Abdul-Rahman et al. (2026) zu MSM-haltigen Dermatologieprodukten

Abdul-Rahman et al. veröffentlichten 2026 einen systematischen Review zu MSM-haltigen dermatologischen Produkten in Dermatologic Therapy. Gesucht wurde in PubMed, Embase, ClinicalTrials.gov, Cochrane Library und Ovid/MEDLINE bis zum 23. Dezember 2025.

Kurzprofil

  • Quelle: Abdul-Rahman, N.-H. et al. (2026), Dermatologic Therapy.
  • Quellenart: systematischer Review zu Humanstudien.
  • Untersuchte Gruppe: 416 erwachsene Teilnehmende aus 7 eingeschlossenen Studien.
  • Untersuchte Substanz: Methylsulfonylmethan, kurz MSM, in oralen oder topischen dermatologischen Produkten.
  • Zentrale Endpunkte: Akne, erythematös-teleangiektatische Rosazea, Nagelpsoriasis, Hautalterung, X-chromosomal vererbte Ichthyose und Sicherheit.
  • Originalquelle: https://doi.org/10.1155/dth/8870221

Abdul-Rahman et al. fassten Humanstudien zu MSM-haltigen Produkten in der Dermatologie zusammen. Die Arbeit fand kleine bis mittelgroße klinische Signale für bestimmte Hautendpunkte, besonders für orale MSM-Präparate bei Photoaging. Die Aussage bleibt aber eng begrenzt, weil viele Studien einzelne Indikationen, kurze Laufzeiten und Kombinationsprodukte untersuchten.

Hintergrund und Fragestellung

MSM ist eine organische Schwefelverbindung, die als Nahrungsergänzungsmittel und als Bestandteil kosmetischer oder topischer Produkte verwendet wird. In der Dermatologie wurde MSM unter anderem wegen möglicher entzündungshemmender und antioxidativer Mechanismen diskutiert. Vor diesem Review war die Datenlage jedoch verstreut: einzelne Studien betrafen Akne, Rosazea, Nagelpsoriasis, sichtbare Hautalterung oder seltene Hauterkrankungen.

Die Autorengruppe wollte deshalb prüfen, welche Humanstudien zu MSM-haltigen dermatologischen Produkten vorliegen, welche Endpunkte untersucht wurden und wie Sicherheit und Verträglichkeit berichtet wurden. Die Fragestellung war breit, aber nicht allgemein: Es ging nicht um einen MSM-Bedarf, nicht um Gelenke und nicht um eine pauschale Bewertung frei verkäuflicher Produkte.

Methodik der Zusammenfassung

Der Review folgte PRISMA und wurde bei PROSPERO unter CRD420251274679 registriert. Gesucht wurde in PubMed, Embase, ClinicalTrials.gov, Cochrane Library und Ovid/MEDLINE vom Datenbankbeginn bis zum 23. Dezember 2025. Eingeschlossen wurden Humanstudien zu topischem oder oralem MSM bei dermatologischen Zuständen. Nicht-englischsprachige Publikationen, Tierstudien, Editorials und andere Reviews wurden ausgeschlossen.

Zwei Reviewende sichteten Titel, Abstracts und Volltexte unabhängig voneinander. Die Datenauswertung erfasste Studiendesign, Randomisierung, Verblindung, Vergleichsgruppe, Laufzeit, MSM-Formulierung, Menge, Kombination mit weiteren Wirkstoffen, klinische Endpunkte, Effektangaben, unerwünschte Ereignisse und Abbrüche. Das Verzerrungsrisiko wurde für randomisierte Studien mit Cochrane Risk of Bias 2.0 bewertet; für nicht randomisierte Evidenz wurde die Newcastle-Ottawa Scale genutzt. Die zusammenfassende GRADE-Einordnung wurde zusätzlich berichtet.

Eine quantitative Meta-Analyse wurde nicht durchgeführt. Die Studien unterschieden sich zu stark in Erkrankung, Produktform, oraler oder topischer Anwendung, Begleitstoffen, Endpunkten und Studiendauer. Die Auswertung blieb daher narrativ und tabellarisch.

Eingeschlossene Studien

Aus 228 identifizierten PubMed-Treffern und weiteren Datenbanktreffern wurden nach Dublettenentfernung, Screening und Volltextprüfung 7 Studien eingeschlossen. Darunter waren 6 randomisierte kontrollierte Studien und 1 Fallbericht. Die Gesamtzahl der Teilnehmenden betrug 416; die Stichprobengrößen reichten von 1 bis 107.

Die Indikationen waren mild bis moderate Akne vulgaris, erythematös-teleangiektatische Rosazea, Nagelpsoriasis, sichtbare Hautalterung mit Photoaging oder Chronoaging sowie X-chromosomal vererbte Ichthyose. Drei Studien nutzten topische Produkte, vier Studien orale Präparate. In mehreren Studien war MSM nicht allein enthalten, sondern mit anderen Substanzen kombiniert, etwa Silymarin, Hyaluronsäure, L-Carnosin, Kollagen, Vitamin C oder einem proprietären Nutraceutical-Blend.

Für die Hautalterungsstudien wurden MSM-Mengen von 400 mg/Tag bis 3000 mg/Tag berichtet. Bei der Akne-Studie war die Gesamtmenge des proprietären Präparats angegeben, aber nicht die isolierte MSM-Menge. Bei topischen Produkten wurden Häufigkeit und Anwendungsdauer berichtet, die MSM-Menge war jedoch nicht immer klar angegeben. Die Studiendauer lag zwischen 1 Monat und 24 Wochen; die meisten randomisierten Studien dauerten 8 bis 12 Wochen.

Ergebnisse

Bei erythematös-teleangiektatischer Rosazea untersuchte eine randomisierte, doppelblinde, vehikelkontrollierte Studie eine topische Kombination aus MSM und Silymarin. Nach 1 Monat zweimal täglicher Anwendung wurden gegenüber der Vehikelgruppe statistisch signifikante Verbesserungen bei Erythem, Papeln, Juckreiz, Hautfeuchtigkeitsparametern und Stechen berichtet. Für Brennen wurde kein signifikanter Vorteil berichtet.

Bei milder bis moderater nicht-zystischer Akne untersuchte eine randomisierte placebokontrollierte Studie ein orales MSM-haltiges Nutraceutical über 84 Tage. Die Interventionsgruppe zeigte stärkere Abnahmen entzündlicher Läsionen, nicht entzündlicher Läsionen und des Investigator Global Assessment als Placebo. Die berichteten Gruppenunterschiede waren für die primären Endpunkte statistisch signifikant. Da es sich um ein proprietäres Kombinationsprodukt handelte, bleibt der isolierte MSM-Anteil nicht sicher bestimmbar.

Bei Nagelpsoriasis wurde ein MSM-haltiger wasserlöslicher Nagellack über 24 Wochen geprüft. Die Arbeit berichtete gegenüber Placebo höhere klinische Heilungsraten und bessere mNAPSI-50-Ansprechraten. Auch die Produktakzeptanz unterschied sich zugunsten des aktiven Präparats. Dieser Befund betrifft ein topisches Nagelprodukt und lässt sich nicht auf orale MSM-Produkte übertragen.

Die stärkste zusammenfassende Studienbasis betraf sichtbare Hautalterung. Drei randomisierte kontrollierte Studien prüften orale MSM-haltige Präparate bei Erwachsenen mit Zeichen von Photoaging oder Chronoaging. Eine zweiteilige Studie zu oralem MSM berichtete bei 3000 mg/Tag nach 16 Wochen Verbesserungen der Gesichtsfalten und der Hauttextur gegenüber Placebo; in einem weiteren Teil wurden 1000 mg/Tag und 3000 mg/Tag geprüft. Objektive Messungen zeigten unter anderem Verbesserungen der Faltenbreite und Hautfeuchtigkeit. Eine weitere Studie mit 400 mg/Tag MSM in Kombination mit Hyaluronsäure und L-Carnosin berichtete Verbesserungen bei Hydration und Elastizität in mehreren Gesichtsregionen. Eine vierarmige Studie mit Kollagen, MSM und Vitamin C fand Verbesserungen der Dermisdichte, Dermisdicke, Rauigkeit und des Faltenvolumens in den MSM-haltigen Kombinationsarmen. Gerade bei diesen Kombinationsarmen ist kein isolierter MSM-Effekt ableitbar.

Der Fallbericht zur X-chromosomal vererbten Ichthyose beschrieb eine topische MSM-haltige Hautpflegelinie mit Olivamin. Nach mehr als 2 Monaten täglicher Anwendung wurde eine deutliche klinische Besserung beschrieben. Als Einzelfall ohne Kontrollgruppe ist dieser Befund sehr schwach und eignet sich nicht für allgemeine Aussagen.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Der Review berichtet keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse und keine behandlungsbedingten Abbrüche in den eingeschlossenen Studien. Topische Produkte wurden insgesamt als gut verträglich beschrieben. Bei oraler Anwendung wurden einzelne milde und selbstlimitierende Ereignisse berichtet, darunter Juckreiz in der Akne-Studie sowie je ein Fall von Epigastralgie und atypischem vaginalem Juckreiz in einer Hautalterungsstudie.

Diese Sicherheitsinformation ist eng zu lesen. Die eingeschlossenen Studien waren kurz bis mittellang, klein und dermatologisch fokussiert. Sie beantworten keine Langzeitsicherheit, keine Sicherheit bei Kindern, Schwangerschaft oder Stillzeit, keine Interaktionen mit Arzneimitteln und keine Sicherheit beliebiger Handelsprodukte. Auch Produktqualität, Reinheit und reale Mehrstoffformulierungen wurden nicht umfassend geprüft.

Grenzen der Aussagekraft

Die wichtigste Grenze ist die Heterogenität. Die Studien untersuchten unterschiedliche Hautzustände, unterschiedliche Darreichungsformen und unterschiedliche Endpunkte. Orale und topische Produkte wurden im selben Review zusammengeführt, aber ihre Ergebnisse sind nicht austauschbar.

Eine zweite Grenze betrifft Kombinationsprodukte. Mehrere Studien verwendeten MSM zusammen mit anderen aktiven Bestandteilen. Verbesserungen in solchen Studien können nicht automatisch MSM allein zugeschrieben werden. Für MSM als Monostoff ist die Hautalterungsstudie von Muizzuddin und Benjamin der wichtigste direkte Humanhinweis, während viele andere Befunde nur für konkrete Kombinationen gelten.

Die dritte Grenze ist die geringe Anzahl an Studien je Indikation. Für Akne, Rosazea und Nagelpsoriasis lag jeweils nur eine randomisierte Studie vor; für X-chromosomal vererbte Ichthyose nur ein Fallbericht. Die GRADE-Einordnung des Reviews lag für Photoaging, Akne, Rosazea und Nagelpsoriasis im moderaten Bereich, für X-chromosomal vererbte Ichthyose sehr niedrig. Eine Meta-Analyse mit gepoolten Effekten war wegen der Unterschiede zwischen den Studien nicht möglich.

Außerdem ist die dermatologische Evidenz nicht mit allgemeinen Gesundheits- oder Produktclaims gleichzusetzen. Die Arbeit bewertet keine europäische Health-Claim-Zulassung, keinen MSM-Bedarf und keine allgemeine Wirksamkeit bei Gelenken, Sport, Entzündung oder Stoffwechsel.

Was die Studie zeigt

Der systematische Review zeigt, dass es Humanstudien zu MSM-haltigen Produkten in der Dermatologie gibt und dass diese Studien für einzelne Hautendpunkte positive Signale berichten. Am tragfähigsten ist die Datenlage für orale MSM-haltige Präparate bei Photoaging. Für Akne, erythematös-teleangiektatische Rosazea und Nagelpsoriasis liegen jeweils kleinere, indikationsspezifische Signale vor. Für X-chromosomal vererbte Ichthyose ist die Datenbasis sehr schwach.

Der Review zeigt außerdem, dass die eingeschlossenen Studien bis zu 24 Wochen keine schwerwiegenden Sicherheitsprobleme berichteten. Diese Aussage gilt nur innerhalb der untersuchten Produkte, Populationen und Zeiträume.

Was die Studie nicht zeigt

Die Arbeit zeigt nicht, dass MSM Hautkrankheiten behandelt oder ärztliche Therapie ersetzt. Sie liefert keine Diagnose-, Therapie-, Produkt-, Kauf- oder Einnahmeempfehlung. Sie zeigt auch nicht, welche MSM-Menge für einzelne Personen geeignet wäre.

Die Quelle zeigt keinen allgemeinen MSM-Monoeffekt für alle eingeschlossenen Produkte. Bei Kombinationspräparaten bleibt offen, welcher Anteil der beobachteten Effekte auf MSM, andere Inhaltsstoffe oder die Produktformulierung zurückgeht. Sie zeigt auch keine langfristige Sicherheit, keine belastbare Aussage für Kinder, Schwangerschaft oder Stillzeit und keine Übertragbarkeit auf beliebige Handelsprodukte.

Eingeschlossene Einzelstudien

StudieKurzkontext
Ablon (2024)Randomisierte placebokontrollierte Studie zu einem oralen MSM-haltigen Nutraceutical bei milder bis moderater nicht-zystischer Akne.
Berardesca et al. (2008)Randomisierte doppelblinde vehikelkontrollierte Studie zu topischem MSM plus Silymarin bei erythematös-teleangiektatischer Rosazea; DOI: 10.1111/j.1473-2165.2008.00355.x.
Cantoresi et al. (2014)Randomisierte placebokontrollierte Studie zu einem MSM-haltigen wasserlöslichen Nagellack bei Nagelpsoriasis; DOI: 10.2147/CCID.S61659.
Muizzuddin und Benjamin (2022)Randomisierte Studie zu oralem MSM bei Zeichen der Hautalterung; DOI: 10.1024/0300-9831/a000643.
Guaitolini et al. (2019)Randomisierte placebokontrollierte Studie zu Hyaluronsäure, L-Carnosin und MSM bei Gesichtsästhetik und Hautwohlbefinden.
Pogačnik et al. (2023)Doppelblinde placebokontrollierte vierarmige Studie zu Kollagen- und MSM-haltigen Nahrungsergänzungen bei Dermisdichte und Hautparametern; DOI: 10.1016/j.jff.2023.105838.
Fleck (2006)Fallbericht zu einer topischen MSM-haltigen Hautpflegelinie bei X-chromosomal vererbter Ichthyose.

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Quelle: systematischer Review von Abdul-Rahman et al., veröffentlicht 2026 in Dermatologic Therapy.
  • Suchstand: PubMed, Embase, ClinicalTrials.gov, Cochrane Library und Ovid/MEDLINE bis 23. Dezember 2025.
  • Registrierung: PROSPERO CRD420251274679.
  • Datenbasis: 7 Humanstudien mit 416 erwachsenen Teilnehmenden.
  • Studiendesigns: 6 randomisierte kontrollierte Studien und 1 Fallbericht.
  • Indikationen: Akne vulgaris, erythematös-teleangiektatische Rosazea, Nagelpsoriasis, Hautalterung und X-chromosomal vererbte Ichthyose.
  • Formulierungen: 4 Studien mit oralen MSM-haltigen Präparaten und 3 Studien mit topischen MSM-haltigen Produkten.
  • Geprüfte orale MSM-Mengen bei Hautalterung: 400 mg/Tag bis 3000 mg/Tag als Studiendaten.
  • Laufzeiten: 1 Monat bis 24 Wochen.
  • Die stärkste zusammenfassende Datenlage betraf Photoaging.
  • Für Akne, Rosazea und Nagelpsoriasis lag jeweils eine randomisierte Studie vor.
  • Für X-chromosomal vererbte Ichthyose lag nur ein Fallbericht vor.
  • Mehrere Studien nutzten Kombinationsprodukte; daraus lässt sich kein sicherer MSM-Monoeffekt ableiten.
  • Der Review berichtete keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse und keine behandlungsbedingten Abbrüche.
  • Die Quelle liefert keine Therapie-, Diagnose-, Produkt-, Kauf- oder Einnahmeempfehlung.

Quellen

  1. Originalquelle