Marine Kollagenprodukte im Labortest: Cammilleri et al. 2025 zu Schwermetallen und Metalloiden
Cammilleri et al. 2025 ist eine Produktanalyse mit rechnerischer Risikobewertung. Untersucht wurden marine Kollagensupplemente aus Fisch und Qualle.
Kurzprofil
| Feld | Inhalt |
|---|---|
| Quelle | Cammilleri et al. (2025). Toxic metals and metalloids in collagen supplements of fish and jellyfish origin: Risk assessment for daily intake |
| Quellenart | Produktanalyse mit rechnerischer Risikobewertung |
| Land/Kontext | Italien; über E-Commerce und Handel gekaufte marine Kollagensupplemente |
| Wirkstoffbezug | Kollagensupplemente aus Fisch und Qualle; zusätzlich ein im Labor hergestellter Extrakt aus Atlantischer Makrele |
| Datenbasis | 65 geprüfte Marken, davon 4 Marken mit ausgewiesener Spezies; 120 Handelsproben aus 5 Produktionschargen plus Scomber-scombrus-Hautextrakt |
| Untersuchte Stoffe | Arsen, Chrom, Cadmium, Blei und Quecksilber |
| Zentrale Methoden | ICP-MS für Arsen, Chrom, Cadmium und Blei; direkter Quecksilberanalysator für Quecksilber |
| Originalquelle | https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12032979/ |
| DOI / PMID / PMCID | DOI: 10.1515/med-2025-1141; PMID: 40292256; PMCID: PMC12032979 |
Cammilleri et al. untersuchten keine Wirkung von Kollagen auf Haut, Gelenke oder Knochen. Die Arbeit prüfte eine andere Frage: Können marine Kollagensupplemente aus Fisch oder Qualle messbare Mengen toxischer Metalle und Metalloide enthalten, und wie hoch wäre die rechnerische tägliche Aufnahme bei den auf dem Etikett genannten Tagesmengen? Damit ist die Quelle ein Produktqualitäts- und Sicherheitskontext für marine Kollagenprodukte, nicht für bovine, porzine oder aviane Kollagenquellen.
Fragestellung
Marine Kollagenprodukte werden häufig aus Fischhaut, Fischknochen, Fischschuppen, Flossen oder anderen marinen Organismen gewonnen. Solche Rohstoffe können je nach Art, Herkunft, Fütterung, Umweltbelastung und Verarbeitung unterschiedliche Gehalte an unerwünschten Elementen aufweisen. Die Arbeitsgruppe wollte deshalb prüfen, ob Kollagensupplemente aus Fisch- und Quallenquellen Arsen, Chrom, Cadmium, Blei oder Quecksilber enthalten.
Ein zweiter Teil der Frage war die rechnerische Exposition. Die gemessenen Konzentrationen wurden in durchschnittliche tägliche Aufnahmen umgerechnet und mit tolerierbaren Aufnahmewerten verglichen. Diese Berechnung ordnete ein, ob die untersuchten Produkte bei den auf dem Etikett angegebenen Mengen in die Nähe toxikologischer Referenzbereiche kommen.
Studiendesign und Methoden
Die Quelle ist eine Markt- und Laboranalyse. Kollagensupplemente mit Fischherkunft wurden 2022 und 2023 über E-Commerce-Plattformen und den großen Einzelhandel gekauft. Produkte ohne Angabe der verwendeten Spezies auf dem Etikett wurden ausgeschlossen. Von 65 betrachteten Marken erfüllten nur 4 diese Transparenzbedingung.
Die vier einbezogenen Marken nutzten Atlantischen Kabeljau (Gadus morhua), Pangasius (Pangasianodon hypophthalmus), Qualle (Rhizostoma pulmo) und Tilapia (Tilapia spp.) als Kollagenquelle. Für jede Marke wurden Proben aus 5 Produktionschargen analysiert; insgesamt ergaben sich 120 Handelsproben. Zusätzlich stellte die Arbeitsgruppe einen Kollagenextrakt aus der Haut von Atlantischer Makrele (Scomber scombrus) her und untersuchte ihn als ergänzenden Vergleich.
Für die Messung wurden die Proben mit Salpetersäure aufgeschlossen. Arsen, Chrom, Cadmium und Blei wurden mit induktiv gekoppelter Plasma-Massenspektrometrie bestimmt, kurz ICP-MS. Quecksilber wurde mit einem direkten Quecksilberanalysator auf Basis atomarer Absorptionsspektroskopie gemessen. Die Methode wurde mit Kalibrierkurven, Referenzmaterialien, Wiederfindung, Nachweisgrenzen und Quantifizierungsgrenzen geprüft.
Untersuchte Produkte und Datenbasis
Die Datenbasis war eng, aber für die Qualitätsfrage aussagekräftig: Nur Produkte mit klarer Speziesangabe wurden eingeschlossen. Das ist selbst ein wichtiger Befund, weil 61 von 65 betrachteten Marken nicht ausreichend angaben, welche Tierart zur Kollagengewinnung verwendet wurde.
| Merkmal | Befund in der Quelle | Einordnung |
|---|---|---|
| betrachtete Marken | 65 | Startpunkt der Marktsichtung |
| eingeschlossene Marken | 4 | nur Marken mit Speziesangabe |
| Handelsproben | 120 | Proben aus 5 Produktionschargen je Marke |
| Spezies der Handelsprodukte | Kabeljau, Pangasius, Qualle, Tilapia | nur marine/fisch- und quallenbasierte Quellen |
| zusätzlicher Vergleich | Scomber scombrus-Hautextrakt | Laborvergleich, kein Marktprodukt |
| untersuchte Elemente | As, Cr, Cd, Pb, Hg | toxische Metalle und Metalloid-Kontext |
Die Studie ist keine repräsentative globale Marktanalyse. Sie zeigt Unterschiede innerhalb einer ausgewählten Stichprobe und macht sichtbar, dass Herkunftsangaben, Rohstoffart und Chargenkontrolle für marine Kollagenprodukte wichtig sein können.
Intervention, Exposition und Vergleich
Es gab keine Intervention an Menschen. Die Exposition wurde rechnerisch bestimmt. Grundlage waren die gemessenen Konzentrationen in den Produkten und angenommene Tagesmengen von 5 g oder 10 g, entsprechend den empfohlenen Mengen auf Produktetiketten. Für die Körpergewichtsannahme nutzte die Quelle einen durchschnittlichen Wert für normalgewichtige Frauen von 67,7 kg, weil solche Produkte laut Arbeitsgruppe häufiger von Frauen verwendet werden.
Die berechnete durchschnittliche tägliche Aufnahme wurde mit tolerierbaren Aufnahmewerten verglichen. Für Cadmium nutzte die Quelle den EFSA-Kontext der tolerierbaren wöchentlichen Aufnahme, um einen Tageswert abzuleiten. Für Blei wurde ein niedriger Benchmark-Kontext verwendet, weil Blei keine nützliche Funktion im Körper hat und toxikologische Schwellen schwierig festzulegen sind. Für Arsen wurde der EFSA-Kontext zu anorganischem Arsen berücksichtigt.
Diese Tagesmengen sind Berechnungsannahmen aus Etiketten und Risikomodellierung. Sie sind keine Einnahmeempfehlung und kein allgemeiner Mengenrahmen für Kollagen.
Ergebnisse
Arsen war in der Gesamtbetrachtung das am stärksten vertretene untersuchte Element. Die Quelle berichtete für alle messbaren Proben zusammen einen Mittelwert von 0,591 ± 0,28 mg/kg. Danach folgten Blei mit 0,138 ± 0,02 mg/kg, Chrom mit 0,050 ± 0,01 mg/kg und Cadmium mit 0,003 ± 0,002 mg/kg. Quecksilber wurde nur in zwei Proben der Pangasius-Marke nachgewiesen; der höchste Wert lag bei 0,0018 mg/kg.
Die Unterschiede zwischen Rohstoffen und Marken waren deutlich. Bei der Kabeljau-Marke lag der mittlere Arsengehalt höher als bei den anderen Marken. Bei der Pangasius-Marke lagen die Werte für Chrom, Blei und Cadmium im Mittel höher als bei den anderen Fischprodukten. Die Autorengruppe diskutierte dafür mögliche Einflüsse von Fischart, Herkunft, Aquakulturbedingungen, Gewebeauswahl und Extraktionsverfahren.
Bei den Quallenproben aus Rhizostoma pulmo wurden keine der untersuchten toxischen Metalle oder Metalloide nachgewiesen. Dasselbe galt für den im Labor hergestellten Kollagenextrakt aus Scomber scombrus-Haut. Diese Befunde dürfen jedoch nicht als pauschaler Freibrief für alle Quallen- oder Makrelenprodukte gelesen werden; sie betreffen die konkret untersuchten Proben und das konkrete Analyseverfahren.
Keine der untersuchten Proben überschritt die in der Quelle herangezogenen EU-Höchstwerte für Cadmium, Blei und Quecksilber. Die Quelle nennt dafür 3 mg/kg für Cadmium, 3 mg/kg für Blei und 0,1 mg/kg für Quecksilber. Auch die berechneten durchschnittlichen täglichen Aufnahmen für anorganisches Arsen, Cadmium und Blei blieben unter den herangezogenen tolerierbaren Aufnahmewerten.
Der Befund war trotzdem nicht einfach als „alles unproblematisch“ zu lesen. Die Quelle betonte die starke Variabilität, besonders bei Arsen und Blei, und verwies darauf, dass Menschen mehrere Supplemente gleichzeitig verwenden können. Eine einzelne Produktklasse kann rechnerisch unter einem Referenzwert bleiben, aber zur Gesamtaufnahme aus Ernährung, Umwelt und anderen Produkten beitragen.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Die Studie erfasste keine Nebenwirkungen bei Menschen. Sie untersuchte Produkte im Labor und berechnete mögliche Aufnahmemengen. Daraus lässt sich keine individuelle Verträglichkeit und keine klinische Langzeitsicherheit ableiten.
Für die Sicherheitsbewertung ist vor allem wichtig, was die Arbeit nicht tut: Sie setzt keinen allgemeinen oberen Grenzwert für Kollagen, sie bewertet keine tägliche Kollagenmenge als empfehlenswert und sie prüft keine besonderen Gruppen wie Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende oder Menschen mit Nieren- oder Lebererkrankungen.
Die Arbeit zeigt aber, dass marine Kollagenprodukte messbare toxische Elemente enthalten können und dass Herkunftsangaben auf dem Etikett nicht selbstverständlich sind. Aus Produktsicherheitssicht spricht das für Chargenprüfung, klare Rohstoffangaben und bessere Überwachung mariner Kollagensupplemente.
Grenzen der Aussagekraft
Die wichtigste Grenze ist die Stichprobe. Von 65 gesichteten Marken wurden nur 4 eingeschlossen, weil nur diese Marken die verwendete Spezies auf dem Etikett nannten. Die Ergebnisse sagen deshalb viel über diese transparent ausgewiesenen marinen Produkte, aber wenig über Produkte ohne Herkunftsangabe.
Die Quelle untersucht ausschließlich Kollagen aus Fisch- und Quallenquellen sowie einen zusätzlichen Makrelen-Hautextrakt. Sie erlaubt keine Aussage über Kollagen aus Rind, Schwein, Huhn, Eierschalenmembran oder anderen nicht-marin gewonnenen Rohstoffen. Auch innerhalb mariner Produkte sind andere Fischarten, andere Gewebe, andere Länder, andere Hersteller und spätere Chargen nicht automatisch abgedeckt.
Eine weitere Grenze betrifft die Risikoberechnung. Die durchschnittliche tägliche Aufnahme wurde aus Produktgehalten, Etikettmengen und einem Körpergewichtsmodell berechnet. Echte Langzeitdaten zur Gesamtaufnahme, Mehrfachverwendung von Supplementen, individuellen Ernährungsquellen oder empfindlichen Gruppen wurden nicht erhoben.
Außerdem wurden nur ausgewählte Elemente betrachtet. Andere Kontaminanten, Oxidationsprodukte, mikrobiologische Qualität, Allergene, Prozessrückstände oder Labelgenauigkeit wurden nicht umfassend geprüft.
Was die Studie zeigt
- In der untersuchten Stichprobe enthielten mehrere Fisch-Kollagensupplemente messbare Mengen an Arsen, Chrom, Cadmium und Blei.
- Quecksilber wurde nur in zwei Proben der Pangasius-Marke nachgewiesen.
- Arsen war insgesamt das am stärksten vertretene untersuchte Element.
- Die untersuchten Quallenproben und der Scomber-scombrus-Hautextrakt zeigten keine nachweisbaren Gehalte der untersuchten toxischen Metalle und Metalloide.
- Keine Probe überschritt die in der Quelle herangezogenen EU-Höchstwerte für Cadmium, Blei und Quecksilber.
- Die rechnerischen täglichen Aufnahmen für anorganisches Arsen, Cadmium und Blei blieben unter den herangezogenen tolerierbaren Aufnahmewerten.
- Die Quelle zeigt große Unterschiede zwischen Marken und Rohstoffquellen.
- Die Quelle zeigt, dass Speziesangaben auf marinen Kollagenprodukten nicht selbstverständlich waren.
Was die Studie nicht zeigt
- Sie zeigt keine Wirksamkeit von Kollagen für Haut, Gelenke, Knochen, Muskeln oder Sehnen.
- Sie zeigt keine klinische Sicherheitsstudie an Menschen.
- Sie erlaubt keine Aussage zu bovinem, porzinem, avianem oder Eierschalenmembran-Kollagen.
- Sie beweist nicht, dass alle marinen Kollagenprodukte belastet oder unbelastet sind.
- Sie erlaubt kein Ranking einzelner Marken oder Länder.
- Sie setzt keinen offiziellen Kollagenbedarf, keinen oberen Grenzwert und keine Standardmenge.
- Sie berücksichtigt Mehrfachverwendung mehrerer Supplemente nur als Problemhinweis, nicht als gemessene Langzeitexposition.
Fazit
Cammilleri et al. 2025 liefern eine aktuelle Laboranalyse zu Kollagensupplementen aus Fisch- und Quallenquellen. Die untersuchten Proben lagen bei Cadmium, Blei und Quecksilber unter den herangezogenen EU-Höchstwerten, und die berechneten täglichen Aufnahmen blieben unter den toxikologischen Vergleichswerten. Gleichzeitig zeigten die Produkte messbare und teils stark unterschiedliche Gehalte an Arsen, Blei, Chrom und Cadmium.
Der wichtigste Nutzen der Quelle liegt daher in der Produktqualitätsfrage. Marine Kollagenprodukte lassen sich nicht nur nach Kollagenform oder beworbenem Nutzen einordnen, sondern auch nach Rohstoffangabe, Chargenkontrolle und möglicher Elementbelastung. Die Ergebnisse gelten nur für die untersuchten Fisch- und Quallenprodukte und dürfen nicht auf bovine, porzine oder aviane Kollagenquellen übertragen werden.
Kompakte Faktenzusammenfassung
- Cammilleri et al. 2025 ist eine Produktanalyse mit rechnerischer Risikobewertung.
- Die Quelle untersuchte marine Kollagensupplemente aus Fisch und Qualle.
- Von 65 betrachteten Marken nannten nur 4 Marken die verwendete Spezies auf dem Etikett.
- Eingeschlossen wurden 120 Handelsproben aus Atlantischem Kabeljau, Pangasius, Qualle und Tilapia.
- Zusätzlich wurde ein im Labor hergestellter Kollagenextrakt aus Scomber scombrus-Haut untersucht.
- Arsen, Chrom, Cadmium und Blei wurden per ICP-MS gemessen.
- Quecksilber wurde mit einem direkten Quecksilberanalysator gemessen.
- Arsen war mit 0,591 ± 0,28 mg/kg im Gesamtdatensatz das am stärksten vertretene untersuchte Element.
- Blei lag im Gesamtdatensatz bei 0,138 ± 0,02 mg/kg, Chrom bei 0,050 ± 0,01 mg/kg und Cadmium bei 0,003 ± 0,002 mg/kg.
- Quecksilber wurde nur in zwei Proben der Pangasius-Marke nachgewiesen.
- Quallenproben und der Scomber-scombrus-Hautextrakt zeigten keine nachweisbaren Gehalte der untersuchten toxischen Metalle und Metalloide.
- Keine Probe überschritt die herangezogenen EU-Höchstwerte für Cadmium, Blei und Quecksilber.
- Die berechneten täglichen Aufnahmen für anorganisches Arsen, Cadmium und Blei lagen unter den herangezogenen tolerierbaren Aufnahmewerten.
- Die Quelle setzt keinen allgemeinen Kollagen-UL und keine Einnahmeempfehlung.
- Die Ergebnisse gelten nur für den untersuchten marine/fish/jellyfish-Kontext und nicht für bovine, porzine oder aviane Kollagenprodukte.