Auswirkungen eines Salzersatzes auf kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle

In der SSaSS-Studie waren unter Salzersatz mit weniger Natrium und mehr Kalium Schlaganfälle, Herz-Kreislauf-Ereignisse und Todesfälle seltener.

Wer wurde untersucht?

Die offene, cluster-randomisierte Studie umfasste 20.995 Menschen aus 600 ländlichen Dörfern in China. Teilnehmen konnten Personen mit einem früheren Schlaganfall oder Menschen ab 60 Jahren mit Hypertonie. Das mittlere Alter lag bei 65,4 Jahren; 49,5 Prozent waren Frauen. Insgesamt hatten 72,6 Prozent bereits einen Schlaganfall und 88,4 Prozent Hypertonie.

Die Dörfer wurden als Gruppen einer der beiden Salzstrategien zugeteilt. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 4,74 Jahre. Das Clusterdesign reduziert zwar den direkten Austausch der Intervention zwischen einzelnen Teilnehmenden, die Behandlung war aber nicht verblindet.

Worin bestand der Salzersatz?

Die Interventionsgruppe verwendete ein Salz aus 75 Prozent Natriumchlorid und 25 Prozent Kaliumchlorid. In der Kontrollgruppe bestand das Salz aus 100 Prozent Natriumchlorid. Die Studie prüfte somit eine kombinierte Substitution: weniger Natrium und gleichzeitig mehr Kalium.

Untersucht wurden Schlaganfälle, schwere kardiovaskuläre Ereignisse, Todesfälle und schwere Ereignisse, die einer Hyperkaliämie zugeschrieben wurden.

Ergebnisse zu Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Ereignissen und Tod

Unter Salzersatz lag die Rate für Schlaganfälle niedriger als unter normalem Salz. Die Rate Ratio betrug 0,86; das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte von 0,77 bis 0,96. Auch schwere kardiovaskuläre Ereignisse waren mit einer Rate Ratio von 0,87 und die Gesamtmortalität mit einer Rate Ratio von 0,88 niedriger.

Diese Ergebnisse gelten für die geprüfte Gesamtstrategie. Sie zeigen nicht, welcher Anteil der beobachteten Unterschiede auf weniger Natrium und welcher auf mehr Kalium zurückging.

Was zeigte die Sicherheitsauswertung?

Schwere, einer Hyperkaliämie zugeschriebene Ereignisse waren statistisch nicht signifikant häufiger. Sie traten mit 3,35 Ereignissen pro 1.000 Personenjahre unter Salzersatz und 3,30 pro 1.000 Personenjahre unter normalem Salz auf. Die Rate Ratio lag bei 1,04 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,80 bis 1,37.

Dieses Ergebnis schließt einen moderaten Unterschied nicht sicher aus. Zudem berichtet der Abstract keine getrennten Analysen nach Nierenfunktion oder kaliumwirksamer Medikation.

Grenzen und Übertragbarkeit

Die Untersuchung fand in ländlichen chinesischen Dörfern und in einer klar definierten Hochrisikopopulation statt. Ernährung, Versorgung und Ausgangsrisiko können sich von anderen Regionen und Bevölkerungsgruppen unterscheiden. Das offene Clusterdesign und die fehlenden Untergruppen nach Nierenfunktion begrenzen ebenfalls die Übertragbarkeit.

Vor allem ist Salzersatz nicht mit einer isolierten Kaliumsupplementierung gleichzusetzen: Die Intervention veränderte Natrium und Kalium gleichzeitig.

Fazit

In dieser großen cluster-randomisierten Hochrisikostudie waren Schlaganfälle, schwere kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle unter einem Salzersatz aus 75 Prozent Natriumchlorid und 25 Prozent Kaliumchlorid niedriger. Schwere Hyperkaliämieereignisse waren nicht signifikant häufiger. Die Ergebnisse belegen die kombinierte Salzstrategie, nicht einen isolierten Kaliumeffekt, und lassen sich nicht automatisch auf jede Bevölkerung übertragen.

Quellen

  1. Neal B, Wu Y, Feng X, Zhang R, Zhang Y, Shi J, Zhang J, Tian M, Huang L, Li Z, Yu Y, Zhao Y, Zhou B, Sun J, Liu Y, Yin X, Hao Z, Yu J, Li KC, Zhang X, Duan P, Wang F, Ma B, Shi W, Di Tanna GL, Stepien S, Shan S, Pearson SA, Li N, Yan LL, Labarthe D, Elliott P (2021). Effect of Salt Substitution on Cardiovascular Events and Death.. The New England journal of medicine. DOI: 10.1056/nejmoa2105675. PMID: 34459569.