Hohe Prävalenz von Thiaminmangel im frühen Kindesalter in einer national repräsentativen Stichprobe kambodschanischer Frauen im gebärfähigen Alter und ihrer Kinder

Die Querschnittsanalyse zeigt verbreitet niedrige Thiaminwerte, deren Häufigkeit jedoch stark vom verwendeten Grenzwert abhängt.

Studiendesign und Population

Die Forschenden nutzten den kambodschanischen Mikronährstoffsurvey, der an die nationale Gesundheits- und Demografieerhebung von 2014 gekoppelt war. Ein zufällig ausgewähltes Sechstel der Haushalte wurde erneut besucht. Gemessen wurde Erythrozyten-Thiamindiphosphat bei 719 Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren und bei 761 Kindern im Alter von 6 bis 69 Monaten.

Die Untersuchung hatte einen einzigen Messzeitpunkt. Sie beschreibt daher die Verteilung eines Biomarkers in einer national repräsentativen Stichprobe, kann aber weder Ursachen noch Folgen niedriger Werte bestimmen.

Ergebnisse

Beim konservativsten verwendeten Grenzwert von weniger als 120 nmol/L wurden 27 % der Frauen und 15 % der Kinder als thiamindefizient eingestuft. In der kleinen Untergruppe der 6- bis 12 Monate alten Säuglinge lag dieser Anteil bei 38 %; diese Auswertung beruhte auf 50 Säuglingen.

Wie stark die geschätzte Häufigkeit vom Grenzwert abhängt, zeigt der Vergleich mit weniger als 180 nmol/L: Je nach gewähltem Cut-off reichte die Prävalenz bei Frauen von 27 % bis 78 % und bei Kindern von 15 % bis 58 %.

Was sich daraus ableiten lässt

Die Daten sprechen dafür, dass niedrige Thiaminwerte bei kambodschanischen Frauen und Kindern zum Erhebungszeitpunkt häufig waren. Besonders die Ergebnisse für junge Säuglinge begründen Aufmerksamkeit, weil diese Lebensphase als empfindlich gilt.

Die Studie beweist jedoch nicht, dass jede anhand eines Literaturgrenzwerts klassifizierte Person klinisch mangelkrank war. Sie prüfte auch keine Behandlung und keine konkrete Präventionsmaßnahme.

Grenzen

Die zentrale Unsicherheit ist der fehlende Konsens darüber, welcher Erythrozyten-Thiamindiphosphat-Wert klinisch einen Mangel abbildet. Je nach Cut-off ändert sich die Prävalenz erheblich. Hinzu kommen das Querschnittsdesign und die kleine Säuglingsuntergruppe.

Fazit

Die national repräsentative Analyse dokumentiert ein relevantes Signal niedriger Thiaminwerte in Kambodscha. Für die genaue Häufigkeit eines klinisch bedeutsamen Mangels bleiben jedoch validierte Grenzwerte erforderlich. Den größeren Zusammenhang beschreibt der Vitamin-B1-Hauptartikel.

Quellen

  1. Whitfield et al (2017). High prevalence of thiamine (vitamin B1) deficiency in early childhood among a nationally representative sample of Cambodian women of childbearing age and their children. PLoS Neglected Tropical Diseases. DOI: 10.1371/journal.pntd.0005814. PMID: 28873391.