Wirkung auf den Stuhlgang und Veränderungen der Darmmikrobiota bei Erwachsenen mit funktioneller Verstopfung unter probiotikahaltigen Produkten: systematischer Review und Meta-Analyse

Probiotikahaltige Produkte zeigten kleine Verbesserungen bei Verstopfung. Wie verlässlich diese sind, bleibt wegen stark unterschiedlicher Studien unsicher.

Welche Frage untersuchte Ding?

Fei Ding und Mitautoren untersuchten, wie sich probiotikahaltige Produkte bei Erwachsenen mit funktioneller Verstopfung auf Stuhlgang, Beschwerden und Darmmikrobiota auswirken. Ihr systematischer Review mit Meta-Analyse erschien 2024 in BMJ Open. Als Darmmikrobiota wird hier die Gemeinschaft der im Darm untersuchten Mikroorganismen bezeichnet.

Der Review umfasst 17 randomisierte, doppelblinde Parallelstudien mit 1256 Teilnehmenden und Placebokontrolle. Die Gruppen wurden also nach dem Zufallsprinzip gebildet und parallel beobachtet; die Gruppenzuordnung sollte Teilnehmenden und Untersuchenden verborgen bleiben. Zur Diagnose dienten unterschiedliche Kriterien, darunter Rome II, III und IV. Menschen mit Reizdarmsyndrom mit Verstopfung oder Begleiterkrankungen, die die Stuhlentleerung beeinträchtigen, waren ausgeschlossen.

Diese Abgrenzung ist wichtig: Die Ergebnisse betreffen Erwachsene mit funktioneller Verstopfung. Sie lassen sich nicht unmittelbar auf Kinder, gesunde Personen oder Menschen mit Reizdarmsyndrom übertragen.

Wie wurden die Studien gesucht und ausgewertet?

Der Haupttext nennt PubMed, Cochrane Library und ClinicalTrials.gov sowie einen Suchschluss im November 2022. Der Review ist unter CRD42022381368 bei PROSPERO registriert. Im Suchanhang findet sich allerdings ein abweichendes Datum: Für abgeschlossene Studien in ClinicalTrials.gov wurde das letzte Update bis zum 15. Dezember 2022 berücksichtigt. Die Veröffentlichung lässt damit keinen widerspruchsfreien einheitlichen Suchschluss erkennen.

Zwei Forschende wählten die Studien aus und extrahierten die Daten unabhängig; bei Uneinigkeit wurde eine dritte Person hinzugezogen. Die klinischen Ergebnisse wurden als gewichtete Mittelwertdifferenzen zusammengefasst. Das ist der durchschnittliche Unterschied zwischen Produkt- und Placebogruppen, wobei die Studien unterschiedlich stark in die Schätzung eingehen. Die zentralen Ergebnisdiagramme verwenden ein Random-Effects-Modell, das Unterschiede der tatsächlichen Effekte zwischen Studien zulässt.

Das Verzerrungsrisiko wurde mit dem Cochrane-Werkzeug bewertet, die Sicherheit der Evidenz mit GRADE. Ergebnisse zur Darmmikrobiota wurden beschreibend zusammengeführt, nicht zu einem einheitlichen Gesamteffekt verrechnet.

Welche Produkte und Mengen wurden geprüft?

Elf Studien untersuchten Probiotika, sechs sogenannte Synbiotika. Letztere kombinierten Mikroorganismen mit weiteren Bestandteilen, etwa Xylooligosacchariden, Fructooligosacchariden, Flohsamenschalen, Inulin, Pektin oder Polydextrose. Deshalb kann ein Ergebnis für eine solche Mischung nicht ohne Weiteres allein den Mikroorganismen zugeschrieben werden.

Auch die verwendeten Stämme unterschieden sich. Beispiele sind L. plantarum Lp3a, B. bifidum CCFM16, B. lactis NCC2818, L. reuteri DSM 17938 und B. longum BB536. Andere Studien prüften Mischungen. Teilweise fehlen genaue Stammkennungen; eine allgemein austauschbare „Probiotika-Klasse“ ergibt sich daraus nicht.

Die Studiendauer reichte von 1 bis 16 Wochen. Zwei konkrete Beispiele zeigen die unterschiedlichen Bedingungen:

Studie im ReviewUntersuchte TagesmengeDauer und Stamm
Wang2 × 10⁹ CFU pro Tag4 Wochen; B. bifidum CCFM16
Kondo50 × 10⁹ CFU pro Tag16 Wochen; B. longum BB536

CFU bezeichnet koloniebildende Einheiten und dient als Maß für vermehrungsfähige Mikroorganismen. Diese Mengen beschreiben Studienbedingungen, keine persönliche Einnahmeempfehlung. Weil bei anderen Studien Mengen fehlen oder mehrdeutig angegeben sind, lässt sich daraus keine verlässliche allgemeine Mengenspanne ableiten. Weitere Begleitmaßnahmen waren ebenfalls nicht systematisch dokumentiert.

Was veränderte sich beim Stuhlgang?

Im Durchschnitt zeigten die untersuchten Produkte gegenüber Placebo Verbesserungen in allen drei zusammengefassten Bereichen. Die Aussagekraft war jedoch begrenzt:

Ergebnis gegenüber PlaceboDurchschnittlicher Unterschied mit 95 %-KonfidenzintervallUmfangEvidenzsicherheit nach GRADE
Stuhlhäufigkeit0,93 zusätzliche Stuhlgänge pro Woche; 0,47 bis 1,4015 Studien, 1158 PersonenNiedrig
Stuhlkonsistenz0,38 Punkte höher auf der Bristol-Skala; 0,05 bis 0,70Sechs Studien, 554 PersonenSehr niedrig
Verstopfungsbeschwerden0,28 Punkte niedriger im PAC-SYM-Fragebogen; Differenz −0,28, Intervall −0,45 bis −0,11Fünf Studien, 425 PersonenSehr niedrig

Die Konfidenzintervalle beschreiben die statistische Unsicherheit. Die Bristol-Skala erfasst die Stuhlform; höhere Werte stehen hier für weicheren Stuhl. Beim Beschwerdefragebogen PAC-SYM bedeuten niedrigere Werte weniger Beschwerden. Die Veränderungen der beiden Skalen sind nicht als zusätzliche Stuhlgänge zu verstehen.

Für die Stuhlhäufigkeit liegt der Mittelwert damit knapp unter einem zusätzlichen Stuhlgang pro Woche. Die Studien zählten allerdings nicht überall dasselbe: Zwei erfassten vollständige spontane Entleerungen, eine spontane Entleerungen, die übrigen erläuterten dies nicht präzise. Bei der Konsistenz wurden zwei Studien mit einer abweichenden Dreistufenskala nicht in den gemeinsamen Wert aufgenommen.

Die Ergebnisse unterschieden sich stark zwischen den Studien. Der Kennwert I² betrug 84,5 % für Stuhlhäufigkeit, 81,6 % für Konsistenz und 55,7 % für Beschwerden. Er beschreibt Unterschiede über reine Zufallsschwankungen hinaus; er ist keine Erfolgsquote. Zusammen mit der niedrigen bis sehr niedrigen Evidenzsicherheit begrenzt das die Verlässlichkeit der durchschnittlichen Effekte.

Sind Synbiotika oder bestimmte Gattungen überlegen?

Eine Überlegenheit von Synbiotika gegenüber Probiotika ist nicht belegt. Zwar lagen die geschätzten Zunahmen der Stuhlhäufigkeit bei 1,25 beziehungsweise 0,83 zusätzlichen Stuhlgängen pro Woche. Die zugehörigen 95 %-Konfidenzintervalle betrugen 0,59 bis 1,90 und 0,26 bis 1,41. Der Unterschied zwischen diesen Untergruppen war aber nicht statistisch signifikant (p = 0,351).

Diese Auswertung verglich außerdem unterschiedliche Studien miteinander, keinen direkten randomisierten Vergleich der beiden Produktarten. Die im Text der Originalpublikation formulierte Überlegenheit geht damit über den Nachweis ihres Ergebnisdiagramms hinaus.

Auch bei Stuhlkonsistenz und PAC-SYM war der Unterschied zwischen Probiotika und Synbiotika nicht statistisch eindeutig. Bei der Konsistenz umfasste das Synbiotika-Intervall den Nullwert; beim Beschwerdewert galt das für die Probiotika-Untergruppe. Ein statistisch klares Ergebnis in einer Gruppe und ein unklares in der anderen beweisen noch keinen Unterschied zwischen ihnen.

Die Gattungsuntergruppen unterschieden sich bei der Stuhlhäufigkeit in einer explorativen Analyse. Der auffällig große Schätzwert für Bacillus war jedoch so unsicher, dass sein Intervall auch keinen Effekt einschloss. Kleine Untergruppen und verschiedene Studienbedingungen erlauben deshalb keine Rangliste von Gattungen oder Produkten.

Eine weitere Analyse auf Studienebene fand bei höherem Frauenanteil geringere Effekte auf die Stuhlhäufigkeit. Für die übrigen aufgeführten Merkmale, darunter Menge und Studiendauer, zeigte sich kein statistisch klarer Zusammenhang. Wegen der wenigen Studien und vieler explorativer Tests lässt sich daraus weder eine individuelle Geschlechtswirkung noch eine optimale Menge ableiten.

Was zeigen die Befunde zur Darmmikrobiota?

Acht Studien untersuchten die Darmmikrobiota mit unterschiedlichen Sequenzierungs- und Messverfahren. Manche verglichen Werte vor und nach der Einnahme, andere verglichen Produkt und Placebo. Diese Unterschiede erschweren eine gemeinsame Interpretation.

Bei der Vielfalt innerhalb einer Probe, der Alpha-Diversität, fanden drei von vier ausgewerteten Studien keine statistisch signifikanten Änderungen. Auch bei der Beta-Diversität, die Unterschiede der mikrobiellen Zusammensetzung zwischen Proben beschreibt, fanden drei von vier Studien keine signifikanten Änderungen oder Unterschiede. Einzelne abweichende Ergebnisse hingen unter anderem davon ab, welches Maß verwendet wurde.

Fünf von sechs Studien mit entsprechenden Daten berichteten Zunahmen bestimmter Mikroorganismen. Die Studie von Dimidi fand dagegen keinen Konzentrationsunterschied zwischen Probiotika und Placebo. Solche mikrobiellen Veränderungen beweisen für sich genommen keinen klinischen Nutzen. Umgekehrt beweist ein statistisch unauffälliger Diversitätsbefund weder eine unveränderte Darmmikrobiota noch die Sicherheit eines Produkts.

Wie belastbar sind die Ergebnisse und was fehlt zur Sicherheit?

Die Autoren nennen kleine Stichproben, stark unterschiedliche Ergebnisse, teilweise fehlende Studienprotokolle und unzureichende Angaben zu Ernährung und Körpergewicht als Grenzen. In der Bewertung der Studien blieb die Verblindung der Ergebniserhebung durchgehend unklar: Es war nicht ausreichend geklärt, ob die Personen, die Ergebnisse erhoben, die Gruppenzuordnung kannten. Weitere Bereiche wurden teils als risikoarm, teils als unklar bewertet. Fehlende eindeutige Hochrisikomarkierungen schließen Verzerrungen nicht aus.

Beim rechnerischen Weglassen jeweils einer Studie blieben die zusammengefassten Effekte in derselben Richtung. Das spricht gegen die alleinige Abhängigkeit von einer einzelnen Arbeit, löst aber weder die Unterschiede zwischen Studien noch mögliche systematische Verzerrungen. Der Test auf Publikationsbias bei der Stuhlhäufigkeit war unauffällig; für die anderen Endpunkte waren zu wenige Studien vorhanden. Damit ist eine Verzerrung durch fehlende oder bevorzugt veröffentlichte Ergebnisse nicht ausgeschlossen.

Der Review berichtet keine systematische Sicherheitsauswertung. Es fehlen eine gemeinsame Erfassung unerwünschter Ereignisse, entsprechende Ereigniszahlen, Erhebungszeiträume und eine zusammengefasste Schadensanalyse. Daraus lässt sich weder Sicherheit noch Schadensfreiheit ableiten.

Die Autoren erklären, keinen spezifischen Zuschuss öffentlicher, kommerzieller oder gemeinnütziger Geldgeber für den Review erhalten zu haben, und geben keine Interessenkonflikte an. Finanzierung und Interessenkonflikte der eingeschlossenen Einzelstudien wurden nicht systematisch zusammengestellt.

Einordnung für Supplement Stack

Der Review liefert Hinweise auf kleine durchschnittliche Verbesserungen bei funktioneller Verstopfung. Die untersuchten Stämme, Mischungen und Zusätze sind jedoch verschieden, und die Unsicherheit bleibt groß. Eine persönliche Dosierungsanweisung oder Empfehlung für jedes probiotikahaltige Produkt lässt sich daraus nicht ableiten. Der Überblick Probiotika: lebende Mikroorganismen, klare Grenzen erläutert das übergeordnete Thema.

Originalpublikation aufrufen

Der bibliografische Beleg mit dem frei zugänglichen Volltext bei PubMed Central steht im Quellenabschnitt. Weitere Zugänge zu demselben Review sind:

Beim Nachlesen ist eine Beschriftungsabweichung zu beachten: Die Stammtabelle heißt im Haupttext „supplemental table 4“, im Anhang aber „Table S2“. Die Meta-Regression heißt im Haupttext „table 5“, im Anhang „Table S3“. Diese Anhänge gehören zum selben Review und sind keine zusätzlichen Studien.

Fazit

Probiotikahaltige Produkte zeigten im Durchschnitt etwas häufigeren und weicheren Stuhl sowie weniger Beschwerden. Niedrige bis sehr niedrige Evidenzsicherheit und große Unterschiede zwischen Studien begrenzen diese Befunde. Eine Überlegenheit von Synbiotika, eine allgemeine optimale Menge oder eine belastbare Sicherheitsbewertung liefert der Review nicht.

Quellen

  1. Fei Ding et al. (2024). Efficacy in bowel movement and change of gut microbiota on adult functional constipation patients treated with probiotics-containing products: a systematic review and meta-analysis. BMJ Open. DOI: 10.1136/bmjopen-2023-074557. PMID: 38238054.