EFSA-Referenzwerte für Jod: Adequate Intake für Erwachsene, Kinder, Schwangerschaft und Stillzeit
Die EFSA-Stellungnahme von 2014 leitet Dietary Reference Values für Jod ab. Die Werte werden als Adequate Intake angegeben.
Kurzprofil
- Quelle: EFSA NDA Panel (2014). Scientific Opinion on Dietary Reference Values for iodine. EFSA Journal, 12(5), 3660. DOI: 10.2903/j.efsa.2014.3660.
- Quellentyp: europäische behördliche Referenzwertableitung.
- Land/Kontext: Europäische Union; Dietary Reference Values für Jod.
- Wirkstoff: Jod.
- Bezugsgruppen: Erwachsene, Säuglinge ab 7 Monaten, Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende.
- Zentrale Endpunkte: Adequate Intake, Urinjodkonzentration als Populationsmarker, Schilddrüsenhormonbildung, Schwangerschafts- und Stillzeitbedarf.
- Originaltitel: Scientific Opinion on Dietary Reference Values for iodine.
- Originalquelle: https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2014.3660
- DOI: https://doi.org/10.2903/j.efsa.2014.3660
- PMC-Reprint: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC13159826/
- Volltextstatus: Original-DOI/Wiley-Locator verifiziert; PMC-Reprint mit HTML und PDF legal verfügbar.
Die EFSA leitete 2014 europäische Dietary Reference Values für Jod ab. Die Werte werden als `Adequate Intake` angegeben. Das bedeutet: Die EFSA nennt angemessene Aufnahmemengen, weil die Datenlage nicht ausreichte, um für alle Gruppen einen klassischen Bedarf mit sicherer Verteilung abzuleiten. Für Erwachsene schlägt die EFSA 150 µg Jod pro Tag vor. Für Schwangere und Stillende nennt sie jeweils 200 µg pro Tag. Für Säuglinge ab 7 Monaten und Kinder liegen die Werte je nach Alter zwischen 70 und 130 µg pro Tag.
Fragestellung
Die EFSA-Arbeit beantwortet eine Referenzwertfrage: Welche Jodaufnahme ist für europäische Bevölkerungsgruppen angemessen, wenn direkte Bedarfsmessungen nur begrenzt verfügbar sind?
Jod ist für die Bildung von Schilddrüsenhormonen notwendig. Diese Hormone sind an Energieumsatz, Wachstum und Entwicklung beteiligt. Die Quelle beschreibt außerdem, dass Jodmangel in Populationen mit häufigerem Kropf und Hypothyreose verbunden ist. Die EFSA prüft aber keine klinische Behandlung, keine Diagnose und keine Produktfrage. Sie leitet einen europäischen Orientierungsrahmen für die Nährstoffaufnahme ab.
Wichtig ist die Trennung zwischen `Adequate Intake` und persönlicher Einnahmeregel. Ein Adequate Intake ist ein Referenzwert für Gruppen und Ernährungsbewertung. Er sagt nicht, dass jede einzelne Person genau diese Menge zuführen muss oder dass eine zusätzliche Supplementierung notwendig wäre.
Studiendesign und Methoden
Die Quelle ist eine behördliche wissenschaftliche Stellungnahme. Sie ist keine randomisierte Studie und keine Meta-Analyse. Das EFSA NDA Panel sichtete physiologische Daten, Studien zu Jodstatus, Urinjodkonzentration, Schilddrüsenfunktion, Schwangerschaft und Stillzeit sowie vorhandene Referenzwertrahmen.
Für die zentrale Ableitung nutzte die EFSA eine große epidemiologische Studie bei europäischen Schulkindern. In dieser Studie war die Kropfhäufigkeit bei einer Urinjodkonzentration oberhalb von ungefähr 100 µg/L am niedrigsten. Daraus übernahm die EFSA eine mediane Urinjodkonzentration von mindestens 100 µg/L als Schwelle, die auf ausreichende Jodaufnahme bei Schulkindern hinweist.
Weil vergleichbar geeignete Daten für andere Altersgruppen fehlten, übertrug die EFSA diese Schwelle auch auf Erwachsene, Säuglinge und junge Kinder. Für die Umrechnung in Aufnahmemengen berücksichtigte sie die Urinmenge und eine Jodabsorptionsrate von 92 %. Daraus ergab sich für Erwachsene ein Adequate Intake von 150 µg pro Tag.
Untersuchte Personen oder Datenbasis
Die EFSA-Stellungnahme enthält keine neu rekrutierte Studienpopulation. Die Datenbasis besteht aus vorhandenen wissenschaftlichen Studien, Referenzwertdokumenten und physiologischen Ableitungen.
| Datenbereich | Rolle in der Ableitung | Kernaussage |
|---|---|---|
| Europäische Schulkinder | Hauptbasis für die UIC-Schwelle | Kropfhäufigkeit war oberhalb von etwa 100 µg/L Urinjodkonzentration am niedrigsten |
| Erwachsene | Ableitung über übertragene UIC-Schwelle, Urinvolumen und Absorption | Adequate Intake von 150 µg/Tag |
| Säuglinge ab 7 Monaten und Kinder | Altersabhängige Übertragung und Skalierung | Adequate Intake zwischen 70 und 130 µg/Tag |
| Schwangere | zusätzlicher Bedarf durch mütterliche Schilddrüsenhormonbildung und Jodaufnahme durch Fetus, Plazenta und Fruchtwasser | Adequate Intake von 200 µg/Tag |
| Stillende | Stillzeitbedarf und vorhandene Jodspeicher bei ausreichendem Status vor der Schwangerschaft | Adequate Intake von 200 µg/Tag |
Die Quelle arbeitet damit vor allem mit Populationsdaten. Die Urinjodkonzentration ist ein Marker für Gruppenversorgung. Sie eignet sich nicht als einfache Einzelpersonen-Selbstdiagnostik.
Intervention, Exposition und Vergleich
Es wurde keine Intervention getestet. Die Exposition ist die übliche Jodaufnahme über Ernährung, angereicherte Lebensmittel oder andere Quellen, soweit sie in den herangezogenen Daten erfasst wurde.
Der zentrale Vergleich ist methodisch: Die EFSA stellt beobachtete Jodstatusmarker und physiologische Anforderungen den verfügbaren Ableitungswegen gegenüber. Dabei wird deutlich, dass direkte Bilanzdaten und klinische Endpunkte für viele Bevölkerungsgruppen nicht ausreichen, um einen exakten durchschnittlichen Bedarf abzuleiten. Deshalb wählt die EFSA den Adequate-Intake-Ansatz.
Ergebnisse
Die EFSA nennt folgende zentrale Referenzwerte:
| Gruppe | EFSA-Ableitung |
|---|---|
| Erwachsene | 150 µg Jod pro Tag |
| Säuglinge 7-11 Monate und Kinder | 70-130 µg Jod pro Tag, je nach Alter |
| Schwangere | 200 µg Jod pro Tag |
| Stillende | 200 µg Jod pro Tag |
Der Erwachsenenwert entsteht aus der übertragenen UIC-Schwelle von mindestens 100 µg/L, der angenommenen Jodabsorption von 92 % und altersbezogenen Annahmen zur Urinmenge. Für Kinder und Säuglinge ab 7 Monaten werden niedrigere, altersabhängige Werte abgeleitet.
Für Schwangere berücksichtigt die EFSA den erhöhten Bedarf durch die gesteigerte mütterliche Schilddrüsenhormonproduktion sowie Jodaufnahme durch Fetus, Plazenta und Fruchtwasser. Für Stillende nennt die EFSA ebenfalls 200 µg pro Tag. Dabei berücksichtigt sie, dass bei ausreichendem Jodstatus vor der Schwangerschaft größere Jodspeicher vorhanden sein können und dass eine vollständige rechnerische Kompensation des in die Muttermilch abgegebenen Jods nicht als alleinige Ableitungsgrundlage verwendet wurde.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Die Quelle ist ein Referenzwertdokument für angemessene Aufnahmemengen. Sie ist nicht der zentrale EFSA-Text zum tolerierbaren oberen Aufnahmewert für Jod und berichtet keine neu erhobenen Nebenwirkungsdaten.
Sicherheitsrelevant ist vor allem die Abgrenzung: Die genannten Werte sind Adequate-Intake-Werte, keine Upper Levels und keine Höchstmengen für Produkte. Aus 150 µg oder 200 µg pro Tag lässt sich deshalb nicht ableiten, wie viel Jod in einem einzelnen Nahrungsergänzungsmittel enthalten sein sollte oder welche Menge für eine einzelne Person medizinisch passend wäre.
Die Quelle beschreibt Mangel als Problem auf Populationsebene: Jodmangel ist mit häufigerem Kropf und Hypothyreose verbunden. Sie bewertet aber nicht die individuelle Diagnostik oder Behandlung solcher Zustände.
Grenzen der Aussagekraft
Die wichtigste Grenze ist der Ableitungsweg. Die EFSA musste für mehrere Gruppen mit indirekten Daten arbeiten, weil keine gleichwertigen Studien für alle Alters- und Lebensphasen verfügbar waren. Die UIC-Schwelle von mindestens 100 µg/L stammt aus Daten bei Schulkindern und wurde auf andere Gruppen übertragen.
Eine zweite Grenze betrifft die Art des Markers. Urinjodkonzentration eignet sich gut zur Beurteilung der Jodversorgung von Gruppen. Für einzelne Personen schwankt sie stärker und kann nicht allein als sichere individuelle Statusdiagnostik verwendet werden.
Eine dritte Grenze ist der Zweck des Dokuments. Die Stellungnahme beantwortet eine Referenzwertfrage, nicht die Frage nach Nutzen oder Schaden einer Jodsupplementierung in bestimmten klinischen Gruppen. Sie prüft keine Produktqualität, keine Marken, keine Einnahmeschemata und keine Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen.
Was die Quelle zeigt
Die EFSA-Quelle zeigt, wie ein europäischer Adequate-Intake-Rahmen für Jod abgeleitet wurde. Der zentrale Erwachsenenwert liegt bei 150 µg pro Tag. Für Schwangerschaft und Stillzeit nennt die EFSA jeweils 200 µg pro Tag. Für Säuglinge ab 7 Monaten und Kinder liegen die Werte zwischen 70 und 130 µg pro Tag.
Die Quelle zeigt außerdem, dass die EFSA eine mediane Urinjodkonzentration von mindestens 100 µg/L als Hinweis auf ausreichende Jodaufnahme bei Schulkindern verwendet und diesen Schwellenwert mangels besserer Daten auf andere Gruppen überträgt. Die Ableitung beruht deshalb auf Populationsmarkern, physiologischen Annahmen und einer angenommenen Absorption von 92 %.
Was die Quelle nicht zeigt
Die Quelle zeigt nicht, dass eine einzelne Person Jod supplementieren sollte. Sie zeigt auch nicht, dass 150 µg oder 200 µg pro Tag eine persönliche Zielmenge für jede Situation sind.
Die Quelle zeigt keinen tolerierbaren oberen Aufnahmewert, keine produktbezogene Höchstmenge und keine klinische Wirksamkeit von Jodpräparaten. Sie ersetzt keine individuelle Bewertung von Schilddrüsenstatus, Schwangerschaftsversorgung, Mangel, Überversorgung oder medizinischen Risikokonstellationen.
Kompakte Faktenzusammenfassung
- Die EFSA-Stellungnahme von 2014 leitet Dietary Reference Values für Jod ab.
- Die Werte werden als Adequate Intake angegeben, weil direkte Bedarfsdaten für mehrere Gruppen begrenzt waren.
- Für Erwachsene nennt die EFSA 150 µg Jod pro Tag.
- Für Säuglinge ab 7 Monaten und Kinder nennt die EFSA altersabhängig 70-130 µg Jod pro Tag.
- Für Schwangere nennt die EFSA 200 µg Jod pro Tag.
- Für Stillende nennt die EFSA ebenfalls 200 µg Jod pro Tag.
- Die zentrale UIC-Schwelle beträgt mindestens 100 µg/L und stammt aus Daten zu europäischen Schulkindern.
- Für die Umrechnung in Aufnahmemengen berücksichtigt die EFSA eine Jodabsorption von 92 %.
- Die Quelle ist ein Referenzwertdokument und keine klinische Supplementierungsstudie.
- Die Quelle liefert keine persönliche Dosierungsregel, keinen Upper Level und keine Produktbewertung.