Referenzwerte für die Zufuhr von Natrium und Kalium
Die National Academies setzen AI-Werte von 3.400 mg für Männer und 2.600 mg für Frauen an; ein individueller Bedarf und ein oberer Grenzwert waren nicht ableitbar.
Wie die Referenzwerte abgeleitet wurden
Als Grundlage diente die höchste mediane Zufuhr aus zwei nationalen Erhebungen in den USA und Kanada. Ein AI ist ein als angemessen eingeschätztes Zufuhrniveau, bildet aber keine gemessene Bedarfsverteilung ab. Deshalb sollten die Werte nicht als individuell nachgewiesene Mindestmengen verstanden werden.
Etwa 98 Prozent des Körperkaliums liegen innerhalb der Zellen. Nieren, Darm, Aldosteron und Verschiebungen zwischen Zellen und Blut halten das Serumkalium gewöhnlich zwischen 3,5 und 5,0 mmol/L. Gerade diese enge Regulation bedeutet, dass ein einzelner Blutwert die langfristige Kaliumzufuhr nicht zuverlässig abbildet.
Lebensmittel, Supplemente und untersuchte Bedingungen
Die Bewertung unterscheidet kaliumreiche Lebensmittel wie Obst und Gemüse von Supplementen und kaliumhaltigem Salzersatz. In Supplementstudien wurden häufig Kaliumchlorid oder andere Kaliumsalze eingesetzt. Typisch waren ungefähr 2.500 mg zusätzliches Kalium pro Tag über vier bis 16 Wochen.
Die Teilnehmenden waren überwiegend relativ gesund. Menschen mit chronischer Nierenerkrankung, früherer Hyperkaliämie und teilweise auch Diabetes oder Blutdruckmedikation wurden ausgeschlossen. Ergebnisse aus diesen Studien lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf Risikogruppen übertragen.
Warum kein oberer Grenzwert festgelegt wurde
NASEM identifizierte keinen geeigneten Toxizitätsindikator und konnte daher keinen tolerierbaren oberen Zufuhrwert, kurz UL, festlegen. Das Fehlen eines UL ist kein Beleg für unbegrenzte Sicherheit.
Ein Fallbericht beschrieb bei einem 67-jährigen Mann Herzstillstand und Hyperkaliämie nach etwa 2.730 mg Kalium pro Tag aus Salzersatz über eine Woche. Gleichzeitig war seine ACE-Hemmer-Dosis erhöht worden und es bestand eine milde akute Nierenschädigung; die gesamte Kaliumzufuhr war nicht bekannt. Dieser Einzelfall eignet sich deshalb nicht zur Festlegung eines allgemeinen Schwellenwerts, zeigt aber die Bedeutung von Nierenfunktion und Medikation.
ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorblocker und kaliumsparende Diuretika können die Kaliumkonzentration im Blut erhöhen. Personen, deren Kaliumhaushalt medikamentös beeinflusst war, wurden aus der Gruppe für die AI-Ableitung ausgeschlossen.
Mangel und gewöhnliche Muskelkrämpfe
Hypokaliämie kann durch unzureichende Zufuhr, starke Verluste oder Verschiebungen zwischen Zellen und Blut entstehen. Bei ansonsten gesunden Erwachsenen ist eine zu geringe Zufuhr laut NASEM selten die Hauptursache. Extreme, kurze Depletionsstudien verwendeten nur 0 bis 390 mg Kalium pro Tag; gewöhnliche Muskelkrämpfe wurden dabei nicht als Indikator für eine angemessene Kaliumzufuhr etabliert.
Grenzen und Einordnung
Die AI-Werte beruhen auf beobachteten Zufuhrmengen und nicht auf einer direkten Messung des individuellen Bedarfs. Die verfügbaren Supplementstudien waren kurz, nutzten häufig ähnliche Mengen und schlossen relevante Risikogruppen aus. Für individuelle Entscheidungen bei Nierenerkrankungen oder kaliumwirksamer Medikation liefert die Quelle daher keinen allgemeinen sicheren Dosiswert.
Fazit
NASEM setzt für erwachsene Männer einen AI von 3.400 mg und für erwachsene Frauen von 2.600 mg Kalium pro Tag an. Die Bewertung zeigt zugleich, warum weder ein individueller Bedarf noch ein allgemeiner UL aus den verfügbaren Daten abgeleitet werden konnte und warum Nierenfunktion sowie kaliumwirksame Medikamente für die Sicherheit entscheidend sind.