Brien 2011: Meta-Analyse zu DMSO und MSM bei Knie-Osteoarthritis

Brien et al. veröffentlichten die Meta-Analyse 2011 in Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine. Der verifizierte Datensatz nennt DOI 10.1093/ecam/nep045, PMID 19474240 und PMCID PMC3135791.

Brien et al. (2011) zu DMSO und MSM bei Knie-Osteoarthritis

Kurzprofil

  • Quelle: Brien, S., Prescott, P. & Lewith, G. (2011), Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine.
  • Quellenart: Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien.
  • Untersuchte Gruppe: 326 Personen mit Knie-Osteoarthritis in drei eingeschlossenen Studien.
  • Untersuchte Substanzen: Dimethylsulfoxid, kurz DMSO, und Methylsulfonylmethan, kurz MSM.
  • Zentrale Endpunkte: Schmerz bei Knie-Osteoarthritis, Heterogenität der Studien und Sicherheitsberichte.
  • Originalquelle: https://doi.org/10.1093/ecam/nep045
  • Weitere Quellenlinks: PMID 19474240, PMCID PMC3135791, Volltext https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3135791/

Brien et al. bündelten drei randomisierte kontrollierte Studien zu DMSO oder MSM bei Knie-Osteoarthritis. Die gepoolte Auswertung ergab keinen statistisch signifikanten und keinen klinisch überzeugenden Vorteil gegenüber Kontrollbedingungen. Für MSM ist die Aussage besonders eng zu lesen, weil nur eine der drei eingeschlossenen Studien MSM prüfte; die beiden anderen Studien betrafen DMSO.

Hintergrund und Fragestellung

DMSO und MSM wurden als verwandte schwefelhaltige Stoffe im Kontext von Gelenkbeschwerden diskutiert. Osteoarthritis des Knies ist eine häufige chronische Gelenkerkrankung, bei der Schmerz und eingeschränkte Funktion im Vordergrund stehen. In älteren Einzelstudien wurden DMSO topisch und MSM oral untersucht, doch die Studien waren klein, unterschiedlich aufgebaut und nicht immer leicht vergleichbar.

Die Autorengruppe wollte prüfen, ob randomisierte oder quasi-randomisierte kontrollierte Studien zusammen einen belastbaren Effekt von DMSO oder MSM auf Schmerzen bei Osteoarthritis zeigen. Die Frage war nicht, ob MSM allgemein als Nahrungsergänzung sinnvoll ist, und nicht, ob DMSO und MSM gleichgesetzt werden dürfen. Die Meta-Analyse fasste beide Stoffe methodisch zusammen, muss inhaltlich aber getrennt gelesen werden.

Methodik der Zusammenfassung

Die Literaturrecherche umfasste Cochrane Library, MEDLINE, EMBASE, AMED, CINAHL, SCOPUS und die National Library for Health Complementary and Alternative Medicine Specialist Library. Die Datenbanken wurden für unterschiedliche Zeiträume bis 2008 durchsucht; das letzte Suchupdate erfolgte im Juni 2008. Zusätzlich nutzten die Autoren Zitationssuche und vier Studienregister.

Eingeschlossen werden sollten randomisierte oder quasi-randomisierte kontrollierte Humanstudien zu oralem oder topischem DMSO oder MSM bei Osteoarthritis. Für DMSO wurden Studien mit mehr als 10 % DMSO berücksichtigt, für MSM Studien mit mehr als 1 g/Tag. Die Studien mussten eine Kontrollgruppe, validierte Osteoarthritis-Endpunkte und keine andere Gelenkerkrankung als Hauptkontext haben.

Zwei Autoren extrahierten die Daten unabhängig voneinander. Erfasst wurden Studiendesign, Personenmerkmale, Behandlungsregime, Endpunkte, Ergebnisse und berichtete Befunde. Die methodische Qualität wurde mit der Jadad-Skala bewertet. Für die gepoolte Auswertung wählten die Autoren Schmerz als wichtigsten patientenrelevanten Endpunkt. WOMAC-Schmerzwerte wurden, wenn nötig, auf eine 0- bis 100-Skala umgerechnet, damit sie mit visuellen Analogskalen vergleichbar waren. Die Meta-Analyse nutzte gewichtete mittlere Differenzen und berechnete feste sowie zufällige Effektmodelle.

Eingeschlossene Studien

Von sieben potenziell passenden randomisierten Studien erfüllten drei die Anforderungen für die Meta-Analyse. Alle drei betrafen Knie-Osteoarthritis. Zusammen waren 326 Personen randomisiert; 161 erhielten eine aktive Behandlung, davon 136 DMSO und 25 MSM.

Die drei eingeschlossenen Studien waren:

StudieStoffSetting und VergleichWichtigster Schmerzbefund
Eberhardt et al. (1995)topisches DMSO25 % DMSO-Gel gegen Placebo-Gel über 3 WochenBelastungsschmerz nahm unter DMSO stärker ab als unter Placebo; der Gruppenunterschied lag bei 11,7 mm auf der 0- bis 100-mm-Skala.
Bookman et al. (2004)topisches DMSO als Vergleichsarm45,5 % DMSO-Lösung gegen Placebo-Lösung; Diclofenac-Arm wurde für die DMSO-Analyse nicht als Wirkstoffvergleich genutztDMSO war bei WOMAC-Schmerz nicht besser als Placebo.
Kim et al. (2006)orales MSM3 g/Tag MSM gegen Placebo; in der Meta-Analyse wurden 21 MSM- und 19 Placebo-Personen ausgewertetWOMAC-Schmerz nahm unter MSM stärker ab als unter Placebo; der Unterschied betrug 7,3 Punkte auf einer 0- bis 100-Skala.

Die MSM-Daten stammen damit nur aus der Kim-Studie. Die DMSO-Daten stammen aus zwei separaten topischen Studien. Aussagen zu DMSO dürfen nicht als Aussagen zu MSM gelesen werden.

Ergebnisse

Die gepoolte Meta-Analyse fand für DMSO/MSM gegenüber den Kontrollbedingungen eine mittlere Schmerzdifferenz von 6,34 mm auf einer 0- bis 100-mm-Skala. Im Zufallseffektmodell lag der Standardfehler bei 3,49; das 95-%-Konfidenzintervall reichte von -0,49 bis 13,17 mm. Damit war der gepoolte Effekt nicht statistisch signifikant.

Auch klinisch war der Effekt nach Einordnung der Autoren nicht überzeugend. Für Knie-Osteoarthritis werden in der Diskussion Schwellen für eine spürbare Veränderung genannt, die höher lagen als der gepoolte Unterschied der Meta-Analyse. Die Autorengruppe hob hervor, dass nur die Eberhardt-DMSO-Studie einen deutlich größeren Schmerzrückgang berichtete, während die Bookman-DMSO-Studie keinen Unterschied gegenüber Placebo zeigte.

Für MSM zeigte die einzelne Kim-Studie einen Unterschied zugunsten von MSM. In der Meta-Analyse wurde dieser Befund jedoch nicht als ausreichender Nachweis für eine belastbare klinische Wirkung gewertet. Die Gründe waren die geringe Zahl der Studien, die geringe Zahl der MSM-Teilnehmenden, unterschiedliche Studiendauern, mögliche methodische Probleme und die Heterogenität der Ergebnisse.

Die Heterogenität war statistisch auffällig: Der Chi-Quadrat-Test ergab χ² = 6,28 bei P = 0,043. Das spricht dafür, dass sich die Studienergebnisse stärker unterschieden, als es durch Zufall allein zu erwarten wäre. Die Autoren beschrieben außerdem eine asymmetrische Funnel-Plot-Darstellung, die durch die Bookman-Studie beeinflusst wurde und die Möglichkeit eines Publikationsbias nicht ausschloss.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Die Meta-Analyse war primär auf Schmerz ausgerichtet und lieferte keine robuste Sicherheitsbewertung. In der Eberhardt-DMSO-Studie wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse berichtet; es gab 9 Ereignisse unter DMSO und 12 unter Placebo. Für die Bookman-DMSO-Studie wurde kein signifikanter Unterschied in der Nebenwirkungsberichterstattung zwischen den Gruppen genannt.

Für MSM verweist die Arbeit auf begrenzte formale Sicherheitsdaten und auf überwiegend milde berichtete Beschwerden wie allergische Reaktionen, Magen-Darm-Beschwerden oder Hautausschläge. Diese Angaben ersetzen keine Langzeitsicherheitsbewertung. Die Meta-Analyse klärt nicht, wie sicher MSM bei langfristiger täglicher Einnahme, bei Kindern, in Schwangerschaft oder Stillzeit, bei Vorerkrankungen oder zusammen mit Arzneimitteln ist.

Grenzen der Aussagekraft

Die wichtigste Grenze ist die kleine Datenbasis. Nur drei Studien konnten in die Meta-Analyse eingehen, und nur eine davon prüfte MSM. Für MSM lagen in dieser Auswertung 25 Personen in der aktiven Gruppe vor; in der eigentlichen Metaanalyse-Tabelle wurden 21 MSM- und 19 Placebo-Personen ausgewertet. Das reicht nicht für eine stabile allgemeine Aussage.

Eine zweite Grenze ist die Mischung zweier unterschiedlicher Stoffe. DMSO wurde topisch untersucht, MSM oral. Beide Substanzen sind chemisch verwandt, aber nicht identisch. Die gepoolte DMSO/MSM-Zahl ist daher nur ein Überblick über eine kleine verwandte Studiengruppe und kein sauberer MSM-Monoeffekt.

Eine dritte Grenze betrifft Studiendauer und Dosierung. Die Autoren beschrieben methodische Bedenken zu Behandlungsdauer und Dosis. Nur die Kim-Studie zu MSM hatte nach ihrer Einschätzung eine angemessenere Dauer; die beiden DMSO-Studien waren kürzer. Zudem gab es keine Nachbeobachtung.

Die Arbeit ist außerdem älter. Sie deckt nur Studien ab, die bis Juni 2008 gefunden wurden. Spätere Studien zu MSM bei Kniebeschwerden oder Osteoarthritis sind darin nicht enthalten.

Was die Studie zeigt

Die Meta-Analyse zeigt, dass die bis 2008 verfügbare randomisierte Studienbasis zu DMSO und MSM bei Knie-Osteoarthritis klein war. In der gemeinsamen Auswertung von drei RCTs ergab sich kein statistisch signifikanter Schmerzvorteil gegenüber Kontrollbedingungen.

Sie zeigt außerdem, dass MSM in dieser Meta-Analyse nur durch eine kleine orale Studie vertreten war. Diese Studie berichtete ein Signal zugunsten von MSM, aber die zusammenfassende Arbeit wertete die Daten nicht als robusten klinischen Nachweis.

Was die Studie nicht zeigt

Die Arbeit zeigt nicht, dass MSM Knie-Osteoarthritis behandelt, heilt oder zuverlässig Schmerzen reduziert. Sie zeigt auch nicht, dass DMSO-Ergebnisse auf MSM übertragbar sind. Sie liefert keine Einnahme-, Therapie-, Diagnose-, Produkt- oder Kaufempfehlung.

Die Quelle beantwortet keine Frage nach langfristiger MSM-Sicherheit, nach geeigneten Mengen für einzelne Personen, nach einem MSM-Bedarf oder nach der Qualität von Handelsprodukten. Sie bewertet auch keine später publizierten MSM-Studien.

Eingeschlossene Einzelstudien

Eingeschlossene StudieVerweis
Eberhardt, R., Zwingers, T. & Hofmann, R. (1995). DMSO bei Patienten mit aktivierter Gonarthrose. Eine doppelblinde, plazebokontrollierte Phase III Studie. Fortschritte der Medizin.PMID: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8529985/
Bookman, A. A., Williams, K. S. A. & Shainhouse, J. Z. (2004). Effects of a topical diclofenac solution for relieving symptoms of primary osteoarthritis of the knee: a randomized controlled trial. CMAJ.PMID: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15313991/
Kim, L. S., Axelrod, L. J., Howard, P., Buratovich, N. & Waters, R. F. (2006). Efficacy of methylsulfonylmethane (MSM) in osteoarthritis pain of the knee: a pilot clinical trial. Osteoarthritis and Cartilage.PMID: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16309928/

Kompakte Faktenzusammenfassung

  • Brien et al. veröffentlichten die Meta-Analyse 2011 in Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine.
  • Der PubMed- und PMC-Datensatz nennt PMID 19474240, PMCID PMC3135791 und DOI 10.1093/ecam/nep045.
  • Die Arbeit untersuchte DMSO und MSM bei Knie-Osteoarthritis.
  • Die Suche umfasste mehrere Datenbanken, Zitationssuche und Studienregister; das letzte Suchupdate erfolgte im Juni 2008.
  • Drei randomisierte kontrollierte Studien wurden in die Meta-Analyse eingeschlossen.
  • Zusammen waren 326 Personen mit Knie-Osteoarthritis randomisiert.
  • Zwei eingeschlossene Studien prüften topisches DMSO.
  • Eine eingeschlossene Studie prüfte orales MSM.
  • Die aktive MSM-Gruppe umfasste in der Studienbeschreibung 25 Personen; in der Metaanalyse-Tabelle wurden 21 MSM- und 19 Placebo-Personen ausgewertet.
  • Der gepoolte Schmerzunterschied betrug 6,34 mm auf einer 0- bis 100-mm-Skala.
  • Das 95-%-Konfidenzintervall im Zufallseffektmodell reichte von -0,49 bis 13,17 mm.
  • Der gepoolte Effekt war nicht statistisch signifikant.
  • Die Studienergebnisse waren heterogen; χ² = 6,28 bei P = 0,043.
  • Die Autorengruppe bewertete die Daten nicht als robusten klinischen Nachweis für DMSO oder MSM bei Knie-Osteoarthritis.
  • DMSO- und MSM-Befunde müssen getrennt gelesen werden.
  • Die Meta-Analyse liefert keine Therapie-, Diagnose-, Produkt-, Kauf- oder Einnahmeempfehlung.

Quellen

  1. Originalquelle
  2. PDF
  3. PMC