Ausgewählte Fragen und Antworten zu Thiamin
Das DGE-Dossier bündelt Funktionen, Referenzwerte, Versorgung, Mangelfolgen und Sicherheit von Thiamin für die deutsche Bevölkerung.
Grundlage und Geltungsbereich
Die Fragen-und-Antworten-Sammlung stützt sich auf die DGE-Referenzwerte und auf Zufuhrdaten der Nationalen Verzehrsstudie II. Sie umfasst Altersgruppen vom Säuglingsalter bis zu älteren Erwachsenen sowie Schwangerschaft und Stillzeit. Die Referenzwerte werden überwiegend energiebezogen abgeleitet; für Säuglinge von null bis unter vier Monaten beruht der Schätzwert auf der Zufuhr über Muttermilch.
Funktionen und Mangelfolgen
Die DGE beschreibt Thiamin als Bestandteil von Enzymen des Kohlenhydrat- und Aminosäurestoffwechsels. Es ist an der Energiegewinnung und an der Reizweiterleitung im Nervensystem beteiligt. Diese physiologischen Funktionen sind jedoch kein Nachweis, dass eine zusätzliche Einnahme oberhalb des Bedarfs die Leistungsfähigkeit verbessert.
Bei schwerem Mangel nennt das Dossier neurologische Symptome und Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels. Beri-Beri kann mit Muskelschwäche, Empfindungslosigkeit der Extremitäten, Ödemen und Herzinsuffizienz einhergehen und unbehandelt tödlich verlaufen. Häufigkeiten oder individuelle Risiken werden nicht quantifiziert.
Referenzwerte und Versorgung in Deutschland
Als Eckwerte nennt das Dokument 0,2 mg pro Tag für Säuglinge bis unter vier Monate, 0,4 mg pro Tag von vier bis unter zwölf Monaten und 1,4 mg pro Tag als höchsten Tabellenwert für männliche Jugendliche von 15 bis unter 19 Jahren. Die Revision von 2015 senkte einzelne Werte ab vier Jahren um 0,1 oder 0,2 mg pro Tag, weil die zugrunde liegenden energiebezogenen Referenzwerte aktualisiert worden waren – nicht wegen eines neu beobachteten klinischen Effekts.
In der Nationalen Verzehrsstudie II von 2005 bis 2006 lag die mittlere Zufuhr bei 15- bis 80-Jährigen bei 1,3 mg pro Tag für Männer und 1,0 mg pro Tag für Frauen. Diese Mittelwerte lagen ungefähr auf Höhe der damaligen Empfehlungen, erlauben aber keine Aussage über die Versorgung einzelner Personen.
Sicherheit richtig lesen
Die DGE berichtete 2015 keine bekannten schädlichen Nebenwirkungen hoher oraler Zufuhr aus Lebensmitteln oder Präparaten und verwies auf sinkende Aufnahme im Darm sowie zunehmende Ausscheidung über den Urin. Das ist kein Beleg für die Sicherheit beliebig hoher Dosen und ersetzt keinen belastbar abgeleiteten oberen Grenzwert.
Fazit
Das Dossier erklärt verständlich, wie Funktion, Referenzwerte und Bevölkerungsdaten zusammenhängen. Seine Kernaussagen gelten als institutionelle Orientierung; weder Mittelwerte noch Mangelsymptome eignen sich zur Selbstdiagnose oder zur Ableitung einer persönlichen Dosierung. Mehr Kontext bietet der Vitamin-B1-Hauptartikel.