Referenzwerte für die Kaliumzufuhr
Die EFSA nennt 3.500 mg Kalium pro Tag als angemessene Zufuhr für Erwachsene. Grundlage sind Blutdruck- und Beobachtungsdaten; der Wert ist keine persönliche Supplementdosis.
Warum die EFSA eine angemessene Zufuhr festlegt
Die EFSA-Referenzwerte für Kalium beantworten eine Bevölkerungsfrage: Welche Zufuhr lässt sich anhand der verfügbaren Daten als angemessen einordnen? Für erwachsene Frauen und Männer ab 18 Jahren nennt die Stellungnahme von 2016 3.500 mg Kalium pro Tag. In der Quelle entspricht das gerundet 90 mmol/Tag; Millimol ist eine andere Einheit für die Stoffmenge.
Dieser Wert heißt Adequate Intake, kurz AI, auf Deutsch „angemessene Zufuhr“. Er ist kein gemessener persönlicher Mindestbedarf. Die EFSA konnte nicht bestimmen, wie sich die für die betrachteten Gesundheitsendpunkte erforderlichen Kaliummengen zwischen Menschen verteilen. Deshalb leitete sie weder einen durchschnittlichen Bedarf (AR) noch eine daraus berechnete Referenzzufuhr für die Bevölkerung (PRI) ab.
Die Stellungnahme des EFSA-Gremiums für Ernährung und Allergien wurde am 22. September 2016 angenommen. Sie überprüft im Auftrag der Europäischen Kommission die Referenzwerte des früheren Wissenschaftlichen Lebensmittelausschusses von 1993 für die europäische Bevölkerung im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung. Sie ist eine wissenschaftliche Bewertung vorhandener Untersuchungen, keine neue klinische Studie und keine Behandlungsanleitung.
Welche Daten für die Ableitung geeignet waren
Kalium trägt zur Flüssigkeitsverteilung, zum Säure-Basen-Gleichgewicht und zur elektrischen Aktivität von Nerven und Muskeln bei. Es wirkt außerdem bei Energieübertragung, Hormonfreisetzung sowie dem Aufbau von Proteinen und Glykogen mit. Rund 98 % des Kaliums im Körper liegen innerhalb der Zellen, ein großer Teil davon in der Muskulatur. Ungefähr 90 % des Nahrungskaliums werden vor allem im Dünndarm aufgenommen.
Der Körper reguliert Kalium über die Aufnahme in Zellen und die Ausscheidung durch die Nieren. Daran wirken auch Hormone, das Säure-Basen-Gleichgewicht und die Natriummenge mit, die den letzten Abschnitt der Nierenkanälchen erreicht. Blutkalium und Gesamtkörperkalium werden dadurch stabilisiert. Ein Blutwert lässt sich deshalb nicht einfach in einen langfristigen Zufuhrbedarf übersetzen. Nach EFSA stand kein geeigneter Statusmarker zur Ableitung von Kaliumreferenzwerten für die allgemeine Bevölkerung zur Verfügung.
Auch Bilanzstudien, die Aufnahme und Verluste gegenüberstellen, reichten nicht aus. Ihre Populationen unterschieden sich, Anpassungszeiten waren teils kurz und Verluste nicht vollständig erfasst. Systematische Messfehler blieben möglich. Für Kinder wurden keine Kaliumbilanzstudien gefunden; ihr Gewebezuwachs bildet zudem nur einen Teil des Bedarfs ab.
Die EFSA stützte sich daher vor allem auf zwei Evidenzarten:
- Randomisierte Studien zum Blutdruck: Teilnehmende erhielten mehr Kalium oder eine Kontrollbehandlung. Diese Studien prüfen Veränderungen unter bestimmten Bedingungen.
- Prospektive Beobachtungskohorten: Menschen wurden über längere Zeit beobachtet. Zusammenhänge mit späterer Hypertonie oder Schlaganfällen beweisen allein keine Ursache und Wirkung.
Urinausscheidung ist nicht dasselbe wie Zufuhr
Vollständige 24-Stunden-Urinsammlungen gelten bei Erwachsenen auf Bevölkerungsebene als zuverlässiger Zufuhrmarker. Die EFSA multipliziert die ausgeschiedene Kaliummenge für ihre Zufuhrschätzung mit 1,30. Dieser Faktor stammt aus Untersuchungen mit chemisch analysierter Nahrung und vollständigen Urinsammlungen.
Eine einzelne Sammlung erfasst die übliche persönliche Zufuhr jedoch nicht genau. Formeln aus einer einzelnen spontanen Urinprobe können die Ausscheidung über- oder unterschätzen. Urinwert, geschätzte Gesamtzufuhr und zusätzlich gegebenes Kalium müssen deshalb getrennt bleiben.
Was die Blutdruckstudien zeigen
Die zusammengefassten Studien unterschieden sich unter anderem nach Ausgangsblutdruck, Medikamenten, begleitenden Ernährungsänderungen und Dauer. Dickinson berücksichtigte mindestens acht Wochen, Aburto, FSANZ und Binia mindestens vier Wochen. Die letztgenannten Auswertungen ließen auch weitere Ernährungsänderungen zu.
Die folgende Tabelle gibt die in der EFSA-Stellungnahme berichteten Ergebnisse wieder. Systolisch bezeichnet den oberen, diastolisch den unteren Blutdruckwert. Die 95 %-Konfidenzintervalle (95 %-KI) zeigen die statistische Unsicherheit; ein Intervall über null hinweg lässt auch keinen Unterschied zur Kontrolle zu.
| Auswertung und untersuchte Gruppen | Unterschied zur Kontrolle | Einordnung |
|---|---|---|
| Dickinson: fünf randomisierte Studien, 425 Menschen mit Hypertonie ohne Blutdruckmedikation; in vier der fünf Studien zusätzlich 1.872–4.680 mg Kalium/Tag | Systolisch −11,2 mmHg (95 %-KI −25,2 bis 2,7); diastolisch −5,0 mmHg (95 %-KI −12,5 bis 2,4) | Sehr unterschiedliche Studienergebnisse; beide Intervalle schließen null ein. Die Ausgangszufuhr ist für diese Zusammenfassung nicht angegeben. |
| Aburto: 21 randomisierte Studien, 1.892 Personen; erhöhte Zufuhr durch Supplemente oder Ernährungsberatung | Systolisch −3,49 mmHg (95 %-KI −5,15 bis −1,82); diastolisch −1,96 mmHg (95 %-KI −3,06 bis −0,86) | 16 Studien betrafen behandelte oder unbehandelte Hypertonie, drei normalen Blutdruck und zwei gemischte Gruppen. |
| Aburto: Teilgruppe mit Hypertonie | Systolisch −5,32 mmHg (95 %-KI −7,20 bis −3,43); diastolisch −3,10 mmHg (95 %-KI −4,53 bis −1,66) | In den drei Studien mit normalem Ausgangsblutdruck zeigte sich kein Effekt. |
| Binia: 14 randomisierte Studien, überwiegend zusätzlich 2.340–2.535 mg Kalium/Tag | Systolisch −4,7 mmHg (95 %-KI −7,0 bis −2,4) | EFSA bemängelt fehlende geeignete Einzelstudien und fehlende getrennte Zufuhranalysen nach Blutdruckstatus. Ein Dosis-Wirkungszusammenhang wurde nicht identifiziert. |
In Aburtos Analyse nach erreichter Gesamtzufuhr lag die größte Blutdrucksenkung in fünf Studien bei geschätzten 3.500–4.700 mg Kalium/Tag. Die Schätzung beruhte auf dem Urinkalium nach der Intervention, multipliziert mit 1,30. Berichtet wurden systolisch −7,16 mmHg (95 %-KI −12,41 bis −1,91) und diastolisch −4,01 mmHg (95 %-KI −8,44 bis 0,42). Das diastolische Intervall schließt null ein. Die Zufuhrklassen wurden nicht getrennt nur für Menschen mit oder ohne Hypertonie ausgewertet. Die Spanne bezeichnet keine Supplementdosis und keinen persönlichen Zielbereich.
Auch Natrium spielte eine Rolle: Bei einer Ausgangszufuhr von mehr als 4 g Natrium pro Tag war der systolische Effekt mit −6,91 mmHg (95 %-KI −11,53 bis −2,29) am stärksten, verglichen mit den Gruppen unter 2 beziehungsweise zwischen 2 und 4 g Natrium/Tag. Gemeint ist Natrium, nicht dieselbe Masse an Speisesalz. Dieser Teilgruppenbefund begründet keine Erhöhung der Natriumzufuhr. Insgesamt reichten Daten zu Natrium-Kalium-Verhältnis, Salzempfindlichkeit sowie ethnischen und genetischen Faktoren nicht für unterschiedliche Kaliumreferenzwerte aus.
Zwei einzelne Versuche verdeutlichen die Grenzen der Übertragbarkeit:
- Bei 37 unbehandelten Personen mit erhöhtem oder grenzwertig erhöhtem Blutdruck wurden vier Wochen lang zusätzlich 2.800 mg Kalium/Tag untersucht. Die Ausgangszufuhr lag bei etwa 2.300 mg Kalium/Tag und 2.400 mg Natrium/Tag; der systolische Ausgangsblutdruck betrug 130–159 mmHg. Die ambulante 24-Stunden-Messung ergab gegenüber Kontrolle systolisch −3,9 mmHg (95 %-KI −6,9 bis −0,9) und diastolisch −1,6 mmHg (95 %-KI −3,2 bis −0,1).
- Ein in der FSANZ-Aktualisierung ergänzter Versuch mit 21 Personen mit normalem Blutdruck zeigte nach 28 Tagen keinen Blutdruckeffekt. Untersucht wurden zusätzlich 3.900 mg Kalium/Tag bei einer geschätzten Ausgangszufuhr um 3.800 mg/Tag.
Kleine Kinderstudien mit Gesamtzufuhren von ungefähr 1.700–5.100 mg/Tag, Ausgangszufuhren von 1.900–2.800 mg/Tag und Laufzeiten von einer Woche bis drei Jahren zeigten keinen Blutdruckeffekt. Die EFSA hielt diese Daten für eine direkte Referenzwertableitung bei Kindern für unzureichend.
Was Beobachtungsstudien beitragen – und was offenbleibt
In der niederländischen PREVEND-Auswertung wurden 5.511 anfangs normotensive Personen im Alter von 28–75 Jahren untersucht. Wiederholte doppelte 24-Stunden-Urinsammlungen erfassten die Ausscheidung. Über eine mittlere Nachbeobachtung im Sinne des Medians von 7,6 Jahren traten 1.172 neue Hypertoniefälle auf. Die ursprüngliche Kohorte enthielt überproportional viele Menschen mit Albumin im Urin, was ihre Übertragbarkeit begrenzt.
Das niedrigste geschlechtsspezifische Drittel der Urinkaliumwerte war gegenüber den beiden höheren Dritteln zusammen mit einem höheren Hypertonierisiko verbunden: adjustierte Hazard Ratio 1,20 (95 %-KI 1,05–1,37). Die Grenzen für dieses untere Drittel lagen bei Männern unter 68 mmol und bei Frauen unter 58 mmol Kalium pro 24 Stunden im Urin. Die Hazard Ratio beschreibt das relative Auftreten neuer Fälle über die Zeit; sie ist keine absolute Erkrankungswahrscheinlichkeit.
Eine Modellanalyse zeigte ein höheres Risiko unter ungefähr 70 mmol Urinkalium in 24 Stunden. Die EFSA ordnete dies als rund 3.500 mg Kaliumzufuhr pro Tag ein. Dieser populationsbezogene Zusammenhang ist kein individueller Mindestbedarf. Andere Kohorten mit Ernährungsfragebögen, einzelnen Ernährungsbefragungen oder Nachturin zeigten nach Berücksichtigung weiterer Einflussgrößen keinen konsistenten Zusammenhang. Messfehler und nicht vollständig erfasste Einflussfaktoren bleiben möglich.
Schlaganfall: Die Vergleichsgröße entscheidet
Für Schlaganfälle bewertet die EFSA Zusammenfassungen prospektiver Kohorten. Vincetis Metaanalyse umfasste 16 Kohorten mit 639.440 Personen und 19.522 Ereignissen. Die medianen Nachbeobachtungszeiten der Kohorten lagen zwischen 3,7 und 25,8 Jahren; die Kaliumzufuhr wurde über Ernährungsbefragungen oder Urin geschätzt.
Anhang H nennt folgende relative Risiken (RR). Werte unter eins stehen für eine niedrigere beobachtete Häufigkeit im jeweiligen Vergleich. Die unterschiedlichen Vergleiche dürfen nicht zusammengeworfen werden.
| In der EFSA berichtete Auswertung | Vergleich | Relatives Schlaganfallrisiko mit 95 %-KI |
|---|---|---|
| Larsson 2011, zehn Kohorten | Je 1.000 mg höherer Kaliumzufuhr | 0,89 (0,83–0,96) |
| Aburto 2013, zehn Kohorten | Höhere gegenüber niedrigerer Kaliumkategorie | 0,76 (0,66–0,88) |
| D’Elia 2014, zwölf Kohorten | Höhere gegenüber niedrigerer Kaliumkategorie | 0,80 (0,72–0,90) |
| D’Elia 2014, zwölf Kohorten | Je 1.000 mg höherer Kaliumzufuhr | 0,90 (0,84–0,96) |
| Adebamowo 2015, zwölf Kohorten | Je 1.000 mg höherer Kaliumzufuhr | 0,91 (0,88–0,94) |
| Vinceti 2016, 16 Kohorten | Höhere gegenüber niedrigerer Kaliumkategorie | 0,87 (0,80–0,94) |
Im Original besteht dazu eine Unstimmigkeit: Der Fließtext auf der gedruckten Seite 28 ordnet die Spanne von 0,76–0,91 pauschal der höchsten gegenüber der niedrigsten Zufuhrkategorie zu. Anhang H bezeichnet den Wert 0,91 dagegen ausdrücklich als Ergebnis je 1.000 mg höherer Zufuhr. Deshalb lässt sich diese Spanne nicht als einheitlicher Kategorienvergleich wiedergeben. Die Tabelle oben erhält die unterschiedlichen Vergleichsgrößen aus dem Anhang.
Die modellierten Verläufe zeigten eine inverse Beziehung bis ungefähr 3.500 mg Kalium/Tag: Mit höherer geschätzter Zufuhr ging ein niedrigeres beobachtetes Risiko einher. Darüber flachte die Beziehung ab und wurde unpräziser. Fehlklassifikation der Zufuhr und verbleibende andere Einflussfaktoren begrenzen die Aussage. Zudem überschneiden sich die eingeschlossenen Kohorten zwischen Metaanalysen; die Zusammenfassungen sind keine voneinander unabhängigen Bestätigungen. Sie belegen weder eine persönliche Schutzwirkung noch einen zusätzlichen Nutzen immer höherer Mengen.
Andere Endpunkte lieferten keine tragfähige Alternative für die Ableitung. Die Daten zu koronarer Herzkrankheit und Typ-2-Diabetes waren unklar oder widersprüchlich; zusammengesetzte Herz-Kreislauf-Endpunkte waren uneinheitlich definiert. Befunde zur Knochendichte waren begrenzt oder inkonsistent, Frakturdaten fehlten. Auch Nierensteinbefunde reichten nicht aus. Bei Kaliumcitrat oder -bicarbonat lässt sich eine Wirkung des alkalischen Salzanteils nicht automatisch dem Kalium zuschreiben; die Quelle unterscheidet diese Formen von Kaliumchlorid.
Welche Referenzwerte für die Lebensphasen gelten
Die EFSA überträgt den Erwachsenen-AI auf jüngere Altersgruppen anhand des Verhältnisses der Körpergewichte und eines Wachstumsfaktors. Diese sogenannte isometrische Skalierung ist eine Ableitung aus Annahmen, keine direkte Messung des Bedarfs jedes Kindes. Die Tabelle übernimmt die veröffentlichten Werte; sie berechnet keine persönliche Zufuhr.
| Bevölkerungsgruppe | Angemessene Kaliumzufuhr (AI) | Gerundete Originalangabe |
|---|---|---|
| 7–11 Monate | 750 mg/Tag | 19 mmol/Tag |
| 1–3 Jahre | 800 mg/Tag | 20 mmol/Tag |
| 4–6 Jahre | 1.100 mg/Tag | 28 mmol/Tag |
| 7–10 Jahre | 1.800 mg/Tag | 46 mmol/Tag |
| 11–14 Jahre | 2.700 mg/Tag | 69 mmol/Tag |
| 15–17 Jahre | 3.500 mg/Tag | 90 mmol/Tag |
| Erwachsene ab 18 Jahren | 3.500 mg/Tag | 90 mmol/Tag |
| Schwangerschaft | 3.500 mg/Tag | 90 mmol/Tag |
| Stillzeit | 4.000 mg/Tag | 102 mmol/Tag |
Die Kinderwerte werden laut Original auf die nächstgelegenen 50 mg/Tag gerundet. Unterschiede im kaliumhaltigen Gewebezuwachs zwischen Jungen und Mädchen wurden im Verhältnis zum Gesamtbedarf als vernachlässigbar beurteilt. Die endgültigen Werte gelten daher für beide Geschlechter.
In der Schwangerschaft bleibt der AI unverändert. Die EFSA nimmt an, dass die Anpassung der körpereigenen Regulation den Gewebezuwachs abdeckt; direkte Bedarfsdaten sind begrenzt.
Für die Stillzeit ist die Herleitung anders: Bei ausschließlich stillenden Frauen in den ersten sechs Monaten setzt die EFSA 0,8 Liter Milch pro Tag mit ungefähr 500 mg Kalium je Liter an. Daraus ergeben sich in ihrer Rechnung 400 mg Kaliumverlust pro Tag. Bei angenommener Aufnahme von 90 % über den Darm werden dafür zusätzlich rund 444 mg/Tag angesetzt. Zusammen mit 3.500 mg/Tag ergeben sich etwa 3.944 mg/Tag, auf die nächsten 100 mg aufgerundet 4.000 mg/Tag als gesamter AI. Die Absorptionsannahme stammt aus nicht stillenden Personen; direkte Daten zur Anpassung während der Stillzeit fehlen. Weder der Zusatz noch der Gesamtwert ist eine Supplementempfehlung.
Was europäische Ernährungserhebungen zeigen
Die EFSA schätzte die Kaliumzufuhr aus 13 Erhebungen in neun EU-Ländern. Erfasst wurden Lebensmittel und, soweit verfügbar, Salzersatz; Nahrungsergänzungsmittel gingen nicht ein.
| Altersgruppe der Erhebungen | Spanne der mittleren Kaliumzufuhren |
|---|---|
| Unter einem Jahr | 821–1.535 mg/Tag |
| 1 bis unter 3 Jahre | 1.516–2.005 mg/Tag |
| 3 bis unter 10 Jahre | 1.668–2.750 mg/Tag |
| 10 bis unter 18 Jahre | 2.093–3.712 mg/Tag |
| Ab 18 Jahren | 2.463–3.991 mg/Tag |
Das sind Spannen verschiedener Erhebungs- und Gruppenmittelwerte. Sie beschreiben weder individuelle Zufuhrspannen noch den Anteil mit Mangel oder ausreichender Versorgung. Lebensmittelzuordnung, Zusammensetzungstabellen und unvollständige Verzehrangaben begrenzen die Schätzungen. Der finnische Säuglingsdatensatz berücksichtigt keine Muttermilchzufuhr. Die in den Anhängen genannten P5 und P95 sind Perzentile der Verteilung, keine Konfidenzintervalle; bei weniger als 60 Personen werden sie wegen geringer Robustheit nicht ausgewiesen.
Als Kaliumquellen nennt die Stellungnahme stärkehaltige Wurzeln und Knollen, Gemüse, Obst, Vollkorn, Milchprodukte und Kaffee. Verarbeitung kann beträchtliche Verluste verursachen. Diese Lebensmittelangaben sind vom Einsatz konzentrierter Kaliumpräparate zu unterscheiden.
Warum Nierenfunktion und Präparate eigene Grenzen setzen
Die EFSA hatte mangels ausreichender Daten keinen oberen tolerierbaren Zufuhrwert (UL) für Kalium festgelegt. Das bedeutet keine unbegrenzte Sicherheit. Besonders wichtig ist die Nierenfunktion, weil die Nieren die Ausscheidung regulieren.
Die Quelle beschreibt Hyperkaliämie, also erhöhtes Kalium im Blut, bei Erwachsenen häufig als Serumkalium über ungefähr 5,5 mmol/l. Sie kann schwere Herzrhythmusstörungen verursachen. Dieser klinische Wert ist kein einfacher Maßstab für die aufgenommene Nahrungsmenge und keine Anleitung zur Selbstdiagnose. Die meisten beschriebenen Fälle betreffen eingeschränkte Nierenfunktion; unangemessen hohe Supplementmengen, Kaliumgabe unter Umgehung des Verdauungstrakts und Verschiebungen aus Zellen sind weitere mögliche Ursachen.
Die Sicherheitsbefunde müssen nach Herkunft und Population getrennt gelesen werden:
| Beschriebene Zufuhr und Gruppe | Aussage der referierten Sicherheitsdaten | Grenze |
|---|---|---|
| Lebensmittel bis 5.000–6.000 mg Kalium/Tag bei allgemein gesunden Erwachsenen | Risiko als niedrig eingeschätzt | Kein UL; nicht auf Nierenerkrankte, Zusatzpräparate oder beliebig hohe Mengen übertragbar. |
| Langfristig zusätzlich etwa 3.000 mg Kalium/Tag als Kaliumchlorid bei gesunden Erwachsenen | In den referierten Daten keine unerwünschten Wirkungen | Kein Nachweis einer allgemein sicheren Supplementdosis. |
| 5.000–7.000 mg Kalium/Tag aus Supplementen bei scheinbar gesunden Erwachsenen | Einzelne Fallberichte über unerwünschte Herzeffekte | Fallberichte erlauben keine allgemeine Häufigkeitsschätzung. |
| Bestimmte Supplementformulierungen mit etwa 1.000–5.000 mg Kalium/Tag bei gesunden Probanden | Magen-Darm-Beschwerden | Häufigkeit und Schwere scheinen stärker von der Formulierung, etwa verzögerter Freisetzung oder Wachsmatrix, als allein von der Menge abzuhängen. |
Niedriges Blutkalium entsteht umgekehrt meist durch erhöhte Verluste oder Verschiebungen in die Zellen. Eine allein zu geringe Nahrungszufuhr ist als Ursache selten, etwa im Zusammenhang mit sehr energiearmen Diäten oder dem Wiederaufbau nach Mangelernährung. Die Stellungnahme nennt außerdem bestimmte entwässernde Medikamente als Ursache von Kaliumverlusten über die Nieren und adrenerg wirkende Arzneimittel als Einfluss auf die Verteilung zwischen Zellen und Blut. Diese Beispiele sind keine vollständige Medikamentenliste. Referenzwerte für Bevölkerungsgruppen ersetzen keine individuelle Beurteilung solcher Situationen.
Eine breitere Einordnung bietet Kalium: Funktionen, Referenzwerte, Evidenz und Sicherheit. Zur selben Originalstellungnahme führen zusätzlich zur PDF-Quelle unten diese Zugänge:
- EFSA-Publikationsseite: EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA) (2016). Dietary reference values for potassium. EFSA Journal. DOI: 10.2903/j.efsa.2016.4592.
- DOI-Zugang: EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA) (2016). Dietary reference values for potassium. EFSA Journal. DOI: 10.2903/j.efsa.2016.4592.
Die PDF-Fassung im Ulster-Repository enthält ein zusätzliches Repositorydeckblatt und gehört zur selben Veröffentlichung.
Fazit
Die EFSA begründet die angemessene Kaliumzufuhr vor allem mit Blutdruckstudien und beobachteten Zusammenhängen mit Schlaganfällen. Die 3.500 mg pro Tag für Erwachsene sind ein populationsbezogener AI, kein exakt bestimmter persönlicher Bedarf. Kinderwerte werden übertragen; Schwangerschaft und Stillzeit beruhen zusätzlich auf physiologischen Annahmen. Unterschiedliche Vergleichsgrößen und Grenzen der Studien bleiben entscheidend. Aus den Referenzwerten lässt sich weder eine persönliche Supplementdosis noch unbegrenzte Sicherheit ableiten, insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion.