untersuchte Personen oder Datenbasis

Die ausgewertete Population bestand aus 52 trainierten Erwachsenen, 43 Männern und 9 Frauen. Die meisten waren Radfahrerinnen, Radfahrer oder Triathletinnen und Triathleten. Die Zeolith-Gruppe umfasste 27 Personen, die Placebo-Gruppe 25 Personen.

Eingeschlossen wurden gesunde Männer und Frauen im Alter von 25 bis 50 Jahren. Sie mussten aerob trainiert sein, mit einer VO2max im vorgegebenen Bereich. Außerdem durften sie nicht rauchen und in den vier Wochen vor der ersten Blut- und Stuhlprobe keine Nahrungsergänzungsmittel verwenden.

Ausgeschlossen wurden unter anderem Rauchende, Personen außerhalb des vorgegebenen VO2max-Bereichs, Personen mit größeren Trainingsänderungen während der Studie, chronisch oder stark Alkohol konsumierende Personen, kürzlich operierte oder erkrankte Personen und Personen mit Körperfett über 20 %.

Diese Auswahl macht die Studie für eine sportlich aktive, relativ gesunde Gruppe aussagekräftig. Sie begrenzt aber die Übertragbarkeit. Die Ergebnisse gelten nicht automatisch für untrainierte Erwachsene, Kinder, Schwangere, Stillende, Menschen mit chronischen Magen-Darm-Erkrankungen, Menschen mit Leber- oder Nierenerkrankungen oder Personen mit regelmäßiger Medikamenteneinnahme.

Intervention, Exposition und Vergleich

Die Studie verglich zeolithhaltige Kapseln mit identisch aussehenden Placebo-Kapseln. Die Zeolith-Kapseln waren kein reines Zeolithpulver. Sie enthielten pro Kapsel 307,50 mg Zeolith, 75,17 mg Dolomit mit Magnesium und Calcium, 27,33 mg Maca und 90 mg Cellulose. Die Placebo-Kapseln enthielten 500 mg Cellulose.

Die geprüfte Einnahmemenge war eine Studienbedingung. Sie ist keine Einnahmeempfehlung und keine Dosierungsberatung. Wichtig ist auch die Produktgrenze: Die Studie prüfte eine konkrete Kapselzusammensetzung mit Zeolith-Klinoptilolith. Andere Zeolithmaterialien, andere Reinigungsprozesse, andere Partikelgrößen, andere Beimischungen oder kommerzielle Produkte können daraus nicht gleichgesetzt werden.

Die primären Messungen erfolgten zu Beginn und nach 12 Wochen. Im Stuhl wurden Zonulin und alpha-1-Antitrypsin bestimmt. Im Blut wurden unter anderem Carbonylproteine, 8-iso-PGF2alpha, GPx3, Harnsäure, Vitamin C, DNA-Strangbrüche, TNF-alpha, IL-6, IL-8, IL-10 und IL-22 gemessen. Außerdem wurden Laborwerte zu Mineralien, Leber, Niere, Blutbild und Aluminium erhoben. Die Leistungsprüfung erfolgte über einen schrittweisen Fahrradergometertest bis zur Erschöpfung.

Ergebnisse

Bei Studienbeginn lagen die mittleren Zonulinwerte in beiden Gruppen leicht über dem Referenzbereich von unter 55 ng/ml. Nach 12 Wochen sank Zonulin in der Zeolith-Gruppe von 61,2 ± 11,0 ng/ml auf 43,8 ± 14,3 ng/ml. In der Placebo-Gruppe lag der Wert zu Beginn bei 56,1 ± 13,2 ng/ml und nach 12 Wochen bei 59,6 ± 12,3 ng/ml. Der Unterschied zwischen den Behandlungen war statistisch signifikant (p = 0,006). Die Autorengruppe beschrieb dies als Abnahme um fast 30 % in der Zeolith-Gruppe.

Alpha-1-Antitrypsin zeigte keinen Unterschied zwischen den Gruppen und blieb im Referenzbereich. Damit zeigte die zweite Stuhlmessung keinen parallelen Hinweis auf eine veränderte Barrierefunktion.

Bei den Redoxmarkern ergab sich kein spezifischer Zeolith-Effekt. Carbonylproteine und GPx3 stiegen im Studienverlauf in beiden Gruppen an, ohne Unterschied zwischen Zeolith und Placebo. 8-iso-PGF2alpha, Vitamin C, Harnsäure und DNA-Strangbrüche unterschieden sich ebenfalls nicht zwischen den Gruppen.

Auch die meisten Entzündungsmarker zeigten keinen Unterschied. TNF-alpha stieg über die Zeit in beiden Gruppen an, blieb aber im Referenzbereich und unterschied sich nicht zwischen den Behandlungen. IL-6, IL-8 und IL-22 zeigten keine relevanten Gruppenunterschiede. IL-10, ein entzündungshemmendes Zytokin, stieg in der Zeolith-Gruppe tendenziell an; der Unterschied erreichte mit p = 0,087 keine klassische statistische Signifikanz.

Für VO2max und maximale Leistung im Fahrradergometer fand die Studie keinen Unterschied zwischen Zeolith und Placebo. Die Leistungsdaten wurden für Männer und Frauen getrennt ausgewertet und zeigten weder einen Behandlungseffekt noch einen Zeiteffekt.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Die Quelle enthält keine ausführliche Tabelle zu unerwünschten Ereignissen. Die Sicherheitsbewertung lässt sich deshalb nicht wie in einer eigens dafür angelegten Verträglichkeitsstudie lesen.

Die Studie berichtet jedoch mehrere Laborbefunde, die für die Einordnung wichtig sind. Blutminerale einschließlich Aluminium, Leber- und Nierenparameter, Androgenstatus und Blutbild unterschieden sich weder zu Beginn noch nach 12 Wochen zwischen den Gruppen. Alle Werte lagen zu den untersuchten Zeitpunkten im Normalbereich. Die Autorengruppe schreibt außerdem, dass sich Serumaluminium, AST, ALT, GGT und Kreatinin nicht veränderten.

Diese Befunde sind begrenzt. Sie beziehen sich auf 52 trainierte Erwachsene, 12 Wochen, eine konkrete Kapselzusammensetzung und die in der Studie gemessenen Laborwerte. Sie zeigen keine Langzeitsicherheit, keine Sicherheit in Risikogruppen und keine Sicherheit beliebiger Zeolithprodukte.

Grenzen der Aussagekraft

Die erste Grenze ist die geringe Größe der Studie. 52 ausgewertete Personen reichen aus, um ein Markersignal wie Zonulin zu erkennen, liefern aber keine breite Sicherheitsbewertung und keine robuste Aussage für viele Untergruppen.

Die zweite Grenze betrifft die Endpunkte. Zonulin ist ein Marker im Kontext der Darmbarriere, aber kein klinischer Endpunkt. Die Studie zeigte keine parallele Veränderung von alpha-1-Antitrypsin und keine Messung direkter Permeabilitätstests wie Lactulose-Mannitol oder Rhamnose. Die Autorengruppe nennt selbst, dass weitere Darmbarriere-Marker nützlich wären.

Die dritte Grenze ist der Mechanismus. Die Studie untersuchte kein Mikrobiomprofil und keine direkte Bindung im Darm. Daher bleibt offen, warum Zonulin sank und ob dies tatsächlich eine klinisch relevante Verbesserung der Darmbarriere bedeutet.

Die vierte Grenze betrifft Ernährung und Jahreszeit. Die Studie begann im Herbst und endete zwischen Januar und März. Ein zweites vollständiges Ernährungsprotokoll am Studienende fehlte. Veränderungen der Ernährung über den Winter könnten einige Blutmarker beeinflusst haben.

Die fünfte Grenze ist die Produktzusammensetzung. Die Kapseln enthielten nicht nur Zeolith, sondern auch Dolomit, Maca und Cellulose. Aus der Studie lässt sich daher nicht sicher ableiten, ob der beobachtete Zonulinbefund ausschließlich auf Zeolith zurückgeht.

Finanzielle Interessen gehören ebenfalls zur Einordnung. Das Projekt erhielt eine wettbewerbliche Forschungsförderung von Panaceo International Active Mineral Production GmbH. Eine Mitautorin war Forschungsdirektorin dieses Unternehmens. Das macht die Daten nicht wertlos, begrenzt aber die unabhängige Einordnung.

Was die Studie zeigt

Die Studie zeigt, dass in einer kleinen doppelblinden Studie an trainierten Erwachsenen ein zeolithhaltiges Kapselpräparat über 12 Wochen mit einer signifikanten Abnahme von Stuhl-Zonulin verbunden war. Der Befund passt zu einer möglichen Veränderung eines Darmbarriere-Markers.

Die Studie zeigt außerdem, dass in derselben Untersuchung keine spezifischen Effekte auf die gemessenen Redoxmarker, die meisten Entzündungsmarker, VO2max oder maximale Ergometerleistung gefunden wurden. Ein Leistungsversprechen lässt sich daraus nicht ableiten.

Für Sicherheitsfragen zeigt die Studie nur ein begrenztes Kurzzeitbild. Die gemessenen Leber-, Nieren-, Blut- und Aluminiummarker blieben unauffällig, aber die Quelle liefert keine breite Langzeit- oder Risikogruppenbewertung.

Was die Studie nicht zeigt

Die Studie zeigt keine allgemeine Darmgesundheitswirkung von Zeolith und keinen Nachweis für eine klinisch relevante Verbesserung bei Magen-Darm-Erkrankungen. Sie zeigt auch keine Behandlung von Reizdarm, chronischer Entzündung, Infektionen oder anderen Erkrankungen.

Die Studie zeigt keine Sportleistungssteigerung. VO2max und maximale Leistung unterschieden sich nicht zwischen Zeolith und Placebo.

Die Studie zeigt keine allgemeine Entgiftungswirkung, keine Schwermetallausleitung und keine Wirksamkeit beliebiger Zeolithprodukte. Sie prüfte ein bestimmtes Kapselpräparat in einer bestimmten Population über 12 Wochen.

Die geprüfte Menge ist eine Studienbedingung. Sie ist kein Einnahmerat und keine persönliche Dosierungsanweisung.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Lamprecht et al. veröffentlichten 2015 eine randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Studie im Journal of the International Society of Sports Nutrition.
  • Die Studie wurde in Österreich mit aerob trainierten Erwachsenen durchgeführt.
  • 56 Personen wurden randomisiert, 52 Personen beendeten das vollständige Programm und gingen in die Auswertung ein.
  • Die ausgewertete Population bestand aus 43 Männern und 9 Frauen.
  • Die Zeolith-Gruppe umfasste 27 Personen, die Placebo-Gruppe 25 Personen.
  • Die Intervention dauerte 12 Wochen.
  • Die zeolithhaltigen Kapseln lieferten 1,845 g Zeolith pro Tag und enthielten zusätzlich Dolomit, Maca und Cellulose.
  • Die Placebo-Kapseln enthielten Cellulose.
  • Zonulin im Stuhl sank in der Zeolith-Gruppe von 61,2 ± 11,0 ng/ml auf 43,8 ± 14,3 ng/ml.
  • In der Placebo-Gruppe lag Zonulin zu Beginn bei 56,1 ± 13,2 ng/ml und nach 12 Wochen bei 59,6 ± 12,3 ng/ml.
  • Der Behandlungsunterschied für Zonulin war statistisch signifikant (p = 0,006).
  • Alpha-1-Antitrypsin im Stuhl veränderte sich nicht unterschiedlich zwischen den Gruppen.
  • Redoxmarker zeigten keinen spezifischen Zeolith-Effekt.
  • IL-10 stieg in der Zeolith-Gruppe nur tendenziell an (p = 0,087).
  • VO2max und maximale Ergometerleistung unterschieden sich nicht zwischen Zeolith und Placebo.
  • Blutminerale einschließlich Aluminium sowie Leber- und Nierenparameter blieben in der Studie unauffällig.
  • Die Quelle enthält keine ausführliche Tabelle zu unerwünschten Ereignissen.
  • Die Studie prüfte trainierte Erwachsene, nicht untrainierte Personen, Kinder, Schwangere, Stillende oder Menschen mit chronischen Erkrankungen.
  • Die Studie belegt kein Sportleistungsversprechen, keine allgemeine Entgiftungswirkung und keine Übertragbarkeit auf beliebige Zeolithprodukte.

Quellen

  1. Originalquelle
  2. PubMed
  3. PMC