Leitlinie: Kaliumzufuhr für Erwachsene und Kinder
Die WHO bewertet Kaliumzufuhr anhand systematischer Reviews: Bei Erwachsenen sank der Blutdruck moderat, bei Kindern war der Effekt nicht eindeutig.
Wie die Leitlinie entstanden ist
Die Leitlinie stützt sich auf drei systematische WHO-Reviews und bewertete die Evidenz mit GRADE. Für den Blutdruck bei Erwachsenen wurden 22 randomisierte kontrollierte Studien einbezogen: 17 bei Menschen mit Hypertonie, drei bei Menschen ohne Hypertonie und zwei mit gemischten Gruppen. Interventionen und Ausgangszufuhr unterschieden sich zwischen den Studien; die höchste untersuchte Dosisgruppe lieferte unpräzise Schätzungen.
Zusätzlich wertete die WHO zwölf prospektive Kohorten mit mehr als 127.000 Erwachsenen aus verschiedenen Regionen für Herz-Kreislauf-Endpunkte aus. Die Leitlinie verbindet damit Interventionsdaten zu Blutdruck mit Beobachtungsdaten zu späteren Erkrankungsereignissen.
Ergebnisse bei Erwachsenen
In 21 randomisierten Vergleichen senkte eine höhere Kaliumzufuhr den systolischen Blutdruck im Mittel um 3,06 mmHg. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte von einer Senkung um 4,70 bis 1,42 mmHg. Der diastolische Blutdruck sank im Mittel um 2,84 mmHg, mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 4,66 bis 1,01 mmHg weniger.
In den prospektiven Kohorten war eine höhere Kaliumzufuhr mit einem geringeren Schlaganfallrisiko verbunden: Das relative Risiko betrug 0,79, das 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,68 bis 0,93. Für gesamte Herz-Kreislauf-Ereignisse war das Ergebnis mit einem relativen Risiko von 0,88 und einem Intervall von 0,70 bis 1,11 nicht eindeutig; auch Koronarereignisse waren nicht klar assoziiert. Die Qualität der Schlaganfallevidenz wurde als niedrig und die der gesamten Herz-Kreislauf-Evidenz als sehr niedrig bewertet. Beobachtungsdaten belegen keine sichere Ursache-Wirkungs-Beziehung.
Was die Daten bei Kindern zeigen
Für Kinder im Alter von 2 bis 15 Jahren lagen drei Studien vor. Die systolische Blutdruckänderung unter höherer Kaliumzufuhr betrug im Mittel minus 0,28 mmHg; das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte von minus 1,05 bis plus 0,49 mmHg. Der Unterschied war damit klein und statistisch nicht signifikant. Eine der drei Studien war nicht randomisiert, weshalb die Evidenzqualität als niedrig eingestuft wurde.
Grenzen und Einordnung
Die Leitlinie umfasst Erwachsene mit und ohne Hypertonie, doch Studienbedingungen und Ausgangszufuhr waren uneinheitlich. Die Blutdruckwerte stammen aus randomisierten Vergleichen, die Schlaganfall- und Herz-Kreislauf-Ergebnisse überwiegend aus Kohorten. Bei Kindern ist die Datenbasis klein und unsicher. Der Zielwert ist eine bevölkerungsbezogene Leitlinienempfehlung aus Lebensmitteln, keine individuelle Dosierungsanweisung.
Fazit
Die WHO sieht für Erwachsene belastbare Hinweise auf eine moderate Blutdrucksenkung bei höherer Kaliumzufuhr und niedrigere, beobachtungsbasierte Schlaganfallrisiken. Für Kinder zeigen drei Studien keinen statistisch eindeutigen Blutdruckeffekt. Diese Unterschiede in Design und Evidenzqualität erklären, warum der konkrete Zielwert von 3.510 mg pro Tag nur bedingt empfohlen wird.