Auswirkungen einer Thiaminsupplementierung auf die allgemeine Gesundheit und die Ergebnisse der Infertilitätsbehandlung bei Frauen mit polyzystischem Ovarsyndrom: eine dreifach verblindete randomisierte placebokontrollierte klinische Studie

Die kurze Studie berichtet Unterschiede bei Fragebogenwerten und Schwangerschaftstests. Unklare Nebenendpunkte und fehlende Langzeitdaten begrenzen die Aussage.

Fragestellung und Aufbau

Moti, Amini, Haghani und Nateghi veröffentlichten die Studie 2024. Am Sarem Hospital in Teheran untersuchten sie 64 infertile Frauen mit polyzystischem Ovarsyndrom, kurz PCOS. Die randomisierte, dreifach verblindete Studie teilte jeweils 32 Teilnehmerinnen der Thiamin- und der Placebogruppe zu.

Über vier Wochen erhielt die Interventionsgruppe täglich eine Tablette mit 300 mg Vitamin B1, die Vergleichsgruppe täglich Placebo. Diese Angabe beschreibt das Studienprotokoll und ist keine Einnahmeempfehlung.

Die allgemeine Gesundheit wurde vor und nach der Intervention mit einem Fragebogen erfasst. Den Erfolg der Infertilitätsbehandlung beurteilten die Forschenden am Studienende. Diese Zusammenfassung stützt sich auf den Originalabstract; genauere Einschlusskriterien oder Begleitbehandlungen werden daraus nicht ergänzt.

Berichtete Ergebnisse

Nach der Intervention berichtet der Abstract signifikante Gruppenunterschiede im gesamten Fragebogenwert sowie in den Bereichen körperliche Symptome, Angst und Schlaflosigkeit, soziale Funktionsbeeinträchtigung und schwere Depression. Die Autoren deuten die Befunde als möglicherweise günstig. Absolute Werte, Effektgrößen und die Richtung der verwendeten Skala lassen sich aus dem Abstract jedoch nicht bestimmen.

Die Thiamingruppe hatte laut Abstract mehr positive Schwangerschaftstests als die Placebogruppe, mit p = 0,006. Absolute Ereigniszahlen oder Schwangerschaftsraten werden nicht angegeben. Positive Tests sind kein Nachweis von Lebendgeburten.

Unklarer Nebenendpunkt und Grenzen

Für den als „number of fetuses“ bezeichneten Nebenendpunkt berichtet der Abstract keinen signifikanten Unterschied. Definition und Bezugsgröße bleiben unklar. Daraus werden hier weder eine gesicherte Fetenanzahl noch eine Embryo- oder Transferzahl abgeleitet.

Auch die Schlussbehauptung der Autoren zur Zahl gewonnener Follikel enthält im Abstract keinen quantifizierten Ergebnisbeleg. Sie wird deshalb nicht als belastbarer Zahlenbefund übernommen.

Die kleine, vierwöchige Untersuchung berichtet im Abstract keine Lebendgeburten und keine Langzeitsicherheitsdaten. Ihre Ergebnisse belegen somit weder einen allgemeinen Fertilitätsnutzen noch die Sicherheit einer längerfristigen Einnahme.

Fazit

Die Studie liefert begrenzte Hinweise auf Unterschiede bei Fragebogenergebnissen und positiven Schwangerschaftstests in einer bestimmten PCOS-Gruppe. Fehlende absolute Angaben, die kurze Dauer und der unklare Nebenendpunkt verhindern weitergehende Schlussfolgerungen. Daraus folgt keine individuelle Behandlungsempfehlung.

Quellen

  1. Moti et al. (2024). The Effects of Thiamine Supplementation on General Health and Infertility Treatment Outcomes in Women with Polycystic Ovary Syndrome: A Triple-Blinded Randomized Placebo-Controlled Clinical Trial. International Journal of Fertility & Sterility. DOI: 10.22074/ijfs.2023.1972708.1398. PMID: 38368515.